Am 11. Januar 1911 wird die „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ in Berlin gegründet. Eigentlich eine gute Sache, staatsunabhängige Forschungsinstitute zu errichten. Gleichzeitig werden die Institute während des ersten Weltkriegs und während des Nationalsozialismus für problematische Forschungsthemen „eingesetzt“. 1948 erfolgt eine Neugründung als Max-Planck-Gesellschaft.
Wissenschaft und Forschung sind aber wichtig und da ist der 11. Januar durchaus von Bedeutung: am 11. Januar 1787 entdeckt der Komponist, Dirigent, Organist und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel die beiden größten Monde des Uranus, sein Sohn tauft diese Monde später Oberon und Titania. Herschel hat mit der Entdeckung des Uranus im Jahr 1781 bereits Wissenschaftsgeschichte geschrieben und begründet – mit einem selbstgebauten Teleskop – die moderne Astronomie. Die Entdeckung der Uranus-Monde ist eine weitere Sensation.
Am 11. Januar 1906 nimmt die Köln-Bonner Eisenbahngesellschaft die elektrische Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn in Betrieb. Die Bahn fährt halbstündlich, die Fahrt von Köln nach Bonn dauert 44 Minuten.
Am 11. Januar 1935 gelingt Amelia Earhart als erstem Menschen ein Alleinflug von Honolulu (Hawai) nach Oakland (Kalifornien). Sie selbst hat darüber einen Bericht in National Geographic geschrieben, den man hier lesen kann. Ein sehr interessanter Bericht. Schon vorher hat Amelia Earhart alleine weite Flüge durchgeführt – zum Beispiel als erste Frau und als zweiter Mensch nach Charles Lindbergh über den Atlantik. Sie ist wirklich eine Pionierin der Luftfahrt.
Man kann aber nicht nur in einem Flugzeug alleine sein. Das beweist Gerhart Hauptmann in seinem Theaterstück Einsame Menschen, das am 11. Januar 1891 in Berlin uraufgeführt wird. Ich habe dieses Theaterstück bisher weder gelesen noch als Aufführung gesehen, immerhin habe ich es beim Projekt Gutenberg herausgesucht, um es demnächst zu lesen.
Mit Einsamkeit hat auch Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zu tun. Und ja, der Werther hat auch mit dem 11. Januar zu tun. Am 11. Januar 1753 wird nämlich Charlotte Buff geboren, die „Lotte“ aus dem Werther. Im Jahr 1772 verliebt Goethe sich in Charlotte Buff, seine Liebe wird jedoch nicht erwidert, Charlotte Buff heiratet einen anderen Mann. Goethe verarbeitet seinen Schmerz in einem Briefroman – der Briefroman wird ein riesiger Erfolg und macht nicht nur Goethe sondern auch Charlotte Buff als „Lotte“ unsterblich. Eine schöne Schilderung dieser Geschichte kann man hier hören.
Am 11. Januar 1903 kommt Ilse Weber zur Welt, eine Musikerin und Schriftstellerin. Im Jahr 1942 werden Ilse Weber, ihr jüngerer Sohn und ihr Mann nach Theresienstadt deportiert, ihr älterer Sohn Hanuš konnte Prag mit 1938 mit dem letzten Kindertransport von Sir Nicholas Winton verlassen. Die Eltern schreiben ihm aus dem Lager Briefe, Ilse Weber verfaßt für die Kinder dort Kinderreime, Schlaflieder und Gedichte. Dabei ist es verboten, heimlich und außerhalb der „erlaubten Aufführungen“ künstlerische Werke zu schaffen. Ilse Weber macht das trotzdem, es ist eine Art von Widerstand, Musik und Kunst bringen ihr und den Kindern Erleichterung und Frieden. Ihrem Ehemann Willi gelingt es 1944 – bevor er mit einem Arbeitsbefehl Theresienstadt verlassen muß – physische Kopien der Werke von Ilse zu verstecken. So überlebt ihr Werk. Dieser kurze Bericht isst sehenswert, einige ihrer Briefe und Gedichte sind in diesem Buch veröffentlicht und ihr Lied „Wiegala“ kann man zum Beispiel hier hören.
Am 11. Januar 1911 erscheint das berühmte Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis in der Zeitschrift „Der Demokrat“. Und zu guter letzt führt das Berliner Ensemble am 11. Januar 1949 zum ersten Mal Mutter Courage von Bertolt Brecht auf, die erste öffentliche Aufführung in Deutschland. Das Stück wird ein großer Erfolg. Auch heute wird es noch oft in Theatern gespielt. Hier kann man übrigens eine Aufführung mit Lotte Lenya von 1965 sehen.
Damit wünsche ich Euch einen Abend, an dem Ihr etwas Gutes und Hoffnungsvolles sehen könnt und eine gute Nacht.