R: „Mansfield Park“ von Jane Austen

Liebe oder Lieblingsverlag – das war die Februaraufgabe der Booklover-Challenge. Einen Lieblingsverlag habe ich nicht. Also blieb „nur noch“ das Thema Liebe und das ist für mich natürlich ein schwieriges Thema. Es war eher ein Zufall, das ich mich für das Buch von Jane Austen entschieden habe. Die Januaraufgabe der Challenge hatte nämlich etwas mit dem Thema „Gegenteil“ zu tun. Aus Neugier habe ich nach Büchern gesucht, die tatsächlich das Thema des Gegenteils aufgriffen. Dabei fand ich das Buch „A Contrary Wind“ von Lona Manning (dazu mehr in einem separaten Beitrag). Das Buch beginnt in Kapitel 15 von Mansfield Park und erzählt dann eine andere Geschichte. Also war klar, ich „muß“ zunächst Mansfield Park lesen, bevor es wirklich Sinn macht, das Buch von Lora Manning zu lesen. Gedacht, gelesen.

Ich hatte schon Bücher von Jane Austen gelesen, nur halt nicht Mansfield Park. Interessanterweise habe ich Mansfield Park anders wahrgenommen als zum Beispiel „Pride and Prejudice“. Gleichzeitig hat es mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen – obwohl ich mit der Hauptperson Fanny Price immer ein bißchen gehadert habe.

Fanny Price ist die arme Nichte von Sir Thomas Bertram und Lady Bertram, eines der vielen Kinder der Schwester von Lady Bertram, die bei der Wahl ihres Ehemannes keine so gute Wahl getroffen hat (vor allem, was die finanziellen Mittel angeht). Die Familie von Sir Thomas wohnt auf Mansfield Park, dort in der Nähe wohnt auch die dritte Schwester von Lady Bertram, Tante Norris. Es ist diese Tante, die auf die Idee kommt, dass man (also die Bertrams!) doch ein Kind der Schwester aufnehmen könnte. Natürlich auch nur auf Kosten der Bertrams. Es reicht ja schließlich, dass sie diese gute Idee hatte. Fanny, die damals 10 oder 11 Jahre alt ist, wird ausgewählt. Sie kommt nach Mansfield Park und muß sich in einer neuen und schwierigen Situation zurechtfinden. Die beiden nur wenig älteren Cousinen mögen sie nicht, sie ist schließlich die arme und ungebildete Verwandte. Ihre Tante Norris mag sie auch nicht – sie quält sie geradezu. Der einzige aus der Familie, der eine Verbindung zu ihr aufbaut, ist ihr Cousin Edward (der noch einen älteren Bruder hat). Ich habe durch die Kapitel hindurch die unglaubliche Geduld, Ruhe und Güte von Fanny bewundert und gleichzeitig mit ihr gelitten.

Kapitel 15 führt dann zu einem Einschnitt. Sir Bertram ist schon seit langer Zeit verreist. Im Pfarrhaus sind zwei junge Leute – Mary und Henry Crawford – bei deren Schwester (der Frau des Pfarrers) zu Besuch. Edward hat zarte Gefühle für Mary. In dieser Situation schlägt jemand vor, ein Theaterstück zu spielen. Man diskutiert lange darüber, welches Theaterstück es werden soll. Letztlich wird es (auf Vorschlag eines weiteren Gastes) Lover’s Vows. Ich habe natürlich – weil ich schon ziemlich neugierig bin – das Stück gesucht und auch gelesen.

August von Kotzebue hat ein Theaterstück über ein uneheliches Kind und gebrochene Versprechen geschrieben. Irgendwie kam dieses Stück in die Hände von Elizabeth Inchbald, die daraus ein für englische Zuschauerinnen und Zuschauer passendes Theaterstück machte. Die eigentliche Geschichte blieb aber weitgehend erhalten (und ich finde, dass es sich lohnt das Stück zu lesen).

Das Proben des Theaterstücks führt dann zu interessanten Entwicklungen und Verwicklungen, die die Oberflächlichkeit und zum Teil auch Boshaftigkeit einiger der Charaktere sehr deutlich zeigen. Die „gezeigten“ Gefühle sind nicht immer wahrhaftig und echt, nicht alle der Beteiligten scheinen überhaupt ein Verständnis von „Liebe“ zu haben. Nicht einmal in der Familie selbst ist wirklich so etwas wie Liebe oder Nähe vorhanden. Vieles scheint eher Gewohnheit zu sein. Die Schilderung von Jane Austen legt das sehr deutlich offen. Aber: in der Fassung von Jane Austen wird dann tatsächlich am Ende (fast) alles gut. Ein schöner Klassiker, den ich gerne gelesen habe und der Fund und die Lektüre von „Lover’s Vows“ war tatsächlich bereichernd.

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