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Eine Woche – sieben Tage, sieben Beiträge, die sich hoffentlich nicht verstecken müssen.

Verstecken? Ja, denn auch das hat mit der sieben zu tun – in der Geschichte „Der Wolf und die sieben Geißlein“ legt der böse Wolf die kleinen Geißlein böse rein. Als sie den Wolf erkennen versuchen sie zwar noch, sich zu verstecken – aber der Wolf findet alle, bis auf ein Geißlein, das sich im Kasten der Wanduhr versteckt hat. Und ja, am Ende wird alles gut.

Mutig ist definitiv auch das tapfere Schneiderlein. 7 auf einen Streich – auch wenn es erst einmal nur störende Fliegen sind. Auf seinen Gürtel schreibt er das allerdings nicht. Wer viel verspricht muß viel halten und das Märchen stellt dem armen Schneider schnell ein paar schwierige Aufgaben. Aber – wie nicht anders zu erwarten – der Schneider meistert alle Aufgaben und wird am Ende sogar König!

War der Schneider übermütig oder mutig? Das ist eine durchaus spannende Frage – auch im Hinblick auf die sogenannten sieben Todsünden und sieben Tugenden. Die sieben Todsünden wurden im Laufe des vierten oder fünften Jahrhunderts schriftlich festgehalten, in der Bibel finden sie sich nicht. Interessanterweise sind die Todsünden keine konkreten Handlungen, sondern eher Haltungen. Auch wer nicht in der katholischen Kirche ist, hat sich mit Themen wie Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit irgendwann schon auseinandergesetzt, durchaus auch im Rahmen von Kunst und Kultur. Meine erste bewußte Begegnung mit dem Begriff der sieben Todsünden war eine Aufführung des Tanztheaters Pina Bausch. Der Begriff der Todsünden gehörte ansonsten nicht zu meinem Leben.
Spannend finde ich jedoch, dass es als „Gegenbegriff“ auch sieben Tugenden gibt, nämlich Gerechtigkeit, Klugheit beziehungsweise Weisheit, Tapferkeit und Mut, Besonnenheit, Liebe, Glaube und Hoffnung. Können positive Begriffe die Menschen besser „leiten“ als die Angst vor Strafe? Eine sicherlich spannende Frage!

Klug und liebevoll handeln die sieben Zwerge, als sie Schneewittchen bei sich aufnehmen. Natürlich ist es schön, das Schneewittchen ihnen den Haushalt macht, aber vor allem, retten sie Schneewittchen immer wieder und sind doch ehrlich betrübt, als sie ihr in der „Apfelepisode“ nicht helfen können.

Etwas anders verhalten sich Max und Moritz. Sieben Streiche und jeder in ihrem Umfeld ist ziemlich genervt. So ist es nicht verwunderlich, dass nach ihrem unrühmlichen Ende folgender Satz steht „Als man dies im Dorf erfuhr, War von Trauer keine Spur.“ Jedenfalls sind die Streiche immer noch lesenswert!

Lesenswert ist auch das Buch „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers. Sieben Häftlinge fliehen aus einem Konzentrationslager. Die Geflüchteten sollen innerhalb von sieben Tagen gefaßt werden. Für jeden von ihnen wird ein Kreuz erstellt. Sechs der Häftlinge werden gefaßt. Nur das siebte Kreuz bleibt frei.

Fluchtjahre sind in der Regel harte Jahre, Jahre voller Hunger und Entbehrungen. Das hat mich an den biblischen Traum des Pharao erinnert, den Joseph für ihn deutet. Im Traum sieht der Pharao zunächst sieben schöne fette Kühe aus dem Nil steigen und dann sieben dürre häßliche Kühe. Joseph deutet den Traum als sieben Jahr der Fülle, denen sieben Jahre des Hungers folgen.

Zum Thema Hunger paßt wiederum das Märchen „Die sieben Schwarten“ aus dem Pentameron von Giambattista Basile….

Ich sollte langsam zum Ende kommen. Vorher möchte ich jedoch noch auf ein sehr bekanntes Gedicht hinweisen, das aus sieben Strophen besteht, nämlich Fontanes Ballade Die Brücke am Tay, die er kurz nach dem Einsturz der Brücke in Schottland geschrieben hat. Die drei Hexen aus Macbeth „treffen“ sich in der ersten und der letzten Strophe, die mittleren fünf Strophen erzählen das eigentliche Geschehen.

Wie findet man danach einen guten und positiven Abschluß? Ich hoffe, das mir das mit den septem artes liberales, den „sieben freien Künsten“ gelingt. Ich finde den Gedanken einer umfassenden Bildung, die eben nicht auf einen Erwerbszweck bezogen ist und die zum Beispiel Musik und Rhetorik umfaßt, sehr schön.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen kunst- und genußvollen Abend.

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