27. März

Der 27. März ist der Welttheatertag. Im Jahr 1961 hat das Internationale Theaterinistitut ITI diesen Tag initiiert, seitdem wird er gefeiert – jedes Jahr mit einer konkreten Botschaft. Die Botschaften der vergangenen Jahre und vor allem die Menschen, die diese Botschaften überbracht haben, kann man hier nachlesen, die Botschaft für dieses Jahr findet man (in deutscher Sprache) hier und ich finde, dass sie lesenswert ist.

Dass auch Heinrich Mann, der am 27. März 1871 in Lübeck zur Welt kommt, sich mit dem Theater beschäftigt, war mir bis eben nicht bewußt. Aber es passt gut zu diesem Tag. Wirklich erfolgreich ist er in diesem Bereich allerdings nicht, der Theaterkritiker Alfred Kerr ist da sehr deutlich in seinen Äußerungen. Tatsächlich sind es vor allem seine Romane, die seinen literarischen Ruhm begründen, eine gute Auflistung und Beschreibung einiger dieser Romane findet sich hier. Interessant finde ich auch, dass sein Leben gar nicht so gut bekannt ist – ganz im Gegenteil zu seinem jüngeren Bruder Thomas.

Am 27. März 1909 kommt Golo Mann, der Sohn von Heinrich Manns jüngerem Bruder Thomas Mann, in München zur Welt. Er wird Historiker und als solcher wiederum Schriftsteller. Sein Werk „Wallenstein. Sein Leben erzählt von Golo Mann“ hat er selbst als „wahren Roman mit Lücken“ bezeichnet. Wahr, weil nichts erfunden wird, Roman, weil erzählt wird und mit Lücken, weil die historische Überlieferung unvollständig ist. Das ZDF verfilmt diesen wahren Roman übrigens im Jahr 1978.

Zwei Jahre vor Golo Manns Geburt wird in Berlin ein Ort eröffnet, den auch ich schon öfter und gerne besucht habe – das KaDeWe oder auch Kaufhaus des Westens.

Am 27. März im Jahr 196 vor Chr. treffen sich ägyptische Priester zu einer Synode in Memphis. Bei dieser Synode verabschieden sie ein Dekret, das in drei Sprachen auf einem Stein festgehalten wird – dem Stein von Rosetta (oder auch Rosette). Dieser Stein wird 1799 von französischen Truppen entdeckt. Zum Rosetta-Stein und seiner Geschichte und Bedeutung gibt es eine interessante virtuelle Ausstellung.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Neugier und spannenden Entdeckungen.

 

26. März

Noch einmal Europa, denn am 26. März 1995 tritt das Schengener Abkommen in Kraft. Damit verschwinden die Grenzpfähle und die Grenzkontrollen. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern.

Am 26. März 127 beginnt die Geschichte der Astronomie – zumindest die uns bekannte Geschichte der Astronomie. Claudius Ptolemäus – von dem wir sonst wenig wissen – beginnt an diesem Abend im ägyptischen Alexandria, seine astronomischen Beobachtungen zu notieren. Er erschafft einen Sternenkatalog mit 48 Sternen – den Almagest, die sich alle um die Erde drehen sollen. Nur passen die Bewewegungen der Sterne nicht zu den von ihm erwarteten Bahnen. Bis zum 2. Februar 141 notiert er seine Beobachtungen. Sein geozentrisches Weltbild wird erst circa 1500 Jahre später zugunsten des heliozentrischen Weltbilds verworfen.

William Caxton lernt in den Jahren 1471 und 1472 in Köln die Kunst des Buchdrucks. Nach einer Zeit in Brügge kehrt er nach England zurück und beginnt auch dort, Bücher zu drucken. Damit ist er der erste englische Drucker. Am 26. März 1484 erscheint in England die von ihm gedruckte englischsprachige Fassung der Fabeln von Aesop. Hier kann man sich den Druck sogar anschauen.

