7. Januar

Am 7. Januar 1901 kommt Elisabeth Schwarzhaupt in Frankfurt am Main zur Welt. Sie studiert Jura und engagiert sich ab 1932 – gerade auch, weil ihr das Frauenbild im Nationalsozialismus mißfällt – politisch. Eigentlich will sie Richterin sein, doch Frauen werden 1933 aus dem Justizdienst entlassen. Sie schreibt statt dessen eine Doktorarbeit und arbeitet dann als Juristin bei der evangelischen Kirche. Ab 1945 arbeitet sie an einer neuen Grundordnung der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit. 1953 zieht sie als Mitglied der CDU in den Bundestag ein. 1961 wird sie die erste Ministerin in einer Bundesregierung, gleichzeitig wird ihr Ressort „Gesundheit“ neu geschaffen (das ist wohl des Ergebnis eines „Sit-In“ der CDU-Damen im Bundeskanzleramt – wobei Elisabeth Schwarzhaupt bei diesem Sit-In nicht dabei ist). Es ist nicht wirklich „ihr“ Ressort, aber sie bewegt doch einiges: im Zusammenhang mit dem Contergan-Skandal, der kurz nach der Übernahme des Amtes öffentlich wird, setzt sie eine Novelle des Arzneinmittelgesetzes durch. Neue Medikamente müssen nun vor der Vermarktung auf mögliche vorgeburtliche Schäden geprüft werden. Außerdem führt sie die Schluckimpfung gegen Polio ein.

Um Frauen geht es auch am 7. Januar 1936 in Teheran. Reza Schah Pahlavi erläßt an diesem Tag ein Dekret – das Tragen des Tschador wird im Iran verboten. Dieser Tag wird dann auch zum Tag der „Befreiung der Frau“ erklärt. Heute kämpfen mutige Frauen darum, den Tschador nicht tragen zu müssen.

Am 7. Januar 1977 wird die „Charta 77“ der tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung in westeuropäischen Zeitungen veröffentlicht. Zu ihren Unterzeichnern gehört auch Václav Havel, er ist gleichzeitig auch einer der Sprecher. Interessant und wichtig finde ich den folgenden Gedanken, den wir vielleicht auch einmal brauchen werden: „Charta 77 ist keine Organisation, hat keine Statuten, keine ständigen Organe und keine organisatorisch bedingte Mitgliedschaft. Ihr gehört jeder an, der ihrer Idee zustimmt, an ihrer Arbeit teilnimmt und sie unterstützt.“

Mit Zustimmung zu der Idee von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten wünsche ich Euch einen guten Abend und schöne Träume.

6. Januar

Am 6. Januar 1389 findet ein Ereignis statt, dessen „Auswirkungen“ mich fast 600 Jahre später betreffen.
Die Stadt Köln ist seit dem Jahr 1164 „eng“ mit den „Heiligen Drei Königen“ verbunden. In diesem Jahr hat Rainald von Dassel nämlich die (angeblichen) Gebeine der heiligen drei Könige nach Köln gebracht. Der für diese Reliquie erreichte Schrein steht noch heute im Kölner Dom und ist weltberühmt und vielbesucht. Auch ich habe ihn schon gelegentlich „umrundet“. Natürlich werden die heiligen drei Könige dann auch die Stadtpatrone der Stadt Köln. Insofern ist es nur folgerichtig, dass der Lehrbetrieb der neu gegründeten Universität Köln im Jahr 1389 am 6. Januar beginnt.
Mein Besuch der Universität Köln beginnt fast 600 Jahre später, im Wintersemester 1988/1989.

In Köln studiere ich Jura – und in den ersten Semestern geht es unter anderem um Grundrechte. Das ist ein Thema das mir noch heute sehr wichtig ist – vielleicht sogar wichtiger als „damals“. Dazu passt wiederum das nächste „Ereignis“: am 6. Januar 1941 hält der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt seine Rede zur „Lage der Nation“. Die Originalrede kann man unter anderem hier hören, eine deutschsprachige Transkription der Rede hier lesen.
In dieser Rede formuliert Roosevelt vier Freiheiten:
– die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung – überall auf der Welt
– die Freiheit eines jeden Menschen, Gott auf seine eigene Weise zu verehren – überall auf der Welt
– die Freiheit von Not. Das bedeutet, weltweit gesehen, wirtschaftliche Verständigung, die jeder Nation gesunde Friedensverhältnisse für ihre Einwohner gewährt – überall auf der Welt
– die Freiheit von Furcht, was, auf die Welt übertragen, bedeutet, dass die Rüstung weltweit so weit und so gründlich reduziert wird, dass keine Nation in der Lage sein wird, einen Akt physischer Aggression gegen einen Nachbarn zu begehen – überall auf der Welt
Es fühlt sich merkwürdig an, diese Freiheiten im Januar 2026 zu lesen. Was davon gilt heute noch? Und vor allem, gilt es „überall auf der Welt“? Gleichzeitig finde ich diese Ziele immer noch erstrebenswert, sie sind im Grunde genommen zeitlos – wobei ich bei der zweiten Freiheit gedanklich ein „ob“ ergänzen würde, nämlich dass es den Menschen überall auf der Welt freisteht, ob sie Gott/einen Gott verehren bzw. einer Religion angehören.

