188

Die 188.
Manchmal gibt es Zahlen, bei denen die Funde thematisch „zusammenpassen“. Bei der 188 ist es das ein bißchen der Fall – Krieg und Frieden paßt hier als Oberbegriff.

U 188 gehört zum Krieg, genauso wie der Bericht des Matrosen Anton Staller über das Leben in (oder sagt man auf?) diesem U-Boot. Gerade weil es nur wenige Berichte dieser Art gibt, ist das ein wichtiges Buch – auch weil es wohl auch die Ängste und Zweifel der Besatzungsmitglieder anspricht.

Eine fiktive Geschichte über den kalten Krieg? Ein Mann, der am Bau eines 188 Meter langen Tunnels unter Berlin beteiligt war, wird ermordet. Warum? Und was hat sein Tod mit dem damaligen Bau des Fluchttunnels zu tun? Im Roman 188 Meter unter Berlin wird diese Geschichte erzählt.

Dazu paßt wiederum gut, dass das Kursbuch Kalter Frieden die Nummer 188 trägt.

Im Jahr 188 wurde übrigens der (spätere) Kaiser Caracalla geboren – nicht unbedingt ein Mensch des Friedens….

Aber doch, es gab auch einen Frieden – im Jahr 188 vor Christus gab es nämlich den Frieden von Apameia, der zum Aufstieg Roms als bedeutende Macht am Mittelmeer führte. Den Inhalt des Vertrages kann man hier (in Ziffer 38) nachlesen.

Was zum Thema Frieden paßt? Bachs Kantate „Ich habe meine Zuversicht“ BWV 188.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend voller Zuversicht.

187

Die 187.
Sie schließt thematisch nahtlos an die 186 an. Wirklich.

One-eight-seven beziehungsweise „section one-eight-seven“ ist ein Verweis auf das kalifornische Strafgesetzbuch (California Penal Code) – dort ist Mord geregelt und deswegen wird diese Bezeichnung auch als Slangbegriff für Mord verstanden.
Wenig erstaunlich ist, dass es einen Film mit dem Namen 187 – Eine tödliche Zahl gibt, der mit genau dieser Anspielung arbeitet. Den Trailer zu diesem Film kann man hier sehen.

Der sogenannte Blackout-Ripper Gordon Cummins schlug in London in einer Wohnung mit der Adresse 187 Sussex Gardens zu. Sein Opfer hier war Doris Jouannet. Eine relativ ausführliche Version der gesamten „Geschichte“ (es war nicht sein einziger Mord) findet man hier (sehr interessant übrigens!).

Was es auch noch gibt: eine Gangsta-Rap-Band mit dem Namen 187 Strassenbande. Passt thematisch, oder?

Etwas weniger „böse“ sind vermutlich die 187 Anekdoten von berühmten Ärzten – wobei ich mich ja durchaus frage, welche Chance Patientinnen und Patienten in vergangenen Zeiten hatten, eine ärztliche Behandlung zu überleben (wobei ich gar nicht mal an Fehler oder falsche Behandlungen denke, sondern eher an das zu bestimmten Zeiten einfach noch nicht vorhandene Wissen).

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen gesunden Abend mit guten Erinnerungen.

186

Die 186.
Kurz und irgendwie blutig.

Fangen wir mit Pertinax an. Im Jahr 186 wäre er beinahe auf britannischem Boden gestorben. Und zwar nicht „einfach so“. Britannien war damals ein unruhiger Ort – selbst die römischen Truppen waren unzufrieden und so kam es wohl zu Aufständen. Eine Legion griff seinen Leibwächter an, er selbst entging nur knapp dem Tod (eine Quelle spricht von einem Mordversuch, eine andere, dass man ihn für tot hielt und liegenließ). Egal wie – er überlebte und spielte dann noch eine durchaus wichtige Rolle in der römischen Geschichte aber auch in der Literatur.

Weniger Glück hatten die Kunden von Sweeny Todd. Sweeny Todd hatte sein Friseurgeschäft in der Fleet Street 186. 150 Kunden könnten dort ihr Leben gelassen haben….. Eine spannende Geschichte, zu der ich gerade auch ein Buch lese (mal sehen, ob ich demnächst mehr weiß).

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen lebensfrohen und ungefährlichen Abend.

