Leseliste 2019

Was ich 2019 bisher gelesen habe (private Bücher, die ich tatsächlich zu Ende gelesen habe):

Bewertung:
*** sehr gut
** gut
* in Ordnung
kein Stern – kein Kommentar

20. Sofja Tolstaja: Eine Frage der Schuld (04.02.2019) **
Leo Tolstoi hat in der Kreutzersonate (die ich auch noch lesen muß) den Mord eines Mannes an seiner Ehefrau geschildert. Seine Ehefrau hat – als Antwort auf dieses Werk – aus der Sicht einer Ehefrau ebenfalls einen solchen Mord geschildert. Es sind Gesellschafts- und Familienbilder, die mir in mancher Hinsicht fremd sind. Den Gedanken der literarischen Antwort fand ich aber sehr spannend!

19. Ha Jin: Waiting 03.02.2019) ***
Ein direkter Verweis aus dem Buch „Nichtstun“, dem ich einfach folgen mußte: China in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Arzt ist mit einer Frau verheiratet, die seine Eltern für ihn ausgesucht haben. Er liebt sie nicht. Irgendwann lernt er in der Stadt am Krankenhaus eine Krankenschwester kennen, die er mag. Sie mag ihn auch. Er möchte sich von seiner Frau scheiden lassen, aber das ist gar nicht so einfach. Eine ziemlich schwierige und hoffnungslose Situation – für beide. Und das für eine lange Zeit…. Ich fand das Buch sehr eindrucksvoll – gerade auch im Hinblick auf die sehr starren Regeln der Zeit und die Qualen, die solche Regeln mit sich bringen können.

18. Gaito Gasdanow: Die Rückkehr des Buddha (03.02.2019) **
Es gibt Bücher, die verwirren. Das Buch von Gasdanow gehört dazu. Erstaunlicherweise (und völlig unbeabsichtigt) paßt es auch gut zum Thema Warten. Es geht um einen Mord und um einen Menschen, der immer wieder zwischen Realität und Wahn hin und her wandert. Nicht schlecht, aber lange nicht so gut wie „Das Phantom des Alexander Wolf“.

17. Coen Simon: Warten macht glücklich! Eine Philosophie der Sehnsucht (01.02.2019) *
Durch Zufall (beim Bestellen des Buches „Waiting“ von Ha Jin) habe ich dieses Buch gefunden und auch bestellt. Ich fand es allerdings enttäuschend. Ich kann zwar manche Gedanken nachvollziehen, empfand das Buch für mich aber als nichtssagend. Ein Beispiel? Der Autor sagt, daß Warten schöner ist als die Erfüllung, weil das, was eintritt nie so schön ist, wie die Vorstellung davon. Aber setzt „glückliches Warten“ – für das ich eher den Begriff „Vorfreude“ wählen würde – nicht trotzdem den Eintritt des Ereignisses voraus? Kann Warten auf etwas, das nie eintritt wirklich glücklich sein? Es war jedenfalls nicht „mein Buch“.

Hendrik Ibsen: Die Stützen der Gesellschaft (27.01.2019) **
Ein sehr interessantes Theaterstück, in dem es um Feigheit, verweigerte Gespräche und ganz allgemein um Lebenslügen geht. Es war gut, daß Stück vor dem Theaterbesuch zu lesen, mir hat es gut gefallen (auch die Inszenierung des Stücks in Düsseldorf).

16. Billy Ehn/Orvar Löfgren: Nichtstun Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen (26.01.2019) ***
Vor einiger Zeit schon gekauft, fiel mir dieses grandiose Buch durch Zufall nach dem Lesen der Bücher von Zürcher und Cueni in die Hände. Besser hätte es thematisch nicht passen können. Das Buch behandelt drei unterschiedliche Themengebiete – das Warten, Gewohnheiten und Rituale und das Tagträumen. Ich fand den ersten Teil (das Warten) am spannendsten. Die Frage „Was tun Sie, wenn Sie warten?“ fand ich sehr anregend – auch die zahlreichen Beispiele aus der Literatur. Interessanterweise denke ich beim Warten jetzt öfter über das Warten nach, sozusagen eine Art „Metawarten“.

15. Claude Cueni: Warten auf Hergé (23.01.2019) ***
Ein (ein kleines bißchen böse) witziger Roman über die Comicfiguren von Hergé. Was passiert eigentlich mit Comicfiguren, wenn ihr Schöpfer sie nicht mehr in neue Abenteuer schickt? Tintin-Lutin („Tim“ aus Tim und Struppi heißt im Original „Tintin“) und seine Freunde sind verunsichert. Wo bleibt Hergé? Und warum schickt er sie nicht endlich mal wieder in eine neue Geschichte? In einem Roman in dem es um das Altern, den Tod und auch den Umgang damit geht, wird – en passant – auch die (unschöne) Vergangenheit von Hergé thematisiert. Ein sehr lesenswerter Roman, der für mich gerade zum jetzigen Zeitpunkt thematisch sehr gut paßte!