Zur Freiheit und zum Ausleben von Freiheitsrechten gehört nach meinem Verständnis untrennbar Datenschutz. Menschen dürfen für Staat und Verwaltung sowie für Unternehmen nicht „gläsern“ sein, schon gar nicht gegenüber Staaten, Behörden und Unternehmen, die wenig Interesse an demokratischen Strukturen haben. Daher ist es sehr passend, dass am 6. Januar 1978 in Frankreich durch ein Gesetz die französische „Datenschutzbehörde“ CNIL geschaffen wird.
Heute lese ich gelegentlich die Stellungnahmen und andere Dokumente der CNIL, wenn es um die DSGVO und/oder KI geht.

Etwas weniger dramatisch, aber im Alltag ungeheurer wichtig, ist das nächste Ereignis: am 6. Januar 1862 kommt August Oetker auf die Welt. Er revolutioniert das „Backpulver“. Ja, das gab es schon vorher – aber es wurde vor allem in Bäckereien eingesetzt. August Oetker verpackt es in kleinen Tütchen für einzelne Haushalte und so kommt es, dass heute in vielen Rezepten steht „1 Päckchen Backpulver“.

Damit wünsche ich Euch einen Nachmittag mit leckerem Kuchen und nachher einen schönen Abend und eine gute Nacht.

5. Januar

Gut oder nicht gut, das ist heute die Frage. Denn vieles, was auf den ersten Blick gut aussieht, kann auf den zweiten Blick dann doch auch negative Aspekte beinhalten. Aber fangen wir an.

Am 5. Januar 1914 verkündet Henry Ford etwas Erstaunliches: nämlich den 8-Stunden-Arbeitstag und einen Lohn von mindestens 5 Dollar pro Tag. Gar nicht so dumm ist der Gedanke, der dahintersteckt: wer mehr Freizeit hat, kann auch mehr konsumieren und wer mehr Geld hat, gibt auch mehr Geld aus. Allerdings hat die Sache einen Haken, der die Arbeit in seinem Unternehmen unbeliebt macht – seine Vorstellungen von Moral und Anstand sollen eingehalten werden, Ford gründet sogar eine Spezialabteilung, die das Verhalten kontrollieren soll. Das gefällt den Arbeitnehmer*innen nicht, im Gegenteil – sie kommen sogar auf die Idee, Gewerkschaften zu gründen und Ford stampft seine Spezialabteilung nach 2 Jahren wieder ein.

Aber wie sind wir da hingekommen? James Watt hat da einen gehörigen Teil beigetragen. Am 5. Januar 1769 reicht er den Patentantrag für „seine“ Dampfmaschine ein. Erfunden hat er die Dampfmaschine nicht, aber entscheidend verbessert – als er eine existierende Dampfmaschine reparieren soll, erkennt er die Schwachstellen und verbessert sie. Damit beginnt die industrielle Revolution.

Ein Studium konnte James Watt sich nicht leisten, aber er ergatterte einen Job als Instrumentenmacher an der Universität Glasgow. Was wohl aus ihm geworden wäre, wenn er studiert hätte? Hätte er dann „seine“ Dampfmaschine entwickelt oder hätte er wissenschaftliche Beiträge geschrieben, die heute vielleicht schon vergessen wären? Am 5. Januar 1665 erscheint in Paris jedenfalls die erste wissenschaftliche Fachzeitschrift, nämlich „Le Journal des Sçavans“. Interessanterweise erscheint die Zeitschrift sogar in französischer Sprache und soll über neu erschienene Bücher und deren Inhalt informieren.

Wesentlich bekannter als diese Zeitschrift war vermutlich François Villon. Er war ein Dichter aber auch ein Krimineller und immer mal wieder im Gefängnis. Irgendwann verurteilt ihn ein Richter zum Tode. Aber er legt Berufung ein und der oberste Gerichtshof verwandelt am 5. Januar 1463 das Todesurteil in eine 10jährige Verbannung aus Paris. Es gibt noch zwei Gedichte von ihm und dann verliert sich seine Spur. Seine Werke bleiben uns jedoch erhalten!

