Kulturliste 2020

18.01.2020: Spiegel im Spiegel – Melanchthonkirche in Düsseldorf ***
Sehr liebevoll gestaltete Veranstaltung mit Texten, Bildern und Musik in der Düsseldorfer Melanchthonkirche, die ich im Düsseldorfer Veranstaltungskalender für Januar entdeckt habe. Die drei Akteure haben schöne Texte – der Tempel der 1000 Spiegel, Gedichte von Jandl, Hesse und Fried, einer Nacherzählung von Ovids Narziß und Echo und Schnweewittchen – vorgetragen beziehungsweise vorgelesen (sehr gute Rezitation!). Zwischen den Texten gab es thematisch passende Musik – einen Spiegelkanon von Bach, ein Menuett mit Spiegelelementen von Haydn, etwas zum Thema „Echo“. Beim Spiegelkanon und beim Menuett wurde sogar „gezeigt“, ob gerade vorwärts oder rückwärts gespielt wird – sehr faszinierend. Unterlegt waren Text und Musik durch schöne Bilder und Fotos, die auf einer großen Wand gezeigt wurden. Übrigens wurde allen Besuchern auch ein kleiner Handspiegel geschenkt – im Deckel dieses Handspiegels steht in Spiegelschrift „Lieblingsmensch“. Sehr viele schöne Details, die mich noch stark über das Thema „Spiegel“ nachdenken lassen.

15.01.2020: Bettina von Arnim: Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch – Goethe-Museum Düsseldorf ***
Zufällig habe ich durch einen Tweet des Goethe-Museums von dieser Veranstaltung erfahren und bin hingegangen. Ich wußte vorher, daß Bettina von Arnim mit Goethe in Verbindung stand als sie jung war, daß sie die Schwester von Clemens Brentano und Ehefrau von Achim von Arnim war, die ich mit „Des Knaben Wunderhorn“ in Verbindung brachte und daß sie selber auch Bücher geschrieben hat („Die Günderode“ steht ungelesen im Regal …..). Der Abend brachte eine ganz andere „Bettina von Arnim“ zum Vorschein. Eine Frau, die jenseits der 50 ist, sich verliebt, diese Liebe in einer für die damalige Zeit undenkbaren Art sogar zugibt und den Menschen in den sie verliebt ist anderen Menschen (unter anderem den Gebrüdern Grimm) vorstellt, die ihr wichtig sind. Es war ein Abend, der sie als Netzwerkerin und als positive Beeinflusserin zeigte. Es war vor allem ein Abend, der mit einem glänzenden Vortrag von Prof. Dr. Wolfang Bunzel wirklich Lust machte, das Buch irgendwann zu kaufen und zu lesen. Schön, daß er diese Briefe entdeckt und in einem Buch herausgegeben hat.

12.01.2020: Land des Lächelns – Essen ***
Wunderbare Aufführung der Operette „Land des Lächelns“, die auf dem Libretto von Viktor Léon „Die gelbe Jacke“ beruht und erst nach einer Bearbeitung wirklich erfolgreich wurde. Sehr gut fand ich die Einbettung der Geschichte von Lisa und Sou-Chong in das aufziehende dritte Reich, was zum Entstehungszeitpunkt der Operette (1929 als Land des Lächelns in Berlin uraufgeführt). Der Rahmen ist im Grunde genommen eine Theater- oder Revuevorstellung im Berlin der späten 20er Jahre, auf der Bühne findet dann die Geschichte von Lisa und Sou-Chong statt. Mir hat die Aufführung sehr gut gefallen!

08.01.2020: Der Stumme Diener – Essen **
Stücke von Harold Pinter sind ja immer ein bißchen „merkwürdig“. Das gilt auch für dieses Stück. Vielleicht hätte ich den Text vorher lesen sollen, so fehlte mir manchmal ein bißchen das Verständnis, was tatsächlich zum ursprünglichen Stück gehört und was Inszenierung ist. Die Lektüre werde ich bestimmt irgendwann nachholen …..

04.01.2020: Konzert in der St.-Remigius-Kirche in Bonn ** und Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle ***
Dazu habe ich hier etwas geschrieben – den Besuch der Ausstellung kann ich nur empfehlen.