185

Die 185.
Eine Zahl, die überraschenderweise mit einem Thema zu tun hat, das in meinem Leben nie eine Rolle gespielt hat – Verliebtheit und Liebe.

Da gibt es zum einen ein Buch, das 185 Denkanstöße, Fragen und Fakten für Verliebte liefert. Ich habe keine Ahnung, ob diese 185 Denkanstöße in irgendeiner Art und Weise hilfreich sein können (es ist schließlich so gar nicht mein Thema!). Vielleicht ist es auch nur die „übliche Ratgeberliteratur“.

Spannender fand ich das Buch The Lover’s Dictionary: A Love Story in 185 Definitions. Kann man eine Liebesgeschichte als „Wörterbuch“ erzählen? Es ist tatsächlich ein Wörterbuch und unter Wörtern wie „aberrant“, „abstain“ und „acronym“ wird fortlaufend eine Geschichte erzählt. Die Idee ist hochinteressant (und bei jedem anderen Thema würde ich nicht lange zögern) und jedenfalls sehr kreativ. Gut, dass ich mir die ersten Seiten anschauen konnte.

Aber wenigstens zwei Dinge gibt es, die ich zusätzlich noch gefunden habe – einmal die Dauer der Bundesgartenschau in Koblenz – 185 Tage von Mitte April bis Mitte Oktober. Ich war damals (mit meiner Mutter) in Koblenz – eine schöne Erinnerung! Und thematisch ist das durchaus aktuell, da Wuppertal über eine Bewerbung für eine zukünftige Buga nachdenkt.

Spektakulärer: im Jahr 185 wurde eine Supernova von chinesischen Astronomen beobachtet und beschrieben. Damit ist diese Supernova wohl die älteste beschriebene Supernova der Welt. Folglich trägt sie den Namen Supernova 185.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend mit guten Gefühlen und spannenden Beobachtungen.

R: „The Tunnel“ (Pilgrimage) von Dorothy Richardson

Schon wieder ist ein Monat vorbei. Und schon wieder habe ich nicht einmal ansatzweise all das gelesen, was ich für die Booklover-Challenge lesen wollte. Aber immerhin habe ich meine „Aufholjagd“ für „Reading Pilgrimage“ fast beendet. Deswegen stellt ich hier auch eines der Bücher aus dem „Pilgrimage-Zyklus“ von Dorothy Richardson vor.

Auf Twitter gibt es den Account „Neglected Books“ – dort werden Bücher vorgestellt, die viele Menschen nicht (noch nicht oder nicht mehr) kennen. Eine schöne Idee und ich lese die Tweets sehr gerne. Seit Anfang des Jahres lesen nunmehr einige Menschen zusammen die 13 Bücher von Dorothy Richardson – jeden Monat ein Buch, in einem Monat zwei. Eine schöne Gelegenheit, diese Bücher auch zu lesen. Allerdings habe ich es im Januar/Februar nicht geschafft, jeweils rechtzeitig fertig zu werden, so daß ich im Mai/Juni eine Art Aufholjagd starten mußte. Jetzt bin ich fast mit Buch Nr. 6 durch, vorstellen möchte ich aber Buch 4 – The Tunnel.

Der Name der Autorin sagte mir vor den Tweets und dem Leseprojekt ehrlich gesagt gar nichts. Interessant ist aber, dass Dorothy Richardson als erste englischsprachige Autorin den Roman in der Erzähltechnik des „stream of consciousness“ veröffentlich hat. Sehr oft wird sonst James Joyce mit dieser Erzähltechnik in Verbindung gebracht, Dorothy Richardson hat aber anscheinend schon vor ihm mit dieser Erzähltechnik gearbeitet.

