11. Dezember – K

Noch ein paar Seiten, dann habe ich das Buch der Autorin, die ich heute „ins Rennen schicke“ komplett durchgelesen. Katja heißt die Autorin, Katja Petrowskaja und ihr Buch „Vielleicht Esther“ verbindet sich für mich mit manchen Themen, die ich in den vorgehenden Beiträgen schon angeseprochen hatte.

Katja Petrowskaja entdeckt im Rahmen des Buches die Geschichte ihrer Familie. Sie findet ein Rezept ihrer Tante, das sie mit „Du“ anredet und ich denke an Italo Calvino, der seinen Leser duzt. Sie spricht von „Spielen ohne Sieger“ und ich denke an Johan Huizinga. Ihre Geschichte ist in mehrfachem Sinne eine Reise – zunächst eine Reise in Städte, die mit ihrer Familiengeschichte verbunden sind, eine Reise in die Geschichte ihrer Familie und eine Reise in den Umgang mit Geschichte. Sehr treffend schreibt sie an einer Stelle, daß etwas „Geschichte ist, wenn es plötzlich keine Menschen mehr gibt, die man fragen kann, sondern nur noch Quellen“.

Ganz wesentlich geht es in diesem Buch um das Sprechen, das Stummbleiben oder Verstummen und das Wiederentdecken der eigenen Sprache. Katja Petrowskajas Familie hat schon vor über hundert Jahren taubstumme Kinder unterrichtet und ihnen damit eine Sprache und einen Zugang zur Gesellschaft gegeben. In ihrem Buch schreibt sie dazu „Wer gehört wird, gehört dazu.“ Was sich hier zunächst auf die gesprochene Sprache bezieht, gilt aber weit darüber hinaus.

Hören wir noch die Geschichte und die Geschichten von damals? Hören wir eigentlich, wie sich die Geschichte von „damals“ heute auswirkt? Gehören diese Geschichten noch „dazu“? Ich hoffe es sehr!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen ein offenes Ohr an diesem 11. Dezember.

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