14. Januar

Am 14. Januar 1870 wird Ida Dehmel geboren. Ich muß zugeben, dass mir ihr Name bis zu meiner Recherche für diesen Blogbeitrag unbekannt war. Tatsächlich sind es zwei Dinge, die mich begeistern: das Eintreten für das Frauenwahlrecht und die konsequente Förderung von Künstler*innen, die unter anderem zur Gründung der GEDOK führt. Faszinierend ist auch, wieviele Künstler*innen sie und ihr Ehemann zu neuen Werken inspiriert haben.

Albert Schweitzer wird ebenfalls an einem 14. Januar geboren, allerdings im Jahr 1875. Er ist ein vielseitig begabter Mensch – das äußert sich nicht nur in seinen Studienabschlüssen – Theologie, Philosophie und schließlich noch Medizin, um als Missionsarzt nach Afrika gehen zu können. 1913 gründet er in Lambarene (Gabun) ein Spital – zunächst auf dem Grundstück einer Missionsstation, später gründet er ein Krankenhaus auf einem eigenen Grundstück in Lambarene. Heute ist das Spital eine moderne Poliklinik. Wichtig ist, dass in diesem Spital jeder Patient behandelt wird und zwar unabhängig von seiner Herkunft und seinen finanziellen Mitteln. Er und seine Frau Helene haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Während des ersten Weltkriegs werden sie 1917 festgenommen und müssen einige Zeit in Lagern in Frankreich verbringen. Albert Schweitzer nutzt diese Zeit, um seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben auszuarbeiten. Wie er selbst diese Ehrfurcht vor dem Leben verstanden und gelebt hat, kann man hier nachlesen. Schließlich erhält er sogar den Friedensnobelpreis. Wenige Jahre später engagiert er sich noch für den Frieden und gegen die nukleare Aufrüstung.

Am 14.01.1892 wird Martin Niemöller geboren, aus ihm wird ein Theologe und mit der Zeit auch ein Widerstandskämpfer. In den 1950er Jahren engagiert er sich gemeinsam mit Albert Schweitzer gegen Atomwaffen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Zunächst ist Martin Niemöller deutschnational eingestellt, er teilt auch den Antisemitismus vieler seiner Zeitgenossen. Aber nicht alles in dieser Zeit paßt für ihn. 1935 wird er das erste Mal verhaftet, weil er sich mit anderen Pfarrern gegen die verbalen Angriffe Alfred Rosenbergs wehrt. 1937 wird er zum zweiten Mal verhaftet, nach der Haftentlassung kommt er umgehend ins Konzentrationslager – zunächst nach Sachsenhausen, später nach Dachau. Heute kennen ihn viele wegen des berühmten Spruchs „Als sie die Kommunisten holten….“ – tatsächlich ist das kein Gedicht oder Spruch, sondern etwas, das er in einem Gespräch geäußert hat. Aber es paßt. Trotzdem.

Zum Abschluß noch etwas aus dem Bereich Musik, denn am 14. Januar 1900 wird in Rom „Tosca“ von Puccini aufgeführt. Damit wünsche ich einen Abend, an dem die Sterne für Euch am Himmel leuchten!

13. Januar

Am 13. Januar schreibt Émile Zola einen Brief – und was für einen……
In der Zeitung L’Aurore veröffentlich er seinen Brief an den Präsidenten der Republik – die Überschrift lautet „Ich klage an“ („J’accuse“). Dieser Titel stammt von Georges Clemenceau, der Émile Zola auch die Möglichkeit einräumt, den Brief in seiner Zeitung zu veröffentlichen. Zola weist in seinem Beitrag auf fehlende Beweise und Fehler der Justiz im Verfahren gegen Dreyfus hin. Als Folge dieses Briefes werden Zola und und der Geschäftsführer von L’Aurore wegen Verleumdung verklagt. Zola wird am 23.02.1898 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, es gelingt ihm aber, rechtzeitig nach England zu fliehen. Clemenceau, der Verleger von L’Aurore, schafft es, für L’Aurore im Prozeß neben seinem Bruder (einem Anwalt) aufzutreten und die Unregelmäßigkeiten im Verfahren anzuprangern. In seinen Zeitungen L’Aurore und La Dépêche berichtet er täglich über den Fall, das sind fast 700 Artikel. Erst 8 Jahre später führt das Urteil des Kassationsgerichts zur vollständigen Rehabilitierung von Dreyfus. Was für eine Leistung, diesen Justizskandal aufgedeckt und den unschuldig verurteilten Dreyfus rehabilitiert zu haben!
Einen sehr sehehenswerten Beitrag zu diesem Thema in französischer Sprache gibt es hier, ein deutschsprachiges Zeitzeichen hier.

Um die Thema Freiheit, Gerechtigkeit, Macht und Moral geht es auch im Stück „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Es ist daher sehr passend, dass dieses Stück am 13. Januar 1782 in Mannheim uraufgeführt wird. Der Saal tobt, die Kritik am Feudalsystem ist für das Publikum gut zu erkennen und Schiller wird über Nacht berühmt.

