7. April

Am 7. April 1724 findet in der Nikolai-Kirche in Leipzig eine Uraufführung statt – nämlich die Uraufführung der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Es ist Karfreitag und Bach ist seit einem Jahr der Thomas-Kantor. Ein Erfolg ist das Werk erst einmal nicht. Zu opernhaft und dramatisch ist es der Gemeinde. Doch darin liegt auch eine besondere Art, die Geschichte zu erzählen – das Theater Aachen macht das derzeit in Form von Tanztheater und Musik. Eine vermutlich völlig andere Version kann man hier sehen (und hören) und hier gibt es noch eine „klassische“ (konzertante) Variante.

Am 7. April 529 veröffentlicht Kaiser Justinian den ersten Teil einer Sammlung von rechtlichen Vorschriften, den wir heute als „Corpus Iuris Civilis“ bezeichnen. Daraus entsteht viele Jahre später das Recht in vielen europäischen Ländern, vor allem das Zivilrecht – weshalb das Thema „römisches Recht“ beziehungsweise „römische Rechtsgeschichte“ auch während meiner Studienzeit vorkommt.

Gut oder nicht gut – das ist manchmal eine berechtigte Frage. Am 7. April 1682 erreicht der Franzose René Robert Cavelier de La Salle als erster Europäer die Mündung des Mississippi und natürlich nimmt er das Gebiet einige Tage später für Frankreich in Anspruch. Dazu demnächst mehr…..

Am 7. April 1890 kommt Victoria Ocampo in Buenos Aires zur Welt. Sie wird eine wichtige Schriftstellerin und Übersetzerin. Unter anderem gründet sie die Literaturzeitschrift Sur und den gleichnamigen Verlag. In der „Sur“ verbreitet sie zum Beispiel auch die Werke von Virginia Woolf. Die Unesco hat eine Seite (in englischer und spanischer Sprache) zu Victoria Ocampo und Sur eingerichet – als Dokumentation ihrer Arbeit, der Zugriff auf das Archiv von Sur funktioniert im Moment leider nicht.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit ungewöhnlichen und guten Einfällen.

6. April

Am 6. April 1320 unterzeichnen wohl circa 50 schottische Adelige in der Abtei Arbroath die „Declaration of Arbroath“, die erste offizielle Unabhängigkeitserklärung eines Landes. Die Erklärung wird mit der Bitte um Vermittlung an den Papst geschickt, dieser bemüht sich in der Folge erfolgreich um eine Vermittlung zwischen Schottland und England. Interessant und wichtig ist vor allem, dass die Erklärung die Unabhängigkeit des Landes höher wertet als den jeweiligen schottischen König.

Am 6. April 1327 passiert es – Francesco Petrarca geht in die Kirche zum Beten und verliebt sich. Sozusagen untersterblich. Laura heißt sie – oder zumindest nennt er sie so. Und weil er so verliebt ist, schreibt er über 300 Gedichte an oder über Laura. Ein paar der Gedichte kann man hier in der Leseprobe lesen.

Am 6. April 1483 kommt Raffael in Urbino zur Welt. Er wird ein Maler und Architekt und einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Eines seiner berühmtesten Werke – die sixtinische Madonna – befindet sich in Dresden. Wie sie dahin kam, wird hier erzählt.

Am 6. April 1878 wird Erich Kurt Mühsam in Berlin geboren. Er wird ein Schriftsteller, Publizist und Anarchist. Natürlich ist er auch politisch aktiv. Sehr interessant ist, mit wem er alles befreundet ist oder zusammenarbeitet – man kann es unter anderem hier und hier nachlesen. Einige seiner Werke kann man hier lesen.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Mut – auch dem Mut, nein zu sagen oder unangepaßt zu sein.

5. April

Am 5. April 1930 erreichen Gandhi und seine Anhänger die Küstenstadt Dandi. Der Salzmarsch ist am Ziel angekommen, nun geht es „nur noch“ darum, das Salz auch zu bekommen.

Am 5. April 1989 wird in Polen die Gewerkschaft Solidarność wieder anerkannt. Vorher war sie verboten (seit dem 8. Oktober 1982) obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon seit einigenWochen an den Gesprächen am „Runden Tisch“ teilnimmt. Tatsächlich kann ich mich an diese Zeit noch relativ gut erinnern – über Lech Wałęsa habe ich mit meiner Mutter gelegentlich gesprochen.

