19. Dezember – die neunzehn

Jetzt drücke ich mich schon ein paar Minuten davor, mich mit der neunzehn zu beschäftigen. Die leere Stelle auf meinem Zettel irritiert mich, aber einmal mit der Suche angefangen habe ich doch erstaunlich viele und interessante Stellen gefunden.

Die neunzehn ist eine schwierige Zahl – sie beinhaltet nicht den Jubel der achtzehn (endlich volljährig) und auch nicht den Klang der zwanzig (ein neuer Anfang). Mit welchen Erwartungen kann ich also an die neunzehn herangehen? Gracian warnt im neunzehnten Spruch des Handorakels vor übermäßigen Erwartungen und vermutlich hat er recht – es ist schöner, wenn die Wirklichkeit die Erwartungen übertrifft – allerdings nur, wenn es um Positives geht.

Die Angst, daß die „Erwartungen“ von der Wirklichkeit übertroffen werden, sprechen aus den Zeilen, die Victor Frankenstein im neunzehnten Kapitel des Buches „Frankenstein“ schreibt. Wenn er keine Post bekommt, hat er Angst, daß seine Familienangehörigen nicht mehr leben und wenn er Post bekommt hat er Angst vor schlechten Nachrichten. Ohne innere Ruhe reist er mit seinem Freund Clerval durch England – immer mit Angst, nie mit Ruhe.

Glücklich ist die Lage von Victor Frankenstein definitiv nicht, denn Glück setzt zum einen Geistesfreiheit voraus – die Verachtung der Dinge, die nicht in unserer Gewalt sind und das Vermeiden von Kämpfen, in denen es nicht in unserer Macht steht, zu siegen. Schöne Worte die Epiktet im neunzehnten Spruch im „Buch vom geglückten Leben“ äußert – aber ist das so einfach getan wie gedacht oder gesagt?

Ist der Kampf gegen die „Midlife-Crisis“ ein Kampf, den man gewinnen kann? Tony Judt schildert im neunzehnten Kapitel des sehr beindruckenden Buches „The Memory Chalet“ seinen Kampf gegen diese Krise. Zu einem Zeitpunkt, in dem für ihn Veränderung notwendig ist, entscheidet er sich, Tschechisch zu lernen. Mit großer Ausdauer macht er sich an die Arbeit. Was zunächst klein und unbedeutend klingt, wird für ihn und sein Leben groß, wichtig und prägend. Erstaunlich welche Auswirkungen eine derartige Entscheidung haben kann!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen/Euch einen 19. Dezember, der schöner und positiver wird als erwartet mit guten Entscheidungen!

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