Erhalten bleibt uns hoffentlich auch der blaue Elefant – am 5. Januar 1975 hat er seinen ersten Auftritt in der Sendung mit der Maus.

Etwas älter als der Elefant ist Friedrich Dürrenmatt. Am 5. Januar 1921 kommt er zur Welt. Als Autor befaßt er sich häufig in seinen Werken häufig mit der Frage nach Recht und Gerechtigkeit sowie Schuld und Sühne. Der Gedanke der „Mitschuld“ steht oft im Raum.

Das Thema „Schuld“ passt auch zu Konrad Adenauer, der am 5. Januar 1876 geboren wird, oder besser: das Thema „Umgang mit Schuld“. Als Verfolgter des NS-Regimes hat Adenauer, wie man auf der verlinkten Seite lesen kann, eine deutliche Meinung zum Nationalsozialismus. In privaten Briefen äußert er sie auch nach 1945, in seinen öffentlichen Reden geht er anders vor und verzichtet auf eine „Abrechnung“. Aus seiner Sicht und zum damaligen Zeitpunkt mag das die „richtige“ oder „einzig mögliche“ Vorgehensweise gewesen sein, gleichzeitig frage ich mich heute, ob ein anderer Umgang mit vermeintlichen Mitläufern für die Demokratie besser gewesen wäre.
Gerade mit Blick auf die heutige Zeit finde ich seine „Sozialpolitik“ beziehungsweise sein Verständnis von Sozialpolitik spannend. Ich glaube nicht, dass Adenauer die heutige Politik der Union richtig finden würde. Allein der Satz „Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen, nicht der Mensch der Wirtschaft.“ spricht eine deutliche Sprache.

Ob Konrad Adenauer und Umberto Eco sich etwas zu sagen gehabt hätten, wenn sie sich in ihrem Leben begegnet wären? Der gemeinsame Geburtstag am 5. Januar verbindet sie jedenfalls – wobei Umberto Eco erst am 5. Januar 1932 zur Welt gekommen ist. Umberto Eco hat seine Kindheit und Jugend im italienischen Faschismus in einigen seiner Bücher thematisiert, bekannt ist er aber auch für seinen Vortrag „Der ewige Faschismus“ (und sein gleichnamiges Buch). Darin geht es um 14 Kriterien, an denen man Faschismus erkennen kann.

Gut oder nicht gut? Ich lasse das offen, denn von hier aus ist beides möglich. Ich jedenfalls wünsche Euch eine gute Nacht!

4. Januar

Was wäre mein Leben ohne das Lesen von Büchern und ohne klassische Musik? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Und ja, das hat etwas mit dem heutigen Tag zu tun.

Am 4. Januar 1719 wird Giovanni Battista Pergolesi geboren. Leider ist ihm kein langes Leben beschert, aber seine Kompositionen überdauern die Jahrhunderte und werden auch heute noch gerne gehört und aufgeführt.

Ebenfalls an einem 4. Januar – allerdings im Jahr 1785 – wird Jacob Grimm geboren. Gemeinsam mit seinem jüngeren Brüder Wilhelm sammelt er nicht nur Märchen, sondern tritt auch im Rahmen der Protestation der „Göttinger Sieben“ zusammen mit sechs anderen Göttinger Professoren – darunter wiederum auch sein Bruder Wilhelm – für das Staatsgrundgesetz von 1833 im Königreich Hannover und die (zu der Zeit ohnehin eher bescheidenen) Rechte der Bürger ein. Was zunächst nach einem kleinen Protest von sieben Einzelpersonen aussieht, hat längerfristige Auswirkungen. So wird Jacob Grimm zum Beispiel 1848 Mitglied der Nationalversammlung in der Paulskirche.

Das politische Engagement von Jacob Grimm passt wiederum zum nächsten Geburtstagkind – zu Georg Elser, der am 4. Januar 1903 geboren wird. Georg Elser lehnt die NS-Politik ab. Er sieht die Gefahr eines kommenden Krieges, er lehnt die Einschränkungen der individuellen Freiheitsrechte und die Unterdrückung der Glaubensfreiheit ab. So entschließt er sich zum Attentat auf Hitler.