Jedes Buch erzählt einen gewissen Zeitraum aus dem Leben der Protagonistin Miriam Henderson. Während sie im ersten Buch nach Deutschland aufbricht, um dort an einer Schule zu arbeiten, sie im zweiten Buch in einer Schule in London arbeitet (was ihr nicht ganz so viel Freude bereitet), hat sie im vierten Buch – The Tunnel – die Schulen und den Bereich der „Erziehung“ verlassen. Es ist ein richtiger Umbruch. Sie bezieht ein kleines (und ärmlich klingendes) Zimmer in London bei Mrs Bailey und arbeitet in einer Zahnarztpraxis. Dort kümmert sie sich um viele unterschiedliche Dinge – die Vorbereitung der Behandlungsräume und der benötigten Gegenstände und Materialien, aber auch die Abrechnungen und andere eher administrative Dinge. Wenn man bedenkt, dass das Buch 1919 erschienen ist, dann ist das gleichzeitig ein spannender Einblick in die Zahnmedizin am Anfang des 20. Jahrhunderts als auch in die Berufswelt einer jungen unverheirateten Frau. Gleichzeitig ist es eine wunderbare Schilderung ihrer Tage und Wege in London und der Menschen, die ihr begegnen (das zieht sich auch durch die weiteren Bücher, jedes Buch ist einzigartig!).
Aus der Sicht von Miriam selbst erzählt, hatte ich oft den Eindruck ihr bei ihren Gedanken (zum Beispiel über Einsamkeit und den Umgang mit anderen Menschen) über die Schulter zu blicken, ihr in geringem Abstand beim Lesen zu folgen, ohne ihr jemals wirklich nahe sein zu können. Viele ihrer Gedanken konnte ich gut nachvollziehen, manche Stellen fand ich besonders schön.

Ich bin ehrlich gesagt auf die weiteren 7 Bücher sehr gespannt und sehr dankbar, dass ich dieses spannende Projekt entdeckt habe (auch wenn es mich immer wieder ein bißchen unter Lesezeitdruck setzt).

184

Die 184.

Das Jahr in dem in China der Aufstand der gelben Turbane begann. Es war damals eine unruhige Zeit (in einem Artikel taucht interessanterweise das Wort „Zeitenwende“ auf) – es gab eine Hungersnot, Überschwemmungen und einen glücklosen und dekadenten Kaiser. Das führte zu einem Aufstand. Die Aufständischen trugen gelbe Tücher um ihren Kopf – deshalb die Bezeichnung als „gelbe Turbane“. Mehr dazu hier und hier (II). Und ja, die Themen (Gefahr einer) Hungersnot und Überschwemmungen kommen mir doch sehr zeitlos vor…..

Die Vorstellung in einem Krematorium aufzuwachen, nicht zu wissen, wer man ist und warum man dort ist und sich gerade noch vor der Einäscherung retten zu können, ist schon irgendwie alptraumhaft. Wenn man dann noch eine Narbe und die Nummer 184 auf dem Schädel hat, dann ist das der Stoff für ein altraumhaftes Buch. Nichts für mich, aber toll, dass es einen so prägnanten Buchtitel für die 184 gibt.

Zum Abschluß etwas Schönen, nämlich wieder einmal Bach – Erwünschtes Freudenlich (BWV 184). Schließlich soll es ja keine Alpträume geben!

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen schönen Abend mit guten Träumen.

183

Die 183.
Und schon liegt die Jahreshälfte hinter mir. Hier und auch sonst.
Irgendwo in dem kurzem Moment zwischen gestern (182) und heute (183) liegt sie – die Jahreshälfte und ich habe sie nicht einmal bewußt wahrgenommen.

Die 183 hat mich überrascht.
Es gibt einige Produkte, die die 183 in ihrem Namen führen. Da gibt es zum Beispiel das Klebeband monta 183, den Bleistift Noris 183 und das Sofa Freistil 183. Ich frage mich, warum die 183 so beliebt ist und ich habe bis jetzt noch keine Antwort gefunden. Schade, oder?

Was es auch gibt – den VW Iltis Typ 183, der bis Ende der 1990er Jahre Teil des Fuhrparks der Bundeswehr war. Ich habe den „Iltis“ nie bewußt wahrgenommen….

TAKI 183 war (beziehungsweise ist, da er ja noch lebt) ein Pionier des urbanen Graffiti-Writings. Sein Künstlername setzt sich aus seinem Spitznamen „Taki“ (von Dimitrios) und seiner damaligen Adresse zusammen. Fotos seiner Werke kann man auf seiner Webseite sehen. Ich finde es spannend, dass es vor dem, was ich unter Graffiti verstanden hätte, noch andere Ansätze gab (ja, Bildungslücke…..).