Bei Dreyfus geht es um die Religion, bei anderen Menschen ist es oft die Hautfarbe. Erst am 13. Januar tritt Douglas Wilder als erster gewählter afroamerikanischer Gouverneur von Virginia sein Amt an. Zuvor hatte es zwar schon einen afroamerikanischen Gouverneur gegeben, dieser war aber nicht gewählt worden.

Weg von Intrigen und Unfrieden, denn es geht auch anders. Am 13 Januar 1568 erläßt der siebenbürgische Landtag unter König Johann Sigismund das Edikt von Torda. Dabei handelt es sich zum ersten mal um eine multikonfessionelle Verfassung. Als anerkannte Religion werden ausdrücklich die lutherische, reformierte, katholische und unitarische Konfession erwähnt. Ein spannendes und frühes Beispiel für Religionsfreiheit.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit mutigen und guten Gedanken.

12. Januar

Heute oder nicht heute? Je weiter man versucht, in die Geschichte zurückzublicken, desto unsicherer werden die Datumsangaben. Manchmal gibt es zwei oder drei unterschiedliche Daten, viel öfter fehlt eine konkrete Angabe.
Es könnte also sein, dass am 12. Januar 1260 der Mystiker und Theologe Meister Eckhart geboren wird. Er wird einer der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters, doch seine Denkweise ist so außergewöhlich, dass der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg 1325 ein Verfahren wegen Ketzerei gegen ihn einleitet. Während des Verfahrens stirbt Meister Eckart, der Papst stuft nach seinem Tod 17 seiner Thesen als Irrlehren ein, die Verbreitung seiner Schriften kann das jedoch nicht aufhalten. Interessant ist, dass Meister Eckhart schon damals seine Werke nicht nur in der lateinischen Sprache sondern auch auf deutsch verfaßt (und predigt). Der oben verlinkte Zeitzeichen-Beitrag ist faszinierend und macht mich sehr neugierig, mehr über ihn zu erfahren und zu lesen. Ob er wirklich gesagt oder geschrieben hat „Es weiß immer ein Esel einen anderen zu schätzen.“? Dieser wunderbare Satz ist unter seinem Namen zu finden….. und ich mag ihn jedenfalls (nicht nur sprachlich) sehr.

Auch an einem 12. Januar – allerdings erst im Jahr 1751 – wird der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz geboren. Sein Gedicht An das Herz ist zeitlos schön (und doch auch sehr wahr). Witzigerweise tauchen auch hier die „Esel“ auf – es kommt wegen einer „Eseley“ zu einem Konflikt zwischen Lenz und Goethe. 1778 erkrankt er – den Krankenbericht von Johann Friedrich Oberlin legt Georg Büchner später einer Erzählung zugrunde.

Die Erfindung der Draisine erlebt Lenz nicht mehr, denn als Karl von Drais am 12. Januar 1818 das „Privileg“ für seine „Laufmaschine“ erhält, ist Lenz schon verstorben. Die Laufmaschine ist das erste lenkbare und durch Muskelkraft betriebene Zweirad und jede „Draisine“ muß wegen des Privilegs (das einem heutigen Patent entspricht) eine Lizenzmarke auf der Lenkstange tragen. Im Prinzip beginnt mit dieser Erfindung die (bekannte) Geschichte des Fahrrads.

Am 12. Januar 1959 gründet Berry Gordy Tamla Records – das Unternehmen, das kurz danach als „Motown Records“ Geschichte schreiben wird, vor allem als Unternehmen mit dem schwarze Künstler*innen weiße Zuhörer*innen erreichen können. Das ist etwas Neues zu dieser Zeit und sehr erfolgreich. Gordy geht es – wie er selbst sagt – nicht um politische Botschaften oder Bürgerrechte, sondern darum ein erfolgreiches schwarzes Unternehmen zu sein. Die Rede von Martin Luther King „I have a dream“ nimmt Motown jedoch auf und schreibt damit Geschichte. Die Geschichte der Zusammenarbeit mit Martin Luther King kann man hier und hier nachlesen.

Am 12. Januar 1558 wird Gustav I. Wasa zum König gekrönt. Das klingt aus heutiger Sicht erst einmal unspektakulär. Aber als junger Mann ist er ein Teil der schwedischen Befreiungsbewegung. Mit seiner Krönung wird Schweden von Dänemark unabhängig und zu einem modernen Staat. Gar nicht so schlecht, oder? Nur positiv war seine Zeit aber auch nicht, doch Unabhängigkeit und Modernisierung reichen für mich aus, ihn hier zu erwähnen.

In Paris wird am 12. Januar 1628 Charles Perrault geboren. Der Schriftsteller ist heute vor allem wegen seiner Märchensammlung bekannt (endlich mal ein Buch, das ich schon gelesen habe!). Es lohnt sich, sie zu lesen – gerade auch weil sie in vieler Hinsicht „anders“ sind, als die sonst bekannten Märchen. So tauchen zum Beispiel in manchen Märchen Menschenfresser auf…..