02.01.2020: Else Lasker Schüler-Ausstellung** und Oskar Schlemmer-Ausstellung in Wuppertal **
Ausstellungen in Wuppertal verpasse ich oft, da ich immer meine, es sei ja noch so viel Zeit da ….. Diesen Fehler wollte ich bei den beiden Ausstellungen nicht machen (sie laufen ja nur noch bis Mitte Februar), also war ich direkt Anfang Januar dort.
Else Lasker Schüler ist natürlich eine sehr bedeutende Wuppertalerin – sie wurde in Elberfeld geboren und hat hier auch ihre Jugend verbracht. Mir ist sie allerdings fremd geblieben – auch in der Ausstellung. Vielleicht liegt es daran, daß ihr Leben so unwahrscheinlich bunt war. Trotzdem war es für mich ein guter Ausstellungsbesuch. Ich habe viel über diese für mich so fremde Künstlerin gelernt, über ihr Leben, ihre Kontakte und ihr (auch wirklich buntes) Werk.
Die Schlemmer-Ausstellung habe ich direkt danach besucht. Sehr interessant fand ich die Verbindung zu Dr. Kurt Herberts, der in Wuppertal ein Unternehmen (Lacke und Farben) hatte. Dr. Herberts konnte auch während der NS-Zeit – obwohl er nicht in der Partei war – verfemte Künstler einstellen. So kam Oskar Schlemmer nach Wuppertal. Das Lackballett war mir Anfang 2019 schon begegnet – es gab eine Vorstellung in Düsseldorf, das Lacklabor und das Lackkabinett (eine Art zusammensetzbares „Museum“) kannte ich noch nicht und fand ich sehr spannend.

01.01.2020: Neujahrskonzert in Düsseldorf-Urdenbach ***
Dazu hatte ich hier schon etwas geschrieben – ein schönes Konzert in einer schönen Kirche.

Kulturliste 2019

Lebensfreude bedeutet für mich nicht nur Lesen sondern auch das Besuchen von Theateraufführungen, Konzerten, Museen und Ausstellungen. Leider komme ich nicht immer dazu, über die einzelnen „Ereignisse“ etwas zu schreiben und Twitter nutze ich dafür nur noch selten, daher werde ich hier jetzt zusammenfassen, was ich 2019 so gemacht habe…..
Ähnlich wie bei meiner Leseliste gilt hier auch folgende Bewertung:
Bewertung
*** sehr gut
** gut
* in Ordnung
kein Stern kein Kommentar

28.12.2019: Pest – Eine Spurensuche – Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne ***
Eine sehr interessante Ausstellung über die ich unbedingt etwas ausführlicher schreiben sollte. Der Besuch ist wirklich empfehlenswert!

26.12.2019: Der Nußknacker – Ballett im Aalto-Theater in Essen ***
Ein wunderschönes Weihnachtserlebnis!!

23.12.2019: Hänsel und Gretel – Aalto-Theater in Essen ***
Meine persönliche und sehr schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit (und daß, obwohl ich gar kein Opernfan bin ……).

22.12.2019: Weihnachtsoratorium in Essen-Werden mit dem Philharmonischen Chor ***
Sehr schwungvolle und liebevolle Aufführung des Weihnachtsoratoriums. Es hat sich gelohnt, dafür den Weg im strömenden Regen auf sich zu nehmen (ich habe mir den Nachmittag allerdings auch mit einem Stück Himbeertorte in einem Café in Werden versüßt).

Mit Marmotte auf den Spuren von Louis

Heute war ich in Bonn – ein Tag Beethoven. Erst ein Orgelkonzert in der St. Remigius-Kirche (an Beethovens Taufstein) unter anderem mit einem Werk von Beethoven selbst und von seinem Lehrer Haydn. Danach die Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle. Man kann sich also denken, wer „Louis“ ist. Aber Marmotte?

Meine erste Begegnung mit Marmotte
Wenn man die Ausstellung betritt, sieht man links eine Darstellung der Kategorien der Ausstellung – Beethoven als Bürger, als Musiker und das Geschehen in der Welt an sich zur gleichen Zeit. Direkt vor einem ist eine große Zeitachse, die zunächst die Zeit in Bonn umfaßt. Im selben Jahr als Beethoven in Bonn zur Welt kam brach zum Beispiel James Cook zu seiner Reise nach Australien auf. Ich fand das spannend.
Auf der rechten Seite befindet sich Kleidung der Zeit (ein englisches Kleid und ein französischer Anzug mit „Culottes“). Und dann erspähte ich „Marmotte“. Die Zeichnung eines Murmeltiers mit dem (für Kinder bestimmten Text), daß das Murmeltiers „Marmotte“ heißt und ein guter Freund von Beethoven war. Meine Neugier war geweckt. Glücklicherweise enthielt der Audioguide sowohl die Erwachsenen- als auch die Kinderversion…..

Wußtet Ihr, daß Goethe ein Gedicht über Marmotte (das französische Wort für ein Murmeltier) geschrieben hat? Und daß Beethoven dieses Gedicht vertont hat? Hintergrund war laut Audioguide wohl, daß arme Kinder früher Murmeltiere dressiert haben, um mit den Vorführungen ein bißchen Geld sammeln zu können. Das Lied wurde auch gesungen, ich kannte es nicht.