So wie die Salzsteuer in Indien die Menschen „ärgert“ (das Wort ist zu schwach!), so ärgert der am 5. April 1764 in Großbritannien erlassene „Sugar Act“ die Menschen in den englischen Kolonien in Nordamerika. Melasse – ein Grundstoff für Rum – wird danach zum Beispiel zweimal besteuert – einmal wenn sie Jamaica verläßt und einmal für die Einfuhr in die Kolonien. Die Regelung an sich gibt es schon länger, aber mit dem Gesetz 1764 werden die Steuern tatsächlich eingetrieben. Das erzürnt die Menschen in den Kolonien und ist – man muß es so drastisch sagen – der Anfang vom Ende der britischen Kolonien in Nordamerika.

Am 5. April 1887 kommt Hedwig Kohn in Breslau zur Welt. Sie wird Physikerin und eine von drei Frauen, die vor dem zweiten Weltkrieg eine Habilitation in Physik erreichen. 1933 wird ihr die Lehrerlaubnis entzogen. Sie emigriert zunächst in die Schweiz und kann 1938 in die USA gehen und dort Lehraufträge übernehmen.

Am 5. April 1874 hat schließlich noch die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss ihre Uraufführung in Wien. Wirklich begeistert ist man in Wien nicht, aber auf den internationalen Bühnen und so wird die Fledermaus dann doch noch zum Erfolg. Hier könnte Ihr die Operette hören.

Damit wünsche ich Euch einen beschwingten Abend.

4. April

Am 4. April 1850 erhalt Los Angeles das Stadtrecht. Zu diesem Zeitpunkt hat die Stadt etwa 1600 Einwohner. Heute sind es „ein paar“ mehr……

Etwas älter ist die älteste Universität der Schweiz – am 4. April 1460 findet die Gründungsfeier der Universität Basel statt.

Am 4. April 1854 findet die Uraufführung von Goethes „Faust II“ in Hamburg statt. Das Stück, das 1832 im Druck erschienen ist,  ist eigentlich nicht für die Bühne gedacht. Dementsprechend wird eine Bearbeitung aufgeführt – nämlich die von Anton Eduard Wollheim da Fonseca (ein Name, der mir gerade eben zum ersten Mal begegnet ist), der selber auch ein Schriftsteller und Dramaturg ist (aber nicht nur).

Am 4. April 1785 kommt Bettina Brentano in Frankfurt am Main zur Welt. Im Jahr 1807 trifft sie Goethe – als Enkelin von Sophie von La Roche öffnen sich ihr manche Türen. 1811 heiratet sie Achim von Arnim, den Freund und literarischen Kollegen ihres Bruders Clemens Brentano. Sie selber schreibt auch und sie engagiert sich sozial. Dass sie 1843 eine Sozialreportage mit dem Titel „Dies Buch gehört dem König“ veröffentlicht, finde ich schon sehr spannend. Das ist aber nicht ihr einziges Werk, mehr zu ihrem literarischen Schaffen findet man hier.

Achim von Arnim und Clemens Brentano verbindet die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Das, was die Beatles am 4. April 1964 schaffen, das schaffen die beiden allerdings nicht: die Beatles belegen an diesem Tag nämlich mit ihren Singles Can’t Buy Me LoveTwist and ShoutShe Loves YouI Want to Hold Your Hand und Please Please Me die ersten fünf Plätze der US-amerikanischen Single-Hitparade. Das ist schon spektakulär!

Am 4. April 1975 gründen Bill Gates und Paul Allen in in den USA das Softwareunternehmen Microsoft. Auch eine Erfolgsgeschichte – auch wenn ich dem Unternehmen mittlerweile in vieler Hinsicht skeptisch gegenüberstehe.

Am 4. April 1887 wird Susanna M. Salter als erste Frau in den USA zur Bürgermeisterin gewählt. Und das ganz überraschend. Die Geschichte ist so gut, die müßt Ihr selber lesen und zwar hier!

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit vielen schönen Überraschungen!

