1. Januar

Der 1. Januar ist ein Tag, an dem oft und gerne internationale Verträge in Kraft treten. So ist es wenig überraschend, dass am 1. Januar 1958 die im Jahr 1957 unterzeichneten Verträge zur Gründung der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (EWG) in Kraft treten. Das ist etwas mehr als 11 Jahre vor meiner Geburt und Jahrzehnte bevor ich mich tatsächlich im Studium in Belgien mit Europarecht und europäischer Geschichte beschäftigt habe. Tatsächlich empfinde ich „Europa“ (also konkret die aus der EWG später entstandene EU) als positiv. Und ja, auch da gibt es immer wieder und gerade jetzt Kritikpunkte, aber das ist dann etwas, das wir gemeinsam hoffentlich positiv verändern können.

Am 1. Januar 1985 werden Portugal und Spanien Mitglieder der damaligen Europäischen Gemeinschaft – daran kann ich mich sogar noch erinnern. Und heute ist Bulgarien der Eurozone beigetreten.

Gerade wenn ich auf Bulgarien und auch auf die Bewerbung der Ukraine schaue, habe ich den Eindruck, dass die europäischen Länder da insgesamt etwas Gutes geschaffen haben.

Etwas Gutes war auch die Gründung der Leopoldina am 1. Januar 1652 in Schweinfurt. Mit diesem Gründungsjahr ist sie eine der ältesten Wissenschaftsakademien der Welt, im Jahr 2008 wurde sie zur „Nationalen Akademie der Wissenschaften“ ernannt. In dieser Rolle berät sie Politik und Gesellschaft unabhängig zu wichtigen Zukunftsthemen.

Am 1. Januar 1660, also 8 Jahre nach der Gründung der Leopoldina, beginnt Samuel Pepys sein berühmtes Tagebuch. Neun Jahre lang schreibt er und hinterläßt so ein bedeutendes Werk, nicht umsonst bezeichnet der WDR ihn in seinem Beitrag als „Shakespeare unter den Tagebuchautoren“.

Vermutlich am 1. Januar 1502 entdecken Seefahrer die Stelle, an der später die Stadt Rio de Janeiro gegründet wird. Sie halten die Bucht fälschlicherweise für eine Flußmündung und geben ihr deswegen den Namen „Januarfluß“ – halt Rio de Janeiro.

Im September 1862 hat Abraham Lincoln eine sogenannte „Emanzipationsproklamation“ angekündigt – diese hat zur Folge, dass mit Wirkung ab dem 1. Januar 1863 alle Sklaven in den rebellischen Südstaaten für frei erklärt werden. Die konkrete Emanzipationsproklamation hat er am 1. Januar 1863 erlassen. Zumindest moralisch kämpft der Norden der USA damit für die Abschaffung der Sklaverei. Ein wichtiger Meilenstein zum Thema Sklaverei!

Ein ebenfalls wichtiger Meilenstein ist das am 1. Januar 1904 im Deutschen Reich in Kraft getretene Kinderschutzgesetz. Damals galt dieses Gesetz als fortschrittlich.

Am 1. Januar 1986 war übrigens auch die Geburtsstunde des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Auch das eine wichtige und positive Entwicklung!

Und ja, es gäbe sicherlich noch viel über gute Ereignisse am ersten Tag des Jahres zu berichten, aber mit dieser Auswahl möchte ich es für heute bewenden lassen und Euch eine gute Nacht mit positiven Gedanken und schönen Träumen wünschen.

Blogprojekt 2026 – ein Anfang

1. Januar 2026.
Das Jahr 2026 hat angefangen.
Wird es ein gutes Jahr werden oder eher nicht?

Vor ein paar Tagen habe ich bei Bluesky gefragt „Was gibt Euch für 2026 Hoffnung? Was stimmt Euch zuversichtlich?“. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Wenig überraschend antworteten mir ein paar Menschen, dass es keinen Grund für Hoffnung oder Zuversicht gibt und verwiesen als Begründung auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation. Ich teile durchaus die Sorgen angesichts dieser Situation. Aber ich habe sehr bewußt die Frage nach Hoffnung und Zuversicht gestellt. Daher bin ich dankbar, dass einige Menschen sie auch inhaltlich beantwortet haben – sehr unterschiedlich, aber doch so, dass ich den Aspekt der Zuversicht und Hoffnung erkennen konnte.