Marmotte erzählt….
In der Audioguidefassung für Kinder ist Marmotte ein fürchterlich müdes Murmeltier, das Beethoven (den es fast immer „Louis“ nennt) natürlich persönlich kennt und einem Kind Fragen beantwortet. Die Stationen an denen Marmotte etwas erzählt sind mit einem Murmeltier mit Zahl gekennzeichnet. Zusätzlich stellt Marmotte an manchen Stationen „Quizfragen“ oder auch einfach Fragen zum Nachdenken. Wirklich schön gemacht. So schön, daß ich im ersten richtigen Raum der Ausstellung erst einmal stehen blieb und mir – mit einem verzückten Lächeln – alle 18 Stationen anhörte. Der für den Raum zuständige Mitarbeiter beäugte und umrundete mich skeptisch – ich stand ja einfach im Raum, ging nicht weiter und lächelte vor mich hin….
Also mein erster Tipp – unbedingt auch Marmotte folgen (wobei ich es einfacher fand erst alles von Marmotte zu hören und dann nach und nach die Stationen für die Erwachsenen abzulaufen).
Schön waren Fragen wie zum Beispiel beim Papiertheater „was würdest Du hier spielen“?
Sehr schön war auch, daß einige Stücke von Beethoven sehr schön einbezogen waren – so zum Beispiel die Musik der 6. Symphonie zum Bild „Elfenreigen“. Diese Art der Einbeziehung der Musik hat mich auch bewegt, die Hörstationen zu nutzen.

Zu sehen und zu hören…
Es war eine gute Mischung aus Bildern mit Bezug zu Beethoven und seiner Zeit, Informationen zur Entstehung der wichtigsten Werke und Hörstationen mit diesen Werken. Nachteil bei den Hörstationen: die Stücke (immer zwei oder drei, die man per Knopfdruck auswählt) sind zum Teil relativ lang und man kann sie zwischendurch nicht unterbrechen, außerdem gibt es immer nur fünf Plätze. Das war heute nur im letzten Raum ein Problem, bei mehr Besuchern wird es vermutlich schwierig….

Für mich waren es schöne musikalische Entdeckungen. Mich hat sowohl der Ausschnitt aus dem Ballett Prometheus als auch die Musik zu Goethes Egmont begeistert – beides kannte ich (wie so viele Werke von Beethoven und anderen Komponisten) nicht. Schön waren auch die vielen kleinen Anekdoten, die im Audioguide erwähnt wurden (daß Beethoven zum Beispiel lieber die Musik für ein Stück von Schiller komponiert hätte, man ihn aber mit Goethes Egmont beauftragte ….).

…. anzufassen….
Die meisten Exponate darf man natürlich nicht anfassen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen – zum Beispiel die Kopie der Totenmaske, ein Modell einer Klaviertaste und dann gab es auch noch Beethovens Leibgericht auf einem Abreißblock. Es war schon etwas merkwürdig, die Maske anzufassen….

… und zeitlich einzuordnen
Ich habe mir bisher nur selten über die politischen Geschehnisse während der Lebenszeit eines Komponisten Gedanken gemacht. Ja, mein Fehler. Die Ausstellung hat das aber auf sympathische Weise einbezogen. Angefangen bei der Tatsache, daß Beethoven aufgrund der französischen Besetzung des Rheinlandes nicht vom Studium in Wien zurückkehren konnte, über die Tatsache, daß er Napoleon zunächst als positiv empfand (Napoleon sozusagen als „Prometheus“) bis zum Wiener Kongress, den er mit Musik bereicherte. Spannend wie sich die Lebenslinien wichtiger Menschen hier plötzlich überschneiden, denn ich mußte sofort an die Humboldt-Ausstellung in Berlin und Wilhelm Humboldts Tätigkeit beim Wiener Kongress denken.

Und sonst so….
Schön waren auch die „Fun Facts“ – die Tatsache, daß er nur schlecht rechnen konnte, seinen Kaffee immer mit genau 60 Kaffeebohnen gemacht haben wollte und sein Leiden unter seiner zunehmenden Taubheit, die damals nicht angemessen behandelt werden konnte. Auch Beispiele wie Normalhörende seine Musik hören und wie er sie wohl gehört haben muß (also wie wenig) fand ich sehr eindrucksvoll.
Insgesamt habe ich vier Stunden in der Ausstellung verbracht – ziemlich viel Zeit, obwohl es gar nicht voll war. Nur im letzten Teil waren die Hörstationen so belagert, daß ich verzichtet habe.
Insofern: Wer Musik mag und sich für Beethoven interessiert sollte diese liebevoll und gut gemachte Ausstellung nicht verpassen.

Winterzeit – Museumszeit – 04.01.2020

Heute schrieb jemand auf Twitter, daß Regenzeit für ihn Lesezeit sei. Ja. Aber auch nein. Es gibt eigentlich keine Jahreszeit oder Wetterlage, die für mich nicht Lesezeit ist. Oft ist die Frage eher, ob ich genug innere Ruhe habe, um zu lesen. Die Jahre 2017 und 2018 waren da schwierig. Was aber immer stimmt: Die Winterzeit ist für mich sehr stark eine Museumszeit. Gerade in den etwas ruhigeren Tagen nach den Feiertagen schlage ich gerne zu: letzten Samstag war ich in Herne in der Pest-Ausstellung (sehr interessant), am Donnerstag aufgrund der abendlichen Öffnungszeiten im Wuppertaler Von Der Heydt Museum in der Ausstellung zu Else Lasker Schüler und dann noch in der Ausstellung zu Oskar Schlemmer (beide auch interessant) und heute das Highlight dieses Winters – die Beethoven-Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn (sehr sehenswert, dazu schreibe ich separat noch etwas!).

