2. Januar

Im Jahr 1513 kam der Theologe (und Jurist) Christoph Schappeler von St. Gallen nach Memmingen, dort wurde er Prediger an der Kirche St. Martin. Christoph Schappeler war mit Zwingli befreundet. Ab 1524 führte Schappeler die Reformation in Memmingen ein. Im Dezember 1524 gab es im Prinzip zwei unterschiedliche Glaubensrichtungen – die „Altgläubigen“ und die „Neugläubigen“. In einer solche Situation sollte zur friedlichen Einigung ein „Religionsgespräch“, eine sogenannte Disputation, stattfinden. Der Pfarrer der Altgläubigen versuchte dies noch zu vermeiden, doch es wurde für den 2. Januar ein Termin festgesetzt. Christoph Schappeler und die Anführer der Neugläubigen – zu denen auch Sebastian Lotzer gehörte – hatten den größeren Teil der Memminger Bevölkerung hinter sich und konnten daher durchsetzen, dass das Religionsgespräch am 2. Januar 1525 im Memminger Rathaus stattfand. Schappeler legte an dem Tag sieben Hauptartikel vor und alle Geistlichen mußten erläutern, was sie gegen den jeweiligen Artikel hatten. Tatsächlich konnten die Altgläubigen keine relevanten Einwände erheben und der Bürgermeister beschloss bei einer weiteren Versammlung, dass alle diese Artikel anerkennen oder die Stadt verlassen müßten. So hat man bei diesem Religionsgespräch eine Einigung erzielt.

Was man ganz klar sagen muß: Schappeler und Lotzer waren gut vorbereitet, gerade auch im Hinblick auf Gesprächsführung und strategische Vorgehensweise. Den am 2. Januar 1788 erschienen Ratgeber „Über den Umgang mit Menschen“ von Adolph Knigge hätten sie jedenfalls nicht gebraucht. Interessanterweise ist „der Knigge“ aber keine Ansammlung von Regeln, sondern eher ein Buch, in dem es um einen guten Umgang mit anderen Menschen geht. Und ja, es ist lesenswert!

Gut mit Menschen umgehen konnte auch Robert Lembke – in der am 2. Januar 1955 zum ersten Mal ausgestrahlten Sendung „Was bin ich?“ konnte man das erleben. Ich habe die Sendung in meiner Kindheit gelegentlich sehen dürfen. Er war – nicht nur mit dieser Sendung – sehr erfolgreich. Von seinem Leben als „Halbjude“ während der NS-Zeit habe ich erst vor kurzem erfahren, ein wichtiger Aspekt, der damals in den Medien meines Wissens nicht thematisiert wurde.

Die NS-Zeit verbindet auch Willi Graf, den Widerstandskämpfer (Weiße Rose) und Folke Bernadotte, den schwedischen Offizier und Vizepräsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, der es kurz vor Kriegsende noch schaffte circa 20.000 KZ-Häftlinge nach Schweden zu überführen. Was die beiden noch verbindet – beide sind am 2. Januar zur Welt gekommen. Willi Graf im Jahr 1918, Folke Bernadotte im Jahr 1895.

Am 2. Januar 1870 ist auch Ernst Barlach zur Welt gekommen, der Künstler und Bildhauer, der sich nach dem Erleben des ersten Weltkriegs deutlich in seiner Kunst gegen den Krieg wandte. Ein Beispiel ist das Denkmal im Magdeburger Dom. Nicht ganz klar ist das Verhältnis von Barlach zum Nationalsozialismus – dieser Beitrag erscheint mir lesenswert – gerade auch im Hinblick auf das komplexe Beziehungsgeflecht in der damaligen Zeit.

Doch noch kurz zu etwas heiterem: man kann auch berühmt werden, wenn man wahnsinnig viele Bücher klaut. Zumindest hat Guglielmo Libri, der am 2. Januar 1802 (manche Quellen nennen auch den 1. Januar 1803) geboren wurde, geschafft. Die eigentliche Geschichte kann man auch hier nachlesen.

Und da es gerade um Frankreich ging, ist noch erwähnenswert, dass die Academie francaise am 2. Januar 1635 offiziell zu einer staatlichen Institution erhoben wurde.

Zu guter letzt noch ein Blick auf etwas, das wir immer noch kennen – die elektrische Verkehrsampel mit drei Farben. Sie wurde zuerst am 2. Januar 1919 in Detroit in Betrieb genommen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon so alt ist. Spannend, oder?

Damit wünsche ich Euch eine gute Nacht mit bunten Träumen.

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