R: „Snow Crash“ von Neal Stephenson

Gestern am späten Abend habe ich das Buch „Snow Crash“ zuende gelesen, es war meine zweite Leseauswahl für die Booklover-Challenge. Die Aufgabe war: Am 25.02. ist der Tag des Gegenteils: Lies ein Buch, welches nicht aus Deinem Lieblingsgenre stammt. Tja, Lieblingsgenre. So etwas habe ich nicht wirklich. Aber es gibt zwei Arten von Büchern die ich selten bis gar nicht lese: Bücher mit dem Thema „Liebe“ (ja, ich weiß, die Februaraufgabe…) und alles, was irgendwie mit Science Fiction und/oder Fantasy zu tun hat. Vor ein paar Wochen brachte ein Tweet „Snow Crash“ in meine Timeline – sozusagen das Kult- und Basisbuch rund um „digitale Entwicklung“ und „Metaverse“ (ein Stichwort, das im Moment in meiner Twittertimeline öfter auftaucht). Also, wenn es denn sein muß…..

Snow Crash ist ein Science-Fiction-Roman von Neal Stephenson, der in den USA spielt. Die USA befinden sich zum Zeitpunkt der Handlung in einem staatlich nicht mehr „geregelten“ Zustand. Es gibt zwar (wie sich am Ende herausstellt) noch einen Präsidenten, aber die üblichen staatlichen Aufgaben werden nicht mehr wahrgenommen. Um die Sicherheit der Bürger kümmern sich „Organisationen“ – so gibt es privat abgesicherte Wohnviertel wie zum Beispiel Mr. Lee’s Greater Hong Kong aber auch das Einflußgebiet der Mafia unter „Onkel Enzo“, der gleichzeitig einen Pizza-Lieferdienst betreibt.

Hiro Protagonist (der passenderweise der Protagonist des Buches ist) ist Pizzauslieferfahrer (im Buch als „deliverator“ bezeichnet), Programmierer (im Buch werden alle Programmierer als Hacker bezeichnet) und (ziemlich erfolgloser) Musikmanager. Privat lebt er (zusammen mit einem Musiker) in einem Container bzw. Lagerraum. Seine Freizeit verbringt er virtuell im „Metaverse“, das er – zusammen mit seinen Freunden Da5id und Juanita – zum Teil mitgestaltet hat. Eines Abends soll er eine Pizza ausliefern (er ist verpflichtet, dies innerhalb von 30 Minuten zu tun, sonst gibt es „tödlichen“ Ärger mit seinem Chef Onkel Enzo) und scheitert unterwegs. Y.T., eine 15jährige Kurierfahrerin übernimmt die Lieferung. In der Folgezeit ereignen sich merkwürdige Dinge, wobei es mehrere unterschiedliche Ebenen in dem Roman gibt:

– die dystopische Realität, in der Hiro, Y.T. und die anderen leben (und die man durchaus als Gesellschafts- oder Kapitalismuskritik auffassen kann)
– der fließende Wechsel in das Metaverse (mit sprechenden Bibliothekaren und anderen coolen digitalen Möglichkeiten)
– die Ebene der Gegner: Amerikaner gegen Russen? Mafia gegen kirchliche Organisation? Wer eigentlich gegen wen?
– die Beschäftigung mit der Geschichte von Sumer, der Entstehung der Sprachen und (realen bzw. virtuellen) Viren

Die Ebene der dystopischen Realität wird im Verlauf des Romans mehr und mehr zu einer Realität der (aus meiner Sicht unnötigen) Gewalt. Die Kapitel, in denen dies im Vordergrund steht (zum Beispiel sehr viel rund um den Gegenspieler Raven und fast alles in Verbindung mit dem großen Floß) haben mich überhaupt nicht angesprochen. Interessant fand ich dagegen die Schilderung des Metaversums (und die leicht ironischen Gespräche mit dem virtuellen Bibliothekar, der immer wieder darauf verweist, dass er Anspielungen und Metaphern nicht verstehen kann) sowie die Einbeziehung der Geschichte von Sumer und der Theorien zu Babel und der Entwicklung von Sprache.
Das Thema „Gewalt“ steigerte sich um Ende hin immer mehr – das Ende selbst empfand ich dann als banal.

Es ist gut, dass ich das Buch gelesen habe. Aber: ich weiß jetzt auch (wieder) ziemlich gut, warum ich solche Bücher eher selten freiwillig auswähle……

Anmerkung zum R im Titel: Ich finde es vermessen, meine kurzen Beiträge als „Rezension“ zu bezeichnen. Sie sind es inhaltlich nicht, sprachlich sicher auch nicht. Um sie trotzdem schneller finden zu können, habe ich mich mit mir selbst auf das „R“ geeinigt.

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