Damit wünsche ich Euch einen märchenhaften Abend und eine Nacht ohne Alpträume.

11. Januar

Am 11. Januar 1911 wird die „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ in Berlin gegründet. Eigentlich eine gute Sache, staatsunabhängige Forschungsinstitute zu errichten. Gleichzeitig werden die Institute während des ersten Weltkriegs und während des Nationalsozialismus für problematische Forschungsthemen „eingesetzt“. 1948 erfolgt eine Neugründung als Max-Planck-Gesellschaft.

Wissenschaft und Forschung sind aber wichtig und da ist der 11. Januar durchaus von Bedeutung: am 11. Januar 1787 entdeckt der Komponist, Dirigent, Organist und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel die beiden größten Monde des Uranus, sein Sohn tauft diese Monde später Oberon und Titania. Herschel hat mit der Entdeckung des Uranus im Jahr 1781 bereits Wissenschaftsgeschichte geschrieben und begründet – mit einem selbstgebauten Teleskop – die moderne Astronomie. Die Entdeckung der Uranus-Monde ist eine weitere Sensation.

Am 11. Januar 1906 nimmt die Köln-Bonner Eisenbahngesellschaft die elektrische Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn in Betrieb. Die Bahn fährt halbstündlich, die Fahrt von Köln nach Bonn dauert 44 Minuten.

Am 11. Januar 1935 gelingt Amelia Earhart als erstem Menschen ein Alleinflug von Honolulu (Hawai) nach Oakland (Kalifornien). Sie selbst hat darüber einen Bericht in National Geographic geschrieben, den man hier lesen kann. Ein sehr interessanter Bericht. Schon vorher hat Amelia Earhart alleine weite Flüge durchgeführt – zum Beispiel als erste Frau und als zweiter Mensch nach Charles Lindbergh über den Atlantik. Sie ist wirklich eine Pionierin der Luftfahrt.

Man kann aber nicht nur in einem Flugzeug alleine sein. Das beweist Gerhart Hauptmann in seinem Theaterstück Einsame Menschen, das am 11. Januar 1891 in Berlin uraufgeführt wird. Ich habe dieses Theaterstück bisher weder gelesen noch als Aufführung gesehen, immerhin habe ich es beim Projekt Gutenberg herausgesucht, um es demnächst zu lesen.

Mit Einsamkeit hat auch Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zu tun. Und ja, der Werther hat auch mit dem 11. Januar zu tun. Am 11. Januar 1753 wird nämlich Charlotte Buff geboren, die „Lotte“ aus dem Werther. Im Jahr 1772 verliebt Goethe sich in Charlotte Buff, seine Liebe wird jedoch nicht erwidert, Charlotte Buff heiratet einen anderen Mann. Goethe verarbeitet seinen Schmerz in einem Briefroman – der Briefroman wird ein riesiger Erfolg und macht nicht nur Goethe sondern auch Charlotte Buff als „Lotte“ unsterblich. Eine schöne Schilderung dieser Geschichte kann man hier hören.

Am 11. Januar 1903 kommt Ilse Weber zur Welt, eine Musikerin und Schriftstellerin. Im Jahr 1942 werden Ilse Weber, ihr jüngerer Sohn und ihr Mann nach Theresienstadt deportiert, ihr älterer Sohn Hanuš konnte Prag mit 1938 mit dem letzten Kindertransport von Sir Nicholas Winton verlassen. Die Eltern schreiben ihm aus dem Lager Briefe, Ilse Weber verfaßt für die Kinder dort Kinderreime, Schlaflieder und Gedichte. Dabei ist es verboten, heimlich und außerhalb der „erlaubten Aufführungen“ künstlerische Werke zu schaffen. Ilse Weber macht das trotzdem, es ist eine Art von Widerstand, Musik und Kunst bringen ihr und den Kindern Erleichterung und Frieden. Ihrem Ehemann Willi gelingt es 1944 – bevor er mit einem Arbeitsbefehl Theresienstadt verlassen muß – physische Kopien der Werke von Ilse zu verstecken. So überlebt ihr Werk. Dieser kurze Bericht isst sehenswert, einige ihrer Briefe und Gedichte sind in diesem Buch veröffentlicht und ihr Lied „Wiegala“ kann man zum Beispiel hier hören.

Am 11. Januar 1911 erscheint das berühmte Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis in der Zeitschrift „Der Demokrat“. Und zu guter letzt führt das Berliner Ensemble am 11. Januar 1949 zum ersten Mal Mutter Courage von Bertolt Brecht auf, die erste öffentliche Aufführung in Deutschland. Das Stück wird ein großer Erfolg. Auch heute wird es noch oft in Theatern gespielt. Hier kann man übrigens eine Aufführung mit Lotte Lenya von 1965 sehen.

Damit wünsche ich Euch einen Abend, an dem Ihr etwas Gutes und Hoffnungsvolles sehen könnt und eine gute Nacht.