Ein letztes wichtiges Geburtstagskind – am 4. Januar 1809 kommt Louis Braille zur Welt. Im Alter von 3 Jahren verletzt er sich an einem Auge, die Verletzung führt zu einer Entzündung, die auch das andere Auge erfaßt. Mit 5 Jahren erblindet Louis Braille vollständig. Ab 1819 besucht er eine Blindenschule und kommt so in Kontakt mit den damals schon existierenden Systemen (so gibt es zum Beispiel eine „Nachtschrift), die auch von Blinden „erkannt“ werden können. Daraus entwickelt er – durch eine Vereinfachung – „seine“ Blindenschrift. Es dauert lange, bis diese Schrift sich durchsetzt. Doch noch heute erlaubt sie blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes Schreiben und Lesen. Ein schöner Abschluß für den heutigen Tag.

Damit wünsche ich Euch einen schönen Abend mit guter Musik und einem gutem Buch!

3. Januar

Kaum ist das Jahr 3 Tage alt, da kommen schon „schlechte“ Nachrichten aus der weiten Welt – heute Morgen aus Venezuela. Es ist eine unruhige Zeit und jede Reaktion kann im Grunde genommen falsch sein. Was ist überhaupt in so einer Situation richtig und was falsch? Und wie werden wir in ein paar Wochen, in einem Jahr oder in ein paar Jahren über diesen Tag und das, was ihm nachfolgt, denken?

Richtig oder falsch spielt auch an anderer Stelle für den 3. Januar eine Rolle. Am 3. Januar 1829 wird Konrad Duden geboren. Nach seinem Studium arbeitet er als Lehrer und dann als Gymnasialdirektor. Interessanterweise reformiert er den Unterricht stark, aus seiner Sicht „unnötige“ Fächer, wie zum Beispiel „Schönschreiben“ schafft er ab. Die Förderung von Musik, Kunst und Sport liegt ihm sehr am Herzen. Ihm fallen allerdings auch die Rechtschreibprobleme auf, die es zu dieser Zeit gibt – vor allem, weil eine einheitliche Regelung fehlt. 1872 legt er die Schrift „Die deutsche Rechtschreibung“ vor, dieser ist ein Wörterverzeichnis mit Regeln beigefügt. 1880 folgt das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“ (mit 27.000 Stichwörtern). 1901 wird im Rahmen der 2. Orthographischen Konferenz (an der Konrad Duden beteiligt war) eine einheitliche Rechtschreibung in Deutschland beschlossen, Österreich und die Schweiz schließen sich an. Das Werk von Konrad Duden wird ab 1902 zum verbindlichen Wörterbuch für die deutsche Rechtschreibung, seit 1915 heißt das Werk auch „Duden“.

Die Frage „richtig oder falsch“ kann man auch auf das anwenden, was Martin Luther am 3. Januar 1521 passierte. Schon seit einiger Zeit hatte Luther einige „Gepflogenheiten“ der katholischen Kirche kritisiert, 1517 hatte er die berühmten 95 Thesen veröffentlicht und schließlich zweifelte er öffentlich die Unfehlbarkeit des Papstes an. Eigentlich klar, dass „Rom“ sich das nicht gefallen lassen konnte. Am 3. Januar 1521 wurde Luther daher exkommuniziert. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre theoretisch eine Reform innerhalb der Kirche denkbar gewesen, danach wurde aus der angestrebten Reform, aus einer „reformatorischen Bewegung“ die „Reformation“. Viel hat sich dadurch in kurzer Zeit verändert – gerade bei der Beschäftigung mit dem Bauernkrieg bekommt man ein Gespür dafür. So grausam viele Ereignisse nach 1521 auch waren, so sehr läßt sich in dieser Zeit auch ein gedanklicher Aufbruch erkennen und das finde ich sehr spannend.

Zum Leben gehört auch das Scheitern. Davon kann auch Leonardo da Vinci am 3. Januar 1496 ein Lied singen. An diesem Tag testet er seine Flugmaschine. Und scheitert. Spannend ist die Frage, die wohl im Rahmen einer BBC-Sendung aufgeworfen wurde, ob Leonardo da Vinci gar keinen Erfolg erzielen wollte – um zu verhindern, dass seine Flugmaschine militärisch eingesetzt wird. Ein Aspekt der gut zum heutigen Tag und zu diesem Blogprojekt passt.

Erfolgreicher ist da der Physiker und Autodidakt Léon Foucault. Am 3. Januar 1851 kann er mit einem Pendel die Erdrotation sichtbar machen. Hier wird der Beweis und die Bedeutung dieses Beweises schön erklärt.