Am 26. März 1905 kommt Viktor Frankl in Wien zur Welt. Er wird ein Neurologe und Psychiater und auch ein Autor. Am 25. September 1942 werden er, seine Frau und seine Eltern ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Er übernimmt dort – zusammen mit Regina Jonas die psychologische Betreuung der Neuankömmlinge. Im Oktober 1944 wird er nach Ausschwitz gebracht, wenige Tage später in ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Seine Familie überlebt nicht, er schon. Nach dieser Zeit schreibt er ein Buch mit dem Titel „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ und dem Untertitel „Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager.“ Es ist einige Jahre her, das ich das Buch gelesen habe. Es hat mich sehr beeindruckt – auch, weil das Überleben oft in scheinbar „kleinen“ Dingen steckt, zum Beispiel darin, sich auch bei Kälte täglich zu waschen. Nicht aufzuhören mit diesen täglichen Dingen. Dieser Satz mag hier und jetzt banal klingen, im Buch hat er für mich eine besondere Eindrücklichkeit erreicht. Und ja, nach der Lektüre des Buches habe ich mich mit Resilienz beschäftigt – was wiederum gut zu Viktor Frankl passt, denn das ist sein Thema, auch wenn er diesen Begriff nicht verwendet.

Am 26. März 1953 berichtet Dr. Jonas Salk von einem bedeutenden Durchbruch: er hat erfolgreich einen Impfstoff gegen Polio (Kinderlähmung) getestet. Im folgenden Jahr beginnen die klinischen Tests, kurz danach kann der Impfstoff eingesetzt werden.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit Zuversicht, innerer Klarheit und Resilienz.

25. März

Reden wir über Europa! Denn der 25. März ist tatsächlich für Europa – oder zumindest für das, was wir heute als Europäische Union bezeichnen – ein wichtiger Tag. Am 25. März 1957 unterzeichen Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Deutschland die Römischen Verträge. Dies ist die eigentliche Geburtsstunde der Europäischen Gemeinschaft und damit der heutigen Europäischen Union. Mehr zum Hintergrund kann man hier nachlesen.

Auch für Griechenland – mittlerweile ein selbstverständlicher Teil der Europäischen Union – ist der 25. März ein wichtiger Tag – sogar zweifach. Am 25. März 1821 beginnt die griechische Revolution. Am 25. März 1924 wird die Republik ausgerufen (und der König entthront). Heute ist der 25. März in Griechenland ein Feiertag und zwar einmal als Tag der Unabhängigkeit in Erinnerung an den 25. März 1821 und als Tag, an dem das (kirchliche) Fest der Verkündigung gefeiert wird.

Am 25. März 1969 verkünden John Lennon und Yoko One ihr erstes „Bed-In“ in einem Hotel in Amsterdam. Ihr Ziel ist es, mit dieser Kunstaktion gewaltfrei gegen Krieg und für Frieden zu protestieren. Tatsächlich mußte ich beim „Bed-In“ an die Zeremonie des „Lever du Roi“ denken……

Am 25. März 1965 endet der Protestmarsch amerikanischer Bürgerrechtler von Selma nach Montgomery – mit Martin Luther King an der Spitze. Er spricht dort von Freiheit und zwar von der Freiheit, Bürgerrechte wahrnehmen und wählen zu können. Einen kleinen Teil der Rede kann man hier sehen, hier kann man die Rede (in englischer Sprache) lesen.

Damit wünsch ich Euch einen Abend voller Mut, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten.

 

24. März

Manchmal sind es kleine Dinge, die große Auswirkungen haben können. Das trifft auch für den 24. März zu. Denn an diesem Tag im Jahr 1882 berichtet Robert Koch vor der Physiologischen Gesellschaft in Berlin von einer Entdeckung – er hat nämlich den Tuberkulose-Erreger gefunden. Ein wichtiger Durchbruch für die medizinische Forschung! Den wesentlichen Inhalt seines Vortrages vom 24. März kann man hier nachlesen. Besiegt ist die Krankheit Tuberkulose damit noch nicht, aber in den meisten Fällen heilbar. Das ist gegenüber vergangenen Zeiten schon ein großer Fortschritt. In Heidelberg gibt es übrigens ein Tuberkulose-Museum.

Seit 1996 ist der 24. März auch der Welttuberkulosetag der WHO.