10. Januar

Der 10. Tag, der zehnte Beitrag.
Im Vergleich mit meinem Blogprojekt 2022 („Assoziationen“) brauche ich für dieses Blogprojekt mehr Zeit. Mehr Zeit zur Recherche, mehr Zeit, um eine für mich passende „Reihenfolge“ zu finden und einen Text zu schreiben. Gleichzeitig finde ich es sehr spannend, was ich bei der Recherche (der Begriff klingt vielleicht etwas arg „großspurig“) so finde. An Büchern, an Musikstücken und auch an anderen Informationen, die mir vorher nicht bekannt waren.

Also weiter: Am 10. Januar 1929 erscheint das erste Abenteuer von „Tim und Struppi“ („Tintin“ mit seinem Hund Milou) von Georges Remi („Hergé“) im belgischen „Petit Vingtième“. Es ist der Anfang einer großen Comic-Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig gibt es eine dunklere Seite, denn Hergé ist nicht unbedingt ein netter Mensch. Claude Cueni hat das in seinem Buch Warten auf Hergé, das ich vor ein paar Jahren eher zufällig in Basel in einer Buchhandlung gesehen und sofort gekauft habe, gut dargestellt. Das Buch von Cueni ist jedenfalls sehr lesenswert, gleiches gilt für die Beiträge auf der verlinkten Webseite des Autors.

1961 entsteht auf der Basis der Comics der Spielfilm Tim und Struppi und das Geheimnis um das goldene Vlies. Das passt hervorragend zum 10. Januar, denn am 10. Januar 1430 stiftet Philipp der Gute, Herzog von Burgund, anläßlich seiner Hochzeit mit Isabella von Portugal den Orden vom Goldenen Vlies. Philipp will damit für Burgund treue Verbündete gewinnen, gleichzeitig geht es um ritterliche Tugenden und politisches Gewicht. Tatsächlich ist der burgundische Hof zu dieser Zeit in Europa kulturell führend.

Zu den Burgundern gehört auch Margarete von Österreich, die einzige Tochter von Maximilian I. und Maria von Burgund, die am 10. Januar 1480 in Brüssel zur Welt kommt. Die Ehe zwischen diesen beiden ist zunächst arrangiert, entwickelt sich jedoch zu einer großen Liebesbeziehung. Margaretes Mutter stirbt als sie zwei Jahre alt ist, auch die Ehemänner, die ihr Vater für sie ausgesucht hat (natürlich nacheinander) sterben sehr frühzeitig. Als auch ihr Bruder stirbt, überträgt ihr Vater ihr 1507 die Regentschaft der Niederlande. Tatsächlich wird sie zu einer sehr erfolgreichen Regentin und Diplomatin. Eine wirklich faszinierende Persönlichkeit!

Diplomatie spielt auch am 10. Januar 1946 eine Rolle – an diesem Tag tritt zum ersten Mal die Vollversammlung der Vereinten Nationen zusammen und zwar in London. Abgesandte von 51 Staaten nehmen an dieser Versammlung teil.

Nicht in London vertreten ist der am 10. Januar 1919 entstandene Freistaat Flaschenhals. Dabei handelt es sich um ein unbesetztes Gebiet zwischen Lorch und Kaub, das die Form eines Flaschenhalses hat. Was idyllisch klingt, ist in der Praxis gar nicht so einfach – bis in die 1920er Jahre sind die Menschen im Flaschenhals in vieler Hinsicht auf sich gestellt.

Während die Menschen im Freistaat Flaschenhals nirgends hingehören, nimmt am 10. Januar 1920 der Völkerbund in Genf seine Arbeit auf, der Vorläufer der Vereinten Nationen. Die Gründung des Völkerbunds ist im Versailler Vertrag enthalten. Deutschland wird allerdings erst 1926 Mitglied.

Am 10.01.1927 wird der Film „Metropolis“ von Fritz Lang uraufgeführt. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ ist dieser Film immer noch (oder wieder) hochaktuell.

Was erstaunlich aktuell und vor allem erstaunlich alt ist: die Idee des Fernunterrichts. Am 10. Januar 1840 bietet Isaac Pitman erstmals Fernunterricht an. Damit gibt es den ersten Fernunterricht bevor es die erste U-Bahn der Welt gibt – am 10. Januar 1863 wird die erste Strecke des „Metropolitan Railway“ in London eröffnet. Weltweit eine Erfolgsgeschichte!

Der 10. Januar hat allerdings auch kulturell durchaus Erfolg: am 10. Januar 1797 wird Annette von Droste-Hülshoff geboren. Viele Menschen kennen sie aus dem Deutschunterricht als erfolgreiche Schriftstellerin. Mich hat vor allem „Die Judenbuche“ sehr bewegt.
Am 10. Januar 1858 wird Heinrich Zille geboren, seine Zeichnungen Berlins sind noch heute wichtig und beeindruckend.
Am 10. Januar 1891 wird die Operette „Der Vogelhändler“ im Theater an der Wien uraufgeführt. Hier kann man sich die Operette anschauen und anhören.

Damit wünsche ich Euch einen fröhlich beschwingten und schönen Abend und eine gute Nacht.

