Was tue ich, damit es mir gut geht?

In diesen Zeiten ist es besonders wichtig, das eigene Wohlbefinden zu erhalten oder zumindest wiederherzustellen. In den letzten Jahren habe ich schon einige schwierige Zeiten durchgestanden, aber nicht alle Mittel aus dieser Zeit sind im Moment „verfügbar“. Daher möchte ich hier aufschreiben und sammeln, was ich tue, damit es mir – trotzdem – gut geht und ich ruhig und fröhlich arbeiten aber auch die Freizeit genießen kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Eure Tipps mit mir teilt – ich ergänze die gerne hier!

Lange einsame Spaziergänge
Gerade an diesen schönen sonnigen Frühlingstagen genieße ich lange (einsame) Spaziergänge sehr. Gestern und heute war ich am Vormittag etwas länger unterwegs. Ich habe mich an der Natur, der Ruhe und der frischen Luft erfreut und hatte dann wieder die für meine Arbeit notwendige Zuversicht. Und im „schlimmsten Fall“ könnte ich immer noch den Weg zum Einkaufen zu Fuß gehen – das ist landschaftlich zwar weniger schön, erfüllt aber trotzdem den Zweck!

Freundlich lächeln und grüßen
Wenn mir auf meinen Wegen Menschen begegnen, dann lächle ich sie (fast immer) freundlich an und grüße sie. Ich bleibe nicht stehen, ich unterhalte mich nicht – aber es gibt diesen kleinen Moment der Verbundenheit durch das Lächeln und die Begrüßung. Die meisten grüßen dann auch – und wer es nicht tut, hat vielleicht gerade ein Lächeln und einen freundlichen Gruß besonders nötig.

Gutes kochen und backen
Im Alltag geht es manchmal ein bißchen unter und dann mache ich oft auch eher schnelle Gerichte (so etwas wie Milchreis, Grieß oder Bandnudeln mit Zucchini und Pilzen), aber im Moment nehme ich mir relativ viel Zeit, um zu kochen und zu genießen. Gestern zum Beispiel Tomaten-Bärlauchsalat (ich habe zwei große Bärlauchecken im Garten) und Bärlauch-Gurkensuppe, heute Erdbeerpfannkuchen. Für die nächsten Tage habe ich für einige Gerichte schon die Zutaten im Haus – ich werde dann spontan entscheiden, was gekocht wird …… Kochen und das Ausprobieren von neuen Rezepten (am Wochenende war es ein Quarkgugelhupf) lenken mich jedenfalls gut von trüben Gedanken ab.

Neugier kultivieren
Ich bin grundsätzlich (fast immer) neugierig – vor allem in bezug auf Themen. Das ist manchmal anstrengend, da ich zuviele unterschiedliche Themen und Gedanken „gleichzeitig“ verfolge (oder es zumindest versuche), andererseits entstehen daraus oft gute Ideen und neue Herangehensweisen oder (zum Beispiel für meine Workshops) Aufgaben. Gerade jetzt ist meine Neugier hilfreich. Ich beschäftige mich mit vielen Themen, die auf den ersten Blick wenig oder gar nichts mit quälenden Gedanken oder Sorgen zu tun haben. Ich kann mich so stark in diese Themen vertiefen, daß ich über Probleme nicht ständig nachdenke. Das macht den Kopf dann wieder frei, um neue Gedanken zu entwickeln, die vielleicht helfen können. Im Moment habe ich zum Beispiel ein paar (kostenfreie) Kurse bei Future Learn belegt und mich bei den Edunauten – einem Unkurs zum Thema Online-Lernen – angemeldet. Weitere Aktivitäten werden sicher folgen ……

Gute Bücher lesen
Meine Sammlung noch nicht gelesener Bücher ist sehr sehr groß. Das ist ein Vorteil (und manchmal – wenn ich mich nicht so richtig entscheiden kann und dann viele Bücher auf einmal lese und mit keinem „fertig“ werde, auch ein kleiner Nachteil). Ich finde für jede Stimmung ein Buch, das irgendwie paßt und das ist gut so, denn gute Bücher entführen mich thematisch in eine andere Welt – in eine Welt der Möglichkeiten und Ideen, in eine Welt der Erinnerungen oder auch in eine Welt der Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft. Es liegt an mir, welchem Buch ich zu welchem Zeitpunkt meine Zeit schenke.

Gedanken und Gefühle von der Seele schreiben
Ich habe sehr lange jeden Tag handschriftlich drei Seiten geschrieben und mache das jetzt auch wieder. Es war (und ist) eine gute Gelegenheit, mir die Gedanken und Gefühle von der Seele zu schreiben. Papier ist geduldig und manchmal wurde aus einem Jammern über zweieinhalb Seiten plötzlich das Aufglimmen von Zuversicht und der Kern einer Idee. Gleichzeitig schwierig und wichtig ist es, tatsächlich drei Seiten voll zu schreiben – notfalls zum Beispiel mit „Ich weiß echt nicht, was ich schreiben soll. Das ist so blödsinnig……“. Nach solchen Sätzen (manchmal mehrere dieser Art) kam ich tatsächlich immer zu völlig anderen – manchmal sehr überraschenden – Themen. Ich habe alle Seiten in zwei dicken Ordnern abgeheftet, damit ich sie irgendwann mal durchblättern kann. Für die Zeit 2017 habe ich das vor kurzem gemacht und ich war positiv überrascht, wie sehr mir dieses tägliche Schreiben der drei Seiten geholfen hat, meine Ruhe, meine Freude und meine Zuversicht zu bewahren.

Tägliche Rituale
Es sind kleine Rituale – wie zum Beispiel der tägliche Tee, das Öffnen der Fenster zum Lüften, das Bettenmachen, die halbwegs geregelte Zeit zum Schlafengehen, das Ansehen der Nachrichten zu einem bestimmten Zeitpunkt – die kleine feste Punkte in meinem Alltag sind. Sie bewahren mir das Gefühl von Normalität trotz aller Änderungen.