Auch rund um die „Margarine“ gibt es eine Geschichte aus Frankreich (und auch vom Scheitern). Napoléon der III. suchte ein Rezept für eine günstige künstliche Butter, „echte“ Butter war einfach zu teuer. Deswegen rief ein Preisausschreiben aus. Der Franzose Hippolyte Mège-Mouriès entwickelte ein Rezept und nannte das Ergebnis – nach dem Perlenglanz des Kunstfetts (griechisch „márgaron“) – Margarine. Dummerweise schmeckte seine „Margarine“ den Menschen nicht. Ein besseres Rezept – nur mit Pflanzenfetten – meldete Henry W. Bradley am 3. Januar 1871 im Staat New York zum Patent an.

Am 3. Januar 1848 wurde Joseph Jenkins Roberts, der in den USA als Sohn befreiter Sklaven auf die Welt gekommen war, zum ersten Staatspräsident von Liberia. Das klingt nach einer sehr interessanten Geschichte – sowohl im Hinblick auf das Land als auch auf Joseph Jenkins Robert.

Damit wünsche ich Euch einen ruhigen, friedlichen und hoffnungsfrohen Abend.

2. Januar

Im Jahr 1513 kam der Theologe (und Jurist) Christoph Schappeler von St. Gallen nach Memmingen, dort wurde er Prediger an der Kirche St. Martin. Christoph Schappeler war mit Zwingli befreundet. Ab 1524 führte Schappeler die Reformation in Memmingen ein. Im Dezember 1524 gab es im Prinzip zwei unterschiedliche Glaubensrichtungen – die „Altgläubigen“ und die „Neugläubigen“. In einer solche Situation sollte zur friedlichen Einigung ein „Religionsgespräch“, eine sogenannte Disputation, stattfinden. Der Pfarrer der Altgläubigen versuchte dies noch zu vermeiden, doch es wurde für den 2. Januar ein Termin festgesetzt. Christoph Schappeler und die Anführer der Neugläubigen – zu denen auch Sebastian Lotzer gehörte – hatten den größeren Teil der Memminger Bevölkerung hinter sich und konnten daher durchsetzen, dass das Religionsgespräch am 2. Januar 1525 im Memminger Rathaus stattfand. Schappeler legte an dem Tag sieben Hauptartikel vor und alle Geistlichen mußten erläutern, was sie gegen den jeweiligen Artikel hatten. Tatsächlich konnten die Altgläubigen keine relevanten Einwände erheben und der Bürgermeister beschloss bei einer weiteren Versammlung, dass alle diese Artikel anerkennen oder die Stadt verlassen müßten. So hat man bei diesem Religionsgespräch eine Einigung erzielt.

Was man ganz klar sagen muß: Schappeler und Lotzer waren gut vorbereitet, gerade auch im Hinblick auf Gesprächsführung und strategische Vorgehensweise. Den am 2. Januar 1788 erschienen Ratgeber „Über den Umgang mit Menschen“ von Adolph Knigge hätten sie jedenfalls nicht gebraucht. Interessanterweise ist „der Knigge“ aber keine Ansammlung von Regeln, sondern eher ein Buch, in dem es um einen guten Umgang mit anderen Menschen geht. Und ja, es ist lesenswert!

Gut mit Menschen umgehen konnte auch Robert Lembke – in der am 2. Januar 1955 zum ersten Mal ausgestrahlten Sendung „Was bin ich?“ konnte man das erleben. Ich habe die Sendung in meiner Kindheit gelegentlich sehen dürfen. Er war – nicht nur mit dieser Sendung – sehr erfolgreich. Von seinem Leben als „Halbjude“ während der NS-Zeit habe ich erst vor kurzem erfahren, ein wichtiger Aspekt, der damals in den Medien meines Wissens nicht thematisiert wurde.

Die NS-Zeit verbindet auch Willi Graf, den Widerstandskämpfer (Weiße Rose) und Folke Bernadotte, den schwedischen Offizier und Vizepräsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, der es kurz vor Kriegsende noch schaffte circa 20.000 KZ-Häftlinge nach Schweden zu überführen. Was die beiden noch verbindet – beide sind am 2. Januar zur Welt gekommen. Willi Graf im Jahr 1918, Folke Bernadotte im Jahr 1895.

Am 2. Januar 1870 ist auch Ernst Barlach zur Welt gekommen, der Künstler und Bildhauer, der sich nach dem Erleben des ersten Weltkriegs deutlich in seiner Kunst gegen den Krieg wandte. Ein Beispiel ist das Denkmal im Magdeburger Dom. Nicht ganz klar ist das Verhältnis von Barlach zum Nationalsozialismus – dieser Beitrag erscheint mir lesenswert – gerade auch im Hinblick auf das komplexe Beziehungsgeflecht in der damaligen Zeit.