9. Januar

Habt Ihr schon einmal eine Meerjungfrau gesehen?
Kein Kunstwerk – sondern wirklich eine echte Meerjungfrau.
Falls die Antwort jetzt nein ist, dann kann ich Euch sagen, dass Christoph Kolumbus Euch etwas voraushat (zu Eurer Beruhigung: mir auch). Christoph Kolumbus notiert nämlich am 9. Januar 1493, dass er auf seiner Reise in die (heutige) Dominikanische Republik gleich drei Meerjungsfrauen gesehen hat. Allerdings ist er von ihrem Aussehen enttäuscht. Er findet sie nicht einmal halb so schön wie die Zeichnungen, die es von ihnen gibt. Verständlich, denn er hat Seekühe gesehen……

Ob diese Geschichte Karel Čapek gefallen hätte? Karel Čapek kommt am 9. Januar 1890 in Österreich-Ungarn zur Welt. Er wird ein bedeutender tschechischer Schriftsteller, Dramatiker, Essayist und Journalist. Ich kenne ihn vor allem von seinem etwas böse ironischen Buch Das Jahr des Gärtners, das ich irgendwann zufällig entdeckt habe. Bei meiner Frage habe ich aber vor allem an das Buch „Der Krieg mit den Molchen“ gedacht. Mehr zu diesem interessant klingenden Buch gibt es hier.

Unter dem Buch von Čapek „Wie ein Theaterstück entsteht“ (das mich thematisch natürlich sehr interessiert) steht, dass sein Humor an Tucholsky erinnert. Und da sind wir schon beim nächsten „Ereignis“: Kurt Tucholsky kommt ebenfalls am 9. Januar 1890 zur Welt, allerdings in Berlin. Im Jahr 1934 schreibt er für seinen Antrag auf Einbürgerung nach Schweden diesen Lebenslauf. Zunächst ist Tucholsky vor allem als Journalist bekannt, 1912 tritt er aber mit der Novelle „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ auch auf die literarische Bühne. Das Buch wird ein großer Erfolg und Rheinsberg hat heute ein Tucholsky-Museum. Wobei das Museum leider immer wieder von Mittelkürzungen bedroht ist und um seine Existenz kämpft…….

Aber auch in anderer Hinsicht ist der 9. Januar bedeutend. Am 9. Januar 1464 tritt in Brügge zum ersten eine Versammlung aller Stände der niederländischen Provinzen zusammen. Diese Versammlung wird bald als „Generalstaaten“ bezeichnet, ein Synonym für die Niederlande. Interessant ist, dass die Generalstände sich gegen die Inquisition wehren. Plötzlich begegnen wir dem Herzog von Alba und den Grafen von Egmont und von Hoorn (die manche vielleicht schon oder noch aus der Schule kennen). Langfristig betrachtet führt diese Entwicklung zur Unabhängigkeit der Niederlande und zum Theaterstück „Egmont“ von Johann Wolfgang von Goethe, das am 9. Januar 1789 in Mainz uraufgeführt wird.

Mit diesen spannenden Verbindungen wünsche ich Euch gute Gedanken und einen schönen Abend!

8. Januar

Am 8. Januar 1912 wird der „ANC“ („African National Congress“) zunächst als „South African Native National Congress“ (SANNC) gegründet. Seit 1910 gab es in Südafrika die Südafrikanische Union, die sich innenpolitisch durch Apartheid „auszeichnete“. Demgegenüber orientieren sich die Gründungsmitglieder des SANNC an den Idealen der britischen Weißen. Dies erwarten sie auch von anderen Schwarzen, sie sind damit eine Lobbygruppe für eine kleine schwarze Minderheit. Konkreter Auslöser für die Gründung des SANNC ist der Plan, den „Natives Land Act“ so zu verändern, dass auch diese kleine Minderheit ihr bis dahin bestehendes Wahlrecht in Natal und Kapkolonie (das an Landbesitz geknüpft ist) verliert. Der SANNC protestiert „zivil“ – man schickt Protestnoten, Beschwerdebriefe und Delegationen. Auf diese Weise bleiben die Proteste friedlich aber auch erfolglos. Erst später ändert sich die Vorgehensweise und 1960 wird der (mittlerweile umbenannte) ANC dann auch verboten. Nelson Mandela, ein führender Aktivist des ANC, wird 1964 sogar zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Ende dieser Geschichte kennen wir vermutlich alle.