 

3. April

Am 3. April 1897 gründen einige Künstler (ja, anscheinend nur Männer) – darunter Gustav Klimt und Koloman Moser – die Wiener Secession. Dabei handelt es sich bei der Wiener Secession gleichzeitig um eine Künstlervereinigung und um ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst. Die Secession macht zum Beispiel Ausstellungen mit französischen Impressionisten.

Am 3. April 1783 kommt Washington Irving in New York zur Welt. Er wird Schriftsteller – unter anderem begründet er das Genre der Kurzgeschichte in der amerikanischen Literatur. Interessant ist, dass ich die bekanntesten Titel (The Legend of Sleepy Hollow und Rip Van Winkle) zwar schon gehört habe – ich kann mich aber nicht erinnern, sie gelesen zu haben. Die Geschichte „Rip Van Winkle“ scheint jedenfalls interessant und für die aktuelle Zeit durchaus wünschenwert zu sein: jemand fällt in einen Zauberschlaf und wacht 20 Jahre später unter einer anderen Regierung wieder auf…….

Am 3. April 1900 kommt Franz Carl Weiskopf in Prag zur Welt. Auch er wird ein – deutschsprachiger – Schriftsteller, aber auch Übersetzer und Journalist. 1928 zieht er nach Berlin, 1933 kehrt er nach Prag zurück. Über Paris flieht er 1939 in die USA. Von dort aus trägt er dazu bei, dass andere Autor*innen – darunter Anna Seghers und Egon Erwin Kisch – aus dem besetzten Frankreich gerettet werden können.

Am 3. April 1948 unterzeichnet der US-amerikanische Präsident Truman den „Marshall-Plan“. Damit soll Europa nach dem zweiten Weltkrieg mit Krediten, Lebensmitteln, Rohstoffen und Industriegütern versorgt werden. Auch Deutschland und Österreich nehmen daran teil. Entworfen hat diesen Plan der amerikanische Außenminister George C. Marshall, der dafür 1953 den Friedensnobelpreis und 1959 den Karlspreis erhält.

Damit wünsche ich Euch einen traumhaft schönen Abend mit märchenhaft guten Ideen.

2. April

Am 2. April 1792 wird in den Vereinigten Staaten der „US Dollar“durch den „Coinage Act“ als Zahlungsmittel gesetzlich festgelegt.

Am 2. April 1917 wird Jeannette Rankin vereidigt, sie ist die erste Frau im US-Kongress. Dort schreibt sie auch sofort weiter Geschichte, denn sie bringt am selben Tag auch als erste Frau eine Gesetzesvorlage ein. Sie engagiert sich für Frauenrechte, Bürgerrechte und auch für den Frieden,  im Dezember 1941 (nach „Pearl Harbor) stimmt sie als einzige gegen die Kriegserklärung an Japan. Danach tritt sie nicht mehr zur Wahl an.

Widerstand aushalten kann auch Émile Zola. Er kommt am 2. April 1840 in Paris zur Welt. Er wird Schriftsteller und Journalist. Einige seiner Romane habe ich sogar gelesen Was mich aber tatsächlich beeindruckt ist sein Eintreten für Alfred Dreyfus. Zolas offener Brief mit dem Titel „J’accuse“ (Ich klage an) spaltet Frankreich. Er selbst wird wegen Diffamierung verurteilt, er entzieht sich aber der Strafe, in dem er für ein Jahr nach London flieht.

Am 2. April 1928 startet der Fuhrunternehmer Gustav Hartmann – mit seiner Droschke, seinem Pferd Grasmus und dem Reporter Hans Hermann Theobald  – eine Reise nach Paris, um gegen den Niedergang des Droschkengewerbes und die steigende Zahl an Autos zu protestieren. Durch diese Reise wird er berühmt. Nach seiner Rückkehr gründet er eine Stiftung für die Hinterbliebenen von verstorbenen Taxifahrern. Hans Fallada hat seine Geschichte in dem Roman „Der eiserne Gustav“ verewigt.

Eine viel längere Reise legt Maria Sibylla Merian zurück. Am 2. April 1647 kommt sie in Frankfurt zur Welt. Ihre künstlerische Begabung zeigt sich früh. Sie erhält daher eine künstlerische Ausbildung. Sie verbringt mit ihrer Familie einige Jahre in Nürnberg, wo sie jungen Frauen Malunterricht gibt. Danach verbringt sie einige Zeit in Westfriesland und Amsterdam und ab 1699 reist sie – zusammen mit ihrer jüngeren Tochter – nach Surinam. Eine spektakuläre Reise für diese Zeit und auch die Ergebnisse sind spektakulär. Wirklich.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit schönen Träumen von Ausfügen und Reisen.