Was mir heute (im mittäglichen Orgelkonzert in der Bonner St. Remigius-Kirche auch auffiel – es gibt keine Menschen, die mich und das was ich mag/nicht mag wirklich kennen. Selbst Menschen, die mich „eigentlich“ seit vielen Jahren „kennen“, lagen im letzten Jahr ziemlich oft völlig daneben. Eine merkwürdige Erkenntnis.

Aber für heute soll das reichen.

Leseliste 2020

Sozusagen die Fortsetzung der Leseliste 2019…..

Bewertung
*** sehr gut
** gut
* in Ordnung
kein Stern kein Kommentar

7. Francois Garde: L’Effroi (08.02.2020) ***
Ein berühmter französischer Dirigent soll (irgendwann in diesem Jahrtausend) die Oper „Cosi fan tutte“ dirigieren. Das Orchester sitzt bereits im Orchestergraben, der Dirigent kommt, dreht sich zum Publikum, zeigt den Hitlergruß und sagt „Heil Hitler“. Ein Musiker, Sebastien Armant, fühlt ein großes Entsetzen – er kann so nicht einfach die Oper spielen. Er steht auf und dreht sich mit dem Rücken zum Dirigenten. Eigentlich würde er gerne gehen, aber er kommt nicht durch das Orchester durch. Seine spontane Geste der Ablehnung verändert alles – den Abend und sein Leben. Er wird zu einer Medienpersönlichkeit – mit allen positiven und negativen Folgen.
Ich fand das Buch sehr gut. Irritierenderweise las ich es, als „Erfurt“ passierte – auch ein Moment wo ein spontanes „Nein“ einen großen Unterschied gemacht hätte…….

6. Paul Assouline: Le Portrait (01.02.2020) **
Beim „Aufräumen“ meines Bücherregals habe ich die französischsprachigen Bücher mal wieder „umgeräumt“ und dabei fiel mir das Buch von Pierre Assouline in die Hände. Ein sehr spannendes Thema. Betty Baronin Rothschild stirbt und ab diesem Moment lebt sie in dem Gemälde weiter, das Ingres von ihr gemalt hat. Dieses Weiterleben ist nicht bloß symbolisch. Sie lebt im Gemälde und aus der Perspektive des Gemäldes erlebt sie, wie um sie getrauert wird, wer sich in dem Raum trifft, worüber gesprochen wird und sie wandert (mit den jeweiligen Besitzern des Gemäldes) durch die Zeiten. Den Ansatz fand ich sehr spannend, manche Episoden waren mir aber – mangels Kenntnis der französischen Berühmtheiten der jeweiligen Zeit – zu lang, trotzdem fand ich das Buch und eben diese besondere Perspektive sehr gut.

5. Paul Guimard: L’ironie du sort (22.01.2020) ***
Es war ein zufälliger Griff ins (neu aufgeräumte) Bücherregal, das mir dieses Buch „lieferte“ und bei dem Titel (Ironie des Schicksals) konnte ich nicht nein sagen. Guimard erzählt die Geschichte von Antoine, der 1943 in Nantes in einer Septembernacht einen deutschen Offizier umbringen soll. Was, wenn er erfolgreich ist? Was, wenn nicht? Wie entwickelt sich die Geschichte, wie entwickelt sich sein Leben (oder sein Sterben) und was ist mit den Menschen in seinem Umfeld? Wie wird deren Leben verlaufen? Es ist dieser eine Moment in dieser Septembernacht, dieses „ja“ oder „nein“, das zu völlig unterschiedlichen Lebensverläufen bei ganz vielen Menschen führen wird. Guimard erzählt diese unterschiedlichen Alternativen, jede für sich genommenen ein vollständiger und möglicher Ablauf. Ein faszinierender Gedanke und ein ebenso faszinierendes Buch!

4. Olivier Guez: La Disparition de Josef Mengele (15.01.2020) ***
Guez hat die Lebensgeschichte von Mengele nach 1945 anhand der vorhandenen Informationen in einem Roman verpackt, der die Flucht nach Südamerika, die einzelnen Lebensstationen, die Kontakte zu anderen SS-Größen (Eichmann zum Beispiel) aber auch die Unterstützung durch die Familie in Deutschland sehr anschaulich darstellt. Der Roman basiert auf einer umfassenden Recherche, der Autor nutzt aber bewußt die Form des Romans, um das, was er nicht wissen kann, auch nachvollziehbar und erzählbar zu machen. Ich fand das Buch sehr spannend und sehr informativ, gerade weil es nicht „anklagt“, sondern „nur“ erzählt. Gleichzeitig war es für mich eine gute Art, mich mit den Versäumnissen dieser Zeit (und deren Auswirkungen auf die heutige Zeit) gedanklich zu beschäftigen.

3. Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit (10.01.2020) ***
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, auch weil es auf sehr einfühlsame Weise Geschichten zu den Themen erzählt, die auch meine Themen sind – den Umgang mit Tod, Verlust und Einsamkeit. Es ist eine völlig andere Geschichte als meine, aber ich fühlte mich dem Ich-Erzähler sehr verbunden, an einer Stelle (wo es um den Umgang mit einer Krebserkrankung geht) hatte ich sogar Tränen in den Augen (ja, das ist der Teil der tatsächlich etwas mit meinen Erfahrungen zu tun hat). Und die Frage, was an einem selbst wirklich „unveränderlich“ ist, was nicht „kaputtgehen darf“, finde ich sehr spannend. Für mich eine sehr lohnende Lektüre!

2. Gladys Mitchell: Death comes at Christmas (05.01.2020)
Eigentlich mag ich Krimis, aber dieses Buch habe ich nur zu Ende gelesen, weil ich immer gehofft habe, daß es irgendwann besser wird. Mrs Bradley, die „ermittelnde“ Hauptperson des Buches war mir von Anfang an nicht sympathisch – vielleicht auch deswegen, weil sie in diesem Buch wirklich jede andere Person mit „child“ anspricht….. Für mich paßte es jedenfalls nicht.

1. Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle (01.01.2020) ***
Gefühlt hatte ich dieses Buch schon seit ewigen Zeiten irgendwo im Regal stehen. Ich habe es irgendwann angefangen, ein kleiner Verlagsprospekt diente als Lesezeichen, weit war ich nicht gekommen, aber irgendwann habe ich das Buch nur noch beim Aufräumen in der Hand gehabt – so auch kurz vor Weihnachten beim Versuch des großen Aufräumens….. Und diesmal packte mich das Buch. Die Mischung aus zwei ineinander verzahnten Geschichten – der von Viktor Abravanel im „heutigen“ Wien und der von Manoel Soeira im Portugal von Anfang des 17.Jahrhunderts ist gleichzeitig faszinierend und beklemmend. Es geht um die Frage, ob beziehungsweise wann man dazugehört (ein Thema, das ich persönlich sehr wichtig finde), was man verschweigt und warum und wie eine Gesellschaft mit diesen Dingen umgeht – dargestellt am Schicksal der Marranen (iberischen Juden, die unter Zwang zum Christentum „bekehrt“ wurden) und jüdischen Menschen im Wien der Nachkriegszeit. Es war ein Buch, das mir sehr eindrücklich die Geschichten von Flucht, Unterdrückung und erzwungener Lüge nahegebracht hat. Gerade für die Feiertage war das eine sehr gute Lektüre.

Neujahr – 01.01.2020

Wann beginnt eigentlich Neujahr? Um Mitternacht oder erst nach dem Ausschlafen, am Morgen oder Vormittag? Neujahr ist – zusammen mit Weihnachten und Silvester – eine Zeit, die für mich mit vielen Erinnerungen und „Ritualen“ verbunden ist.
Es fängt mit der Vorbereitung des traditionellen Neujahrsessens an – Galouschchen (mit Rinderhack und Reis gefüllte Kohlrouladen, die in Sauerkraut gegart werden). Wie all die Jahrzehnte seit meiner Kindheit habe ich dieses Essen gestern vorbereitet und heute gegessen. Es dauert ein bißchen, das vorzubereiten – aber es gehört für mich dazu wie das Glas Sekt um Mitternacht und das Anschauen des Feuerwerks (ja, ich mag das immer noch gerne!).
Gestern Abend blühten sogar die ersten Blüten an meinen Barbarazweigen (auch eine Tradition, die ich aber nicht jedes Jahr einhalte).
Aber inmitten der Traditionen ist natürlich auch Raum für Neues – heute für den Besuch eines Neujahrskonzertes in Düsseldorf-Urdenbach. Nach einem wunderbar sonnigen Spaziergang durch den Schloßpark Benrath kam ich in Urdenbach raus und war erstaunt, in Düsseldorf Fachwerkhäuser zu sehen – sogar ein Gerichtsgebäude (Fachwerk und sehr sehenswert) aus dem 16.Jahrhundert.
Ein bißchen versteckt ist dort eine Kirche mit einer wunderschön aussehenden Kirchenorgel, der Ort des Neujahrskonzertes. Mit Purcell, Händel, Rinck und Schumann wurde das neue Jahr musikalisch begrüßt. Ein guter Ort für Orgelkonzerte!
Und auf dem Rückweg habe ich sogar noch „Die Vertreibung aus der Hölle“ von Robert Menasse zuende gelesen, der erste – sehr lesenswerte – Eintrag für die Leseliste 2020!

Was ich Euch für 2020 wünsche….