Warum habe ich überhaupt diese Frage gestellt. Im Bluesky Sachbuchclub lesen wir gerade gemeinsam das Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Der Gedanke, dass Menschen im Grunde „gut“ sind, spricht mich sehr an, er „paßt“ für mich. Das heißt nicht, dass ich keine Herausforderungen sehe, im Gegenteil. Ich bin es gewohnt, das Haar in der Suppe zu suchen (und zu finden). Ich achte also in der Regel stärker auf die Aspekte, die nicht gut sind, die Anlaß zur Sorge geben oder die kritikwürdig sind. Beruflich ist das (gerade bei der Prüfung von Vertragsentwürfen) sehr passend, privat nicht unbedingt. Die gemeinsame Lektüre des Buchs von Bregman hat mich daran erinnert, dass die Betrachtung auch eine Frage der Perspektive ist. An anderen Stellen ist mir das schon häufiger bewußt geworden – die Tatsache, dass wir eher über Kriege als über erfolgreiche Konfliktlösungen sprechen, passt gut zum Thema „Mediation“. Außerdem ist es schöner, sich an Geburtstage als an Todestage zu erinnern – wobei der Tod zum Leben gehört.

Auf einen Berg von Herausforderungen oder Problemen zu schauen, kann schnell Angst machen. Oder lähmen. Oder einem das Gefühl geben, dass es ohnehin nicht zu schaffen ist, dass es schon zu spät ist. All diese Gedanken kenne ich auch – sehr gut sogar. Und doch denke ich, dass sich immer noch irgendetwas machen läßt. Christian Eymery hat gestern das Folgende geschrieben: „Glaubt an Eure #Wirksamkeit.
Wirksamkeit entfaltet sich wie eine Kettenreaktion. Ihr beginnt vielleicht die Kette oder Ihr seid ein Teil der Kette. Ihr sorgt dafür, dass Wirksamkeit entsteht oder sich weiter entfaltet. So wird sie groß. Gemeinsam.“

Anfangen oder nicht anfangen. In Abwandlung einer berühmten Frage aus einem Theaterstück habe ich mir heute diese Frage gestellt.
Wer anfängt kann aufhören, kann scheitern, kann das was er*sie angefangen hat, ändern.
Wer nicht anfängt, kann zwar nicht scheitern, er*sie kann aber auch nichts verändern.

Genau an dem Punkt ist der Post von Christian zur Wirksamkeit wichtig. Alles, was Menschen Mut macht, ihnen Hoffnung und Zuversicht gibt, sie in schwierigen Situationen stärkt, kann wichtig sein.

Ich möchte daher in diesem Jahr – so weit ich komme, denn natürlich darf ich (wie schon 2022) jederzeit aufhören – auf positive Dinge die mit dem jeweiligen Datum verbunden sind, hinweisen. Also Dinge oder Ereignisse, die ich als positiv empfinde. Und ja, wir können immer darüber streiten, ob ein bestimmtes Ereignis positiv ist oder nicht. Aber dann sprechen wir miteinander und das ist gut.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen zauberhaften Jahresanfang!

Wie haltet Ihr es mit der News-Life-Balance?

In den letzten Jahren habe ich ziemlich häufig Beiträge zum Thema Work-Life-Balance gesehen beziehungsweise gelesen. Den Gedanken, ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu haben, finde ich wichtig. Aufgrund meiner persönlichen Umstände war das für mich aber nur selten ein Problem und dafür bin ich dankbar.

Ganz anders war dann am Anfang der Pandemie die Frage, wie man – also konkret ich – mit diesem Thema umgeht. Also aus meiner Sicht, was ich mache, damit es mir gut geht. Im März 2020 habe ich dazu einen Blogbeitrag geschrieben. Das, was ich in dem Blogbeitrag aufgeschrieben habe, hat mich tatsächlich gut durch diese Zeit gebracht – das allermeiste mache ich noch heute so.

Was ich aber in den letzten Monaten verstärkt gemerkt habe – mir machen die „Nachrichten“ zu schaffen. Es gibt im Moment soviel Schwieriges und Negatives in den Nachrichten, dass ich das manchmal kaum aushalten kann. Das ist für mich persönlich insofern irritierend, als ich eigentlich gerne Nachrichten schaue (auch wenn ich weiß dass es meistens eher negative Dinge sind, die dort berichtet werden) und ich vor allem auch informiert sein möchte. An manchen Stellen hat mich vor allem die Sprache beziehungsweise die verharmlosende Übernahme von Begriffen („Bürokratieabbau“ für DOGE in den USA) und auch der allzu freundliche Umgang mit Politiker*innen, die das Grundgesetz und den Rechtsstaat nicht schätzen, getroffen, irritiert und geärgert.
Talkshows schaue ich schon seit über einem Jahr nicht mehr, in diesem Jahr habe ich dann auch aufgehört, Fernsehnachrichten zu schauen. Ich habe festgestellt, dass ich Nachrichten „gesprochen“ viel schlechter aushalten kann als wenn ich sie lese. Das hängt sicherlich mit vielen unterschiedlichen Faktoren zusammen: beim Lesen kann ich einzelne Themen aussuchen, ich kann die Lektüre abbrechen, wenn ich auf „problematische“ Formulierungen und Gespräche stoße, ich kann die Menge „dosieren“ und ich kann Artikel oder Beiträge auch einfach überfliegen.