Am 8. Januar 1961 findet in Frankreich ein Referendum statt – es geht um die Politik von Charles de Gaulle. Konkret geht es um die Frage der Selbstbestimmung Algeriens. De Gaulle favorisiert eine Teilselbständigkeit Algeriens mit politischer Anbindung an das französische Mutterland (sogenannte „l’association“). Tatsächlich befürworten 72,7% der Abstimmenden seinen Vorschlag. Dass es dann doch anders kommt, ist wiederum eine andere Geschichte……

Nach dem gregorianischen Kalender (dazu demnächst mehr) kommt Maximilian Kolbe am 7. oder 8. Januar 1894 in Polen auf die Welt. Sein Vater kämpft ab 1914 gegen die russischen Besatzer von „Kongresspolen“ – dafür wird er hingerichtet. Maximilian tritt in einen Orden ein und wird 1918 zum Priester geweiht. Er ist ein Gegner des Nationalsozialismus, allerdings glaubt er zunächst – wie viele andere Menschen – auch an judenfeindliche Verschwörungstheorien. Als die Juden jedoch verfolgt werden, versteckt er sie in seinem Kloster und rettet vielen von ihnen das Leben. 1941 wird er nach Auschwitz deportiert, dort geht er anstelle eines Familienvaters freiwillig in den Hungerbunker. Der Familienvater überlebt und stirbt erst 1995.

Am 8. Januar 1601 wird Baltasar Gracián in Spanien geboren. Im Jahr 1619 wird er in den Jesuitenorden aufgenommen. Bekannt wird er durch das 1647 unter seinem Namen veröffentlichte Werk „Das Handorakel oder die Kunst der Weltklugheit“. Ein schönes Werk, mit jeweils kurzen Texten. Besonders interessant ist es, jeweils einen dieser Texte mit einem Zufallsgenerator auszuwählen – das ist hier möglich. Ein paar Jahre später schreibt er noch einen kritisch-desillusionierenden allegorischen Roman mit dem Titel „El Criticón“ bzw. „Das Kritikon„. Für dieses Werk (das ich bisher leider noch nicht gelesen habe) erhält er ein Publikationsverbot und wird zeitweilig sogar unter Hausarrest gestellt…….

Noch eine Kämpferin gegen den Nationalsozialismus: am 8. Januar 1867 wird Emily Greene Balch in Boston geboren. Sie studiert zunächst griechische und römische Literatur und erhält aufgrund eines hervorragenden Abschlusses ein Stipendium für ein Studium in Europa. Ab 1890 studiert sie Volkswirtschaft an der Sorbonne in Paris, dann ein Semester Ethik in Harvard und schließlich Soziologie und Volkswissenschaften in Chicago und in Berlin – unter anderem bei Georg Simmel. Zurück in den USA wird sie Professorin und forscht unter anderem im Bereich Immigration in die USA. Ab 1915 engagiert sie sich in der Friedensbewegung – so ist sie gegen einen Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg. Während der Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkriegs geht sie zurück in die USA und engagiert sich von dort gegen den Nationalsozialismus und für europäische Flüchtlinge und Asylsuchende. Im Jahr 1946 erhält sie den Friedensnobelpreis. Ein eindrucksvoller Lebenslauf!

Am 8. Januar wird der Schöpfer von „Eliza“ geboren – Joseph Weizenbaum. Er kommt in einer jüdischen Familie in Berlin zur Welt, 1936 verläßt seine Familie Berlin und wandert in die USA aus. Sein Vater hält ihn für einen „wertlosen Trottel“. Zu Unrecht! Berühmt wird er durch „Eliza“, den ersten Chatbot der Geschichte. Mehr zu „Eliza“ hier und hier. Zu Joseph Weizenbaum selbst gibt es eine sehenswerte Online-Ausstellung.

Damit wünsche ich Euch einen schönen Abend und eine gute Nacht!

7. Januar

Am 7. Januar 1901 kommt Elisabeth Schwarzhaupt in Frankfurt am Main zur Welt. Sie studiert Jura und engagiert sich ab 1932 – gerade auch, weil ihr das Frauenbild im Nationalsozialismus mißfällt – politisch. Eigentlich will sie Richterin sein, doch Frauen werden 1933 aus dem Justizdienst entlassen. Sie schreibt statt dessen eine Doktorarbeit und arbeitet dann als Juristin bei der evangelischen Kirche. Ab 1945 arbeitet sie an einer neuen Grundordnung der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit. 1953 zieht sie als Mitglied der CDU in den Bundestag ein. 1961 wird sie die erste Ministerin in einer Bundesregierung, gleichzeitig wird ihr Ressort „Gesundheit“ neu geschaffen (das ist wohl des Ergebnis eines „Sit-In“ der CDU-Damen im Bundeskanzleramt – wobei Elisabeth Schwarzhaupt bei diesem Sit-In nicht dabei ist). Es ist nicht wirklich „ihr“ Ressort, aber sie bewegt doch einiges: im Zusammenhang mit dem Contergan-Skandal, der kurz nach der Übernahme des Amtes öffentlich wird, setzt sie eine Novelle des Arzneinmittelgesetzes durch. Neue Medikamente müssen nun vor der Vermarktung auf mögliche vorgeburtliche Schäden geprüft werden. Außerdem führt sie die Schluckimpfung gegen Polio ein.

Um Frauen geht es auch am 7. Januar 1936 in Teheran. Reza Schah Pahlavi erläßt an diesem Tag ein Dekret – das Tragen des Tschador wird im Iran verboten. Dieser Tag wird dann auch zum Tag der „Befreiung der Frau“ erklärt. Heute kämpfen mutige Frauen darum, den Tschador nicht tragen zu müssen.