Es ist die Zeit der guten Wünsche und ich möchte aufschreiben, was ich Euch für 2020 wünsche!

Ich wünsche Euch ein sorgenfreies Jahr.
Ich wünsche Euch Gesundheit (und wo das nicht möglich ist, die bestmögliche Betreuung, wenn möglich Genesung und hohe Lebensqualität).
Ich wünsche Euch, daß Ihr die Nähe von Menschen ohne Verletzungen erleben könnt.
Ich wünsche Euch, daß es Menschen gibt, denen Ihr wichtig seid und die Euch auch wichtig sind.
Ich wünsche Euch, daß es Menschen gibt, mit denen Ihr schweigen aber auch sprechen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Menschen Euch zuhören und daß Ihr Menschen zuhört.
Ich wünsche Euch, daß Ihr schöne, fröhliche und angstfreie Begnungen mit Menschen erlebt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr Euch irgendwo zugehörig fühlen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr gute Ideen habt und sich daraus schöne und spannende Projekte und Entwicklungen ergeben.
Ich wünsche Euch, daß Ihr schöne Momente – egal welcher Art – erleben und genießen könnt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr am Ende des Jahres gerne und mit einem Lächeln an das Jahr 2020 zurückdenkt.
Ich wünsche Euch schöne Erinnerungen.

Alles Gute für 2020!

2019 – ein Rückblick

Das Jahr 2019 ist fast vorbei. Nur noch ein Tag und ein paar Stunden, dann liegt ein Jahr hinter mir, auf das ich mich eigentlich gefreut hatte und das nach 2017 und 2018 anders verlief, als ich es damals gedacht hatte (damals konnte ich noch „gehofft“ sagen). Die kurze Zusammenfassung meines persönliches Jahres (es geht mir nur um die private Ebene): kaum Menschen, viel Kultur.

Es gab in jedem Monat ein paar „Highlights“ und die möchte ich kurz zusammenfassen.

Januar 2019
Der Höhepunkt des Monats Januar war mein Besuch der Museumsnacht in Basel und auch die Lesezeit auf der Zugfahrt nach und von Basel. Basel selbst hat mir als Stadt gut gefallen, ich habe schöne alte Ecken entdeckt und während der Museumsnacht spannende Dinge erlebt und gehört. Besonders im Münster habe ich viel Zeit verbracht – ein Ort, der mich sehr angesprochen hat.
Auf der Rückfahrt von Basel habe ich – endlich – das Buch von Arnold Retzer gelesen – Miese Stimmung – Eine Streitschrift gegen positives Denken. Es war eine gute Zuglektüre und ein guter Zeitpunkt für diese Lektüre. Mir ist damals klar geworden, daß „Hoffnungslosigkeit“ durchaus sinnvoll sein kann, nämlich da, wo Hoffnung (zum Beispiel die Hoffnung auf menschliche Nähe und auf Beziehungen zu Menschen) einfach Selbstbetrug wäre. Das Lesen hat mir erlaubt, mich von dem Gedanken „Du mußt es nur immer wieder probieren, dann wird es irgendwann gut“ zu entfernen und Treffen/Verabredungen mit Menschen einfach abzulehnen. Das hat es mir letzten Endes auch leichter gemacht, die kleinen Verletzungen und Ablehnungen des Jahres 2019 besser zu überstehen.

Februar 2019
Ich könnte einfach „Düsseldorf“ schreiben. Ich habe im Februar und auch im März unwahrscheinlich viel Zeit in Düsseldorf im Theater verbracht, viele wunderbare Aufführungen gesehen und auch viel gelesen, um auf diese Aufführungen vorbereitet zu sein. Es war wunderbar, daß es so viele unterschiedliche und interessante Aufführungen gab – ich habe das sehr genossen!

März 2019
Von Düsseldorf nach Essen ….. In einem Pausengespräch im Central in Düsseldorf hörte ich zufällig jemanden über „Biographie. Ein Spiel“ von Max Frisch sprechen und wie der Zufall es wollte, wurde dieses Stück im März in Essen gespielt. Ein spannender Text und eine sehr gelungene Aufführung. Die Frage, ob beziehungsweise was ich in meinem Leben ändern würde, ist schon sehr spannend. Vielleicht würde ich mich einfach eher von den Menschen zurückziehen, um weniger Verletzungen und Ablehnungen zu erleiden…….

April 2019
Der April brachte einen schönen Jahrestag (Erinnerung an meine Mutter), viele schöne Spaziergänge und Wanderungen und einen Kurzurlaub mit viel Bewegung an der Ostsee/in Lübeck mit Ausflug nach Hamburg (wo ich sowohl die Alster umrundete als auch das Theater besuchte). Es waren nur wenige Tage, aber sie haben meiner Seele gut getan – auch weil es an diese Orte viele schöne Erinnerungen an die Zeit mit meiner Mutter gibt.

