22. Dezember – Das Leben Montaignes

Es ist mein Lieblingsbuch des Jahres 2014 – das Buch „Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten“ von Sarah Blakewell. „Wie soll ich leben“ lautet die Frage und anhand von Leben und Werk Montaignes gibt Blakewell dazu 20 Antworten, die jeweils unterschiedliche Aspekte von Montaigne, seinem Leben und seinem Werk in den Vordergrund stellen. Eine Leseprobe gefällig?

Kurz nach dem Lesen dieses Buches habe ich mir die Gesamtausgabe der Essais bestellt, den ersten Band habe ich bereits gelesen, die anderen beiden Bände warten schon ungeduldig, wann sie endlich an die Reihe kommen …..

Sowohl die Essais als auch das Buch von Blakewell haben mich in diesem Jahr sehr bewegt. In der Persönlichkeit und im Werk von Montaigne finde ich viel, das überraschend modern und aktuell ist. Nicht ohne Grund sagt Blakewell an einer Stelle im Buch, daß Montaigne ein Blogger ohne Blog ist. Seine Essais sind die gedanklichen Vorläufer der heutigen Blogbeiträge. Er schildert eben nicht nur, was ihm äußerlich passiert, wer ihn besucht, wer ihm schreibt – sondern gerade die Schilderung des „Innen“, seiner Selbstzweifel, seiner Traurigkeit über manche Entwicklung aber auch sein humorvoll ironischer Umgang mit manchen Themen, schaffen eine Verbindung über die Jahrhunderte hinweg. Und Katzen kommen übrigens auch vor ….

Montaigne schildert in seinen Essais immer nur, was er selber macht, wie er selber mit bestimmten Situationen oder Fragen umgeht. Stefan Zweig hat diese Schilderungen in einer Art Tabelle zusammengefaßt – im siebten Kapital seines Essais über Montaigne. Montaigne selbst hätte das „so“ sicher nicht formuliert, aber der Gedanke sich von von Gewohnheiten, von Eitelkeit und Stolz und von Fanatismus (unter anderem) zu befreien, gewinnt gerade heute an Bedeutung. Montaigne kann mit seinem Leben und seinem Werk insofern ein Vorbild sein, auch wenn er sich selbst nicht als Vorbild gesehen hat. Vielleicht ist er gerade deshalb so modern und so bewegend!

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