14. Urs Zürcher: Alberts Verlust (22.01.2019) ***
Alberts Verlust war für mich ein Gewinn – eine sehr schöne Sprache, eine sehr interessante Geschichte und ein Thema, das mich fasziniert und beschäftigt. Das Thema: Albert hat nach einem Unfall sein biografisches Gedächtnis verloren. Wie kann er es wiederfinden? Wie lebt man ohne Erinnerung? Ist Zukunft ohne Erinnerung möglich? Und für mich dann die Gegenfrage (die nicht zum Roman gehört): Wieviel Vergessen brauchen wir, um glücklich leben zu können? Spannende Fragen, die eigentlich auch irgendwann in einen Blogbeitrag gehören…..

13. Axel Hacke: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen (20.01.2019)*
Ein wichtiges Thema – deshalb habe ich das Buch gekauft. Inhaltlich hat es mich nicht wirklich überzeugt. Das Buch enthält einige gute Verweise auf andere Bücher, die sich mit diesem Thema irgendwie auseinandersetzen (zum Beispiel „Die Pest“ von Camus), aber mir fehlte irgendwie die „richtige Aussage“. Es waren irgendwie „nur“ die Gedanken des Autors, die für mich ohne roten Faden auf das Papier geflossen waren – immer unterbrochen von einem Dialog mit einem Freund. Richtigerweise spricht der Autor das Problem der eigenen inneren Widersprüche an, verfolgt dieses Thema aber nicht wirklich und wird an manchen Stellen (zum Beispiel beim Thema „Dummheit“) in meinen Augen sogar ein bißchen überheblich. Schade, ich hatte mir mehr von diesem Buch versprochen.

12. Andreas Bernard: Das Diktat des #hashtags – Über ein Prinzip der aktuellen Debattenbildung (19.01.2019) **
Ein hoch interessantes Thema, ein kurzer Essay mit einem geschichtlichen Überblick zu Schlagworten und zum Hashtag an sich, leider nur eine kurze Diskussion der Hashtagnutzung, die ich zwar interessant aber für mich nicht tiefgehend genug fand.

11. Arnold Retzer: Miese Stimmung – Eine Streitschrift gegen positives Denken (19.01.2019) ***
Das Buch stand schon ziemlich lange in meinem Bücherregal. Vor ein paar Jahren hatte ich es angefangen, ich war aber nicht weit gekommen. Eine Diskussion rund um das Thema „Hoffnung“ oder „Hoffnungslosigkeit“ hatte mich angeregt, es aus dem Regal zu ziehen und einmal – ganz von vorne zu lesen. Ich fand das Buch sehr interessant – gerade auch, weil es sich sehr kritisch mit dem „Dogma“ des positiven Denkens auseinandersetzt. Gerade die Fragen nach einer Pathologisierung von negativen Gefühlen, dem Einfluß des Zeitgeistes auf die Klassifizierung von und den Umgang mit negativen Gefühlen, die Fragen nach „Aufgeben“, Ängsten und Trauer fand ich sehr spannend und auch persönlich sehr hilfreich.

10. Reclam: Erläuterungen und Dokumente zu Klaus Mann Mephisto (18.01.2019) **
Parallel zum Roman habe ich die Erläuterungen und Dokumente gelesen. Ich hätte viele Anspielungen sonst wohl nicht verstanden beziehungsweise erkannt, auch die historische Einordnung und die Diskussionen rund um die Veröffentlichung und Wiederveröffentlichnung nach dem Krieg fand ich sehr spannend.

9. Klaus Mann: Mephisto Roman einer Karriere (17.01.2019) ***
Ende November wollte ich mir im Burgtheater in Wien dieses Werk als Theaterstück anschauen. Leider fiel die Vorstellung wegen Krankheit mehrerer Ensemblemitglieder aus und es wurde statt dessen eine kurze Lesung (Thomas Bernhard) veranstaltet. In der Buchhandlung im Burgtheater (ich fand es glorreich, daß es dort eine Buchhandlung gibt, die vor den Vorstellungen geöffnet ist – finanziell war dies natürlich mein Untergang!) habe ich mir dann trotzdem das Buch von Klaus Mann und einen Erläuterungstext von Reclam zu diesem Buch gekauft. Ich finde das Buch grandios – das liegt aber auch an meinem besondere Interesse für diese Zeit!