Mai 2019
Das bewegendste Erlebnis hatte ich direkt am 1. Mai – ich folgte einem Pilgerrundweg in Lübeck, bei dem ich auch „Sorgensteine“ sammeln und ins Wasser werfen „durfte“. Es war eine merkwürdige Erfahrung.
Heiterer waren dann die Museumsnächte in Frankfurt, Hamburg und Bremen – jede anders, aber immer mit schönen Konzerten und Ausstellungen.

Juni 2019
Das Stichwort des Monats Juni war „Shakespeare“ – in Neuss und in Berlin. Das Wetter war sommerlich warm, sonnig und trocken und so konnte ich in Berlin (während ich wegen einer Konferenz dort war) zwei Open-Air-Aufführungen erleben. Die Aufführung von „Romeo und Julia“ in Berlin-Charlottenburg hat mich sehr begeistert. Und in Neuss habe ich natürlich auch einige Vorstellungen gesehen …..
Es war gleichzeitig auch der Zeitpunkt eines traurigen Jahrestages und mir ist in den Tagen rund um diesen „Jahrestag“ sehr bewußt geworden, daß Twitter für mich persönlich nicht paßt.

Juli 2019
In meiner Erinnerung vermischen sich im Juli die Blaubeeren mit den Sommerkonzerten in der Neanderkirche in Düsseldorf. Beides wunderbar, beides genußvoll und ja, ein paar Sternschnuppen gab es auch (wobei ich mir nichts gewünscht habe).

August 2019
Ich war etwas traurig, daß es dieses Jahr keine Feigenernte gab – aber nach der Rekordernte 2018 war das nicht so schlimm (ein paar reife Feigen konnte ich immerhin im Oktober ernten – ungewöhnlich spät). Ansonsten war es ein schwieriger Monat, ohne daß es konkret irgendwelche negativen Ereignisse gab.

September 2019
Aus beruflichen Gründen (Konferenzbesuch) war ich ein paar Tage in Bremen. Durch Zufall entdeckte ich das Konzert der Hamburger Ratsmusik in Verbindung mit einer Zweig-Lesung (Magellan) im Bremer Übersee-Museum. Eine wunderbare Veranstaltung mit schöner Musik und einem sehr inspirierenden Text von Stefan Zweig. Am Samstag konnte ich mir dann noch einen wunderbaren Nachmittagsspaziergang durch den Bremer Bürgerpark gönnen. Es war so wunderbar warm und sonnig, daß ich zwischendurch auf einer Caféterrasse ein Stück Torte genießen konnte. Eine schöne Erinnerung an Bremen und ein sehr positiver Aspekt in einem ansonsten schwierigen Monat.

Oktober 2019
Im Oktober hatten sich manche Wogen geglättet, es war auch beruflich eine gewisse „Ruhe“ eingekehrt. So konnte ich mir den Besuch des 24h-Stunden-Theaters in Berlin gönnen (danke für den Hinweis an @finenschnabel). Freitagabend, Samstagmorgen und Samstagabend war ich also damit beschäftigt, das „Live-Entstehen“ eines nur einmal gespielten Theaterstücks zu verfolgen. Am Samstag tagsüber habe ich die Ausstellung in der ehemaligen Stasi-Zentrale besucht. Es war ein kalter (aber sonniger) Tag und ich habe mir sehr viel Zeit für die Dauerausstellung im Hof genommen. Es war gut verbrachte Zeit und ich habe sehr viel über die Zeit bis November 1989 gelernt, was ich vorher nicht wußte. Gleichzeitig fand ich es erschreckend, wieviel ich von dieser Zeit nicht wußte (obwohl ich durchaus regelmäßig Zeitungen gelesen und Nachrichten geschaut habe). Am Sonntagvormittag bin ich dann – passend zum Samstagsthema – den Mauerweg entlang gelaufen. Was nicht geplant war – daß ich dabei unzählige Friedhöfe und sogar das Grab von Fontane entdeckte (und mich einem Gespräch mit einem alten Deutschlehrer zum Thema Fontane stellen mußte).
Sehr schön waren auch der geschenkte Besuch in der Theaterkantine sowie die Theatervorstellung „Die Pest“ in Moers (wo das Publikum etwas „unfreiwillig“ mitspielen mußte).

November 2019
Beruflich ein sehr voller und fordernder Monat, gleichzeitig der Monat in dem ich versucht habe, Haus und Garten für den Winter und die Weihnachtsfeiertage vorzubereiten. Es war viel Arbeit und ich bin wenig zum Lesen gekommen. Etwas Theater ging natürlich trotzdem. Enttäuscht hat mich die Lesung mit Narvid Kermani in Düsseldorf – nicht wegen der Texte, sondern weil er sich darüber beklagte, daß Menschen Social Media ohne Angabe ihres echten Namens nutzen. Schön war dann die Ballettaufführung „Dornröschen“ in Essen und besonders Spaß hat es mir gemacht, die Adventskarten zu schreiben und zu verschicken (auch wenn ich bei einigen nicht weiß, ob sie überhaupt angekommen sind). Ich mag solche Überraschungen!
Der November war gleichzeitig der Zeitpunkt, in dem ich mich sehr stark von Twitter zurückgezogen habe. Ich habe zwar noch über eine Konferenz und ein Social-Media-Treffen (Humboldt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin) getwittert, aber nichts Persönliches mehr berichtet. Es paßt letztlich zu meiner Einschätzung vom Juni. Ich fühle mich nicht zugehörig und es ist irgendwie auch nicht wichtig, etwas aus meinem Leben zu erzählen. Genausogut könnte ich im Bus laute Selbstgespräche führen (was ich bisher jedenfalls nicht getan habe). Ich werde den Account nicht löschen, aber ich nutze ihn derzeit nicht wirklich (außer für fachliche Themen).