Ein Fund hat mich bei der 183 besonders angesprochen. Es ist das Buch 183 Tage. Es hat mich vor allem thematisch angesprochen, da ich letztlich seit 2018 aus vielen Gründen nach und nach angefangen habe, ein Leben ohne private Interaktionen zu führen. Ja, das ist länger als 183 Tage und es war auch nicht in dem Sinne geplant. Es war in meinem Fall die Konsequenz einer Situation, die einfach nicht gut war. Trotzdem oder gerade deshalb finde ich den Gedanken spannend, bewußt für einen definierten Zeitraum diesen „Rückzug“ zu erleben. Interessant fände ich aber auch die Frage, ob beziehungsweise wie danach eine „Rückkehr“ in das Leben mit Kontakten möglich ist (ich kann dazu nichts sagen, da es bei mir nicht möglich ist).

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend mit guten Gesprächen und Kontakten.

182

Die 182.
Hoch hinaus und tief hinab. Irgendwie.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich in Auckland auf dem Sky Tower war. Während der Teilnahme an einer Konferenz in Auckland hatte ich etwas Zeit, um den Turm zu besuchen – die unterste Aussichtsplattform befindet sich in 182 Metern Höhe und hat (zum Teil) einen Glasboden. Das war etwas ungewöhnlich. Ich erinnere mich noch gut daran, wie vorsichtig ich auf diesem Glasboden ging – als ob die Transparenz des Materials Auswirkungen auf die Tragfähigkeit hätte (natürlich nicht!).

Tief hinab geht es gedanklich für mich mit dem Thema „Hass“ – erstaunlicherweise ist die 182 nämlich die Zahl, die für „I hate you“ steht. I für die 1, weil es nur ein Buchstabe ist, hate für eight, weil es ähnlich klingt und ebenso two für you. Ich hätte das – ohne Recherche – nie verstanden.

Ganz das Gegenteil ist dann wiederum Buxtehudes „Der Tag, der ist so freudenreich“ – natürlich BuxWV 182. Mit dem Titel tue ich mich schwer, einen „freudenreichen Tag“ kann ich mir nicht mehr vorstellen. Aber den Gedanken, der dahinter steckt, finde ich trotzdem schön.

Irdisch geht es mit dem Taurus weiter, einer E-Lok der 182er Baureihe. Mehr zu den Besonderheiten des Taurus findet man hier. Faszinierend finde ich, dass der Taurus die Tonleiter singt (ganz unten im Wikipedia-Artikel und auch hier). Mir ist das gelegentlich bei abfahrenden ICEs aufgefallen, aber ich konnte es mir nie erklären…..

Ob eine Lok auch Mozart „spielen“ könnte? Vielleicht etwas zu komplex, aber schön ist die Sinfonie B-Dur – KV 182 – schon.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen freudenreichen und klangvollen Abend.

181

Die 181.
Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, das Ende Juni „Halbzeit“ des Jahres ist. Aber es stimmt gar nicht. Die Hälfte ist noch nicht erreicht, auch morgen noch nicht.

Sprechen wir noch einmal über die Römer – oder konkreter über „die Taten der Römer“, nämlich die Gesta Romanorum. Ursprünglich gab es wohl Fassungen mit (nur) 151 Kapiteln, die neueren Ausgabe (zum Beispiel von 1842) enthalten jedoch 181 Kapitel (und ja, meine günstige Ausgabe im Regal hat auch 181 Kapitel). Nachlesen kann man die Gesta Romanorum in zwei Teilen bei Projekt Gutenberg – Teil 1 hier und Teil 2 hier.

181 Passagiere von der St. Louis wurden – nach dem Ende der berüchtigten Irrfahrt – von den Niederlanden aufgenommen, die anderen Passagiere von Frankreich, Belgien und Großbritannien. Nur die Passagiere, die von Großbritannien aufgenommen wurden, waren in Sicherheit. Von den anderen Passagieren weiß man nicht von allen mit Sicherheit, was aus ihnen geworden ist (also ob und wie sie überlebten). Konkret habe ich das Schicksal der Familie Gabel gefunden, die auf der St. Louis auswandern wollte und nach der Irrfahrt nach einem Aufenthalt in den Niederlanden im KZ ermordet wurde.