Vor ein paar Tagen stolperte ich auf LinkedIn über einen Beitrag zum Thema „News-Life-Balance“ von der Hamburg Open Online University. Das, was die HOOU in ihrem Beitrag beschreibt – „Manchmal erschlagen dich die Nachrichten? Damit bist du nicht allein. Viele Menschen fühlen sich durch die tägliche Informationsflut überfordert.“ – ist im Prinzip genau das, was ich beim Nachrichten schauen erlebe. Der Begriff „News-Life-Balance“ trifft es wirklich gut. Dabei ist es mit dem Beitrag auf LinkedIn nicht getan – zum einen gibt es dort drei konkrete Tipps, um mit Nachrichten besser umzugehen, die ich hier kurz zusammenfassen möchte:
(1) Behandle Dein Handy wie einen Hund. Also: nicht an den Esstisch, an die Couch oder ins Bett mitnehmen.
(2) Mentaler Ausgleich: Spaziergang machen, Blume anscheinen, in die Sonne setzen.
(3) Orientierung im Raum: drei Minuten vor den Nachrichten ruhig hinsetzen und im Raum umschauen.

Ich muß zugeben, (1) fällt mir schwer, (2) mache ich täglich und (3) scheidet aus, weil ich Nachrichtensendungen gar nicht mehr schaue.
Damit aber nicht genug: die HOOU hat in dem Beitrag auch einen Fragebogen verlinkt, mit dem man eigene weitere Ideen zum Umgang mit Nachrichten beziehungsweise Nachrichtenmüdigkeit angeben kann. Diesen Fragebogen findet man im LinkedIn-Beitrag.Der Fragebogen ist deswegen interessant, weil die HOOU ein Projekt „News-Life-Balance“ durchführen möchte – auf der Webseite wird dieses Projekt zwar schon angekündigt, weitere Informationen sind dort aber noch nicht zu finden. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

Bis dahin wünsche ich Euch auf jeden Fall eine gute News-Life-Balance!

28.05.1918: Gründung der Republik Armenien

Ich habe noch ein paar Minuten, um dieses Fundstück „rechtzeitig“ in einen kurzen Blogbeitrag zu packen (ich bin – wie immer bei meinen Blogprojekten – spät dran…..). Als mir vorhin klar wurde, dass das Positive, Gute und Schöne der Demokratie und der damit verbundenen Themen, mein Blogprojekt für dieses Jahr wird, habe ich kurz gesucht, ob ich zum heutigen Tag (also zum 28.05.) etwas finde. Und ja: da ist etwas – die Gründung beziehungsweise Ausrufung der Republik Armenien. Die Republik bestand nicht lange. Über einen Teil der traurigen Geschichte Armeniens habe ich einen Roman gelesen (Franz Werfel: Die 40 Tage des Musa Dagh). 2022 habe ich das Buch auch in einem Blogbeitrag erwähnt. Aber die Geschichte hört damit glücklicherweise nicht auf. Denn: der 28. Mai wird auch heute noch als Feiertag gefeiert, nämlich als Tag der Republik.

Wann – also an welchem Tag – feiern wir eigentlich die Demokratie?

Das Blogprojekt für dieses Jahr ist gefunden…..!

Anfang des Jahres habe ich lange darüber nachgedacht, ob beziehungsweise welches „Blogprojekt“ oder „Thema“ ich für dieses Jahr auswählen möchte. Mein bisher erfolgreichstes Projekt – und zwar erfolgreich vor allem im Sinne des persönlichen Durchhaltens – waren die Assoziationen im Jahr 2022. Ich habe im Jahr 2022 tatsächlich jeden Tag (meistens am Abend) einen Blogbeitrag geschrieben. 2023 ist mein Versuch, das „Neue“ als Thema zu ergreifen, schnell im Sande verlaufen. Nicht etwa, weil das Thema uninteressant war oder weil ich zu wenig gefunden habe, sondern eher, weil die Umstände nicht wirklich paßten. Es war eine Zeit des Umbruchs – auch dadurch, dass ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr beim damaligen Twitter (mittlerweile X) gepostet habe und bis Anfang Oktober praktisch ohne nennenswerte Social-Media-Möglichkeiten da stand. Es sollte irgendwie nicht sein – das Thema an sich finde ich aber immer noch wichtig und spannend.