Gefühl des Wohlwollens
Gelegentlich bin ich über andere Menschen genervt – dann hilft es mir, ihnen mit einem Gefühl des Wohlwollens zu begegnen, also mir bewußt zu machen, daß die allermeisten Menschen nichts Böses im Schilde führen und das aus ihrer Sicht Richtige und Gute tun wollen. Das macht es mir leichter geduldig und freundlich zu bleiben. Ich kann die Angst und Überforderung anderer Menschen dann wahrnehmen ohne verärgert oder genervt zu reagieren. Dieses Gefühl des Wohlwollens gilt gerade auch für Menschen, die in diesen Zeiten Entscheidungen treffen müssen.

Und Ihr?
Und nun seid Ihr dran. Was macht Ihr, damit es Euch gut geht? Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Tipps mit mir teilt – damit es uns allen gut geht!

In Zeiten von Corona…..

Es ist eine merkwüdige Zeit. Ende Dezember war ich im LWL Museum für Archäologie in Herne in der Pest-Ausstellung . Eine spannende Ausstellung. Ich hätte nicht gedacht, daß wir nur kurze Zeit später auch hier in Europa eine Pandemie erleben würden. Es ist daher an der Zeit, ein paar Zeilen zu diesem Thema zu schreiben.

Die persönliche Ebene
Wer über einen längeren Zeitraum meine Tweets und/oder Blogbeiträge gelesen hat weiß, daß ich praktisch keine privaten Kontakte mehr zu Menschen habe. Das sind eben die persönlichen Spuren der letzten beiden Jahre. Ich bin tatsächlich nur für mich selbst verantwortlich, andere Menschen gibt es in meinem privaten Umfeld nicht. Insofern fällt mir der Gedanke des „Social Distancing“ sehr leicht. Da ist ja nichts, was ich ändern muß. Mit Anfang 50 ohne (bekannte) Vorerkrankungen ist mein persönliches Risiko eines schweren Verlaufs vermutlich eher gering. Aber natürlich gibt es dafür keine Garantie. Der Gedanke an den Tod bereitet mir jedoch keine Angst. Wenn es denn „jetzt“ sein soll, dann ist das halt so. Was ich für mich persönlich allerdings nicht in Ordnung fände – wenn ich das Risiko für Euch und Eure Angehörigen und Freunde erhöhe. Es ist eben auch meine Verantwortung mit dazu beizutragen, daß es Euch und Euren Angehörigen und Freunden „gut“ geht. Ich habe daher keine weiteren Theaterkarten gebucht, keine Ausstellungen besucht und auch die Nutzung des ÖPNV auf notwendige Wege beschränkt. Mit diesem Verzicht versuche ich dazu beizutragen, die Ausbreitung zu verlangsamen („flatten the curve“). Ja, für mich ist das ein Verzicht, denn Theaterbesuche waren in den letzten beiden Jahren mein größtes Vergnügen. Gleichzeitig bin ich dankbar, daß ich so viele schöne Aufführungen und Veranstaltungen erlebt habe und ich freue mich darauf, das auch irgendwann wieder machen zu können. Es ist meine Entscheidung und es ist für mich so vollkommen in Ordnung. Ich werde jetzt also endlich mal richtig aufräumen (wer es glaubt ….) und die vielen ungelesenen Bücher lesen (schon eher……).

Die gesellschaftliche Ebene
Ich habe die Diskussionen, Tweets, Beiträge etc. rund um das Thema Coronavirus sehr intensiv verfolgt. Nicht aus Panik, nicht einmal wirklich aus Angst, eher aus großem Interesse. Manche Äußerungen haben mich irritiert und geärgert (oft, weil es stark vereinfachende Äußerungen waren), manche Informationen waren schwer verständlich, manche Beiträge fand ich sehr hilfreich. Es ist tatsächlich unheimlich schwierig, das richtige Maß zwischen notwendiger Vorsicht und maßloser Übertreibung zum jeweils richtigen Zeitpunkt zu finden. Daher bin ich für die vielen Quellen dankbar, die die notwendigen Informationen in einer für mich verständlichen Form aufbereiten. Beispielhaft möchte ich hier die Beiträge von Spektrum (danke an @fischblog) und die mittlerweile auch als Transkript verfügbaren Gespräche des NDR mit Christian Drosten erwähnen. Es ist gut und hilfreich, daß Menschen sich die Zeit nehmen, ihr Wissen mit anderen Menschen zu teilen.

Was ich tatsächlich schwierig finde ist der unterschiedliche Umgang mit und das unterschiedliche Verständnis von „Verantwortung“. Ich habe mich an die Definition von Schmid erinnert, die mir im Rahmen der Mediationsausbildung begegnet ist. Verantwortung bedeutet danach Antworten zu geben und zwar auf der Ebene der Person als „antworten wollen“ auf der Basis der eigenen Werte und „antworten können“ auf der Basis der Qualifikation, auf der Ebene der Organisation als „antworten dürfen“ (Ausstattung – zum Beispiel mit Befugnissen) und „antworten müssen“ als Kriterium der Zuständigkeit. Gerade auf der gesellschaftlichen Ebene sind die Kriterien Zuständigkeit und Befugnisse hoch interessant. Möglicherweise entdecken wir jetzt Lücken und Unklarheiten in unserer Gesetzgebung. Das sind Themen, die uns aus rechtlicher Sicht „danach“ sicherlich noch lange beschäftigen werden. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und Befugnisse machen manches schwierig und zeitaufwändig. Das empfinde ich aus der Beobachungsperspektive schon manchmal als „nervig“. Andererseits ist es wahrscheinlich leicht, etwas zu fordern oder vorzuschlagen, wenn man selbst nicht die Verantwortung für die Entscheidung trägt. Ich bin daher für die vielen Menschen dankbar, die sich im Moment mit diesen Themen auseinandersetzen und sich bemühen, gute Entscheidungen zu treffen.