Fortnum and Mason, das berühmte Geschäft, das lange vor allem für seine kulinarischen Köstlichkeiten bekannt war, befindet sich in London seit über 300 Jahren an der Adresse 181 Piccadilly, St. James’s. Eine köstliche 181!

Gestern habe ich die 180 weißen Steine beim Spiel Go erwähnt, heute sind die schwarzen Steine dran – wenig überraschend sind es 181.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen köstlichen und unterhaltsamen Abend.

Gedanken zum Publikumsschwund in den Theatern

In den letzten Wochen habe ich sowohl auf Twitter als auch im Blog von Nachtkritik ein paar Beiträge zum Thema Publikumsschwund in den Theatern gelesen. Natürlich habe ich selbst – angeregt durch die Tweets und Blogpostings – auch darüber nachgedacht. Ich selber gehe im Moment auch sehr viel weniger ins Theater als zum Beispiel 2019 (das letzte „normale“ Jahr vor Beginn der Pandemie) und ich möchte meine Gründe hier kurz darlegen.

1. Wie komme ich hin?
Ich wohne am Stadtrand von Wuppertal. Unter normalen Umständen nicht weit von den Theatern (und anderen Kultureinrichtungen) in Wuppertal, Düsseldorf, Köln, Essen, Hagen, Bochum, Mülheim an der Ruhr, Moers und Dortmund (um nur einige der Orte zu nennen, die ich in der Zeit bis Anfang 2020 immer wieder gerne besucht habe). Ich mag die Vielfalt der Angebot in meinem Umfeld. Am Stadtrand zu wohnen heißt aber auch, dass ich „irgendwie“ dort hin kommen muß (und wieder zurück). Züge und S-Bahnen sind schon immer mal ausgefallen oder hatten technische Probleme. Meistens bin ich so früh losgefahren, dass es nur selten „schief“ lief (etwas traurig war der Moment, als mein Zug von Wuppertal nach Düsseldorf nicht in den Hauptbahnhof einfahren konnte und zurück nach Wuppertal fahren mußte, wodurch ich – in Sichtweite des damaligen Theaterstandorts – die Aufführung verpaßt habe). Heute sind Fahrten kaum noch planbar. Coronabedingt fallen in ganz großen Mengen Busse und Züge aus, Stellwerke sind unbesetzt und es ist extrem schwierig, irgendetwas zeitlich zu planen. Alles, was also zeitlich irgendwie „riskant“ ist, kommt daher im Moment nicht in Frage.

2. Wann ist die Veranstaltung zuende?
Ich wäre letztens gerne in Düsseldorf in „Orlando“ gegangen. Für eine Vorstellung an einem Freitagabend hatte ich sogar eine Karte, die Vorstellung mußte leider (wohl coronabedingt) ausfallen. Die weiteren Aufführungen waren jeweils nicht am Wochenende. Das Problem? Die Vorstellung begann um 20 Uhr und sollte bis 23 Uhr gehen. Das bedeutet, dass ich gegen 23.20 Uhr am Hauptbahnhof bin. Ich habe dann im Prinzip zwei Möglichkeiten mit dem Zug nach Wuppertal zu kommen – die S-Bahn um 23.30 Uhr oder den RE um 23.42 Uhr. Beide kommen (wenn alles gut geht) um Mitternacht in Wuppertal an. Mein letzter Bus (außer am Freitag oder Samstag) fährt um 0.12 Uhr. Wie oft wurde das schon zu normalen Zeiten sehr knapp, wie oft habe ich (an Wochenenden) den Bus verpaßt und dann bis 1.10 Uhr auf den Nachtexpreß gewartet. Aber der fährt halt nur am Wochenende (also Freitag und Samstag). Zu Fuß würde ich eine Stunde brauchen, ein Taxi hat schon vor ein paar Jahren mehr als 15 Euro gekostet (jetzt wäre es definitiv teurer). Das heißt für mich, dass ich solche Veranstaltungen einfach nicht besuchen kann.
Und ganz klar: Düsseldorf ist ein Beispiel. Ich muß auch immer wieder zur Straßenbahn joggen, um zum Beispiel bei Veranstaltungen in Essen oder Mülheim an der Ruhr noch irgendwie nach Hause zu kommen. Ja, das hält fit, lustig finde ich das allerdings nicht. Alles, was da nach 22 Uhr endet, ist oft extrem schwierig…..