1. April

Der 1. April ist heutzutage vor allem ein Tag der Scherze. Warum das so ist, ist nicht eindeutig klar – es gibt viele unterschiedliche Geschichten, eine schöner als die andere. Wer nachlesen möchte: hier sind ein paar dieser Geschichten.

Mittlerweile ist es draußen auch wieder länger hell. Das ist schön – wobei wir ja den Vorteil haben, dass es draußen Straßenlaternen gibt. Dass das nicht immer so war, ist natürlich klar. Tatsächlich wird am 1. April 1814 in London zum ersten Mal Gasbeleuchtung öffentlich eingesetzt, im Austausch gegen die alten Öllampen.

Am 1. April 1891 wird in Chicago ein Unternehmen gegründet, das noch heute existiert – „The Wrigley Company“. Aber während ich heute bei diesem Namen sofort an Kaugummi denke, wird zunächst Seife und Backpulver produziert. Interessant ist auch die Vorgehensweise: jedem Stück Seife wird ein Päckchen Backpulver beigelegt – das ist verkaufsfördernd. Deswegen stellt das Unternehmen dann auch Backpulver her. Ab 1893 wird den Produkten Kaugummi beigefügt und deshalb stellt man auch Kaugummi her – immer noch! Eine schöne und interessante Geschichte!

Am 1. April 1893 tritt ein Gesetz in Kraft, dass die Zeit regelt, nämlich das „Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung“. Damit wird in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) eingeführt. Matthew Goodman hat das Thema der Standardisierung der Zeit in seinem Buch „80 days“ auf spannende Weise aufgegriffen.

Am 1. April 1899 erscheint in Österreich die erste Ausgabe der satirischen Zeitschrift „Die Fackel“, Herausgeber ist Karl Kraus. Interessanterweise gibt es ein Artikelarchiv mit allen Ausgaben.

Am 1. April 1868 kommt Edmond Rostand in Marseille zur Welt. Er wird unter anderem eine Komödie über Cyrano de Bergerac schreiben, die in unserer Zeit wiederum die Grundlage für einen erfolgreichen Film wird – wobei der Cyrano aus der Komödie und dem Film nichts oder zumindest nur sehr wenig mit dem echten Cyrano de Bergerac zu tun hat.

Damit wünsche ich Euch einen humorvollen Abend mit fröhlichem Lachen.

31. März

Es ist der 31. März und ich habe tatsächlich drei Monate lang jeden Abend einen Blogbeitrag geschrieben (und ich werde das voraussichtlich auch weiterhin tun). Es ist zum einen schon ein relativ großer Zeitaufwand. Andererseits – und das ist wichtig – denke ich bei der Recherche und beim Schreiben eben auch darüber nach, was sich so im Laufe der Zeit – und dabei meine ich Zeit durchaus in einem großen Sinn – verändert hat. Ebenso ist es spanned zu lesen, wer wann an welcher Stelle etwas verändert hat. Mir hilft es immer wieder, nicht in der Betrachtung des Negativen zu versinken – das ich natürlich auch jeden Tag wahrnehme. Also weiter. Auch heute.

Heute Morgen habe ich – eher zufällig – bei Bluesky gelesen, dass heute der Internationale Tag der Trans*Sichtbarkeit ist. Es ist schön eine derart vielfältige Timeline zu haben. Diesen Tag gibt es übrigens seit 2009.

„Etwas“ älter ist die Schlichtungsurkunde, in der die Stadt Dresden das erste Mal erwähnt wird. Am 31. März 1206 schlichtet Markgraf Dietrich einen Streit zwischen dem Bischof von Meißen und dem Burggrafen von Dohna. Sie streiten sich um die Burg Thorun. Die Urkunde wird in Dresden ausgestellt – das steht am Ende der Urkunde und ist die erste Erwähnung (den konkreten Satz kann man hier übrigens sehen).