Das bringt mich zum Thema „Wohlwollen“. Ich war gestern positiv überrascht als ich ein paar Minuten bei Phoenix im Livestream die Regierungsbefragung von Herrn Spahn im Bundestag verfolgte. Die Arbeit von Herrn Spahn und vom RKI wurde mehrfach positiv erwähnt. Ich finde das richtig und wichtig. Es gibt zig Themen, bei denen ich mit den Ansichten von Herrn Spahn überhaupt nicht übereinstimme und über diese Themen (zum Beispiel Ausstattung von Krankenhäusern/Pflegeheimen, Umgang mit dem Thema Sterbehilfe) sollte man auch „streiten“, aber ich sehe auch, daß Herr Spahn sich wirklich sehr bemüht, im Rahmen seiner Befugnisse und Zuständigkeiten gute Arbeit zu leisten. Das ist in der aktuellen Situation schwierig genug. Ob das, was in Zusammenarbeit mit den Länderbehörden und lokalen Gesundheitsbehörden gemacht und entschieden wird, ausreicht, werden wir erst „hinterher“ wissen.

In dem Zusammenhang finde ich den Umgang mit der Zahl 1000 spannend. Jede Zahl für Treffen oder Veranstaltungen erscheint mir nach dem, was ich bisher gelesen habe, willkürlich. Es ist eher eine Frage der Wahrscheinlichkeit und natürlich auch des Glücks (oder Unglücks), ob beziehungsweise wieviele am Virus erkrankte Menschen teilnehmen. Das Schwierige ist ja, daß viele Menschen das Virus in sich tragen können ohne es zu wissen/zu merken. Das kann bei 900 Menschen genauso problematisch sein wie bei 1000. Letztlich hängt es damit zusammen, wie eng man mit anderen Menschen „zusammenkommt“ – gerade in kleineren Theatern empfinde ich das zum Beispiel oft eher als Problem als in größeren Häusern. Eine Begrenzung auf „nur“ 999 Besucher/Zuschauer, die abgezählt werden, mag zwar zahlenmäßig richtig sein, den Aspekt der Verantwortung beantwortet sie für mich nicht. Deshalb bin ich auch dankbar, daß zum Beispiel die Stadt Düsseldorf alle Aufführungen in den städtischen Theatern abgesagt hat, obwohl im Schauspielhaus im großen Haus zum Beispiel nur 720 Plätze sind (Meldung auf der Startseite des Schauspielhauses Düsseldorf). Das ist für mich ein gutes Zeichen, daß Verantwortung wahrgenommen und gelebt wird. Bei vielen anderen Veranstaltern und Häusern lese ich das auch. Gleichzeitig ist mir auch bewußt, daß dies bei vielen Veranstaltern und Häusern (gerade auch bei den kleineren und rein privat „organisierten“) zu großen Einnahmeausfällen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen wird. Aber dazu später.

Mein besonderer Dank gilt in dieser Situation allen, die trotz eigener persönlicher Gefährdung, tagtäglich – ohne Möglichkeit des Rückzugs in ein Homeoffice – ihre Arbeit vollbringen. Allen voran natürlich die Menschen im (ohnehin schon überlasteten) medizinischen Bereich, aber auch alle die sich zum Beispiel um unsere Versorgung (zum Beispiel mit Lebensmitteln) und um unseren Schutz (Feuerwehr, Polizei) kümmern, die unser „normales“ Leben so weit wie möglich aufrecht erhalten!

Die wirtschaftliche Ebene
Einerseits führt jedes Zögern bei notwendigen Einschränkungen zu mehr Kranken (und damit auch mehr Toten), andererseits hat jede einschränkende Maßnahme auch gravierende wirtschaftliche Folgen. Ich selber kann noch nicht absehen, ob beziehungsweise in welchem Ausmaß mich diese Situation treffen wird. Nach den letzten persönlich schwierigen Jahren sind meine Reserven sehr gering. Andererseits ist es bei mir in dem Bereich bisher immer irgendwie „gut“ gegangen. Ich hoffe, daß es „irgendwie“ auch diesmal so sein wird.
Zu den wirtschaftlichen Folgen bei Unternehmen gab es schon Vorschläge. Was aus meiner Sicht bisher komplett unter den Tisch fällt ist der Umgang mit mit den vielen Selbständigen, bei denen Aufträge wegfallen (zum Beispiel wegen Ausfall von Workshops/Trainings, Konferenzen) und dem ganzen Kunst- und Kulturbereich und den dort eben nicht abgesicherten Kreativen/Künstlern. Es ist wichtig, daß wir als Gesellschaft hier Lösungen entwickeln, die uns allen ein gutes Überleben in dieser schwierigen Situation erlauben. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Lösungen tatsächlich aus der Politik kommen werden. Dort wird meines Erachtens der Fokus gerade sehr stark auf die größeren Unternehmen gelegt. Das bringt mich zum nächsten Punkt – nämlich zu der Frage, was es an Ideen und Entwicklungen gibt, die wir trotz aller Einschränkungen, anstoßen oder gar umsetzen können.

Die „kreative“ Ebene
Gerade in den letzten Tagen habe ich den Start einiger Aktionen/Maßnahmen gesehen, die sich mit den Problemen und Beschränkungen, mit dem Verlust der Kontakte durch Social Distancing und den Folgeproblemen beschäftigen. Beispielhaft für die Organisation des Alltags (Einkaufen, Gespräche etc) sind bei Twitter Tweets mit den Hashtags #Coronahilfe und #NachbarschaftsChallenge. Jede/-r kann dort anbieten, was er/sie leisten könnte oder was er/sie braucht. Das ist gelebte Gemeinschaft und Solidarität in Zeiten des phyischen Kontaktverzichts. Danke an @Natascha_Strobl, die frühzeitig dieses Thema angeregt hat und die jetzt (weil ihr Kind zu einer Risikogruppe gehört) sich selber in „freiwilliger Quarantäne“ befindet, um das Leben ihres Kindes zu schützen.

