2. Dezember – B

Schon 2003 habe ich ein Buch von Brigitte Hamann gekauft – „Bertha von Suttner – Ein Leben für den Frieden“. Ich habe das Buch damals gelesen und lese es jetzt gerade wieder. Damals fand ich das Buch gut, die Person Bertha von Suttner interessant. Heute empfinde ich das Buch und das Nachdenken über die Arbeit und die Ansichten von Bertha von Suttner als wichtig und thematisch hoch aktuell. Es ist manchmal erstaunlich, wie wenig sich in den letzten 100 bis 120 Jahren verändert hat. Beispiel gefällig?

Wir reden in der heutigen Zeit immer wieder über eine gerechte Entlohnung für Kreative und über die Wege, wie man dies erreichen kann. Bertha von Suttner hat während ihres Lebens oft darunter gelitten, daß ihre Arbeit als Schriftstellerin nicht gerecht bezahlt wurde. Sie forderte daher frühzeitig (wohl schon 1886) eine gerechte Bezahlung für Autoren. Auch wenn manche Probleme von damals – zum Beispiel die fehlende Honorierung von Veröffentlichungen im Ausland oder von Übersetzungen – heute „erledigt“ sind, so ist das Thema „gerechte Bezahlung von Kreativen“ an sich immer noch aktuell.

Viel brisanter und aktueller erscheinen mir jedoch ihre Ansichten zum Antisemitismus der 1880er Jahre. Brigitte Hamann erwähnt in ihrem Buch folgenden Satz von Bertha von Suttner, der mich gerade angesichts der heutigen Situation betroffen macht: „Nichts ist leichter, als zu hetzen, nichts leichter, als bei ungebildeten Massen Haß und Mißtrauen zu wecken“. Bertha von Suttner empfand die Situation damals so, daß die Wortführer des Antisemitismus gerade nicht selbst „Hand anlegten“, sondern daß „ihr Wort das fanatische Hausen entfesselt und sich mit Wurfsteinen und Brandfackeln betätigt“. Erschreckend, nicht wahr?

Die Aussichten? Nach Bertha von Suttner „nationaler Fanatismus, Völkerhaß, Verfolgungs- und Verjagungswut: das sind alles die Elemente des Krieges.“

Vielleicht hat Stefan Zweig recht, der 1917 in einer Rede über Bertha von Suttner sagte (Nr. 636 im verlinkten Dokument) „Sie wußte ja selbst besser als jeder andere um die tiefe Tragik der Idee, die sie vertrat, um die fast vernichtende Tragik des Pazifismus, daß er nie zeitgemäß erscheint, im Frieden überflüssig, im Kriege wahnwitzig, im Frieden kraftlos und in der Kriegszeit hilflos.“

Ein schwer verdauliches Thema. Ich wünsche Euch/Ihnen daher umso mehr einen friedlichen und fröhlichen 2. Dezember!

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