Anfang Januar fiel mir dummerweise nichts ein, was als Projekt für dieses Jahr paßte. Ich habe sogar auf Bluesky nach Vorschlägen oder Ideen gefragt – ergebnislos. Aus dem Januar wurde der Februar, aus dem Februar wurde der März und so weiter – und vieles in der Welt wurde schwieriger. Allem voran natürlich die politische Lage in den USA, der noch immer noch beendete Krieg gegen die Ukraine, der Nahostkonflikt und natürlich nicht zuletzt die politische Situation in Deutschland. Alles keine Themen, die ermutigen oder sich als „Blogprojekt“ eignen.

Letzten Sonntag im Presseclub sagte ein Anrufer etwas Bemerkenswertes – sinngemäß stellte er die Frage, warum wir die Demokratie beziehungsweise das, was gut ist, nicht stärker feiern. Und ja, guter Punkt. Ich bin sehr gut darin, das Haar in der Suppe zu finden, Dinge auf Probleme oder Fehler abzuklopfen. Das Positive zu betonen fällt mir schwerer. Gleichzeitig ist es nicht so, dass es nicht auch positive Aspekte gibt. Außerdem ist das gemeinsame Feiern von Errungenschaften oder Jahrestagen etwas, das Menschen verbinden kann – gerade auch, wenn es um die Demokratie geht.

Es ist Ende Mai und ich habe damit mein „Blogprojekt“ gefunden: es geht um „….Demokratie und so…“. Ein weites Feld – und das ist gut so. Ich möchte auf das schauen, was mir gefällt, was ich an interessanten Jahrestagen oder Ereignissen finde, an spannenden Büchern oder auch an Veranstaltungen und Veranstaltungsformaten. Noch weiß ich nicht, wie weit ich damit komme. Auch nicht, wie oft ich schreiben werde. Gleichzeitig ist es ermutigend, dass ich heute – am 28.05.2025 – um 23:25 Uhr am Computer sitze und einen Blogbeitrag schreibe. In diesem Sinne: laßt uns die Demokratie und das, was mit ihr zu tun hat, feiern – hier und überall, wo sich Gutes oder Interessantes zeigt!

Und jetzt?

Vor ein paar Tagen hat das Jahr 2025 angefangen. Ich hänge in mancher Hinsicht noch im alten Jahr – nicht nur, weil ich nicht alles „abschließen“ konnte, was ich fertigbekommen wollte, sondern auch, weil meine Gedanken irgendwie noch nicht den Sprung in das neue Jahr geschafft haben. Umso schwerer fällt es mir gerade, darüber nachzudenken, was in diesem Jahr mein „Blogprojekt“ sein könnte.

Nichts ist einfach – das könnte auch eine Zusammenfassung für die aktuelle Zeit sein. Wenn ich auf die nächsten Wochen und Monate schaue, dann sehe ich einige Herausforderungen: wird unsere Demokratie Stand halten, werden wir weiter im Gespräch bleiben, werden wir gute Wege finden miteinander um das zu „streiten“, was eine gute Gesellschaft und Demokratie ausmacht? Das sind Themen, die mich persönlich bewegen und zu denen ich auch schon im letzten Jahr gelegentlich etwas gelesen habe oder Ausstellungen besucht habe. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Thread zum Buch „Die Kunst der klugen Streitgespräche“ auf Bluesky oder meinen Besuch in der Ausstellung Streit oder in der Demokratie-Ausstellung in Bonn mit den 10 Muskeln, die für Demokratie wichtig sind. Alles gute Themen, die man (ok, konkreter: ich) vertiefen könnte. Ob ich damit etwas verändere? Vielleicht nicht. Aber was verändere ich positiv, wenn ich einfach gar nichts mache?