Gleichzeitig erlebe ich, daß einige Organisationen Veranstaltungen oder Wissen, kostenfrei zur Verfügung stellen. So bietet die Plattform Future Learn zum Beispiel einen kostenfreien Onlinekurs in englischer Sprache zum Thema „Covid-19“ an, der am 23.03.2020 startet. Und morgen Abend kann man die Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle kostenlos in der Digital Concert Hall erleben.
An anderen Orten werden Tipps zu Livevideoformaten und Onlinelearning gesammelt – gerade auch gut für diejenigen, die zumindest einen Teil der Veranstaltungen/Workshops in die digitale Welt „übertragen“ können. Veranstaltungen der ausgefallenen Leipziger Buchmesse und auch anderer Konferenzen werden zum Teil als Videos aus dem Home-Office gestreamt.

Technisch ist heute viel möglich. Was mir fehlt? Der Überblick über die „Orte“ und „Zeiten“, wo solche Veranstaltungen stattfinden. Es sind immer einzelne Tweets, in denen ich Hinweise auf solche Veranstaltungen finde. Was mir auch fehlt, die Möglichkeit, kleinere Veranstalter/Einzelne mit kleinen Beträgen zu unterstützen. Ein gedankliches Beispiel: wenn jemand etwas für mich Wertvolles kostenlos im Netz zur Verfügung stellt und ich es mir finanziell leisten kann, dann bin ich gerne bereit, einen Beitrag zu leisten. Aus diesem Grund bin ich zum Beispiel bei „taz zahl ich“ mit dem Mindestbetrag dabei – eben weil ich es gut finde, daß ich mit meinem kleinen Beitrag anderen Menschen die Möglichkeit geben kann, Artikel weiterhin kostenfrei auf der Webseite zu lesen. Könnte man das nicht auch ähnlich für den Kulturbereich machen? Im Sinne von „jeder Euro zählt“?

Die spannende Frage für mich ist daher: welche neuen Angebots- und Bezahlmodelle für Kultur, Kunst, Wissen und/oder Dienstleistungen können wir entwickeln? Wie können wir dank der technischen Möglichkeiten aus der Krise heraus neue Modelle und Ideen entwickeln? Wie können wir aus einem Moment des „Shutdowns“ und des (vermeintlichen) „Stillstands“ eine kreative also ideenschaffende virtuelle Umgebung schaffen, in der wir neue Kontakte schließen und Neues angstlos ausprobieren? Ja, wir können auch da Fehler machen und scheitern. Das ist mir oft genug passiert. Aber lieber versuchen und scheitern als komplette Untätigkeit!

Ihr habt Ideen? Ihr kennt Initiativen? Ich freue mich über das, was wir in dieser schwierigen Zeit gemeinsam anregen und bewegen können!

Kulturliste 2020

18.01.2020: Spiegel im Spiegel – Melanchthonkirche in Düsseldorf ***
Sehr liebevoll gestaltete Veranstaltung mit Texten, Bildern und Musik in der Düsseldorfer Melanchthonkirche, die ich im Düsseldorfer Veranstaltungskalender für Januar entdeckt habe. Die drei Akteure haben schöne Texte – der Tempel der 1000 Spiegel, Gedichte von Jandl, Hesse und Fried, einer Nacherzählung von Ovids Narziß und Echo und Schnweewittchen – vorgetragen beziehungsweise vorgelesen (sehr gute Rezitation!). Zwischen den Texten gab es thematisch passende Musik – einen Spiegelkanon von Bach, ein Menuett mit Spiegelelementen von Haydn, etwas zum Thema „Echo“. Beim Spiegelkanon und beim Menuett wurde sogar „gezeigt“, ob gerade vorwärts oder rückwärts gespielt wird – sehr faszinierend. Unterlegt waren Text und Musik durch schöne Bilder und Fotos, die auf einer großen Wand gezeigt wurden. Übrigens wurde allen Besuchern auch ein kleiner Handspiegel geschenkt – im Deckel dieses Handspiegels steht in Spiegelschrift „Lieblingsmensch“. Sehr viele schöne Details, die mich noch stark über das Thema „Spiegel“ nachdenken lassen.

15.01.2020: Bettina von Arnim: Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch – Goethe-Museum Düsseldorf ***
Zufällig habe ich durch einen Tweet des Goethe-Museums von dieser Veranstaltung erfahren und bin hingegangen. Ich wußte vorher, daß Bettina von Arnim mit Goethe in Verbindung stand als sie jung war, daß sie die Schwester von Clemens Brentano und Ehefrau von Achim von Arnim war, die ich mit „Des Knaben Wunderhorn“ in Verbindung brachte und daß sie selber auch Bücher geschrieben hat („Die Günderode“ steht ungelesen im Regal …..). Der Abend brachte eine ganz andere „Bettina von Arnim“ zum Vorschein. Eine Frau, die jenseits der 50 ist, sich verliebt, diese Liebe in einer für die damalige Zeit undenkbaren Art sogar zugibt und den Menschen in den sie verliebt ist anderen Menschen (unter anderem den Gebrüdern Grimm) vorstellt, die ihr wichtig sind. Es war ein Abend, der sie als Netzwerkerin und als positive Beeinflusserin zeigte. Es war vor allem ein Abend, der mit einem glänzenden Vortrag von Prof. Dr. Wolfang Bunzel wirklich Lust machte, das Buch irgendwann zu kaufen und zu lesen. Schön, daß er diese Briefe entdeckt und in einem Buch herausgegeben hat.

