363

Die 363.
Eine schöne Zahl. Die beiden Ziffern rechts und links ergeben zusammen die Zahl in der Mitte, gleichzeitig rahmen sie die Zahl in der Mitte wunderbar ein.
Und natürlich bedeutet die 363 auch, dass das Jahr übermorgen endet.

Bewegt – das ist das Wort, das aus meiner Sicht gut zu dieser Zahl paßt. Wobei bewegt nicht unbedingt immer positiv sein muß….

Im Jahr 363 bewegt sich die Erde – ein großes Erdbeben erschüttert die Region Galiläa, Jordanien und vermutlich auch Syrien. Genau kann man das heute natürlich nicht mehr feststellen, aber in einzelnen Orten gibt es natürlich Berichte. Das Erdbeben von Mai 363 ist zum Beispiel auf dieser Karte verzeichnet, in Petra (nach unten scrollen bis zum Jahr 363 n. Chr.) richtet das Erdbeben verheerende Schäden an. Die Stadt hat sich von dieser Katastrophe nie wieder erholt. Doch auch auf andere Gebiete hat das Erdbeben Auswirkungen, manche Christen sehen das Beben auch als „Fingerzeig Gottes“ gegen den nichtchristlichen Kaiser Julian.

Ja, Julian. Julian bewegt Menschen – als Teil des Heeres aber eben auch gegen sich, weil er kommunikativ nicht immer besonders erfolgreich ist.
Julians Kindheit und Jugend kann man – aus heutiger Sicht – nicht unbedingt als einfach bezeichnen. Seine Mutter stirbt kurz nach seiner Geburt, sein Vater und fast alle männlichen Verwandten werden ermordet als er gerade einmal fünf oder sechs Jahre alt ist. Kaiser Konstantin ist gerade gestorben und vermutlich soll damit die Erbfolge für Konstantins Söhne „gesichert“ werden. Es ist unklar, ob diese Aktion vom neuen Kaiser angeordnet oder „einfach so“ vom Heer durchgeführt wird. Jedenfalls lebt Julian dann ein Jahr bei Bischof Eusebius , mit dem er auch verwandt ist. Danach wird er vor allem von Mardonios und Nikokles unterrichtet und auch erzogen. Julian beschäftigt sich jedoch bald mit den Neuplatonikern, er läßt sich irgendwann (vermutlich im Jahr 355) in die eleusischen Mysterien einweihen. Spätestens nach Constantius Tod kann er seine Ablehnung des Christentums bekennen. Ganz bewußt führt er christenfeindliche Maßnahmen ein – so zum Beispiel das Rhetorenedikt, nach dem Christen nicht über heidnische Literatur (daraus bestand damals der Unterricht) unterrichten dürfen. Faktisch ist dies ein Unterrichtsverbot. Zusätzlich schreibt er dann noch eine Schrift „Gegen die Galiläer“, in dem er die Christen als Abtrünnige des Judentums darstellt. Das Werk ist leider verloren, sein Inhalt und die Argumente können aber aber aus einer Entgegnung zumindest zum Teil rekonstruiert werden.
Überhaupt sind zahlreiche Schriften von ihm erhalten – so auch das im Jahr 363 erschienene Mispogon, eine Satire als Antwort auf die Neujahrsspottverse der Menschen in Antiochia (die auch immer noch unter der Hungersnot litten…..). Seine asketische Lebensweise macht ihn in Antiochia jedenfalls nicht beliebt, oft wirkt er wohl eher moralisierend und handelt mit wenig Fingerspitzengefühl.
Es ist irgendwie verständlich, dass er Antiochia verlassen will. Die Idee, einen Feldzug gegen Persien zu unternehmen, ist jedoch nicht so glorreich, wie er denkt. Anfang März macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, am Anfang läuft es auch ganz gut, aber am 26. Juni 363 stirbt er. Bis heute weiß man nicht, wer ihm die tödliche Verletzung zugefügt hat. Das gibt natürlich Raum für Rätselraten. Was allerdings feststeht – er stirbt ebenso wie sein großes Vorbild Alexander mit nur 32 Jahren.
Julian hinterläßt durch seine eigenen Werke aber auch durch die Werke, die über ihn geschrieben werden, gerade weil er anders, also „abtrünnig“ war (deswegen auch Julian Apostata), viele Spuren. Der Lesestapel wächst……

Auftritt Jovian. Jovian wird vom Heer zum Nachfolger von Julian ausgerufen. Er ist Christ und Gardeoffizier. Und vor ihm liegt die undankbare Aufgabe, einen Friedensvertrag mit den Persern zu schließen, weil das römische Heer sich – trotz Rückzug – in einer ziemlich verzweifelten Lage befindet. Der persische König Schapur kann die Verhandlungs- und Friedensbedingungen praktisch diktieren. Schmerzhaft für die Römer ist vor allem die Abtretung der Stadt Nisisbis an die Perser.

Demokratisch bewegt ist die Erklärung der 363 vom 18. Mai 1877 (an einem 18. Mai fand auch das Erdbeben im Jahr 363 statt…..). Es ist vermutlich so etwas wie ein politisches Erdbeben. 363 Abgeordnete sprechen sich ausdrücklich gegen die Politik des Staatspräsidenten Mac-Mahon aus (ich erinnere mich dunkel an diesen Namen aus der Vorlesung zum französischen Verfassungsrecht in Clermont-Ferrand – ich sehe den Professor noch vor mir in seinem beeindruckenden Professorentalar und ich sehe noch die Rauchwolken im Hörsaal, da man damals in Frankreich im Hörsaal rauchen durfte….). Mac-Mahon also, der anscheinend wenig Interesse an einer demokratischen Vorgehensweise hat. Er löst – trotz des Protests der Abgeordneten – das Parlament auf und ordnet Neuwahlen an. Das Schicksal meint es aber nicht gut mit ihm, denn wieder gewinnen die demokratisch gesinnten Parteien.

Was bewegt Menschen dazu, komplett neue Dinge zu gestalten oder auszuprobieren? Zum Beispiel Kunst mit Teebeuteln? Natürlich gibt es dazu auch ein Buch – mit dem Titel 363 Days of Tea.

Wer selbst nicht auf derartige ideen kommt, kann immerhin ein Malbuch mit 363 Geometric Patterns nutzen, um sich abzulenken, Stress abzubauen oder auf völlig andere Gedanken zu kommen.

Ein Teil einer Lebensgeschichte ist das Buch Book 363. Renato Khair erzählt darin die Geschichte seines Lebens, die wohl auch die Geschichte seines Vaters Amir Khair umfaßt. Es ist der dritte Band der Geschichte und witzigerweise betrifft der Ausschnitt, den ich gelesen habe, eine Auseinandersetzung um einen Parkplatz. Definitiv ein Buch, dass ich in Ruhe lesen muß!

Gar nicht so weit von mir entfernt befindet sich die Brücke Nr. 363 – nämlich die Bladenhorster Brücke. Wobei ich bisher noch nicht dort war, aber vielleicht komme ich ja 2023 in die Nähe….

Interessant finde ich auch den 363 km langen Lutherwanderweg von der Wartburg nach Worms. Die Westroute ist wohl nicht komplett historisch, aber sie paßt zu meiner Zahl. Den Gedanken, dass auf dieser Strecke tatsächlich Geschichte passiert ist, finde ich schon sehr spannend. Vielleicht schaffe ich es ja mal, einen Teil dieses Weges zu gehen.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen positiv bewegten Abend mit guten Gedanken.

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