Was mir wichtig ist – gerade auch in schwierigen Zeiten – freundlich zu bleiben. Kurz vor Weihnachten habe ich ein Buch zu diesem Thema entdeckt, das mich bei diesem Thema ein bißchen begleiten wird: „Über die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein“ mit 95 einfachen Wegen. Die Zahl 95 (ich mußte natürlich an Martin Luther denken) hat mich fasziniert und vermutlich stark zum Buchkauf beigetragen (es ist nicht so, also ob ich nicht schon ziemlich viele Bücher zuhause hätte…….). Tatsächlich finde ich den Gedanken, durch „random acts of kindness“ etwas Freude oder etwas Positives in den Alltag zu bringen, sehr schön. Gerade gestern habe ich das noch „ausprobiert“. Bei meinem Spaziergang habe ich unbekannten Passanten einen guten Tag und ein frohes neues Jahr gewünscht (es war ja schließlich erst der 5. Januar). Die meisten haben darauf sogar reagiert und mir ebenfalls ein frohes neues Jahr gewünscht. Das fand ich in dem Moment schön – auch oder vielleicht gerade weil es ein flüchtiger Moment der Verbundenheit war. Insofern bin ich gespannt, was in dem Buch noch steht. Vielleicht wäre es sogar gut, die einzelnen Kapitel im Buch nicht auf einmal zu lesen – sondern die Wege nach und nach zu entdecken.

Was im letzten Jahr eher untergegangen ist und was ich selten nach außen getragen habe: welche Bücher ich lese und gut finde. Die digitale Leserunde rund um Middlemarch von George Eliot ab Anfang April hat mich begeistert – vor allem, weil ich dadurch ein Buch gelesen habe, das ich sonst vielleicht nicht oder nicht in diesem Moment gelesen hätte. Die Aufteilung des Buches in tägliche „Lesehäppchen“ hat für mich perfekt gepasst und ich hing (trotz anderweitiger Lektüren) nur selten hinterher. Etwas traurig war ich, dass die „Bücherbar“ eingestellt wurde. Die Idee, sich einmal pro Monat an einem Abend digital (also über Zoom) zu treffen und über Bücher zu diskutieren, dabei potentiell ein Buch „gemeinsam“ (also bis zum nächsten Treffen) zu lesen, um beim nächsten Treffen darüber zu diskutieren, fand ich sehr charmant. Dieses Konzept würde ich gerne in diesem Jahr aufgreifen – es muß nicht genau „so“ sein – und eine Art digitale Lese- oder Buchrunde versuchen. Wer daran Interesse hat, darf sich gerne bei mir melden.

Und sonst? Als ich vor ein paar Tagen gefragt habe, was meine Follower auf Bluesky mir als Jahresprojekt vorschlagen würden, kam interessanterweise die Antwort, dass ich mit Kultur (ja, finde ich passend), Reisen (ja, wobei es im letzten Jahr eher Ausflüge waren) und kulinarischen Themen (hmmm, das fand ich überraschend – aber nicht falsch) in Verbindung gebracht werde. Tatsächlich mußte ich sofort an den (aus meiner Sicht geradezu legendären) Auberginenthread vom Dezember 2023 denken. Irgendwie paßt das auch zum Inhalt des Adventskalenders 2024. Wie ich das verbinde, weiß ich noch nicht, die Zeit wird es zeigen.

Vielleicht das Wichtigste überhaupt: nicht nur (aber auch) auf Social Media über Dinge zu sprechen/zu schreiben, ein bißchen die Idee des „offenen Internets“ durch Blogbeiträge am Leben zu halten und zu schauen, was sich im Laufe des Jahres Positives ergibt.

Lesen wir uns? Ich würde mich freuen!

24. Dezember – Olive

Was um Himmels willen hat die Olive mit Weihnachten zu tun? Hätte ich nicht irgendeinen anderen Baum auswählen können?
Ja, hätte ich. Aber ich finde den Olivenzweig als Symbol für Frieden und Versöhnung einfach sehr schön und wann würde das besser passen als heute?

Auch kulinarisch passt die Olive gut zu Weihnachten. Witzigerweise und völlig ohne Hintergedanken habe ich gerade ein Schälchen Oliven neben mir stehen. Eine nette kleine Nascherei zum Glas Wein – heute trinke ich tatsächlich ein Glas Rotwein, was ich sonst sehr selten tue (eine meine Grundregeln für mich selbst ist es Alkohol nur an besonderen Tagen zu trinken – die Weihnachtstage gehören dazu, der Jahreswechsel, Ostern und zwei Geburtstage). Ohnehin kommt in vielen Weihnachtsmenüs irgendwo „Öl“ vor und das kann dann durchaus Olivenöl sein. Es gehört dazu und ist doch selten für sich selbst sichtbar. Ähnlich ist es auch mit Frieden und Versöhnung. Wir merken die Abwesenheit von Frieden und Versöhnung stärker als die Anwesenheit.