8. J.D. Salinger: The Catcher in the Rye (15.01.2019) *
Meine Pflichtlektüre für den 1. Januar 2019 und das Projekt #50guteGründe (und daher in 2018 begonnen). Vor vielen vielen Jahren habe ich das Buch im Englisch-LK gelesen. Lange her und ich habe mich an fast gar nichts erinnert. So war es tatsächlich spannend, das Buch noch einmal zu lesen. Ich weiß auch nicht, ob ich es damals „toll“ fand, jetzt jedenfalls war es „ok“, aber nicht herausragend.

7. E.T.A. Hoffmann: Lebens-Ansichten des Katers Murr (14.01.2019) **
Schon 2018 zum größten Teil durchgelesen (für den Adventskalender 2018), aber erst in diesem Jahr zuende gelesen. Gerade der häufige Wechsel zwischen den Geschichten von Murr und der Geschichte von Kreisler war spaßig. Allerdings hätte ich das Nachwort mit dem Lebenslauf von E.T.A. Hoffmann zuerst lesen sollen, dann hätte mich die Geschichte noch mehr begeistert und gefesselt. Ich bin froh, daß ich dieses Buch – das schon sehr lange in meinem Bücherregal stand – endlich gelesen habe!

6. Inger-Maria Mahlke: Wie Ihr wollt (14.01.2019) *
Auch ein Buch, das ich schon 2018 begonnen habe. Ich fand es sperrig, es hat sich mir irgendwie verweigert, auch wenn ich das historische Thema (Familiengeschichte der Tudors nach Henry VIII) eigentlich mag.

5. Christoph W. Bauer: Im Alphabet der Häuser (13.01.2019) **
Dieses Buch habe ich Anfang Dezember aus Innsbruck mitgebracht (ich wollte ja eigentlich gar nichts kaufen……). Zwei Menschen unterhalten sich über die Stadt und kommen dabei in ein Gespräch über die Geschichten, die die einzelnen Häuser der Stadt zu erzählen haben. Ich fand die Idee sehr schön und freue mich darauf, irgendwann noch einmal durch Innsbruck zu schlendern und auf diese Häuser zu achten.

4. Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche (13.01.2019) **
Dieses schlanke Büchlein habe ich bei einem Besuch der Buchhandlung Proust in Essen ganz zufällig entdeckt. Eine kleine Ladenbesitzerin aus der französischen Provinz erzählt aus ihrem Leben, den Veränderungen durch ihr Blog und durch einen Lottogewinn. Eine schöne aber auch traurige Geschichte.

3. Susanne Goga: Nachts am Askanischen Platz (12.01.2019) **
Ich mag Krimis und auch gerne historische Krimis. Die Geschichte um Leo Weichsler hat mir sehr gut gefallen – gerade auch weil ich mich für die Zeit Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts sehr interessiere.

2. Ödön von Horvath: Kasimir und Karoline (11.01.2019) **
Ende November war ich in Wien und habe dort (eher zufällig) eine Ausstellung über Ödön von Horvath besucht. Ich hatte vorher natürlich schon mal von ihm gehört, im September 2018 in Lübeck auch das Stück „Glaube Liebe Hoffnung“ gesehen, viel mehr wußte ich über ihn aber nicht. Die Ausstellung hat mir Ödön von Horvath als kritischen Geist und Beobachter näher gebracht und ich habe dort sofort ein paar seiner Werke gekauft (nicht wirklich überraschend….). Kasimir und Karoline gefiel mir gut. Besonders berührt hat mich der Text in Szene 114. Karoline sagt dort vor sich hin: „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen – –
http://gutenberg.spiegel.de/buch/kasimir-und-karoline-2903/2

1. Narvid Kermani: Sozusagen Paris (10.01.2019) ***
Ein Buch, das ich schon irgendwann in 2018 begonnen habe. Wirklich weit war ich nicht gekommen, obwohl ich die Geschichte interessant fand. Vielleicht fehlte mir letztes Jahr die Ruhe, mich wirklich auf das Buch und die literarischen Anspielungen einzulassen. Als ich es Anfang Januar wieder in die Hand nahm fand ich es plötzlich richtig gut. Ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen!

2 Gedanken zu „Leseliste 2019“

  1. Schöne Idee, ich freue mich auf deine Liste! Das mit der Leseliste habe ich auch über Jahre hinweg so gemacht, da ich aber mittlerweile gar nicht mehr so richtig zum Lesen komme, ist das bereits länger eingeschlafen! Schade!
    Wie du mich ja kennst, habe ich natürlich direkt einige Vorschläge zur Hand! 😉 Also wenn dich Ödön von Horvath und die Zeit interessiert, dann lies einmal die „Italienische Nacht“! Von Hoffmann gefällt mir immer noch das „Fräulein von Scuderi“ am besten. Und den „Mephisto“ habe ich damals auch verschlungen! Vielleicht interessiert dich als Musikbegeisterte ja auch sein Tschaikowsky-Roman „Symphonie Pathétique“.

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