4. Dezember – Kirsche

Dass ich am 4. Dezember über den Kirschbaum schreibe, stand von Anfang an fest. Denn schließlich ist der 4. Dezember der Barbaratag und am Barbaratag werden nun einmal Kirschzweige in die Vase gestellt, damit sie Weihnachten blühen. Es gibt also keinen besseren Tag, um etwas über Kirschbäume zu schreiben! Tatsächlich habe ich 2013 auch schon einmal einen Beitrag über Kirschzweige geschrieben, im damaligen Adventskalender.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang auch, dass Kirschblüten in manchen Kulturen für den Neuanfang stehen. Das paßt gut zur Adventszeit und zum jetzt beginnenden neuen Kirchenjahr. Ansonsten steht die Kirsche zum einen für Liebe, zum anderen aber auch für Tod, Trennung und Unterwelt. Dass sich die Geister von Verstorbenen in der Nähe von Kirschbäumen aufhalten sollen, hätte ich wirklich nicht gedacht.

Interessant ist auch, wie alt die Kirsche ist. Lucullus brachte sie im Jahr 74 v. Chr. von einem Feldzug nach Rom mit – eine gute Entscheidung! Die Römer brachten die Kirschbäume dann nach Germanien und damit – über die Jahrtausende hinweg auch zu mir, denn meine Eltern sind kurz vor meinem fünften Geburtstag aus einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung in Schwelm in ein kleines (aber im Vergleich zur Mietwohnung mir sehr groß vorkommendes) Reihenhaus mit Garten in Wuppertal gezogen. In den Vorgarten hat meine Mutter einen Kirschbaum gepflanzt und zwar eine Sauerkirsche. Dieser Baum hat mich viele Jahre begleitet und ich erinnere mich gerne an ihn. Leider ist er irgendwann eingegangen und dort wo er damals stand steht jetzt mein Feigenbaum.

Mit Tschechows Kirschgarten konnte unser kleiner Kirschbaum natürlich nicht mithalten, aber ich habe ihn geliebt und mich jedes Jahr auf seine Blüten und dann seine Früchte gefreut. Um Kirschen geht es auch im Märchen „Die schwarzen Kirschen“ aus der Schweiz. Passend zu meinen Kirschzweigen, die an Weihnachten blühen sollen, gibt es auch ein Märchen, in dem es um blühende Kirschen geht.

Kulinarisch habe ich Kirschen bisher meistens mit „Kirschkuchen“ in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es auch Plätzchenrezepte, in denen Kirschen (konkret Amarena-Kirschen) vorkommen. Das könnte mich tatsächlich reizen und so habe ich schon zwei Gläschen mit Amarena-Kirschen stehen, um bei Gelegenheit ein oder zwei Rezepte auszuprobieren. Mal sehen, wann ich dazu komme.

Euch wünsche ich einen schönen Abend mit guten Neuanfängen.

3. Dezember – Haselnuss

Heute morgen im Zug habe ich überlegt, welchen Baum (oder großen Strauch – die Abgrenzung ist zumindest für mich fließend) ich heute auswähle. Ich bin in Gedanken meine Liste durchgegangen (ich habe tatsächlich eine Liste mit den in Frage kommenden Bäumen). Bei manchen dachte ich „noch kein Rezept ausprobiert“, bei manchen dachte ich „lieber später“, bei manchen auch „da wollte ich noch etwas lesen“. Irgendwann landete ich dann bei der Haselnuss. Das wird schnell und einfach dachte ich. Ja, das dachte ich und damit tue ich der Haselnuss bitter Unrecht wie ich in der letzten Stunde festgestellt habe!

Schon heute morgen in der S-Bahn habe ich überlegt, ob die Haselnuss ein Baum oder ein Strauch ist. Ähnlich wie gestern habe ich beide Begriffe gefunden und ich fand es auch überraschend, welche Wuchshöhe ein Haselnussstrauch (oder Baum) erreichen kann – 5 Meter sind schon sehr stattlich, das hätte ich nicht vermutet.

Was ich auch nicht erwartet hätte: dass die Haselnuss eine derart lange Geschichte hat. Es gibt sogar vor etwa 8000 Jahren (ja, kein Tippfehler – wirklich achttausend!) eine sogenannte Haselzeit, die ungefähr 1000 Jahre andauerte und in der die Haselnuss eine der wichtigsten Nahrungsquellen war. Spannend, oder? Es ist also wenig überraschend, dass man viele Seiten zur „Geschichte der Haselnuss“ finden kann (soviel zu „schnell und einfach“…….). Zum Beispiel hier und hier.