Am 24. März 1494 kommt Georg Bauer zur Welt, der sich später Georg Agricola nennt – nach dem lateinischen Wort für „Bauer“. Er wird Arzt, Apotheker und Wissenschaftler. Besonders die Mineralogie und die Geologie sind seine Leidenschaft, er gilt als Begründer der modernen Wissenschaft in diesen Bereichen. Besonders ist auch, dass er sein Wissen nicht mündlich weitergibt, sondern in Büchern festhält.

Am 24. März 1756 erlässt Friedrich der Große den „Kartoffelbefehl“. Die Kartoffel ist zu diesem Zeitpunkt in Europa schon bekannt, aber in keiner Weise beliebt. Friedrich erlässt zum einen den Kartoffelbefehl, zum anderen arbeitet er angeblich mit einer List – er läßt die Kartoffelfelder bewachen. Alle denken nun, dass die Kartoffeln wertvoll sind. Sie stehlen sie und bauen sie an. Ob das stimmt? Wer weiß. Was aber stimmt: dass sich die Kartoffeln innerhalb kurzer Zeit in Deutschland verbreiten. Heute sind sie von unserem Speiseplan kaum wegzudenken.

Am 24. März 1874 kommt der Mensch zur Welt, der als „Houdini“ die Menschen fesseln und bezaubern wird. Erik Weisz heißt er, bevor er zu Houdini wird. Seine Geschichte klingt faszinierend.

Damit wünsche ich Euch einen bezaubernden Abend.

 

23. März

Überall revolutionäre Tendenzen! Am 23. März 1848 erklärt sich Venedig von Österreich unabhängig, es entsteht – bis zum Sommer 1849 – die Repubblica di San Marco.

Schon am 23. März 1821 findet die friedliche Befreiung von Kalamata statt, dies ist im Prinzip der Auftakt zur griechischen Revolution, die auch als griechischer Unabhängigkeitskrieg bezeichnet wird. Ziel der Griechen ist es, sich von der osmanischen Herrschaft befreien.

Fast schon eher lustig finde ich den (unblutigen) Madrider Hutaufstand (allein der Name!!), der am 23. März 1766 ausbricht. Hintergrund dieses Aufstands ist ein Verbot, einen runden breitkrempigen Hut und einen langen Mantel zu tragen. Männer sollen statt dessen einen Dreispitz und einen kurzen Mantel tragen.

Okay? Wenn Ihr Euch fragt, was diese Frage hier soll, dann sage ich nur: am 23. März taucht die Abkürzung „o.k.“ zum ersten Mal auf und zwar in der Boston Morning Post. Die Geschichte dahinter ist nett: einige Zeitungsleute haben eine Vorliebe für Abkürzungen und manche sogar für fehlerhafte Abkürzungen. Aus einem „all correct“ wird ein „oll korrect“ und damit ein „ok“ und das hat sich im Laufe der Zeit bis zu uns durchgesetzt. Ziemlich ok, oder?

Etwas ernster geht es am 23. März 1782 zu. An diesem Tag erscheint der Roman „Gefährliche Liebschaften“ (oder auch „Les Liaisons dangereuses“) von Choderlos de Laclos. In 175 Briefen erzählt Choderlos de Laclos die Geschichte zweier Intrigen. Wenig überraschend ist das Buch ein Skandalerfolg, es folgen viele weitere Auflagen. Ich erinnere mich noch an den Kinofilm, das Buch habe ich allerdings (noch) nicht gelesen.

Thematisch in eine ganz andere Richtung geht es am 23. März 1743: an diesem Tag wird der Messias von Georg Friedrich Händel zum ersten Mal in London aufgeführt. Hier kann man ein Stück – nämlich das berühmte „Halleluja“ – hören. Während meiner Schulzeit habe ich den Messias im Schulchor mitgesungen, an das „Halleluja“ kann ich mich besonders gut erinnern – auch wenn das schon lange her ist.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller schöner Überraschungen!

 

22. März

Der 22. März ist seit der Weltwassertag – im Jahr 1992 wird dieser Tag beschlossen, im Jahr 1993 erstmals begangen. Ziel dieses Tages ist, die Wasserkrise nicht nur als ökologisches Problem zu verstehen, sondern auch als humanitäre und politische Aufgabe.