Es gibt ein Buch mit dem schönen Titel „Olivenbäume – Beobachter der Stille„. Dieses Buch stellt Texte aus zwei Jahrtausenden zusammen. Den Aspekt der Stille finde ich faszinierend. In einem gewissen Sinne ist Weihnachten ein fröhliches und nicht so sehr stilles Fest. Gleichzeitig wünschen wir uns oft „besinnliche“ Feiertage. Und das Weihnachtslied „Stille Nacht“ (übrigens ein Lieblingslied meiner Mutter, weshalb ich im Dezember 2018 in Salzburg die Ausstellung zu diesem Lied besucht habe) spricht auch von Stille. Still und friedlich – das erinnert mich an das Gedicht „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff – mit der Zeile „Still erleuchtet jedes Haus“. Ich mag die Stille und ja, Frieden ist in einem gewissen Sinne still.

Aber bevor ich mich in solchen Gedanken verliere: Wunderschön ist auch das Märchen, wie der Olivenbaum entstanden ist. Mit Olivia und dem Olivenbaum endet dieser „Adventskalender“.

Damit wünsche ich uns allen ein fröhliches, friedliches und versöhnliches Weihnachtsfest!

22. Dezember – Zimt

Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne Zimt? Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen, denn ich mag Zimt schon sehr. Dementsprechend kommt in vielen meiner Rezepte – nicht nur im Winter – Zimt vor. Milchreis gibt es mit Zimt und Zucker, Quarkkeulchen ebenfalls und in einigen Kuchen ist halt auch Zimt drin (oder drauf). Für die Weihnachtszeit gilt das vor allem für Zimtsterne (die ich aber erst seit ein paar Jahren mache) und meinen heiß und innig geliebten Rotweinkuchen. Voraussichtlich morgen oder übermorgen werde ich diesen Kuchen backen – er gehört einfach dazu. Eine besondere Erinnerung ist auch der Zimtlikör in Amsterdam, den ich – bei einer kurzen Reise mit meiner Mutter – vor vielen Jahren auf einer Caféterrasse getrunken habe. Er sollte wohl aus dem Stadtviertel Jordaan kommen und hatte eine richtig rote Farbe. Leider habe ich ihn nicht in einem Geschäft gefunden und Webseiten gab es damals (es muß im Jahr 2002 oder 2003 gewesen sein) noch nicht so viele. Tatsächlich habe ich danach niemehr einen Zimtlikör gesehen oder getrunken.

Mit Zimt und Weihnachten verbinde ich allerdings auch Zimteissterne mit einer Pflaumensauce. Irgendwann gab es genau diese Zimtsterne nicht mehr und ich mußte auf ein anderes Dessert (an solchen Tagen ist mir ein Dessert wichtig!) ausweichen. Trotzdem eine schöne Erinnerung! Im Herbst oder Winter habe ich gelegentlich auch etwas Zimt in den Kaffee getan, das soll die Stimmung „aufhellen“ – wobei Kardamom da noch besser wirkt! Aber angefangen habe ich gelegentlich mit der Zugabe von Zimt.

Spannend beim Zimt ist ja, dass er aus der Rinde des Zimtbaumes gewonnen wird und dass es zwei unterschiedliche Sorten gibt. Das war mir lange nicht bewußt. Vermutlich hatten wir früher oft den günstigeren „Cassia-Zimt“, der aus China vom chinesischen Zimtbaum stimmt. Heute achte ich (meistens) darauf, den echten Ceylon-Zimt zu erwischen, der in Ländern wie Sri Lanka oder Madagaskar gewonnen wird. Duftmäßig muß eine Reise in diese Länder ein einzigartiges Vergnügen sein! Tatsächlich habe ich vor ein paar Tagen auf Bluesky einen Post gelesen, der die Düfte in der mittelalterlichen Welt anders und positiv betrachtete, nämlich „What if sometimes the medieval world smelled fabulous?…“ Dort ging es dann um ein Buch über Marco Polo und damit um andere Düfte und Gewürze, Zimt wurde 1502 von Vasco de Gama nach Europa gebracht. Deshalb gibt es in Portugal auch viele interessante Rezepte mit Zimt, das hier zum Beispiel, das ich auf jeden Fall irgendwann ausprobieren werde. Ab 1536 hatten die Portugiesen sogar ein Zimtmonopol! Immer wieder kann man lesen, dass Anton Fugger die Schuldscheine Karls V. vor dessen Augen in einem Feuer aus Zimtstangen verbrannt hat. Das wäre ein Zeichen für unermeßlichen Reichtum, da Zimt zu dieser Zeit extrem teuer war. Aber: die Geschichte stimmt wohl nicht. Nett ist sie trotzdem.
Gerade zufällig gesehen: bei Arte gibt es bis Anfang Februar eine Dokumentation zu Zimt aus Sri Lanka.