12.01.2020: Land des Lächelns – Essen ***
Wunderbare Aufführung der Operette „Land des Lächelns“, die auf dem Libretto von Viktor Léon „Die gelbe Jacke“ beruht und erst nach einer Bearbeitung wirklich erfolgreich wurde. Sehr gut fand ich die Einbettung der Geschichte von Lisa und Sou-Chong in das aufziehende dritte Reich, was zum Entstehungszeitpunkt der Operette (1929 als Land des Lächelns in Berlin uraufgeführt). Der Rahmen ist im Grunde genommen eine Theater- oder Revuevorstellung im Berlin der späten 20er Jahre, auf der Bühne findet dann die Geschichte von Lisa und Sou-Chong statt. Mir hat die Aufführung sehr gut gefallen!

08.01.2020: Der Stumme Diener – Essen **
Stücke von Harold Pinter sind ja immer ein bißchen „merkwürdig“. Das gilt auch für dieses Stück. Vielleicht hätte ich den Text vorher lesen sollen, so fehlte mir manchmal ein bißchen das Verständnis, was tatsächlich zum ursprünglichen Stück gehört und was Inszenierung ist. Die Lektüre werde ich bestimmt irgendwann nachholen …..

04.01.2020: Konzert in der St.-Remigius-Kirche in Bonn ** und Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle ***
Dazu habe ich hier etwas geschrieben – den Besuch der Ausstellung kann ich nur empfehlen.

02.01.2020: Else Lasker Schüler-Ausstellung** und Oskar Schlemmer-Ausstellung in Wuppertal **
Ausstellungen in Wuppertal verpasse ich oft, da ich immer meine, es sei ja noch so viel Zeit da ….. Diesen Fehler wollte ich bei den beiden Ausstellungen nicht machen (sie laufen ja nur noch bis Mitte Februar), also war ich direkt Anfang Januar dort.
Else Lasker Schüler ist natürlich eine sehr bedeutende Wuppertalerin – sie wurde in Elberfeld geboren und hat hier auch ihre Jugend verbracht. Mir ist sie allerdings fremd geblieben – auch in der Ausstellung. Vielleicht liegt es daran, daß ihr Leben so unwahrscheinlich bunt war. Trotzdem war es für mich ein guter Ausstellungsbesuch. Ich habe viel über diese für mich so fremde Künstlerin gelernt, über ihr Leben, ihre Kontakte und ihr (auch wirklich buntes) Werk.
Die Schlemmer-Ausstellung habe ich direkt danach besucht. Sehr interessant fand ich die Verbindung zu Dr. Kurt Herberts, der in Wuppertal ein Unternehmen (Lacke und Farben) hatte. Dr. Herberts konnte auch während der NS-Zeit – obwohl er nicht in der Partei war – verfemte Künstler einstellen. So kam Oskar Schlemmer nach Wuppertal. Das Lackballett war mir Anfang 2019 schon begegnet – es gab eine Vorstellung in Düsseldorf, das Lacklabor und das Lackkabinett (eine Art zusammensetzbares „Museum“) kannte ich noch nicht und fand ich sehr spannend.

01.01.2020: Neujahrskonzert in Düsseldorf-Urdenbach ***
Dazu hatte ich hier schon etwas geschrieben – ein schönes Konzert in einer schönen Kirche.

Kulturliste 2019

Lebensfreude bedeutet für mich nicht nur Lesen sondern auch das Besuchen von Theateraufführungen, Konzerten, Museen und Ausstellungen. Leider komme ich nicht immer dazu, über die einzelnen „Ereignisse“ etwas zu schreiben und Twitter nutze ich dafür nur noch selten, daher werde ich hier jetzt zusammenfassen, was ich 2019 so gemacht habe…..
Ähnlich wie bei meiner Leseliste gilt hier auch folgende Bewertung:
Bewertung
*** sehr gut
** gut
* in Ordnung
kein Stern kein Kommentar

28.12.2019: Pest – Eine Spurensuche – Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne ***
Eine sehr interessante Ausstellung über die ich unbedingt etwas ausführlicher schreiben sollte. Der Besuch ist wirklich empfehlenswert!

26.12.2019: Der Nußknacker – Ballett im Aalto-Theater in Essen ***
Ein wunderschönes Weihnachtserlebnis!!

23.12.2019: Hänsel und Gretel – Aalto-Theater in Essen ***
Meine persönliche und sehr schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit (und daß, obwohl ich gar kein Opernfan bin ……).

22.12.2019: Weihnachtsoratorium in Essen-Werden mit dem Philharmonischen Chor ***
Sehr schwungvolle und liebevolle Aufführung des Weihnachtsoratoriums. Es hat sich gelohnt, dafür den Weg im strömenden Regen auf sich zu nehmen (ich habe mir den Nachmittag allerdings auch mit einem Stück Himbeertorte in einem Café in Werden versüßt).

Mit Marmotte auf den Spuren von Louis

Heute war ich in Bonn – ein Tag Beethoven. Erst ein Orgelkonzert in der St. Remigius-Kirche (an Beethovens Taufstein) unter anderem mit einem Werk von Beethoven selbst und von seinem Lehrer Haydn. Danach die Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle. Man kann sich also denken, wer „Louis“ ist. Aber Marmotte?