Mit Wasser hat auch der Jurist, Theologe und politische Philosoph Hugo Grotius zu tun, allerdings mit Meerwasser. Im Jahr 1609 veröffentlich er die Schrift „Mare Liberum“. Auf den ersten Blick geht es darin um den freien Seehandel, der für die Niederlande schon damals besonders wichtig ist. In der Schrift und in dem Begriff steckt allerdings auch ein völkerrechtliches Konzept, das noch heute Anwendung findet. Nur der Küstenstreifen unterliegt der territorialen Gewalt eines Staates, das Meer an sich ist herrschaftsfrei. Aber darum geht es heute nicht. Im Jahr 1619 wird er wegen Landesverrats gefangen genommen und zu lebenslangem Kerker verurteilt. Seine Familie darf ihn in den Kerker begleiten, außerdem darf er seine wissenschaftlichen Tätigkeiten fortführen und sich Bücher schicken lassen und diese wieder zurückgeben. Diese Möglichkeit nutzt er am 22. März 1621 zur Flucht. In einer Bücherrückgabekiste versteckt (statt der zurückzugebenden Bücher) kann er den Kerker verlassen und kommt über Antwerpen nach Paris.

Und noch einmal geht es um Wasser und auch hier wieder um Meerwasser. Am 22. März 1595 erreicht Walter Raleigh mit seinem Schiff Trinidad. Es wird gemeinhin behauptet, dass er bei dieser Reise den Asphaltsee entdeckte und mit dem Asphalt sein Schiff repariert. Den Asphaltsee gibt es wirklich und wird er auch schon sehr lange für verschiedene Zwecke genutzt. Ob Walter Raleigh ihn wirklich entdeckt und genutzt hat, ist nicht so klar, da er den See in seinen Aufzeichnungen wohl nicht erwähnt.

Zählen auch Tränen zu Wasser? Am 22. März 1848 zeichnet der Maler Adolph von Menzel die Aufbahrung der Märzgefallenen (vom 18. März 1848) auf dem Gendarmenmarkt. Es ist eines der wenigen in Deutschland entstandenen Revolutionsgemälde und – wenn auch unvollendet – ist es eine wichtige Dokumentation dieses Ereignisses.

Am 22. März 1459 kommt der spätere Kaiser Maximilian zur Welt. 1477 heiratet Maximilian Maria von Burgund. Was zunächst nach einer rein dynastischen Entscheidung aussieht, ist für beide tatsächlich mit großer Zuneigung verbunden. Umso mehr trauert Maximilian als seine Frau schon 1482 an den Folgen eines Reitunfalls stirbt.

Am 22. März 1663 kommt August Hermann Francke in Lübeck zur Welt. Er wird ein evangelischer Theologe, Pädagoge und Kirchenlieddichter. An der Theologischen Fakultät in Halle wird er Professor für Griechisch, orientalische Sprachen und später auch Theologie. Sein Lebenswerk ist die Gründung der Franckeschen Stiftungen in Halle, aus einer Armenschule entsteht etwas, das  nicht umsonst als „europaweit einzigartiger Bildungskosmos“ bezeichnet werden. Ein Ort, den ich mir irgendwann noch anschauen muß! Und zum Thema Wasser: die Saale ist nicht wirklich weit weg.

Über Wasser – nämlich über die Wupper – führt die Müngstener Brücke. Am 22. März 1897 wird das Richtfest der Brücke gefeiert, die damals noch nicht diesen Namen trägt.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit gutem und sauberem Wasser und fröhlichen oder zumindest tröstenden Gedanken.

 

 

 

21. März

Seit dem Jahr 2000 ist der 21. März der Welttag der Poesie. Ich habe das heute Morgen eher zufällig gelesen und mir für meinen Blogbeitrag notiert. Ich finde den Gedanken schön, dass es einen solchen Welttag gibt. An diesem Tag sollen Dichter*innen gefeiert werden, die Traditionen mündlicher Rezitationen und auch die Verbindung zwischen Poesie und anderen Künsten sollen gepflegt und sichtbar gemacht werden. Ich hoffe, dass das funktioniert!

