Am Morgen des 4. Juli 1885 (ja, ich weiß dass heute der 6. Juli ist) wird der neunjährige Joseph Meister in einem Ort im Elsaß von einem Jagdhund angefallen, der ihn in die rechte Hand und in die Beine beißt. Ein Schlosser beobachtet den Vorfall und verjagt den Hund mit einer Eisenstange. Etwas später kommt der Besitzer des Hundes, Théodore Vonné, dazu, er schafft es den Hund am Halsband zu fassen und in eine Garage zu sperren. Dabei wird der Besitzer selbst vom Hund gebissen. Er möchte den wertvollen Jagdhund nicht töten, sondern versucht ihn zum Tierart in einem 25km entfernten Ort zu bringen. Unterwegs versucht der Hund, weitere Personen zu beißen und wird schließlich von einem Gendarm getötet. Der Besitzer bringt das tote Tier trotdem zum Tierarzt, der Tierarzt führt eine Nekropsie durch, um die Todesursache festzustellen und vermutet Tollwut. In einem Café berichtet Vonné von diesem Ereignis und erfährt von anderen Cafébesuchern, dass der Pariser Chemiker Louis Pasteur in Tierversuchen gute Erfolge mit einer Tollwutschutzimpfung erzielt hat. Unterdessen bringen die Eltern von Joseph ihren Sohn zu einem Arzt. Dieser spült Josephs Wunden am Abend des 4. Juli mit Karbolsäure (Phenol) aus. Es ist damals die einzige Möglichkeit der Wunddesinfektion. Am selben Abend spricht Vonné mit den Eltern und berichtet ihnen von der Diagnose des Tierarztes und dem Wissenschaftler in Paris. Die Mutter beschließt, mit ihrem Sohn nach Paris zu fahren, Vonné begleitet die beiden. Am Morgen des 5. Juli geht die lange Reise los. In Paris angekommen, will ihnen niemand sagen, wo sie Louis Pasteur finden können. Aber die Mutter gibt nicht auf. Schließlich finden sie Pasteur in einer Hochschule in der Rue d’Ulm. Pasteur sieht sich am 6. Juli zwei gebissenen Personen gegenüber – wobei der Biß bei Vonné nicht durch sein Hemd durchgedrungen ist. Pasteur schickt ihn deswegen weg. Bei Joseph ist die Lage anders, er hat mehrere Bißwunden. Ohne den Kadaver des Hundes kann Pasteur nicht mit Sicherheit feststellen, ob der Hund Tollwut hatte, gleichzeitig weiß Pasteur, dass auch bei Tollwut nur etwa 10% der Menschen sich damit infizieren. Es spricht also durchaus viel dafür, dass Joseph gar nicht mit Tollwut infiziert ist. Andererseits droht Joseph im Fall der Infektion der sichere Tod. Pasteur, der ja „nur“ Chemiker ist, holt zwei Ärztekollegen hinzu, die seine „Diagnose“ bestätigen. Einer von ihnen – wohl Jacques-Joseph Grancher – injiziert den von Pasteur entwickelten Impfstoff. Bis zum 16. Juli werden Joseph insgesamt 13 Injektionen verabreicht. Er ist der erste Mensch, der gegen Tollwut geimpft ist. Joseph Meister überlebt. Ob er sich überhaupt infiziert hatte, weiß man bis heute nicht. Joseph Meister hat seine Erinnerungen festgehalten, der Lokalhistoriker André Dubail hat diese in einem längeren Beitrag veröffentlicht, Louis Pasteurs „Geschichte“ ist übrigens anders.
Etwas „skurril“ ist auch die Geschichte, ob Hamburg eine freie Reichsstadt ist oder nicht. Am 6. Juli 1618 ergeht dazu nämlich ein Urteil des Reichskammergerichts und das bestätigt, zum Mißfallen der Dänen, diesen Status. Hamburg akzeptiert dieses Urteil – natürlich. Der dänische König Christian IV. versucht eine Revision des Urteils zu erwirken. Aber: wir befinden uns im 30jährigen Krieg, ein solches Verfahren ist zu dem Zeitpunkt zunächst nicht möglich, später nicht erfolgreich. Es wird lange dauern, bis der „Status“ von Hamburg geklärt ist.
Am 6. Juli 1907 kommt Frida Kahlo in Mexiko zur Welt. Sie wird eine Malerin und vermutlich die bekannteste Künstlerin Mexikos. Ihre Bilder sind nationales mexikanisches Kulturgut.
Am 6. Juli 1919 gründet Magnus Hirschfeld in Berlin das Institut für Sexualwissenschaften. Bis 1933 wird es bestehen. Heute lebt sein Gedanke und sein Name in einer Forschungsstelle und in einer Stiftung weiter.
Damit wünsche ich einen Abend mit positiven und Grenzen überwindenden Gedanken.