Am 8. Januar 1912 wird der „ANC“ („African National Congress“) zunächst als „South African Native National Congress“ (SANNC) gegründet. Seit 1910 gab es in Südafrika die Südafrikanische Union, die sich innenpolitisch durch Apartheid „auszeichnete“. Demgegenüber orientieren sich die Gründungsmitglieder des SANNC an den Idealen der britischen Weißen. Dies erwarten sie auch von anderen Schwarzen, sie sind damit eine Lobbygruppe für eine kleine schwarze Minderheit. Konkreter Auslöser für die Gründung des SANNC ist der Plan, den „Natives Land Act“ so zu verändern, dass auch diese kleine Minderheit ihr bis dahin bestehendes Wahlrecht in Natal und Kapkolonie (das an Landbesitz geknüpft ist) verliert. Der SANNC protestiert „zivil“ – man schickt Protestnoten, Beschwerdebriefe und Delegationen. Auf diese Weise bleiben die Proteste friedlich aber auch erfolglos. Erst später ändert sich die Vorgehensweise und 1960 wird der (mittlerweile umbenannte) ANC dann auch verboten. Nelson Mandela, ein führender Aktivist des ANC, wird 1964 sogar zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Ende dieser Geschichte kennen wir vermutlich alle.
Am 8. Januar 1961 findet in Frankreich ein Referendum statt – es geht um die Politik von Charles de Gaulle. Konkret geht es um die Frage der Selbstbestimmung Algeriens. De Gaulle favorisiert eine Teilselbständigkeit Algeriens mit politischer Anbindung an das französische Mutterland (sogenannte „l’association“). Tatsächlich befürworten 72,7% der Abstimmenden seinen Vorschlag. Dass es dann doch anders kommt, ist wiederum eine andere Geschichte……
Nach dem gregorianischen Kalender (dazu demnächst mehr) kommt Maximilian Kolbe am 7. oder 8. Januar 1894 in Polen auf die Welt. Sein Vater kämpft ab 1914 gegen die russischen Besatzer von „Kongresspolen“ – dafür wird er hingerichtet. Maximilian tritt in einen Orden ein und wird 1918 zum Priester geweiht. Er ist ein Gegner des Nationalsozialismus, allerdings glaubt er zunächst – wie viele andere Menschen – auch an judenfeindliche Verschwörungstheorien. Als die Juden jedoch verfolgt werden, versteckt er sie in seinem Kloster und rettet vielen von ihnen das Leben. 1941 wird er nach Auschwitz deportiert, dort geht er anstelle eines Familienvaters freiwillig in den Hungerbunker. Der Familienvater überlebt und stirbt erst 1995.
Am 8. Januar 1601 wird Baltasar Gracián in Spanien geboren. Im Jahr 1619 wird er in den Jesuitenorden aufgenommen. Bekannt wird er durch das 1647 unter seinem Namen veröffentlichte Werk „Das Handorakel oder die Kunst der Weltklugheit“. Ein schönes Werk, mit jeweils kurzen Texten. Besonders interessant ist es, jeweils einen dieser Texte mit einem Zufallsgenerator auszuwählen – das ist hier möglich. Ein paar Jahre später schreibt er noch einen kritisch-desillusionierenden allegorischen Roman mit dem Titel „El Criticón“ bzw. „Das Kritikon„. Für dieses Werk (das ich bisher leider noch nicht gelesen habe) erhält er ein Publikationsverbot und wird zeitweilig sogar unter Hausarrest gestellt…….
Noch eine Kämpferin gegen den Nationalsozialismus: am 8. Januar 1867 wird Emily Greene Balch in Boston geboren. Sie studiert zunächst griechische und römische Literatur und erhält aufgrund eines hervorragenden Abschlusses ein Stipendium für ein Studium in Europa. Ab 1890 studiert sie Volkswirtschaft an der Sorbonne in Paris, dann ein Semester Ethik in Harvard und schließlich Soziologie und Volkswissenschaften in Chicago und in Berlin – unter anderem bei Georg Simmel. Zurück in den USA wird sie Professorin und forscht unter anderem im Bereich Immigration in die USA. Ab 1915 engagiert sie sich in der Friedensbewegung – so ist sie gegen einen Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg. Während der Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkriegs geht sie zurück in die USA und engagiert sich von dort gegen den Nationalsozialismus und für europäische Flüchtlinge und Asylsuchende. Im Jahr 1946 erhält sie den Friedensnobelpreis. Ein eindrucksvoller Lebenslauf!
Am 8. Januar wird der Schöpfer von „Eliza“ geboren – Joseph Weizenbaum. Er kommt in einer jüdischen Familie in Berlin zur Welt, 1936 verläßt seine Familie Berlin und wandert in die USA aus. Sein Vater hält ihn für einen „wertlosen Trottel“. Zu Unrecht! Berühmt wird er durch „Eliza“, den ersten Chatbot der Geschichte. Mehr zu „Eliza“ hier und hier. Zu Joseph Weizenbaum selbst gibt es eine sehenswerte Online-Ausstellung.
Damit wünsche ich Euch einen schönen Abend und eine gute Nacht!