Zu diesem Tag passt gut, dass der Dichter und Schriftsteller Jean Paul – der eigentlich Johann Paul Friedrich Richter heißt – am 21. März 1763 in Wunsiedel zur Welt kommt. Sein erster großer Erfolg ist der Erfolg „Hesperus oder 45 Hundsposttage“ und – weil die Zahl 45 im Titel vorkommt – habe ich darüber schon in meinem Blogprojekt 2022 etwas geschrieben. Gelesen habe ich den Roman noch nicht, aber die Geschichte, dass ein Hund die Briefe (deswegen Hundsposttage) bringt (allerdings wohl nicht schreibt), finde ich schon interessant. Mal sehen, wann ich endlich dazu kommen, diesen Roman zu lesen. Jean Paul ist aber auch ein Dichter: für heute möchte ich daher auf das Gedicht „Still blickt der Himmel….“ hinweisen, ich finde es wirklich schön!

Am 21. März 1790 schafft die französische Nationalversammlung die äußerst unbeliebte Salzsteuer („Gabelle“) ab. Was ich zusätzlich interessant finde: ein derartiges Salzmonopol führt 1930 in Indien dazu, dass Gandhi sich zusammen mit anderen Menschen auf den berühmten Salzmarsch begibt. Am 12. März habe ich das erwähnt.

Am 21. März 1804 tritt der französische Code Civil in Kraft. Interessanterweise handelt es sich nicht nur um ein „Bürgerliches Gesetzbuch“ (wie später das deutsche BGB), vielmehr enthält der Code Civil auch persönliche Freiheitsrechte, zum Beispiel in Artikel 8 – dort heißt es „Jeder Franzose soll die Zivilrechte genießen.“

Am 21. März 1467 kommt Barbara Pirckheimer zur Welt. Sie lernt gerne und gut. Mit 12 Jahren tritt sie in Nürnberg in das Kloster der heiligen Klara ein und nennt sich Caritas. Im Kloster kann sie weiter lernen und sie wird gefördert. Schließlich wird sie sogar Äbtissin. Als die Reformation nach Nürnberg kommt, verhandelt sie mit Melanchton über das Schicksal des Klosters. Zudem schreibt sie – neben vielen Briefen – auch die Schrift „Denkwürdigkeiten aus dem Reformationszeitalter“. Während ihrer Zeit als Äbtissin entsteht auch eine Chronik des Klosters. Wirklich eine besondere und eine besonders gebildete Frau!

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Poesie und guten Worten.

 

20. März

Von den meisten Menschen, die vor langer Zeit zur Welt gekommen sind, kennen wir das Geburtsdatum nicht. Wenn sie im Laufe ihres Lebens – aus welchen Gründen auch immer – Bedeutung erlangt haben – wird uns zumeist wenigstens der Todestag überliefert. Die fehlenden Angaben zum Geburtstag sind für mein Blogprojekt durchaus eine Herausforderung. Umso mehr freue ich mich über die Ausnahmen von dieser „Regel“.

Am 20. März im Jahr 43 v. Chr. kommt Ovid zur Welt. Im Internet habe ich an einer Stelle gerade die Angabe -0043 gesehen und das trifft es meines Erachtens gut, auch wenn eine solche Jahresangabe unüblich ist. Ovid, der eigentlich Publius Ovidius Naso heißt, wird ein Dichter. Und zwar ein sehr erfolgreicher Dichter mit vielen Werken. Sein Werk läßt sich in drei unterschiedliche Phasen unterteilen. In der ersten Phase wird er zum Vater der Ratgeberliteratur – er schreibt die „Liebeskunst“ (im Original Ars amatoria) – ein Lehrgedicht in drei Büchern, das sehr freizügig und ironisch berichtet, wie Frauen und Männer erfolgreich zueinander finden. Hier kann man dieses interessante Werk übrigens nachlesen. In der mittleren Phase schreibt Ovid das Werk, für das er noch heute am bekanntesten ist – die Metamorphosen. Dabei handelt es sich um mythologische Verwandlungsgeschichten in Gedichtform. In der letzten Phase – da hat Kaiser Augustus in schon verbannt – folgen Klagelieder, die sogenannten Tristia. Sein Werk wird über die Jahrhunderte hinaus viele Dichter, Schriftsteller und Künstler beeinflussen.

