Beginnen möchte ich mit einer Flucht – einer ziemlich spektakulären Flucht sogar. Am 17. April 1942 läßt sich Henri Giraud von den Klippen der Festung Königstein bei Dresden herab. Er ist dort Kriegsgefangener. Das „wie“ ist vor allem interessant: er lernt akzentfrei deutsch, er sammelt die Bindfänden von den Paketen, die ihm seine Frau schickt und flicht sie zu einem Seil, dass er mit 50 m Kupferdraht (den seine Frau einem Lebensmittelpaket beifügt) verstärkt. Ohne Bart und mit einem Tirolerhut schafft er den Weg nach Bad Schandau und von dort in die Freiheit. Hier kann man seine Flucht etwas detaillierter nachlesen. Es ist übrigens die einzige (gelungene) Flucht von der Festung Königstein.
Um Höhen und vor allem Tiefen geht es auch im nachfolgenden Buch: Am 17. April 1897 kommt Thornton Wilder in Madison in Wisconsin zur Welt. Ich erinnere mich vor allem an seinen Roman „Die Brücke von San Luis Rey“, der 1928 (aus meiner Sicht verdientermaßen) mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wird.
In dem Roman von Thornton Wilder betreten mehrere Menschen eine Brücke. In Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales“ begibt sich eine Pilgergruppe auf den Weg von Southwark (einem Stadtteil von London) nach Canterbury. Der 17. April ist hier doppelt bedeutsam. Zum einen wird in den Erzählungen der 18. April 1387 ausdrücklich erwähnt – der Herausgeber Walter William Skeat schließt daraus, dass der 17. April 1387 der erste „Reisetag“ der Pilgergruppe ist. Zum anderen liest Geoffrey Chaucer am 17. April 1397 seine Canterbury Tales am Hof von König Richard II. vor.
Was macht man, wenn man sich gegen jemanden verbünden möchte, den man irgendwie nicht mag? Man gründet eine „Sittichgesellschaft“ (ja, da steht wirklich Sittichgesellschaft!). Am 17. April 1414 gründen die Gegner von Herzog Ludwig VII. von Bayern die Kehlheimer Sittichgesellschaft. Der Sittich ist vermutlich eine Parodie auf Ludwigs Wappenvogel – den St. Oswalds Raben.
Am 17. April 1986 beendet ein Friedensvertrag den möglicherweise längsten Krieg – nämlich den Krieg zwischen den Scilly-Inseln und den Niederlanden. Ausgebrochen ist der Krieg im Jahr 1651. Ob es in dem Jahr wirklich eine Kriegserklärung gibt und ob der Kriegszustand bis 1986 andauert, ist umstritten. Aber 1986 gibt es auf jeden Fall einen Friedensvertrag und das ist definitiv gut!
Einen Vertrag gibt es am 17. April 1525 auch in Weingarten, den sogenannten Vertrag von Weingarten. Er beendet für die Bauern des Seehaufens den Bauernkrieg. Haben die Bauern damit auf einen Sieg verzichtet oder haben sie dadurch ihr Leben gerettet? Beides ist denkbar.
Über das, was 1525 passiert, weiß man heute nur das, was die Sieger von damals festhalten und berichten. Heute haben wir da andere Möglichkeiten – zum Beispiel Zeitungen. Am 17. April 1979 erscheint die erste reguläre Ausgabe der „taz“.
Damit wünsche ich euch einen nachdenklichen und friedlichen Abend.