Doch noch kurz zu etwas heiterem: man kann auch berühmt werden, wenn man wahnsinnig viele Bücher klaut. Zumindest hat Guglielmo Libri, der am 2. Januar 1802 (manche Quellen nennen auch den 1. Januar 1803) geboren wurde, geschafft. Die eigentliche Geschichte kann man auch hier nachlesen.

Und da es gerade um Frankreich ging, ist noch erwähnenswert, dass die Academie francaise am 2. Januar 1635 offiziell zu einer staatlichen Institution erhoben wurde.

Zu guter letzt noch ein Blick auf etwas, das wir immer noch kennen – die elektrische Verkehrsampel mit drei Farben. Sie wurde zuerst am 2. Januar 1919 in Detroit in Betrieb genommen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon so alt ist. Spannend, oder?

Damit wünsche ich Euch eine gute Nacht mit bunten Träumen.

2. Februar

Am 2. Februar 506 erläßt der westgotische König Alarich II. die Lex Romana Visigothorum (das römische Gesetzbuch der Westgoten), das nach ihm auch „Breviarium Alarici“ (oder Brevier des Alarich) genannt wird. Es handelt sich dabei um eine bedeutende Zusammenstellung von Rechtsaufzeichnungen.

Am 2. Februar wird die „Terra Mariana“ gegründet – im Prinzip eine christliche Gründung, die die Gebiete umfaßt, die heute Lettland und Estland heißen.

Am 2. Februar 1709 wird der Seefahrer Alexander Selkirk von einer einsamen Insel gerettet. Daniel Defoe wird seine Geschichte unter dem Titel „Robinson Crusoe“ veröffentlichen.

Am 2. Februar 1848 beenden die Vereinigten Staaten und Mexiko mit dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo den mexikanisch-amerikanischen Krieg. Der Vertrag regelt die Grenze zwischen den beiden Ländern. Mexiko tritt unter anderem das heutige Kalifornien, Arizona, New Mexico, Utah und Nevada an die Vereinigten Staaten ab und erhält dafür eine Geldzahlung.

Am 2. Februar 1870 wird der Roman „Sieben Brüder“ von Aleksis Kivi veröffentlicht. Dieser Roman ist der erste in finnischer Sprache geschriebene Roman und prägt damit Finnland.

Seit dem 2. Februar 1886 gibt es den „Murmeltiertag“ (auch als Groundhogday bekannt). Ich hätte nicht gedacht, dass diese Geschichte „so“ alt ist……. wobei 1886 eine Zeitung darüber berichtet und der Tag an sich seit 1887 „gefeiert“ wird.

Am 2. Februar 1882 kommt James Joyce in der Nähe von Dublin zur Welt. Als Schriftsteller wird er die Arbeit an seinem Werk „Ulysses“ an seinem 40. Geburtstag, dem 2. Februar 1922 beenden. Das hat er für sich entschieden.

Und was an einem 31. Januar anfängt, geht an einem 2. Februar in einem anderen Jahr weiter….
Am 2. Februar 1990 hält der südafrikanische Präsident de Klerk eine bedeutende – ja eine geradezu historische – Rede. Er kündigt nämlich an, das Verbot des ANC und anderer Anti-Apartheid-Gruppen aufzuheben und Nelson Mandela und andere politische Gefangene aus dem Gefängnis zu entlassen.

Damit wünsche ich Euch einen bunten, fröhlichen und zuversichtlichen Abend.

1. Januar

Der 1. Januar ist ein Tag, an dem oft und gerne internationale Verträge in Kraft treten. So ist es wenig überraschend, dass am 1. Januar 1958 die im Jahr 1957 unterzeichneten Verträge zur Gründung der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (EWG) in Kraft treten. Das ist etwas mehr als 11 Jahre vor meiner Geburt und Jahrzehnte bevor ich mich tatsächlich im Studium in Belgien mit Europarecht und europäischer Geschichte beschäftigt habe. Tatsächlich empfinde ich „Europa“ (also konkret die aus der EWG später entstandene EU) als positiv. Und ja, auch da gibt es immer wieder und gerade jetzt Kritikpunkte, aber das ist dann etwas, das wir gemeinsam hoffentlich positiv verändern können.

Am 1. Januar 1985 werden Portugal und Spanien Mitglieder der damaligen Europäischen Gemeinschaft – daran kann ich mich sogar noch erinnern. Und heute ist Bulgarien der Eurozone beigetreten.