Beim Lesen dieses Merkblattes ist mir aufgefallen, dass ich Zimt meistens für Gebäck, Nachtisch oder eher süße Speisen verwende. In einigen Teesorten ist auch Tee enthalten, aber bisher habe ich das Gewürz nicht für andere Speisen versucht. Ich glaube, ich sollte irgendwann mal nach ein paar Rezepten suchen. Vermutlich entgeht mir sonst etwas!

Was mir glücklicherweise erspart geblieben ist, ist dieser dänische Brauch, den ich gerade zufällig gefunden habe: wer mit 25 Jahren noch nicht verheiratet ist, wird mit Zimt überschüttet. „Zimtbad“ nennt sich das ganze…. (mit 30 Jahren gibt es dann noch ein Pfefferbad…….).

Mit Zimt wird nicht nur gekocht und gebacken, Zimt und der Zimtbaum spielen auch in vielen Büchern eine Rolle. Angefangen mit dem Büchlein über Zimt aus dem Verlag Mandelbaum (mit einer schönen Leseprobe), über das Buch „The Cinnamon Tree“ von Richard de Luchi, das mich schon aufgrund des Handlungsortes Portugal interessiert bis hin zu einem Krimi, in dem der Mord mit Zimtscones begangen wird. Dann vielleicht doch lieber nur einen Badezusatz mit Zimt?

Damit wünsche ich Euch einen duftig fröhlichen Abend.

19. Dezember – Kakao

Die Liste der Bäume wird kürzer, Weihnachten rückt näher und damit auch das Ende dieses „Adventskalenders“.
Heute geht es um Kakao – ein für mich eher schwieriges Thema. Ich bin nicht schokoladenaffin, eher im Gegenteil. Vollmilchschokolade esse ich gar nicht, Bitterschokolade verwende ich zum Backen und in Desserts, einfach „so“ esse ich sie extrem selten.
Trotzdem gehört Schokolade und damit natürlich auch Kakao zur Advents- und Weihnachtszeit. Was wäre diese Zeit ohne Plätzchen und Kuchen mit Schokolade oder Schokoladenüberzug (bei mir natürlich immer nur mit Bitterschokolade!). Ganz traditionell backe ich kurz vor Weihnachten einen Rotweinkuchen, in den natürlich Kakao und Bitterschokolade kommen. Auf den Kuchen freue ich mich schon, die Zutaten habe ich schon im Haus. Und ein paar Plätzchen mit Schokolade (natürlich Bitterschokolade!) werde ich auch noch backen (zumindest hoffe ich das…..).

Kakao beziehungsweise der Kakaobaum war schon 1500 vor Christus bei den Olmeken bekannt. So nutzten die Olmeken (die sich räumlich im heutigen Mexiko befanden) wohl schon das Wort „kakawa“ für Kakao, die Maya benutzten „kakaw“ – aus diesen Worten entwickelte sich vermutlich das uns bekannte Wort „Kakao“.
Mayas und Azteken hielten Kakao für ein Geschenk der Götter. Quetzalcoatl – der gefiederte Gott des Windes aber auch des Lernens – soll den Kakao zu den Atzteken gebracht haben. Bei den Indios wiederum waren Kakaobohnen übrigens ein Zahlungsmittel. Dann kam Christoph Kolumbus, der erste Europäer, der mit den Kakaobohnen in Kontakt kam. Wohl ohne sie zu probieren, das tat erst Hernán Cortéz – dem die „Schokolade“ aber wohl nicht schmeckte. Der Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas, der sich für die Ureinwohner einsetzte und 1542 die Schrift „Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder“ veröffentlichte, brachte 1544 von einer Reise nach Guatemala den Kakao mit nach Europa – er schenkt dem Prinzen Philip von Spanien ein Gefäß mit „Schokolade“. Ob er der erste war, der Kakao beziehungsweise Schokolade nach Europa brachte? Für viele Menschen außerhalb von Europa war dies ein schlimmer Moment. Die in Europa steigende Nachfrage nach Kakao (und anderen Erzeugnissen aus der Region) führte letztendlich sogar dazu, dass Menschen aus Westafrika als Sklaven nach Lateinamerika gebracht wurden und dort unter schlimmsten Bedingungen „leben“ mußten. Das Schicksal der Ureinwohner hatte Bartolomé de Las Casas vorher schon angeprangert. So ist die Geschichte des Kakaos und der Schokolade auch die dunkle Geschichte des Kolonialismus.