Dezember 2019
Viel Musik, viel Genuß (auch kulinarischer Art), viel Ruhe über die Feiertage und viel Zeit zum Lesen. Der Dezember war bis zum 20. Dezember „gut gefüllt“, danach kam dann der Genußteil mit einem schwungvollen und fröhlichen Weihnachtsoratorium in Essen-Werden, Hänsel und Gretel und Nußknacker im Aalto-Theater in Essen. Es fällt mir immer noch schwer, manche Weihnachtslieder mitzusingen – die Erinnerung an meine Mutter ist manchmal zu präsent – aber es war schön, daß ich Heiligabend im Weihnachtsgottesdienst war (in meiner Konfirmationskirche) und ein paar Tage zuvor beim offenen Singen in der Neanderkirche in Düsseldorf. Weihnachten war und ist für mich ein Fest der schönen Erinnerungen und der vielen Genüsse – genau das konnte ich dieses Jahr erleben.

Und morgen? Einkaufen, kochen, ein entspannendes Bad und dann lesen, essen und Musik genießen!

Fröhliche Weihnachten!

Viele Jahre lang habe ich am 23. Dezember den vorletzten Blogbeitrag für meinen persönlichen Adventskalender geschrieben. Dieses Jahr nicht und daher nutze ich diesen Tag nun für einen kurzen Blogbeitrag, um Euch fröhliche Weihnachten zu wünschen.

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und Weihnachten steht vor der Tür – eine fröhliche und besinnliche Zeit, die für mich mit vielen schönen Erinnerungen verbunden ist. Vor allem mit vielen Liedern und Rezepten. Kennt Ihr das Lied Fröhliche Weihnachten überall? Das hatte ich heute beim Einkaufen im Kopf – meine Mutter hat es oft gesungen.

Was ich fast jedes Jahr an Weihnachten mache – die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens (A Christmas Carol) lesen (manchmal auch als „Weihnachtslied“ bezeichnet). Ich liebe diese Geschichte und könnte den Anfang sogar mitsprechen ….. Als ich gestern Nachmittag unterwegs war habe ich mich gefragt, was mir die drei Geister wohl zeigen würden, falls sie mich besuchen würden. Eine spannende Frage!

Der Geist der vergangenen Weihnachten würde mich in viele Jahre kleiner aber schöner Weihnachtsfeste zurückbegleiten. Mit meiner immer ein bißchen schief aber laut und gerne singenden Mutter, die schon Wochen vorher Plätzchen und Stollen gebacken hat und viel Zeit in die liebevolle Vorbereitung gesteckt hat. Für das Jahr 2017 würde er mich am Nachmittag des 24. Dezembers in die Dechenhöhle begleiten und mir die ansonsten lesend und viel klassische Musik hörend allein verbrachten Feiertage zeigen.

Der Geist der diesjährigen Weihnachten würde ein paar schöne Konzerte finden – das schwungvolle und fröhliche offene Singen in der Neanderkirche in Düsseldorf (wo mir bei manchen Liedern in Erinnerung an meine Mutter dann doch die Tränen kamen), das ebenso schwungvoll und fröhlich aufgeführte Weihnachtsoratorium in Essen-Werden – wo ich bei dem Spaziergang vor dem Konzert noch an „Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus, alles sieht so festlich aus“ dachte, und dann noch an die kommenden Aufführungen von Hänsel und Gretel und Der Nußknacker. Es wird – wie schon die letzten beiden Jahre – ein fröhliches aber ruhiges Fest, das ich ganz allein begehen werde – mit vielen schönen Büchern, viel klassischer Musik und gutem Essen!

Was könnte der Geist der zukünftigen Weihnachten zeigen? Hoffentlich nichts, für das ich mich irgendwie schämen müßte. Aber wohl auch nichts, was irgendwie mit Menschen oder Geselligkeit zu tun hat. Weihnachten ist für mich vor allem ein Fest der fröhlichen Erinnerungen – Gegenwart kann durch fröhliche Erinnerungen fröhlich sein.

Ich wünsche Euch, daß Ihr einen Moment innehalten und überlegen könnt, was die Geister der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnachten Euch erzählen würden. Vor allem aber wünsche ich Euch ein friedliches und fröhliches Weihnachtsfest!