Gerade wenn ich auf Bulgarien und auch auf die Bewerbung der Ukraine schaue, habe ich den Eindruck, dass die europäischen Länder da insgesamt etwas Gutes geschaffen haben.

Etwas Gutes war auch die Gründung der Leopoldina am 1. Januar 1652 in Schweinfurt. Mit diesem Gründungsjahr ist sie eine der ältesten Wissenschaftsakademien der Welt, im Jahr 2008 wurde sie zur „Nationalen Akademie der Wissenschaften“ ernannt. In dieser Rolle berät sie Politik und Gesellschaft unabhängig zu wichtigen Zukunftsthemen.

Am 1. Januar 1660, also 8 Jahre nach der Gründung der Leopoldina, beginnt Samuel Pepys sein berühmtes Tagebuch. Neun Jahre lang schreibt er und hinterläßt so ein bedeutendes Werk, nicht umsonst bezeichnet der WDR ihn in seinem Beitrag als „Shakespeare unter den Tagebuchautoren“.

Vermutlich am 1. Januar 1502 entdecken Seefahrer die Stelle, an der später die Stadt Rio de Janeiro gegründet wird. Sie halten die Bucht fälschlicherweise für eine Flußmündung und geben ihr deswegen den Namen „Januarfluß“ – halt Rio de Janeiro.

Im September 1862 hat Abraham Lincoln eine sogenannte „Emanzipationsproklamation“ angekündigt – diese hat zur Folge, dass mit Wirkung ab dem 1. Januar 1863 alle Sklaven in den rebellischen Südstaaten für frei erklärt werden. Die konkrete Emanzipationsproklamation hat er am 1. Januar 1863 erlassen. Zumindest moralisch kämpft der Norden der USA damit für die Abschaffung der Sklaverei. Ein wichtiger Meilenstein zum Thema Sklaverei!

Ein ebenfalls wichtiger Meilenstein ist das am 1. Januar 1904 im Deutschen Reich in Kraft getretene Kinderschutzgesetz. Damals galt dieses Gesetz als fortschrittlich.

Am 1. Januar 1986 war übrigens auch die Geburtsstunde des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Auch das eine wichtige und positive Entwicklung!

Und ja, es gäbe sicherlich noch viel über gute Ereignisse am ersten Tag des Jahres zu berichten, aber mit dieser Auswahl möchte ich es für heute bewenden lassen und Euch eine gute Nacht mit positiven Gedanken und schönen Träumen wünschen.

Blogprojekt 2026 – ein Anfang

1. Januar 2026.
Das Jahr 2026 hat angefangen.
Wird es ein gutes Jahr werden oder eher nicht?

Vor ein paar Tagen habe ich bei Bluesky gefragt „Was gibt Euch für 2026 Hoffnung? Was stimmt Euch zuversichtlich?“. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Wenig überraschend antworteten mir ein paar Menschen, dass es keinen Grund für Hoffnung oder Zuversicht gibt und verwiesen als Begründung auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation. Ich teile durchaus die Sorgen angesichts dieser Situation. Aber ich habe sehr bewußt die Frage nach Hoffnung und Zuversicht gestellt. Daher bin ich dankbar, dass einige Menschen sie auch inhaltlich beantwortet haben – sehr unterschiedlich, aber doch so, dass ich den Aspekt der Zuversicht und Hoffnung erkennen konnte.

Warum habe ich überhaupt diese Frage gestellt. Im Bluesky Sachbuchclub lesen wir gerade gemeinsam das Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Der Gedanke, dass Menschen im Grunde „gut“ sind, spricht mich sehr an, er „paßt“ für mich. Das heißt nicht, dass ich keine Herausforderungen sehe, im Gegenteil. Ich bin es gewohnt, das Haar in der Suppe zu suchen (und zu finden). Ich achte also in der Regel stärker auf die Aspekte, die nicht gut sind, die Anlaß zur Sorge geben oder die kritikwürdig sind. Beruflich ist das (gerade bei der Prüfung von Vertragsentwürfen) sehr passend, privat nicht unbedingt. Die gemeinsame Lektüre des Buchs von Bregman hat mich daran erinnert, dass die Betrachtung auch eine Frage der Perspektive ist. An anderen Stellen ist mir das schon häufiger bewußt geworden – die Tatsache, dass wir eher über Kriege als über erfolgreiche Konfliktlösungen sprechen, passt gut zum Thema „Mediation“. Außerdem ist es schöner, sich an Geburtstage als an Todestage zu erinnern – wobei der Tod zum Leben gehört.