3. Angabe der „Dauer“
Es klingt „unschön“, aber gerade wegen der Notwendigkeit, wieder nach Hause zu kommen, möchte ich vorher wissen, wie lange ein Stück ungefähr geht. Dann kann ich (einigermaßen) planen und entscheiden, ob das für mich möglich ist oder ob mir das Risiko, unterwegs zu stranden, zu hoch ist. Es gibt leider einige Theater, die das nicht angeben (oder erst im vor Ort gekauften Programm – ich plane dann per App hektisch, ob ich das hinbekomme…..). Gebt mir doch wenigstens eine Planungsmöglichkeit!

4. Kartenpreise
Die Preise für einfache Karten sind an den einzelnen Theatern sehr unterschiedlich. In Düsseldorf und auch in Essen sind die günstigsten Karten im Schauspielhaus ab 14 Euro zu erhalten, in Wuppertal ab Euro 20,50 (wobei auch bei Onlinetickets, die selbst ausgedruckt werden, eine weitere Gebühr dazu kommt), andere kleinere Theater liegen da häufig noch drüber. Es ist ein „kleiner Aspekt“, aber zusammen mit der Frage, welchen zeitlichen und finanziellen Aufwand ich treiben muß, um zum Theater und wieder zurück zu kommen, ist das nicht ganz unwichtig.

5. Rückabwicklung bei ausgefallenen Vorstellungen
Manchmal müssen Vorstellungen krankheitsbedingt ausfallen – gerade in den letzten Wochen war das öfter so. Der Umgang mit dem Ausfall (auch im Hinblick auf die Karten) ist aber sehr unterschiedlich. Ich kaufe meine Karten fast immer per Kreditkarte. In Wuppertal fiel im September eine Vorstellung aus. Die Menschen, die ihre Karten an der Theaterkasse gekauft hatten, wurden sofort vor Ort betreut, wer seine Karte per Kreditkarte gekauft hatte, wurde überhaupt nicht betreut. Uns wurde nur gesagt, dass die Karte über die Kreditkarte erstattet wird. Ja, einige Wochen später. Ganz anders der Umgang in Düsseldorf – dort habe ich Ausfälle einmal im Januar 2020 (vor Corona) und Ende April 2022 erlebt. Der Ausfall im Januar 2020 war sehr kurzfristig. Mir wurde als ich ankam angeboten, in eine andere Veranstaltung zu gehen (mir ist klar, dass das nicht an jedem Theater geht, das wäre auch nicht meine Forderung). Ich habe das abgelehnt und der Beitrag wurde mir sofort in meinem Kundenkonto gutgeschrieben. Im April 2022 war der Ausfall ein paar Tage vorher bekannt. Ich bekam eine Email, dass ich entweder an dem Abend in ein anderes Stück gehen könnte oder in eine spätere Vorstellung des ausgefallen Stücks oder den Betrag wiederum gutgeschrieben bekomme. Das find ich sehr gut. Noch besser fand ich, dass ich an dem Nachmittag angerufen wurde und gefragt wurde, welche Wahl ich treffen möchte. Ich wollte an dem Abend in das andere Stück und mir wurde sofort das neue Ticket geschickt. Toller Service vom Düsseldorfer Schauspielhaus. Ich habe mich auch sehr herzlich bedankt!!

6. Corona ist noch nicht vorbei – warum findet „online“ nichts mehr statt?
Ich weiß, dass die letzten zwei Jahre für die Menschen in Kunst und Kultur sehr schwierig waren. Ich kann den Wunsch nach der Anwesenheit des Publikums durchaus verstehen. Andererseits habe ich in der Zeit viele sehr besondere „Experimente“ und „Formate“ erlebt, die ich offline nicht erlebt hätte. Ich habe vor allem Theater „gesehen“, die ich räumlich sonst nicht wahrgenommen hätte (Nürnberg, Augsburg, Hannover um nur ein paar zu nennen). Diese Formate (für die ich zum Teil auch Geld bezahlt habe) waren zum Teil sehr besonders. Beispiel? Amelle Schwerk, die mich im Theaterfilm „Judas“ der Karfreitag 2021 ausgestrahlt wurde, fragte, ob ich denn mein Ticket bezahlt hätte? Die Veranstaltung war kostenfrei, aber diese (vermeintliche) Nähe zwischen der Schauspielerin, die mich nah am Bildschirm fragte und mir, war schon sehr faszinierend. Viele andere gute Beispiel könnte ich aufführen – vor allem die Liveformate waren genial.
Und jetzt? Nichts (oder zumindest fast nichts). War ich als digitale Zuschauerin denn nur eine „Notlösung“? Kann es Theater nur geben, wenn ich persönlich ins Theater komme?