Meine erste Begegnung mit Marmotte
Wenn man die Ausstellung betritt, sieht man links eine Darstellung der Kategorien der Ausstellung – Beethoven als Bürger, als Musiker und das Geschehen in der Welt an sich zur gleichen Zeit. Direkt vor einem ist eine große Zeitachse, die zunächst die Zeit in Bonn umfaßt. Im selben Jahr als Beethoven in Bonn zur Welt kam brach zum Beispiel James Cook zu seiner Reise nach Australien auf. Ich fand das spannend.
Auf der rechten Seite befindet sich Kleidung der Zeit (ein englisches Kleid und ein französischer Anzug mit „Culottes“). Und dann erspähte ich „Marmotte“. Die Zeichnung eines Murmeltiers mit dem (für Kinder bestimmten Text), daß das Murmeltiers „Marmotte“ heißt und ein guter Freund von Beethoven war. Meine Neugier war geweckt. Glücklicherweise enthielt der Audioguide sowohl die Erwachsenen- als auch die Kinderversion…..

Wußtet Ihr, daß Goethe ein Gedicht über Marmotte (das französische Wort für ein Murmeltier) geschrieben hat? Und daß Beethoven dieses Gedicht vertont hat? Hintergrund war laut Audioguide wohl, daß arme Kinder früher Murmeltiere dressiert haben, um mit den Vorführungen ein bißchen Geld sammeln zu können. Das Lied wurde auch gesungen, ich kannte es nicht.

Marmotte erzählt….
In der Audioguidefassung für Kinder ist Marmotte ein fürchterlich müdes Murmeltier, das Beethoven (den es fast immer „Louis“ nennt) natürlich persönlich kennt und einem Kind Fragen beantwortet. Die Stationen an denen Marmotte etwas erzählt sind mit einem Murmeltier mit Zahl gekennzeichnet. Zusätzlich stellt Marmotte an manchen Stationen „Quizfragen“ oder auch einfach Fragen zum Nachdenken. Wirklich schön gemacht. So schön, daß ich im ersten richtigen Raum der Ausstellung erst einmal stehen blieb und mir – mit einem verzückten Lächeln – alle 18 Stationen anhörte. Der für den Raum zuständige Mitarbeiter beäugte und umrundete mich skeptisch – ich stand ja einfach im Raum, ging nicht weiter und lächelte vor mich hin….
Also mein erster Tipp – unbedingt auch Marmotte folgen (wobei ich es einfacher fand erst alles von Marmotte zu hören und dann nach und nach die Stationen für die Erwachsenen abzulaufen).
Schön waren Fragen wie zum Beispiel beim Papiertheater „was würdest Du hier spielen“?
Sehr schön war auch, daß einige Stücke von Beethoven sehr schön einbezogen waren – so zum Beispiel die Musik der 6. Symphonie zum Bild „Elfenreigen“. Diese Art der Einbeziehung der Musik hat mich auch bewegt, die Hörstationen zu nutzen.

Zu sehen und zu hören…
Es war eine gute Mischung aus Bildern mit Bezug zu Beethoven und seiner Zeit, Informationen zur Entstehung der wichtigsten Werke und Hörstationen mit diesen Werken. Nachteil bei den Hörstationen: die Stücke (immer zwei oder drei, die man per Knopfdruck auswählt) sind zum Teil relativ lang und man kann sie zwischendurch nicht unterbrechen, außerdem gibt es immer nur fünf Plätze. Das war heute nur im letzten Raum ein Problem, bei mehr Besuchern wird es vermutlich schwierig….

Für mich waren es schöne musikalische Entdeckungen. Mich hat sowohl der Ausschnitt aus dem Ballett Prometheus als auch die Musik zu Goethes Egmont begeistert – beides kannte ich (wie so viele Werke von Beethoven und anderen Komponisten) nicht. Schön waren auch die vielen kleinen Anekdoten, die im Audioguide erwähnt wurden (daß Beethoven zum Beispiel lieber die Musik für ein Stück von Schiller komponiert hätte, man ihn aber mit Goethes Egmont beauftragte ….).

…. anzufassen….
Die meisten Exponate darf man natürlich nicht anfassen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen – zum Beispiel die Kopie der Totenmaske, ein Modell einer Klaviertaste und dann gab es auch noch Beethovens Leibgericht auf einem Abreißblock. Es war schon etwas merkwürdig, die Maske anzufassen….

… und zeitlich einzuordnen
Ich habe mir bisher nur selten über die politischen Geschehnisse während der Lebenszeit eines Komponisten Gedanken gemacht. Ja, mein Fehler. Die Ausstellung hat das aber auf sympathische Weise einbezogen. Angefangen bei der Tatsache, daß Beethoven aufgrund der französischen Besetzung des Rheinlandes nicht vom Studium in Wien zurückkehren konnte, über die Tatsache, daß er Napoleon zunächst als positiv empfand (Napoleon sozusagen als „Prometheus“) bis zum Wiener Kongress, den er mit Musik bereicherte. Spannend wie sich die Lebenslinien wichtiger Menschen hier plötzlich überschneiden, denn ich mußte sofort an die Humboldt-Ausstellung in Berlin und Wilhelm Humboldts Tätigkeit beim Wiener Kongress denken.

Und sonst so….
Schön waren auch die „Fun Facts“ – die Tatsache, daß er nur schlecht rechnen konnte, seinen Kaffee immer mit genau 60 Kaffeebohnen gemacht haben wollte und sein Leiden unter seiner zunehmenden Taubheit, die damals nicht angemessen behandelt werden konnte. Auch Beispiele wie Normalhörende seine Musik hören und wie er sie wohl gehört haben muß (also wie wenig) fand ich sehr eindrucksvoll.
Insgesamt habe ich vier Stunden in der Ausstellung verbracht – ziemlich viel Zeit, obwohl es gar nicht voll war. Nur im letzten Teil waren die Hörstationen so belagert, daß ich verzichtet habe.
Insofern: Wer Musik mag und sich für Beethoven interessiert sollte diese liebevoll und gut gemachte Ausstellung nicht verpassen.