Den Weg vom Kakao zur Tafelschokolade und die zahlreichen Erfindungen auf diesem Weg kann man übrigens hier nachlesen.

Was ich überraschend fand: das es „Kakaozeremonien“ gibt – konkrete Beispiele zum Beispiel hier oder hier. Natürlich gibt es dazu wiederum auch Bücher – das hier zum Beispiel oder das hier. Und es gibt viele Romane, in denen Kakao oder Schokolade eine Rolle spielen. ich werde sie hier nicht aufzählen, aber selbst ich habe schon lange vor diesem Projekt Romane gelesen, in denen Schokolade (sogar im Titel) vorkam.

Damit wünsche ich Euch jetzt einen fröhlichen und genußreichen Abend!

Zu Quetzalcoatl gibt es übrigens eine Fernsehdokumentation im ZDF, die bis September 2027 verfügbar ist.
Auf YouTube gibt es ein Fernsehspiel zu Bartolomé de Las Casas und ich finde den Anfang schon sehr spannend – zu mehr hatte ich gerade keine Zeit.
Mehr zur langen Geschichte des Kakaos kann man hier, hier und hier.

16. Dezember – Granatapfel

Was ist am Granatapfel eigentlich weihnachtlich? Diese Frage habe ich mir vorhin im Bus tatsächlich gestellt. Und interessanterweise hat sich jemand anderes im Internet auch schon diese Frage gestellt.

Meine Antwort: Granatäpfel sehen ein bißchen so aus wie überdimensionierte rote Weihnachtskugeln, der Saft hat ein schönes weihnachtliches rot und – viel wichtiger – mein erstes Rezept mit einem Granatapfel war Teil eines weihnachtlichen Abendessens – ein Granatapfelsalat mit Frühlingszwiebeln und Minze, auf Ziegenkäsescheiben angerichtet. Ein sehr leckeres Essen!
Die Antwort im verlinkten Beitrag sah etwas anders aus und hat mich dann auch zur weiteren Recherche angeregt. Angefangen mit der Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald, die mit drei Fingern einen Granatapfel hält (den ich allerdings ziemlich klein finde……) bis hin zu moderner Kunst, die dieses Werk zitiert oder mit Granatapfelmaterial Neues schafft. Nicht zu vergessen eine sehr schöne Zeichnung eines Granatapfels mit Schmetterlingen von Maria Sybilla Merian.

Eigentlich weiß ich ziemlich wenig über den Granatapfel – er ist spät in mein Leben gekommen. Schließlich mußte ich auch erst lernen, wie ich an die Kerne im Inneren komme, ohne die Küche in ein rotes „Schlachtfeld“ zu verwandeln. Die Methode, die Kerne in einer Schüssel mit Wasser herauszulösen, funktioniert für mich gut. Immerhin.

Aber von vorne: wir könnten darüber diskutieren, ob der Baum der Erkenntnis (der ja kein Apfelbaum war), vielleicht ein Granatapfelbaum war. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wir könnten auch darüber nachdenken, wofür der Granatapfel ein Symbol war oder ist. Das ist schon leichter. Beispielsweise: Leidenschaft und Auferstehung, Wohlstand, Überfluss und Fruchtbarkeit. Beim jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashanah spielt der Granatapfel – als Zeichen für Fruchtbarkeit – auch eine große Rolle. Man könnte den Granatapfel daher auch als „jüdischste Frucht“ bezeichnen. Der perfekte Granatapfel soll übrigens 613 Kerne haben – dies würde der Anzahl der Gebote in der thora entsprechen. 600 bis 700 Kerne können es wohl sein – ich habe sie noch nie gezählt (und kann mir das Zählen auch nicht vorstellen…..), andere Menschen haben das aber durchaus getan!

Und weil ich heute (mal wieder) spät dran bin, kann ich nur kurz erwähnen, dass der Granatapfel mit seinem lateinischen Namen auf eine Herkunft aus Phönizien hinweist. Was es aber gibt – viele schöne Märchen und Geschichten, die mit Granatäpfeln zu tun haben. Zum Beispiel, warum Granatäpfel rot werden, über eine Fee aus dem Granatapfel, über das Wunder des Granatapfelkerns, über einen wundersamen Granatapfelbaum und über die Granatäpfel. Eine faszinierende Auswahl aus unterschiedlichen Regionen.

Damit wünsche ich Euch für heute einen guten Abend mit vielen wunderbaren Gedanken und Träumen!