Auf einen Berg von Herausforderungen oder Problemen zu schauen, kann schnell Angst machen. Oder lähmen. Oder einem das Gefühl geben, dass es ohnehin nicht zu schaffen ist, dass es schon zu spät ist. All diese Gedanken kenne ich auch – sehr gut sogar. Und doch denke ich, dass sich immer noch irgendetwas machen läßt. Christian Eymery hat gestern das Folgende geschrieben: „Glaubt an Eure #Wirksamkeit.
Wirksamkeit entfaltet sich wie eine Kettenreaktion. Ihr beginnt vielleicht die Kette oder Ihr seid ein Teil der Kette. Ihr sorgt dafür, dass Wirksamkeit entsteht oder sich weiter entfaltet. So wird sie groß. Gemeinsam.“

Anfangen oder nicht anfangen. In Abwandlung einer berühmten Frage aus einem Theaterstück habe ich mir heute diese Frage gestellt.
Wer anfängt kann aufhören, kann scheitern, kann das was er*sie angefangen hat, ändern.
Wer nicht anfängt, kann zwar nicht scheitern, er*sie kann aber auch nichts verändern.

Genau an dem Punkt ist der Post von Christian zur Wirksamkeit wichtig. Alles, was Menschen Mut macht, ihnen Hoffnung und Zuversicht gibt, sie in schwierigen Situationen stärkt, kann wichtig sein.

Ich möchte daher in diesem Jahr – so weit ich komme, denn natürlich darf ich (wie schon 2022) jederzeit aufhören – auf positive Dinge die mit dem jeweiligen Datum verbunden sind, hinweisen. Also Dinge oder Ereignisse, die ich als positiv empfinde. Und ja, wir können immer darüber streiten, ob ein bestimmtes Ereignis positiv ist oder nicht. Aber dann sprechen wir miteinander und das ist gut.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen zauberhaften Jahresanfang!

Ende Mai 1832: das Hambacher Fest

Ich hatte es kurz auf Bluesky gepostet, für einen Blogbeitrag reichte die Zeit einfach nicht, aber: vom 27. Mai 1832 bis zum 30. Mai 1832 fand das Hambacher Fest statt. Circa 20.000 bis 30.000 Teilnehmern aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen kamen auf dem Hambacher Schloßberg zusammen, um für ein geeintes Deutschland, politische Grundrechte und ein solidarisch verbundenes Europa einzutreten. Das sind Forderungen, die auch heute noch gut klingen.

Beim Hambacher Fest sind einige Aspekte bemerkenswert: zum einen, dass es sich um ein Fest gehandelt hat. Durch dieses „Format“ konnte die Veranstaltung stattfinden, eine „Demonstration“ hätten die Behörden nicht zugelassen. Einen kurzen Überblick über die Ausgangssituation bekommt man in diesem Video – sowohl zum Hintergrund als auch zum „Fest“ selbst. Zum Fest waren erstmals auch Frauen eingeladen, den Hintergrund der Einladung und den Text kann man übrigens hier nachlesen. Interessant ist auch, dass es einen Versuch gab, das Fest zu verbieten – dagegen regte sich jedoch so massiver Widerstand, dass das Verbot zurückgenommen werden mußte.
Die Teilnehmenden zogen vom Ort Hambach (in der Nähe von Neustadt an der Weinstraße) den Berg hoch zur Schloßruine. Viele tragen Kokarden oder Fahnen in den Farben schwarz rot gold, es ist im Prinzip die „Geburtsstunde“ dieser uns ja gut bekannten Farbkombination.
Spannend sind auch die im Rahmen des Festes angesprochenen Forderungen: es geht um bürgerliche Freiheiten und europäische Solidarität. Im verlinkten Video ist – richtigerweise – die Sprache von Patriotismus – jede*r soll das eigene Land lieben (in Abgrenzung von Nationalismus). Es ist daher wenig erstaunlich, dass auch Teilnehmer*innen aus Polen und Frankreich teilnehmen.
Was auch spannend ist: das „Marketing“ rund um das Fest! So werden die Reden als Buch veröffentlicht, man kann aber auch Erinnerungstücher kaufen!

Tatsächlich zeigt das Hambacher Fest den Mut der Menschen, sich für Grundrechte und bestimmte Werte einzusetzen, damit ist es auch eine Inspirationsquelle – gerade auch in der heutigen Zeit!

Weitere beachtenswerte Links:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/vormaerz-und-revolution/der-deutsche-bund/das-hambacher-fest-1832
https://hambacher-schloss.de/entdecken/hambacher-fest/
https://www.lpb.rlp.de/fileadmin/download_neu/Landesgeschichte/Hambach_1832.pdf