22. Dezember – die zweiundzwanzig

Die zweiundzwanzig ist eine Zahl, die nicht sofort große Assoziationen hervorruft. Es war eine Frage des Blätterns und Sammelns, ein paar schöne Texte zu finden.

Beginnen möchte ich mit der zweiundzwanzigsten Fabel von Aesop mit dem Titel Die Dohle. Die Dohle wünscht sich ein leichteres Leben und verkleidet sich als Taube. Ein paar Tage geht das gut, aber dann kann sie – im wahrsten Sinne des Wortes – ihren Schnabel nicht halten und die Tauben erkennen und verjagen sie. Aber da die Dohle als Taube verkleidet ist, erkennen auch die Dohlen sie nicht mehr und sie ist fortan heimatlos. Ein schlimmeres Schicksal als zuvor.

Das mit dem Schicksal ist ohnehin so eine Sache – das würde Shylock sicherlich auch „unterschreiben“. Er begegnet uns im zweiundzwanzigsten Kapitel des Romans „Der Schelm von Venedig“ von Christopher Moore. Doch auch der klassische Shylock aus dem Kaufmann von Venedig hat kein einfaches Los – ergeht es ihm besser als der Dohle aus Aesops Fabel?

Noch schlimmer ergeht es in einem gewissen Sinn Maxwell Sim im zweiundzwanzigsten Kapitel des Romans „The terrible privacy of Maxwell Sim“ von Jonathan Coe. Max steht kurz vor einer bahnbrechenden Erkenntnis – die ich hier aber nicht vorwegnehmen möchte – es könnte ja sein, daß jemand das Buch liest! Ich war jedenfalls überrascht, welche Wendung die Geschichte am Ende nahm.

Dazu (also zu dieser Wendung) paßt übrigens auch gut, daß Oscar Wilde sehr gerne Bücher an seine Freunde und Verwandten verschenkte. Die gemeinsame Liebe zu Büchern fand in diesen Geschenken ihren sichtbaren Ausdruck. Im zweiundzwanzigsten Kapitel „Mirror of perfect friendship“ des Buches „Oscar’s Books“ von Thomas Wright wird dieses Thema mit einigen schönen Beispielen behandelt. Ja, mit dem passenden Buch kann man sehr viel ausdrücken!

Ich wünsche Ihnen/Euch einen schönen und glücklichen 22. Dezember und wünsche vor allem auch viele gute Buchfunde!

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