Am 20. März 1828 kommt Henrik Ibsen in Kristiania, dem heutigen Oslo, zur Welt. Er begründet das Theater der Moderne. Das Theater ist nun nicht mehr Ablenkung für gelangweilte Menschen, sondern hinterfragt gesellschaftliche Annahmen und Konflikte. Hochaktuell finde ich sein Stück Ein Volksfeind, ich habe es vor gar nicht so langer Zeit im Theater Krefeld-Mönchengladbach gesehen.

Ab Juni 1851 erscheint in der Zeitschrift „The National Era“ eine Geschichte von Harriet Beecher Stowe gegen die Sklaverei als Fortsetzungsroman. Die Geschichte trägt den Namen „Onkel Toms Hüte“ beiehungsweise „Uncle Tom’s Cabin“. Noch bevor alle Fortsetzungen in der Zeitung erschienen sind, erscheint der Roman am 20. März 1852 als Buch mit einer Auflage von 5000 Stück. Binnen 48 Stunden ist das Buch vergriffen. Das Buch wird zum Bestseller.

Am 20. März 1800 informiert Alessandro Volta die Royal Society in London über eine von ihm entwickelte Stromquelle – die sogenannte Voltasche Säule, eine elektrische Batterie. Volta gilt als Erfinder der Elektrizitätslehre, nach ihm wird die Einheit für elektrische Spannung Volt benannt.

Spannungsreich ist auch das Jahr 1525 in Memmingen. Am 15. und am 20. März 1525 treffen sich 50 Vertreter oberschwäbischer Bauerngruppen in Memmingen. Am 20. März verabschieden sie die 12 Artikel. Drucke dieser 12 Artikel verbreiten sich rasend schnell im gesamten Reich. Die 12 Artikel gelten als die ersten schriftlich niedergeschriebenen Menschenrechte der Welt, die Versammlung in Memmingen als erste Verfassunggebende Versammlung in Deutschland. Eine sehr spannende Geschichte, die ich im letzten Jahr unter anderem in der Ausstellung in Memmingen verfolgt habe.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Hoffnung und Zuversicht.

19. März

Am Tag nach dem Vertrag von Évian, also am 19. März 1962, tritt der Waffenstillstand zwischen Frankreich und der Provisorischen Algerischen Regierung in Kraft. Der 19. März wird seitdem in Algerien als „Fête de la victoire“ (also als Feier des Sieges) gefeiert.

Am 19. März 1616 wird Sir Walter Raleigh aus der Haft entlassen. Im Jahr 1581 kommt er zu Elisabeth I. an den Hof – er gewinnt rasch ihre Gunst und Freundschaft. Für die englische Krone gründet er Kolonien und entdeckt Südamerika. Im Jahr 1603 stirbt sie, bei ihrem Nachfolger Jakob I. fällt er in Ungnade. Er wird wegen des Vorwurfs einer Verschwörung mit Spanien zum Tode verurteilt, das Urteil wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe umgewandelt. 13 Jahre bleibt er im Gefängnis. In dieser Zeit schreibt er das (leider unvollendete) Werk The History of the World. Das Buch erscheint im März 1614, insgesamt werden es 8 Auflagen (Shakespeare schafft es während einer längeren Zeitspanne nur auf vier Auflagen…..).

Raleighs Inhaftierung hat mit Spanien zu tun. Jakob I. will mit Spanien Frieden schließen, Raleigh ist ein bekannter Wortführer gegen Spanien. Man wirft ihm also eine Verschwörung vor und verhaftet ihn. Deswegen passt es gut, dass es jetzt mit Spanien weitergeht. Am 19. März 1812 wird die Verfassung von Cádiz verkündet – und weil der 19. März der Tag des „Heiligen Joseph“ (Pepe) ist, heißt diese Verfassung auch La Pepa. Es handelt sich um die erste spanische Verfassung, die die Macht der Monarchie einschränkt und Rechte der spanischen Bürger festlegt.

Ebenfalls an einem 19. März – nämlich im Jahr 1882 – wird der Grundstein der Kirche „Sagrada Familia“ in Barcelona gelegt. Antoni Gaudí ist dabei, einige Zeit später wird er mit der Weiterführung dieses Projektes beauftragt.

Und die Frauen? Zumindest für Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und die Schweiz kann ich berichten, dass am 19. März 1911 erstmals ein „Internationaler Frauentag“ begangen wird.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit bunten und kreativen Gedanken.

