Welche Frauencharaktere aus Büchern sind mein Vorbild und warum?

Die Frage oben ist das „Schreibthema“ dieses Monats bei der Bookloverchallenge. Als ich vorhin – zwischen einem Klangspaziergang und dem Beginn eines Vortrags – etwas Zeit hatte, habe ich ein paar Gedanken zu dieser Frage festgehalten. Mal schauen, ob ich damit – noch vor Mitternacht – so etwas wie einen kurzen Blogbeitrag hinbekomme.

Welche Frauencharaktere sind also mein Vorbild und warum?
Es ist eine Frage, an der ich scheitere. Ich lese schon ziemlich viel und es sind oft auch interessante Frauencharaktere dabei. Aber Vorbilder? Nein. Es liegt daran, dass ich den Begriff des Vorbilds (egal ob männlich oder weiblich) schwierig finde. Es gibt Buchcharaktere, die mich ansprechen, berühren, interessieren oder neugierig machen und damit sogar zu weiterer Suche oder Lektüre anregen. Da könnte ich einige nennen. Aber als „Vorbilder“ würde ich sie nicht bezeichnen.

Manchmal handelt es sich um historisch reale Personen, die in Theaterstücken oder Romanen natürlich eine fiktive Rolle „übernehmen“. Was ist wahr, was ist Fiktion, wenn ich einen Roman oder ein Theaterstück über Elizabeth I, Margarethe I oder Mary Stuart lese? Wie stark nehme ich Gedanken, Gefühle oder die Haltung von anderen Romanfiguren mit? Wie und vor allem wie lange werde ich mich an Stasia, Christine und Kitty (drei der Frauen aus Nino Haratischwilis Buch „Das achte Leben (für Brilka)“ erinnern?

Jede dieser „Figuren“ hat natürlich eine Wirkung auf mich als Leserin. Nicht unbedingt immer nur positiv (ich war über Nelly Blys fehlende Neugier während der Weltreise enttäuscht), aber doch sichtbar. Ich könnte jetzt die „Frauenfiguren“ der Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, gedanklich vorbeiflanieren lassen. Viele davon waren mir sympathisch, manche habe ich nicht verstanden (die überirdische Geduld von Fanny Price in Mansfield Park), manche haben mich positiv überrascht (die Offenheit von Elizabeth Bisland für die Begegnung mit fremden Menschen und Kulturen). Sie alle haben mich ein Stück begleitet, mir ihre Geschichten, ihre Worte und ihre Gefühle geschenkt, manche sind vielleicht zu guten Bekannten geworden, aber eben nicht zu Vorbildern.

Im Begriff des Vorbilds steckt für mich stark der Gedanke des „Nacheiferns“, des „ich will so sein wie sie“ und das paßt nicht. Ich will über Fragen nachdenken, die diese Figuren beschäftigen, ich will über ihre Konflikte und ihre Entscheidungen nachdenken, ich will mit ihnen traurig oder fröhlich sein. Aber: ich will nicht so sein wie sie!

Vielleicht sollte ich irgendwann mal in einer ruhigen Minute festhalten, warum ich welches Buch/welche Figur aus einem Buch tatsächlich schätze. Aber das ist keine Aufgabe für heute Abend.

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