Am 31. März 1596 kommt René Descartes in Frankreich zur Welt. Er wird Mathematiker, Naturwissenschaftler und Philosoph. Sein wichtigster und bekanntester Satz ist „Cogito ergo sum“ – „Ich denke, also bin ich.“ Er zweifelt, er begründet die moderne Philosophie und er setzt sich mit dem Selbstbewußtsein auseinander. Schon ein faszinierender Gedanke.

Am 31. März 1899 wird in Paris der Eiffelturm eingeweiht. Die Pariser bezeichnen ihn als Schandfleck und eigentlich soll er nach 20 Jahren wieder abgerissen werden. Bekannte Persönlichkeiten – darunter Alexandre Dumas, Charles Gounod und Guy de Maupassant protestieren sogar gegen den Bau des Eiffelturms. Aber am 31. März 1899 ist es dann soweit – Gustave Eiffel steigt mit einer Delegation auf den Turm und hisst die französische Trikolore. Der Protest wandelt sich bald in Begeisterung. Mittlerweile ist der Eiffelturm denkmalgeschützt und auch Unesco Weltkulturerbe.

Zum hohen Eiffelturm passt die himmlische Musik von Johann Sebastian Bach. Bach kommt am 31. März 1685 in Eisenach zur Welt. Er wird – wie vermutlich fast jede*r weiß – Musiker und Komponist. Zum Ausklang dieses Tages empfehle ich Euch dieses wunderschöne Musikstück von ihm.

Damit wünsche ich Euch einen himmlischen Abend.

30. März

Europa. Mal wieder. Am 30. März 1962 beschließt die Europäische Parlamentarische Versammlung, die sich aus Delegierten der nationalen Parlamente zusammensetzt, in einer Resolution die Bezeichnung zu ändern. Die neue Bezeichnung soll „Europäisches Parlament“ heißen. Ohnehin setzen sich die Delegierten stark für eine Demokratisierung der europäischen Institutionen ein, ein wichtiges Vorhaben – das in den Mitgliedsstaaten zu dem Zeitpunkt nicht unbedingt auf viel Begeisterung stößt….. Die Geschichte dieser Entwicklung kann man hier nachlesen.

Am 30. März 1856 wird in Paris der sogenannte „Pariser Frieden“ geschlossen. Dieser Friedensvertrag beendet den Krimkrieg. Er wird auf der einen Seite vom Osmanischen Reich mit seinen Verbündeten Frankreich, Großbritannien und Sardinien, auf der anderen Seite von Russland unterzeichnet. Der Krimkrieg ist in vieler Hinsicht der erste „moderne“ Krieg. Er verändert die Nachkriegsordnung nach dem Wiener Kongress völlig und damit auch die Rolle Frankreichs. Es ist auch der erste Krieg, in dem Kriegsberichte per Telegrafie an Zeitungen geschickt und Fotoreportagen gemacht werden können – wobei die Fotos meistens (wohl aufgrund der langen Belichtungszeit) „gestellt“ werden. In Sewastopol nimmt Leo Tolstoi an den Kämpfen teil. Er führt in dieser Zeit Tagebuch, daraus entstehen drei Erzählungen, die als „Sewastopoler Erzählungen“ bezeichnet werden. Übrigens entwickelt sich Tolstoi im Laufe der Zeit zu einem Kriegsgegner.

Nach dem Ende des Krimkrieges geht es Russland nicht wirklich wirtschaftlich gut. Zar Alexander II. entschließt sich daher, Alaska an die USA zu verkaufen. Er könnte es ohnehin nicht gegen Großbritannien verteidigen und so hat Russland wenigstens etwas davon. Am 30. März 1867 verkauft Russland Alaska an die Vereinigten Staaten. Dass Alaska reich an Bodenschätzen ist, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Aber es geht an diesem Tag auch um Fortschritt: am 30. März 1842 setzt der Chirurg und Allgemeinmediziner Crawford Long zum ersten Mal bei einem Patienten zur Betäubung Äther ein – erfolgreich. Da er aber erst einige Jahr später darüber schreibt, beanspruchen zunächst andere diese Entdeckung für sich.