7. Corona ist noch nicht vorbei – ich will andere nicht gefährden
Der zweite Aspekt ist, dass ich nach fast jeder Veranstaltung die entsprechenden Warnungen in meiner Corona-Warnapp sehe. Daraus folgt für mich, dass ich vor für mich wichtigen Terminen (beruflich, aber auch zum Beispiel mein Zahnarztkontrolltermin) auf den Besuch kultureller Veranstaltungen verzichte. Und mit einer roten CWA möchte ich nicht ins Theater gehen. Alternativen digitaler Art gibt es aber nicht, Formate, die draußen stattfinden (Spaziergänge zum Beispiel) sind selten (glücklicherweise habe ich Anfang Juni vom FFT Düsseldorf gleich zwei Spaziergänge mitmachen können).
Da verlieren die Theater mich, denn ich bin Ihnen anscheinend nicht wichtig, wenn ich nicht persönlich in die Innenräume komme.

8. Die Stücke
Ich bin eigentlich fast immer neugierig, es gibt wenige Stücke/Autoren, die mich persönlich nicht so sehr ansprechen. Manchmal finde ich es aber ein bißchen traurig, dass bestimmte Stücke gleichzeitig oder kurz hintereinander an Theatern in der Nähe auftauchen. Die Stücke von Lot Vekemans sind da ein Beispiel, Lenz von Büchner ebenso. Wenn ich das Stück gerade in einem Theater gesehen habe, dann ist mein Interesse, dieses Stück kurz danach noch einmal in einem anderen Theater zu sehen, eher gering.

9. Die fehlende Einführung
Ich versuche tatsächlich vor jedem Theaterbesuch, das entsprechende Stück zu lesen. Manchmal habe ich Glück, dass es zeitlich einfach gut paßt (ich entdeckte „Das achten Leben (Für Brilka)“ auf dem Spielplan in Essen als ich gerade die letzten Seiten las, das paßte perfekt). Jede Inszenierung eines Stücks hat ja Besonderheiten – welcher Teil der Geschichte ist besonders wichtig, wie paßt etwas zur heutigen Zeit und so weiter. Ich finde das spannend. Und ich möchte das gerne vor der Aufführung hören oder lesen – eben weil ich neugierig bin. Ich mag es daher, wenn es vor der Aufführung eine kurze Einführung gibt. Oder zumindest ein Programm, dem ich ein paar wesentliche Gedanken entnehmen kann. Beides ist oft schwierig. Ich erinnere mich an eine Einführung die inhaltlich besagte „Sie werden schon sehen“ (es war eine Adaption von Antigone auf die Toten im Mittelmeer und nein, ohne Kenntnis des Textes hätte ich nicht verstanden, worum es geht) und an Programmhefte, die nicht einmal eine kurze Zusammenfassung der Handlung (nicht jede/jeder kennt die Texte, um die es geht) enthalten. Das macht mich oft traurig und ratlos.

10. Das Digitale als neue Chance?
Wie oben schon geschrieben habe ich in den letzten zwei Jahren viele spannende Theaterformate miterleben dürfen. Dekalog im Onlineformat (Zürich), Macbeth über Telegram (Nürnberg), Werther live, Abende mit Spielelementen (über Alan Turing aber auch als Escaperoom), Improtheater über YouTube mit Anweisungen über den Chat – so vieles war so toll, innovativ und genial. Und jetzt ist alles weg. Es macht mich traurig, dass dies nicht auch als eine zusätzliche Möglichkeit gesehen wird (das soll auch nicht kostenfrei sein!). Warum also nicht beide Welten „bedienen“?

Ich mag Theater – wirklich. Aber die Hürden sind manchmal schon ziemlich hoch.