Immerhin kein Freitag, der 13. – aber ein Tag, an dem ich relativ wenig Zeit habe. Für einen kurzen Beitrag sollte die Zeit aber reichen.
Der 13. April 1983 hat viel mit dem Thema Datenschutz in Deutschland zu tun. Am 27. April 1983 soll in Deutschland eine Volkszählung stattfinden. Die Bundesregierung hat dafür schon 1982 ein Volkszählungsgesetz verabschiedet – sogar einstimmig. Die Bürger*innen sind allerdings nicht begeistert. Eher im Gegenteil. Geplant ist eine „Totalerhebung“, die alle Einwohner*innen statistisch erfaßt. Der Fragenkatalog wird veröffentlicht und stößt auf wenig Verständnis. Mehrere Verfassungsbeschwerden werden eingereicht, in der Öffentlichkeit wird heftig diskutiert, die Bürger*innen protestieren massiv, auch weil sie den Mißbrauch der erhobenen Daten befürchten und Angst haben, aufgrund der Auswertung mit Computern zu gläsernen Bürgern zu werden. Trotzdem will die Bundesregierung an der Durchführung der Volkszählung festhalten. Aber es kommt anders: Am 13. April 1983 erläßt das Bundesverfassungsgericht eine einstweilige Anordnung – die Volkszählung findet nicht statt.
§ 2 des Volkszählungsgesetzes sieht unter anderem vor, die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft abzufragen. Überhaupt ist das Thema Religion im Laufe der Jahrhunderte nicht immer ein einfaches Thema. Am 13. April 1598 unterzeichnet Heinreich IV. das Edikt von Nantes, mit dem den Hugenotten (calvinistischen Protestanten) in Frankreich Bürgerrechte und religiöse Toleranz gewährt wird, gleichzeitig wird der Katholizismus in Frankreich zur Staatsreligion erklärt. Damit werden die Hugenottenkriege (in Frankreich auch als Religionskriege bezeichnet) zunächst beendet. In Bad Karlshafen befindet sich übrigens das Deutsche Hugenottenmuseum.
Auch in England geht es an einem 13. April um das Thema religiöse Toleranz. Am 13. April 1829 tritt der „Catholic Emanzipation Act“ in Kraft, der es Katholiken unter anderem gestattet, ins Unterhaus gewählt zu werden oder im Oberhaus zu sitzen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Religionen in England.
Soviel Freiheit und Gleichberechtigung? Das wäre bestimmt ein interessantes Thema für das erste politische Kabarett in Deutschland. Am 13. April 1901 starten „Die Elf Scharfrichter“ (ein sehr interessanter Name für ein politisches Kabarett) mit ihrem Programm. Mehr zu den „Elf Scharfrichtern“ – zu denen auch Frank Wedekind gehört – findet man hier.
Und nur ein paar Jahre später kommt am 13. April 1906 Samuel Beckett in Dublin zur Welt. Seitdem warten wir alle auf Godot.
Damit wünsche ich Euch einen Abend an dem ihr nicht vergeblich auf nette Menschen und gute Gespräche wartet.