R: „Eighty Days“ von Matthew Goodman

Nach der Lektüre von Jules Verne „Le tour du monde en 80 jours“ folgte dann das eigentliche Wunschbuch, „Eighty Days“ von Matthew Goodman.

Nellie Bly ist eine junge amerikanische Journalistin, die in den 1880er Jahren unbedingt in New York Fuß fassen will. Frauen sind als Journalistinnen zu diesem Zeitpunkt noch eher unüblich. Aber sie schafft es. Zunächst arbeitet sie vor allem „under cover“ – so läßt sie sich zum Beispiel in eine Irrenanstalt einweisen, um die dort herrschenden Zustände aufzudecken. Irgendwann hat sie die Idee, die Reise aus dem Buch von Jules Verne tatsächlich alleine nachzureisen. Ihre Zeitung (die von Joseph Pulitzer gegründete World) ist zunächst nicht so begeistert. Aber einige Zeit später greift man die Idee doch auf. Am 14. November 1889 startet sie von New York aus mit einem Schiff nach Europa.
Das ist in dem Moment ein großes Medienereignis und eine der konkurrierenden New Yorker Zeitungen, nämlich „The Cosmopolitan“ möchte mithalten. Deshalb schickt man auch dort eine junge Journalistin auf den Weg – Elisabeth Bisland reist in umgekehrter Richtung, also zunächst mit dem Zug nach Kalifornien.

Matthew Goodman schildert im Buch die Geschichten beider Frauen – ihre Herkunft, ihren Werdegang und ihre Reiseetappen. Anfangs lagen meine Sympathien ganz klar bei Nellie Bly. Schließlich hatte sie die Idee und ich fand es irgendwie „unfair“, dass jemand ohne ihr Wissen gegen sie antrat. Zur Mitte des Buches hin veränderte sich das. Elizabeth Bisland schien die Reise – trotz der Kürze der Zeit – zu genießen, die Einblicke in fremde Länder und Kulturen. Für Nellie Bly schien die fremde Umgebung eher ein notwendiges Übel zu sein, sie wollte eigentlich nur so schnell wie möglich nach New York zurück. Irgendwie fehlte ihr plötzlich die Neugier, die ich vorher bei ihr als Journalistin erlebt hatte.

Daheim in New York fand die World spannende Wege, die Reise zu vermarkten und so die Auflage zu steigern, obwohl man von der Reise selbst relativ wenig mitbekommen konnte. Am Ende kam Nellie Bly zuerst in New York an – nach 72 Tagen (die Zeit wurde damals sehr genau gemessen – in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden). Ein paar Tage später erreichte auch Elizabeth Bisland das Ende der Reise.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Es war gleichzeitig eine Zeitreise durch die Anfänge des weiblichen Journalismus, weibliche Alleinreisen, damalige Reisemöglichkeiten und die Welt zu dieser Zeit. Die Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Frauen und ihrer entgegengesetzten Reisewege war unglaublich spannend. Wirklich ein richtig gutes Buch!

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