Am 7. Januar 1977 wird die „Charta 77“ der tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung in westeuropäischen Zeitungen veröffentlicht. Zu ihren Unterzeichnern gehört auch Václav Havel, er ist gleichzeitig auch einer der Sprecher. Interessant und wichtig finde ich den folgenden Gedanken, den wir vielleicht auch einmal brauchen werden: „Charta 77 ist keine Organisation, hat keine Statuten, keine ständigen Organe und keine organisatorisch bedingte Mitgliedschaft. Ihr gehört jeder an, der ihrer Idee zustimmt, an ihrer Arbeit teilnimmt und sie unterstützt.“

Mit Zustimmung zu der Idee von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten wünsche ich Euch einen guten Abend und schöne Träume.

6. Januar

Am 6. Januar 1389 findet ein Ereignis statt, dessen „Auswirkungen“ mich fast 600 Jahre später betreffen.
Die Stadt Köln ist seit dem Jahr 1164 „eng“ mit den „Heiligen Drei Königen“ verbunden. In diesem Jahr hat Rainald von Dassel nämlich die (angeblichen) Gebeine der heiligen drei Könige nach Köln gebracht. Der für diese Reliquie erreichte Schrein steht noch heute im Kölner Dom und ist weltberühmt und vielbesucht. Auch ich habe ihn schon gelegentlich „umrundet“. Natürlich werden die heiligen drei Könige dann auch die Stadtpatrone der Stadt Köln. Insofern ist es nur folgerichtig, dass der Lehrbetrieb der neu gegründeten Universität Köln im Jahr 1389 am 6. Januar beginnt.
Mein Besuch der Universität Köln beginnt fast 600 Jahre später, im Wintersemester 1988/1989.

In Köln studiere ich Jura – und in den ersten Semestern geht es unter anderem um Grundrechte. Das ist ein Thema das mir noch heute sehr wichtig ist – vielleicht sogar wichtiger als „damals“. Dazu passt wiederum das nächste „Ereignis“: am 6. Januar 1941 hält der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt seine Rede zur „Lage der Nation“. Die Originalrede kann man unter anderem hier hören, eine deutschsprachige Transkription der Rede hier lesen.
In dieser Rede formuliert Roosevelt vier Freiheiten:
– die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung – überall auf der Welt
– die Freiheit eines jeden Menschen, Gott auf seine eigene Weise zu verehren – überall auf der Welt
– die Freiheit von Not. Das bedeutet, weltweit gesehen, wirtschaftliche Verständigung, die jeder Nation gesunde Friedensverhältnisse für ihre Einwohner gewährt – überall auf der Welt
– die Freiheit von Furcht, was, auf die Welt übertragen, bedeutet, dass die Rüstung weltweit so weit und so gründlich reduziert wird, dass keine Nation in der Lage sein wird, einen Akt physischer Aggression gegen einen Nachbarn zu begehen – überall auf der Welt
Es fühlt sich merkwürdig an, diese Freiheiten im Januar 2026 zu lesen. Was davon gilt heute noch? Und vor allem, gilt es „überall auf der Welt“? Gleichzeitig finde ich diese Ziele immer noch erstrebenswert, sie sind im Grunde genommen zeitlos – wobei ich bei der zweiten Freiheit gedanklich ein „ob“ ergänzen würde, nämlich dass es den Menschen überall auf der Welt freisteht, ob sie Gott/einen Gott verehren bzw. einer Religion angehören.

Zur Freiheit und zum Ausleben von Freiheitsrechten gehört nach meinem Verständnis untrennbar Datenschutz. Menschen dürfen für Staat und Verwaltung sowie für Unternehmen nicht „gläsern“ sein, schon gar nicht gegenüber Staaten, Behörden und Unternehmen, die wenig Interesse an demokratischen Strukturen haben. Daher ist es sehr passend, dass am 6. Januar 1978 in Frankreich durch ein Gesetz die französische „Datenschutzbehörde“ CNIL geschaffen wird.
Heute lese ich gelegentlich die Stellungnahmen und andere Dokumente der CNIL, wenn es um die DSGVO und/oder KI geht.

Etwas weniger dramatisch, aber im Alltag ungeheurer wichtig, ist das nächste Ereignis: am 6. Januar 1862 kommt August Oetker auf die Welt. Er revolutioniert das „Backpulver“. Ja, das gab es schon vorher – aber es wurde vor allem in Bäckereien eingesetzt. August Oetker verpackt es in kleinen Tütchen für einzelne Haushalte und so kommt es, dass heute in vielen Rezepten steht „1 Päckchen Backpulver“.

Damit wünsche ich Euch einen Nachmittag mit leckerem Kuchen und nachher einen schönen Abend und eine gute Nacht.

5. Januar

Gut oder nicht gut, das ist heute die Frage. Denn vieles, was auf den ersten Blick gut aussieht, kann auf den zweiten Blick dann doch auch negative Aspekte beinhalten. Aber fangen wir an.