18. März

Noch einmal nach Mainz: Am 18. März 1793 ruft der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent die Mainzer Republik aus. Es wird nämlich ein Dekret erlassen, in dem unter anderem folgender Text steht:

Art. 1: Der ganze Strich Landes von Landau bis Bingen, welcher Deputierte zu diesem Konvente schickt, soll von jetzt an einen freyen, unabhängigen, unzertrennlichen Staat ausmachen, der gemeinschaftlichen, auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Gesetzen gehorcht.

Art. 2: Der einzige rechtmäßige Souverän dieses Staats, nämlich das freie Volk, erklärt durch die Stimme seiner Stellvertreter allen Zusammenhang mit dem deutschen Kaiser und Reiche für aufgehoben.

Die Mainzer Republik besteht zwar nur bis Juli 1793, aber ein Anfang ist gemacht!

Weiter geht es mit dem Thema „Demokratie“ am 18. März 1848. Am Morgen dieses Tages können die Menschen in Berlin lesen, dass König Friedrich Wilhelm IV.  ein Pressegesetz erlassen hat. Der Inhalt klingt verheißungsvoll: die Zensur wird aufgehoben, die Pressefreiheit vollständig gewährt. Dies führt zu einer „Leseexplosion“ (ein schöner Begriff, wie ich finde). Zusätzlich ruft der König an diesem Tag den „Vereinigten Landtag“ ein, eine Ständeversammlung der preußischen Provinzen. Dieser soll an der Neugestaltung des Deutschen Bundes arbeiten. Das klingt nach der Einführung demokratischer Rechte. Die Menschen in Berlin sind begeistert und ziehen zum Schloßplatz, das Extrablatt der „Allgemeinen Preußischen Zeitung“ mit diesen Texten wird verteilt. Allerdings verlassen die Menschen den Schloßplatz nicht – obwohl der König diesen Wunsch signalisiert. Einsatzbereites Militär kommt hinzu, die Stimmung ändert sich, wird unruhig und es kommt zu Barrikadenkämpfen mit Toten. Ein trauriges Ende dieses Tages. Aber: die Pressefreiheit bleibt!

Und noch einmal spielt der 18. März in der deutschen Demokratie eine Rolle: am 18. März findet in der DDR die erste (und einzige) freie Volkskammerwahl statt.

Auch in Frankreich hat der 18. März eine Verbindung mit diesem Thema, denn am 18. März 1871 beginnt die Pariser Kommune. Ein Thema, über das ich bisher wenig weiß…..

Am 18. März 1962 unterzeichnen Frankreich und die Provisorische Algerische Regierung in Évian ein Abkommen zur Beendigung des Algerienkrieges. Wesentlicher Bestandteil ist die beidseitige Verpflichtung zum Waffenstillstand.

Zurück nach Frankreich und ins Jahr 1662: am 18. März 1662 beginnt der öffentliche Nahverkehr in Paris. Kein Geringerer als Blaise Pascal gründet zusammen mit anderen, unter anderem dem Duc de Roannez ein Pferdedroschkenunternehmen mit dem Namen Les Carosses à cinq sols, das in Paris zu festen Zeiten feste Strecken mit festen Haltepunkten zu einem Preis von 5 Sols bedienen soll. Mit Pferdedroschken. Sozusagen dem Omnibus des 17. Jahrhunderts. Die erste Linie startet am 18. März. Im Laufe der Wochen kommen weitere 4 Linien dazu – mit großem Erfolg. Bis wann das Unternehmen aktiv ist, läßt sich allerdings nicht mehr feststellen.

Witzigerweise wird an einem 18. März auch die erste motorisierte Omnibuslinie der Welt eröffnet – im Jahr 1895 zwischen Netphen und Deuz (heute zu Siegen gehörend), mit einem Fahrzeug der Firma Benz aus Mannheim.

Noch ein Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes: am 18. März 1855 wird die von John Augustus Roebling erbaute Niagara Falls Suspension Bridge offiziell eröffnet. Sie befindet sich knapp 4 km unterhalb der Niagarafälle.

Damit wünsche ich Euch einen einfallsreichen Abend.