Winterzeit – Museumszeit – 04.01.2020

Heute schrieb jemand auf Twitter, daß Regenzeit für ihn Lesezeit sei. Ja. Aber auch nein. Es gibt eigentlich keine Jahreszeit oder Wetterlage, die für mich nicht Lesezeit ist. Oft ist die Frage eher, ob ich genug innere Ruhe habe, um zu lesen. Die Jahre 2017 und 2018 waren da schwierig. Was aber immer stimmt: Die Winterzeit ist für mich sehr stark eine Museumszeit. Gerade in den etwas ruhigeren Tagen nach den Feiertagen schlage ich gerne zu: letzten Samstag war ich in Herne in der Pest-Ausstellung (sehr interessant), am Donnerstag aufgrund der abendlichen Öffnungszeiten im Wuppertaler Von Der Heydt Museum in der Ausstellung zu Else Lasker Schüler und dann noch in der Ausstellung zu Oskar Schlemmer (beide auch interessant) und heute das Highlight dieses Winters – die Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn (sehr sehenswert, dazu schreibe ich separat noch etwas!).

Was mir heute (im mittäglichen Orgelkonzert in der Bonner St. Remigius-Kirche auch auffiel – es gibt keine Menschen, die mich und das was ich mag/nicht mag wirklich kennen. Selbst Menschen, die mich „eigentlich“ seit vielen Jahren „kennen“, lagen im letzten Jahr ziemlich oft völlig daneben. Eine merkwürdige Erkenntnis.

Aber für heute soll das reichen.

Leseliste 2020

Sozusagen die Fortsetzung der Leseliste 2019…..

Bewertung
*** sehr gut
** gut
* in Ordnung
kein Stern kein Kommentar

7. Francois Garde: L’Effroi (08.02.2020) ***
Ein berühmter französischer Dirigent soll (irgendwann in diesem Jahrtausend) die Oper „Cosi fan tutte“ dirigieren. Das Orchester sitzt bereits im Orchestergraben, der Dirigent kommt, dreht sich zum Publikum, zeigt den Hitlergruß und sagt „Heil Hitler“. Ein Musiker, Sebastien Armant, fühlt ein großes Entsetzen – er kann so nicht einfach die Oper spielen. Er steht auf und dreht sich mit dem Rücken zum Dirigenten. Eigentlich würde er gerne gehen, aber er kommt nicht durch das Orchester durch. Seine spontane Geste der Ablehnung verändert alles – den Abend und sein Leben. Er wird zu einer Medienpersönlichkeit – mit allen positiven und negativen Folgen.
Ich fand das Buch sehr gut. Irritierenderweise las ich es, als „Erfurt“ passierte – auch ein Moment wo ein spontanes „Nein“ einen großen Unterschied gemacht hätte…….

6. Paul Assouline: Le Portrait (01.02.2020) **
Beim „Aufräumen“ meines Bücherregals habe ich die französischsprachigen Bücher mal wieder „umgeräumt“ und dabei fiel mir das Buch von Pierre Assouline in die Hände. Ein sehr spannendes Thema. Betty Baronin Rothschild stirbt und ab diesem Moment lebt sie in dem Gemälde weiter, das Ingres von ihr gemalt hat. Dieses Weiterleben ist nicht bloß symbolisch. Sie lebt im Gemälde und aus der Perspektive des Gemäldes erlebt sie, wie um sie getrauert wird, wer sich in dem Raum trifft, worüber gesprochen wird und sie wandert (mit den jeweiligen Besitzern des Gemäldes) durch die Zeiten. Den Ansatz fand ich sehr spannend, manche Episoden waren mir aber – mangels Kenntnis der französischen Berühmtheiten der jeweiligen Zeit – zu lang, trotzdem fand ich das Buch und eben diese besondere Perspektive sehr gut.

5. Paul Guimard: L’ironie du sort (22.01.2020) ***
Es war ein zufälliger Griff ins (neu aufgeräumte) Bücherregal, das mir dieses Buch „lieferte“ und bei dem Titel (Ironie des Schicksals) konnte ich nicht nein sagen. Guimard erzählt die Geschichte von Antoine, der 1943 in Nantes in einer Septembernacht einen deutschen Offizier umbringen soll. Was, wenn er erfolgreich ist? Was, wenn nicht? Wie entwickelt sich die Geschichte, wie entwickelt sich sein Leben (oder sein Sterben) und was ist mit den Menschen in seinem Umfeld? Wie wird deren Leben verlaufen? Es ist dieser eine Moment in dieser Septembernacht, dieses „ja“ oder „nein“, das zu völlig unterschiedlichen Lebensverläufen bei ganz vielen Menschen führen wird. Guimard erzählt diese unterschiedlichen Alternativen, jede für sich genommenen ein vollständiger und möglicher Ablauf. Ein faszinierender Gedanke und ein ebenso faszinierendes Buch!

4. Olivier Guez: La Disparition de Josef Mengele (15.01.2020) ***
Guez hat die Lebensgeschichte von Mengele nach 1945 anhand der vorhandenen Informationen in einem Roman verpackt, der die Flucht nach Südamerika, die einzelnen Lebensstationen, die Kontakte zu anderen SS-Größen (Eichmann zum Beispiel) aber auch die Unterstützung durch die Familie in Deutschland sehr anschaulich darstellt. Der Roman basiert auf einer umfassenden Recherche, der Autor nutzt aber bewußt die Form des Romans, um das, was er nicht wissen kann, auch nachvollziehbar und erzählbar zu machen. Ich fand das Buch sehr spannend und sehr informativ, gerade weil es nicht „anklagt“, sondern „nur“ erzählt. Gleichzeitig war es für mich eine gute Art, mich mit den Versäumnissen dieser Zeit (und deren Auswirkungen auf die heutige Zeit) gedanklich zu beschäftigen.

3. Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (10.01.2020) ***
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, auch weil es auf sehr einfühlsame Weise Geschichten zu den Themen erzählt, die auch meine Themen sind – den Umgang mit Tod, Verlust und Einsamkeit. Es ist eine völlig andere Geschichte als meine, aber ich fühlte mich dem Ich-Erzähler sehr verbunden, an einer Stelle (wo es um den Umgang mit einer Krebserkrankung geht) hatte ich sogar Tränen in den Augen (ja, das ist der Teil der tatsächlich etwas mit meinen Erfahrungen zu tun hat). Und die Frage, was an einem selbst wirklich „unveränderlich“ ist, was nicht „kaputtgehen darf“, finde ich sehr spannend. Für mich eine sehr lohnende Lektüre!

2. Gladys Mitchell: Death comes at Christmas (05.01.2020)
Eigentlich mag ich Krimis, aber dieses Buch habe ich nur zu Ende gelesen, weil ich immer gehofft habe, daß es irgendwann besser wird. Mrs Bradley, die „ermittelnde“ Hauptperson des Buches war mir von Anfang an nicht sympathisch – vielleicht auch deswegen, weil sie in diesem Buch wirklich jede andere Person mit „child“ anspricht….. Für mich paßte es jedenfalls nicht.

1. Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle (01.01.2020) ***
Gefühlt hatte ich dieses Buch schon seit ewigen Zeiten irgendwo im Regal stehen. Ich habe es irgendwann angefangen, ein kleiner Verlagsprospekt diente als Lesezeichen, weit war ich nicht gekommen, aber irgendwann habe ich das Buch nur noch beim Aufräumen in der Hand gehabt – so auch kurz vor Weihnachten beim Versuch des großen Aufräumens….. Und diesmal packte mich das Buch. Die Mischung aus zwei ineinander verzahnten Geschichten – der von Viktor Abravanel im „heutigen“ Wien und der von Manoel Soeira im Portugal von Anfang des 17.Jahrhunderts ist gleichzeitig faszinierend und beklemmend. Es geht um die Frage, ob beziehungsweise wann man dazugehört (ein Thema, das ich persönlich sehr wichtig finde), was man verschweigt und warum und wie eine Gesellschaft mit diesen Dingen umgeht – dargestellt am Schicksal der Marranen (iberischen Juden, die unter Zwang zum Christentum „bekehrt“ wurden) und jüdischen Menschen im Wien der Nachkriegszeit. Es war ein Buch, das mir sehr eindrücklich die Geschichten von Flucht, Unterdrückung und erzwungener Lüge nahegebracht hat. Gerade für die Feiertage war das eine sehr gute Lektüre.

Neujahr – 01.01.2020

Wann beginnt eigentlich Neujahr? Um Mitternacht oder erst nach dem Ausschlafen, am Morgen oder Vormittag? Neujahr ist – zusammen mit Weihnachten und Silvester – eine Zeit, die für mich mit vielen Erinnerungen und „Ritualen“ verbunden ist.
Es fängt mit der Vorbereitung des traditionellen Neujahrsessens an – Galouschchen (mit Rinderhack und Reis gefüllte Kohlrouladen, die in Sauerkraut gegart werden). Wie all die Jahrzehnte seit meiner Kindheit habe ich dieses Essen gestern vorbereitet und heute gegessen. Es dauert ein bißchen, das vorzubereiten – aber es gehört für mich dazu wie das Glas Sekt um Mitternacht und das Anschauen des Feuerwerks (ja, ich mag das immer noch gerne!).
Gestern Abend blühten sogar die ersten Blüten an meinen Barbarazweigen (auch eine Tradition, die ich aber nicht jedes Jahr einhalte).
Aber inmitten der Traditionen ist natürlich auch Raum für Neues – heute für den Besuch eines Neujahrskonzertes in Düsseldorf-Urdenbach. Nach einem wunderbar sonnigen Spaziergang durch den Schloßpark Benrath kam ich in Urdenbach raus und war erstaunt, in Düsseldorf Fachwerkhäuser zu sehen – sogar ein Gerichtsgebäude (Fachwerk und sehr sehenswert) aus dem 16.Jahrhundert.
Ein bißchen versteckt ist dort eine Kirche mit einer wunderschön aussehenden Kirchenorgel, der Ort des Neujahrskonzertes. Mit Purcell, Händel, Rinck und Schumann wurde das neue Jahr musikalisch begrüßt. Ein guter Ort für Orgelkonzerte!
Und auf dem Rückweg habe ich sogar noch „Die Vertreibung aus der Hölle“ von Robert Menasse zuende gelesen, der erste – sehr lesenswerte – Eintrag für die Leseliste 2020!

Was ich Euch für 2020 wünsche….

Es ist die Zeit der guten Wünsche und ich möchte aufschreiben, was ich Euch für 2020 wünsche!

Ich wünsche Euch ein sorgenfreies Jahr.
Ich wünsche Euch Gesundheit (und wo das nicht möglich ist, die bestmögliche Betreuung, wenn möglich Genesung und hohe Lebensqualität).
Ich wünsche Euch, daß Ihr die Nähe von Menschen ohne Verletzungen erleben könnt.
Ich wünsche Euch, daß es Menschen gibt, denen Ihr wichtig seid und die Euch auch wichtig sind.
Ich wünsche Euch, daß es Menschen gibt, mit denen Ihr schweigen aber auch sprechen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Menschen Euch zuhören und daß Ihr Menschen zuhört.
Ich wünsche Euch, daß Ihr schöne, fröhliche und angstfreie Begnungen mit Menschen erlebt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr Euch irgendwo zugehörig fühlen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr gute Ideen habt und sich daraus schöne und spannende Projekte und Entwicklungen ergeben.
Ich wünsche Euch, daß Ihr schöne Momente – egal welcher Art – erleben und genießen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr am Ende des Jahres gerne und mit einem Lächeln an das Jahr 2020 zurückdenkt.
Ich wünsche Euch schöne Erinnerungen.

Alles Gute für 2020!