Am 30. März 1746 kommt Francisco de Goya in Spanien zur Welt. Er wird ein großer und vielseitiger Künstler. Passend zur aktuellen Zeit (und zum oben erwähnten Krieg) möchte ich auf seine Drucke bzw. Radierungen „Los desastres de la guerra“ hinweisen (nach unten scrollen!), die ohne konkreten Auftrag entstanden sind. Sie zeigen die Grausamkeit des Krieges und das Leid der Menschen. Ein zeitloses Thema.

Übrigens kommt auch Vincent von Gogh an einem 30. März zur Welt – nämlich im Jahr 1853. Seine Werke haben die Kunst in großem Ausmaß beeinflußt! In meinem Beitrag zum 14. März habe ich ihn bereits kurz erwähnt.

Am 30. März 1818 kommt Friedrich Wilhelm Raiffeisen zur Welt. Er wird Kommunalbeamter. In einer Zeit großer Not der Bevölkerung – ausgelöst durch Mindererträge in der Landwirtschaft weil zwei Vulkanausbrüche zu niedrigeren Temperaturen und damit zu Ernteausfällen führen – gibt er Nahrungsmittel zunächst (entgegen der Anweisung) gegen einen Schuldschein heraus, dann gründet er sogar einen Hilfsverein. Daraus entwickelt sich der Genossenschaftsgedanke. Ein nach wie vor spannendes Konzept!

Am 30. März 1820 kommt Anna Sewell in England zur Welt. Und wem der Name jetzt nichts sagt (bis eben ging es mir auch so): sie ist die Autorin des Romans „Black Beauty“ – genauer „Black Beauty: The Autobiography of a Horse“, erzählt als Übersetzung aus der Pferdesprache.

Damit wünsche ich Euch einen friedlichen, bunten und phantasievollen Abend.

 

29. März

Am 29. März 1638 gründen schwedische Siedler angeführt von Peter Minuit die erste Kolonie mit dem Namen „Neu-Schweden“ (beziehungsweise New Sweden) auf dem Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Delaware. Peter Minuit stammt ursprünglich aus Wesel, spätestens ab dem Jahr 1615 ist er jedoch in Utrecht zu finden und betätigt sich dann als Geschäftsmann in den Kolonien in Nordamerika. So kommt es auch, dass er im Auftrag des schwedischen Kanzlers Oxenstierna die schwedische Kolonie gründet. Ich finde das ziemlich spannend, weil ich bisher noch nichts von einer schwedischen Kolonie mitbekommen habe.

Um eine Kolonie geht es auch am 29. März 1867. An diesem Tag beschließt das britische Parlament das Verfassungsgesetz (Constitution Act) mit dem Kanada als eigenständige Kolonie begründet wird. Den Namen „Constitution Act“ trägt das Gesetz allerdings erst seit 1982, am 29. März 1867 wird es als „British North America Act“ beschlossen. Das Gesetz ist Teil der kanadischen Verfassung und regelt zum Beispiel, dass es in Kanada ein Unterhaus und einen Senat gibt, das Justizsystem und implizit auch die Zweisprachigkeit Kanadas.

Am 29. März 1894 endet in Berlin die Gründungsversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF). Dabei handelt es sich um eine Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbewegung, die das Interesse der Frauen an Bildung, besseren Arbeitsbedingungen und Partizipation fördern soll. In die Satzung werden nur Punkte aufgenommen, die alle Mitgliedervereine erfüllen können, dementsprechend können sozialistische Frauenvereine dem Bund nicht angehören, Arbeiterinnen sind jedoch willkommen. Erste Vorsitzende des Bundes ist Auguste Schmidt.

Am 29. März 1911 kommt Freya von Moltke in Köln zur Welt. Sie wird Juristin und Schriftstellerin. Vor allem aber macht sie sich – zusammen mit ihrem Mann und Freunden – Gedanken über eine demokratische Gesellschaft in Deutschland nach dem Nationalsozialismus. Daraus entwickelt sich der Kreisauer Kreis.

Am 29. März 1902 kommt Marcel Aymé zur Welt, ein französischer Erzähler und Dramatiker. Ich mag vor allem seine Erzählungen (Les contes du chat perché) und seinen Roman „Die grüne Stute“ (La jument verte). Alles Zufallsfunde, die ich irgendwann in Frankreich oder Belgien in Buchhandlungen entdeckt habe…..

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit wunderbaren Entdeckungen und Erkenntnissen.