12. Januar

Heute oder nicht heute? Je weiter man versucht, in die Geschichte zurückzublicken, desto unsicherer werden die Datumsangaben. Manchmal gibt es zwei oder drei unterschiedliche Daten, viel öfter fehlt eine konkrete Angabe.
Es könnte also sein, dass am 12. Januar 1260 der Mystiker und Theologe Meister Eckhart geboren wird. Er wird einer der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters, doch seine Denkweise ist so außergewöhlich, dass der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg 1325 ein Verfahren wegen Ketzerei gegen ihn einleitet. Während des Verfahrens stirbt Meister Eckart, der Papst stuft nach seinem Tod 17 seiner Thesen als Irrlehren ein, die Verbreitung seiner Schriften kann das jedoch nicht aufhalten. Interessant ist, dass Meister Eckhart schon damals seine Werke nicht nur in der lateinischen Sprache sondern auch auf deutsch verfaßt (und predigt). Der oben verlinkte Zeitzeichen-Beitrag ist faszinierend und macht mich sehr neugierig, mehr über ihn zu erfahren und zu lesen. Ob er wirklich gesagt oder geschrieben hat „Es weiß immer ein Esel einen anderen zu schätzen.“? Dieser wunderbare Satz ist unter seinem Namen zu finden….. und ich mag ihn jedenfalls (nicht nur sprachlich) sehr.

Auch an einem 12. Januar – allerdings erst im Jahr 1751 – wird der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz geboren. Sein Gedicht An das Herz ist zeitlos schön (und doch auch sehr wahr). Witzigerweise tauchen auch hier die „Esel“ auf – es kommt wegen einer „Eseley“ zu einem Konflikt zwischen Lenz und Goethe. 1778 erkrankt er – den Krankenbericht von Johann Friedrich Oberlin legt Georg Büchner später einer Erzählung zugrunde.

Die Erfindung der Draisine erlebt Lenz nicht mehr, denn als Karl von Drais am 12. Januar 1818 das „Privileg“ für seine „Laufmaschine“ erhält, ist Lenz schon verstorben. Die Laufmaschine ist das erste lenkbare und durch Muskelkraft betriebene Zweirad und jede „Draisine“ muß wegen des Privilegs (das einem heutigen Patent entspricht) eine Lizenzmarke auf der Lenkstange tragen. Im Prinzip beginnt mit dieser Erfindung die (bekannte) Geschichte des Fahrrads.

Am 12. Januar 1959 gründet Berry Gordy Tamla Records – das Unternehmen, das kurz danach als „Motown Records“ Geschichte schreiben wird, vor allem als Unternehmen mit dem schwarze Künstler*innen weiße Zuhörer*innen erreichen können. Das ist etwas Neues zu dieser Zeit und sehr erfolgreich. Gordy geht es – wie er selbst sagt – nicht um politische Botschaften oder Bürgerrechte, sondern darum ein erfolgreiches schwarzes Unternehmen zu sein. Die Rede von Martin Luther King „I have a dream“ nimmt Motown jedoch auf und schreibt damit Geschichte. Die Geschichte der Zusammenarbeit mit Martin Luther King kann man hier und hier nachlesen.

Am 12. Januar 1558 wird Gustav I. Wasa zum König gekrönt. Das klingt aus heutiger Sicht erst einmal unspektakulär. Aber als junger Mann ist er ein Teil der schwedischen Befreiungsbewegung. Mit seiner Krönung wird Schweden von Dänemark unabhängig und zu einem modernen Staat. Gar nicht so schlecht, oder? Nur positiv war seine Zeit aber auch nicht, doch Unabhängigkeit und Modernisierung reichen für mich aus, ihn hier zu erwähnen.

In Paris wird am 12. Januar 1628 Charles Perrault geboren. Der Schriftsteller ist heute vor allem wegen seiner Märchensammlung bekannt (endlich mal ein Buch, das ich schon gelesen habe!). Es lohnt sich, sie zu lesen – gerade auch weil sie in vieler Hinsicht „anders“ sind, als die sonst bekannten Märchen. So tauchen zum Beispiel in manchen Märchen Menschenfresser auf…..

Damit wünsche ich Euch einen märchenhaften Abend und eine Nacht ohne Alpträume.

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