14. Dezember – die vierzehn

Die vierzehn ist eine Zahl, die mir auf den ersten Blick ein bißchen sperrig erscheint. Ja, seit vierzehn Tagen schreibe ich jetzt Adventskalenderbeiträge – aber kann das alles sein, was die vierzehn bietet? Wohl kaum.

Im Buch „111 Tugenden, 111 Laster“ von Martin Seel ist der vierzehn das Thema „Neugier“ zugeordnet – mit der „Schaulust“ als negativer Seite und dem Wissensdurst (wunderschön beschrieben als „Affäre mit dem Wissen) als positiver Seite. Ja, das trifft es und das motiviert mich für die weitere Suche zu dieser Zahl.

Zu dem Buch über die Tugenden und Laster paßt der Essay vierzehn aus dem ersten Buch von Michel de Montaigne hervorragend – er trägt nämlich den Titel „Ob wir etwas als Wohltat oder Übel empfinden, hängt weitgehend von unserer Einstellung ab.“ Was für die Neugier paßt, trifft auch auf andere Bereiche zu. Montaigne geht sogar so weit, Tod, Armut und Schmerz als Beispiele anzuführen. Ein Gedanke, der durchaus verstörend ist – vor allem, da Montaigne Religionen als Beispiel dafür anführt, daß Menschen bereit sind für ihre Überzegung ihr Leben zu opfern. Ja, plötzlich ist Montaigne hochaktuell ….

Zu diesem düsteren Thema paßt dann wiederum das Kapital vierzehn „War games“ aus dem Buch „Tudors“ von Peter Ackroyd. Nur wenige Jahrzehnte bevor Montaigne seine Essays schrieb, durchlebten England, Frankreich und Spanien eine schwierige – ja geradezu kriegerische Zeit – die ihren Höhepunkt in der Belagerung von Boulogne fand. Die militärischen und diplomatischen Schachzüge der Beteiligten, die wechselnden Bündnisse und Feindschaften sind aus heutiger Sicht erstaunlich – die damals Beteiligten werden sie als extrem schwierig und unberechenbar empfunden haben. Zudem schwächte diese Zeit Englands Staatsfinanzen erheblich, die Zukunft war durch den Frieden zwischen Frankreich und Spanien weiter bedroht. Stephen Gardiner äußerte in diesem Zusammenhang, daß der schlechteste Frieden besser sei als der beste Krieg…..

Auch die Zeit um 1914 war eine unruhige Zeit. Im Rückblick schauen wir oft „nur“ auf das Attentat von Sarajevo. Philipp Blom wirft im Kapitel „1914“ in seinem Buch „Der taumelnde Kontinent“ einen Blick auf einige andere Ereignisse – auf den Mord an Gaston Calmette, die Karriere von Joseph Caillaux, die Marokko-Krise und schließlich den Mord an Jean Jaurès. So kann er die Gefühle der Angst und Unsicherheit, die damals in Frankreich bestanden, verdeutlichen. Ob Angst und Unsicherheit gute Ratgeber sind? Eine Frage, die heute leider hochaktuell ist.

In der Rückschau wissen wir, was aus den Ereignissen im Sommer 1914 geworden ist. Aber es ist einfach, aus der Rückschau zu urteilen und zu sagen „das war ja klar“. Serge Cicotti spricht in seinem Buch „150 psychologische Aha-Experimente“ in diesem Zusammenhang von einem Rückschaufehler oder auch von retrospektiver Verzerrung. Werden wir auch irgendwann sagen „ich habe es ja immer gewußt!“?

Die vierzehn ist aber auch die Zahl zwischen der dreizehn und der fünfzehn und in dieser Funktion bekommt sie doch noch einen sympathischeren Abschluß für diesen Tag: im Buch „The Art Forger“ von Barbara A. Shapiro findet sich nämlich zwischen dem dreizehnten und dem fünfzehnten Kapital ein (fiktiver) Brief von Isabella Stewart Gardner – der Frau, die das gleichnamige Museum in Boston begründet hat, aus dem 1990 bei einem spektakulären Coup dreizehn wertvolle Gemälde gestohlen wurden. Ein spannendes Buch, das ich gerade vor wenigen Tagen gekauft habe und das in mir natürlich die Neugier nach dem Schicksal dieser Bilder weckt. Und damit wären wir dann wieder beim Anfang …..

Ich wünsche Ihnen/Euch einen wundervollen Start in die neue Woche und viele schöne Affären mit dem Wissen!

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