Am 5. Januar 1914 verkündet Henry Ford etwas Erstaunliches: nämlich den 8-Stunden-Arbeitstag und einen Lohn von mindestens 5 Dollar pro Tag. Gar nicht so dumm ist der Gedanke, der dahintersteckt: wer mehr Freizeit hat, kann auch mehr konsumieren und wer mehr Geld hat, gibt auch mehr Geld aus. Allerdings hat die Sache einen Haken, der die Arbeit in seinem Unternehmen unbeliebt macht – seine Vorstellungen von Moral und Anstand sollen eingehalten werden, Ford gründet sogar eine Spezialabteilung, die das Verhalten kontrollieren soll. Das gefällt den Arbeitnehmer*innen nicht, im Gegenteil – sie kommen sogar auf die Idee, Gewerkschaften zu gründen und Ford stampft seine Spezialabteilung nach 2 Jahren wieder ein.

Aber wie sind wir da hingekommen? James Watt hat da einen gehörigen Teil beigetragen. Am 5. Januar 1769 reicht er den Patentantrag für „seine“ Dampfmaschine ein. Erfunden hat er die Dampfmaschine nicht, aber entscheidend verbessert – als er eine existierende Dampfmaschine reparieren soll, erkennt er die Schwachstellen und verbessert sie. Damit beginnt die industrielle Revolution.

Ein Studium konnte James Watt sich nicht leisten, aber er ergatterte einen Job als Instrumentenmacher an der Universität Glasgow. Was wohl aus ihm geworden wäre, wenn er studiert hätte? Hätte er dann „seine“ Dampfmaschine entwickelt oder hätte er wissenschaftliche Beiträge geschrieben, die heute vielleicht schon vergessen wären? Am 5. Januar 1665 erscheint in Paris jedenfalls die erste wissenschaftliche Fachzeitschrift, nämlich „Le Journal des Sçavans“. Interessanterweise erscheint die Zeitschrift sogar in französischer Sprache und soll über neu erschienene Bücher und deren Inhalt informieren.

Wesentlich bekannter als diese Zeitschrift war vermutlich François Villon. Er war ein Dichter aber auch ein Krimineller und immer mal wieder im Gefängnis. Irgendwann verurteilt ihn ein Richter zum Tode. Aber er legt Berufung ein und der oberste Gerichtshof verwandelt am 5. Januar 1463 das Todesurteil in eine 10jährige Verbannung aus Paris. Es gibt noch zwei Gedichte von ihm und dann verliert sich seine Spur. Seine Werke bleiben uns jedoch erhalten!

Erhalten bleibt uns hoffentlich auch der blaue Elefant – am 5. Januar 1975 hat er seinen ersten Auftritt in der Sendung mit der Maus.

Etwas älter als der Elefant ist Friedrich Dürrenmatt. Am 5. Januar 1921 kommt er zur Welt. Als Autor befaßt er sich häufig in seinen Werken häufig mit der Frage nach Recht und Gerechtigkeit sowie Schuld und Sühne. Der Gedanke der „Mitschuld“ steht oft im Raum.

Das Thema „Schuld“ passt auch zu Konrad Adenauer, der am 5. Januar 1876 geboren wird, oder besser: das Thema „Umgang mit Schuld“. Als Verfolgter des NS-Regimes hat Adenauer, wie man auf der verlinkten Seite lesen kann, eine deutliche Meinung zum Nationalsozialismus. In privaten Briefen äußert er sie auch nach 1945, in seinen öffentlichen Reden geht er anders vor und verzichtet auf eine „Abrechnung“. Aus seiner Sicht und zum damaligen Zeitpunkt mag das die „richtige“ oder „einzig mögliche“ Vorgehensweise gewesen sein, gleichzeitig frage ich mich heute, ob ein anderer Umgang mit vermeintlichen Mitläufern für die Demokratie besser gewesen wäre.
Gerade mit Blick auf die heutige Zeit finde ich seine „Sozialpolitik“ beziehungsweise sein Verständnis von Sozialpolitik spannend. Ich glaube nicht, dass Adenauer die heutige Politik der Union richtig finden würde. Allein der Satz „Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen, nicht der Mensch der Wirtschaft.“ spricht eine deutliche Sprache.

Ob Konrad Adenauer und Umberto Eco sich etwas zu sagen gehabt hätten, wenn sie sich in ihrem Leben begegnet wären? Der gemeinsame Geburtstag am 5. Januar verbindet sie jedenfalls – wobei Umberto Eco erst am 5. Januar 1932 zur Welt gekommen ist. Umberto Eco hat seine Kindheit und Jugend im italienischen Faschismus in einigen seiner Bücher thematisiert, bekannt ist er aber auch für seinen Vortrag „Der ewige Faschismus“ (und sein gleichnamiges Buch). Darin geht es um 14 Kriterien, an denen man Faschismus erkennen kann.

Gut oder nicht gut? Ich lasse das offen, denn von hier aus ist beides möglich. Ich jedenfalls wünsche Euch eine gute Nacht!