Bei einer so langen Geschichte ist es wiederum auch nicht verwunderlich, dass die Haselnuss in der Mythologie eine große Rolle spiel. Wer zum Beispiel eine Wünschelrute haben möchte, sollte Heiligabend um Mitternacht einen Haselzweig abschneiden – und damit es nicht zu einfach ist, muß der Weg zum Haselstrauch schweigend und nackt zurückgelegt werden. Ich bevorzuge dann doch den Haselzweig in der Hand als Zeichen guter Absichten bei Friedensverhandlungen, wie das im alten Rom wohl üblich war. Dass die Haselnuss auch ein Symbol der Fruchtbarkeit ist, kann mich nach all den Funden nicht mehr überraschen, mehr dazu auch hier.

Auch in die kulturellen Bereiche ist die Haselnuss weit vorgedrungen: zum Beispiel als Lied „‚Schwarzbraun ist die Haselnuss“ (ich habe eine dunkle Erinnerung daran, dass meine Mutter das früher mal gesungen hat), als tschechisches Märchen, das sehr erfolgreich verfilmt wurde (ja, in den meisten Jahren schaue ich mir zumindest einen Teil dieses Märchenfilms an……). Und natürlich gibt es auch ganz viele Bücher, die mehr oder weniger mit der Haselnuss zu tun haben – ganz zauberhaft finde ich ja „Wer hat die Haselnuss geklaut?“ und „The little suqirrel and the magic hazelnut„, geschmunzelt habe ich über das Gedicht „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern – die in einem leeren Haselstrauch sitzen und wirklich interessant fand ich die drei mir unbekannten Märchen, die ich auch noch gefunden habe – das „Märchen von den Haselnüssen“ aus der Schweiz, „Die Haselrute“ und dann noch den Hinweis auf das Märchen „Das Haselnusskind“ aus der Bukowina. Das ist für mich besonders interessant, weil die Familie meines Vaters aus der Bukowina stammt. Da werde ich irgendwann ein bißchen weiter suchen…….

Muß ich erwähnen, dass ich Haselnüsse gerne mag? In Kuchen aber auch in Plätzchen, zum Beispiel in Nussmakronen (die erste Portion habe ich schon gebacken……).

Damit möchte ich es für heute bewenden lassen und Euch einen guten und fröhlichen Abend wünschen.

2. Dezember – Kardamom

Baum oder nicht Baum, das ist hier die Frage!
Nein, wirklich. Ich nutze Kardamom gelegentlich – aber ich habe mir bisher noch nie Gedanken darüber gemacht, wie „die Pflanze“ aussieht, die Kardamom hervorbringt. Die Informationen sind – zumindest für mich – nicht ganz eindeutig. Ich habe unter dem Stichwort „Kardamombaum“ (oder auch „cardamom tree“) Hinweise gefunden, gleichzeitig steht dort meistens, dass es sich um eine schilfartige Staude handelt, die bis zu 3 Meter hoch werden kann. Schon ziemlich eindrucksvoll! Dementsprechend paßt Kardamom für mich in diesen „Baum-Blog-Adventskalender“.

Kardamom ist in meinem Leben eine eher späte Entdeckung. Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich mal gelesen, dass Zimt im Kaffee (ja, ich weiß – heute ist nicht „Zimt“ dran, das kommt später) eine stimmungsaufhellende Wirkung hat. Gerade im dunklen Winter ist das ein spannender Effekt. Natürlich wollte ich dann im Internet nachlesen, ob das stimmt und stieß dabei nicht nur auf einige Hinweis zu Zimt, sondern auch auf Kardamom. Das habe ich dann tatsächlich im Kaffee ausprobiert und mich beim Geschmack an den „arabischen Kaffee“ erinnert, den ich viele Jahre zuvor in Clermont-Ferrand im Wohnheim von Mitstudenten aus arabischen Ländern vorgesetzt bekam. Damals waren es noch mehr Zutaten, aber Kardamom war definitiv enthalten!

Tatsächlich ist Kardamom – die Königin der Gewürze und gleichzeitig wegen der aufwendigen Ernte eines der teuersten Gewürze der Welt – in ganz vielen Dingen enthalten. So zum Beispiel in den beliebten schwedischen Zimtschnecken (ein Rezept, dass ich noch nicht ausprobiert habe, findet man hier), in Chai, in Glühwein und in Curry. Da gibt es für mich noch viel zu entdecken und ich bin beeindruckt, wie vielfältig eines der ältesten Gewürze der Welt – Kardamom wird seit 4000 Jahren verwendet – ist.

Über die kulinarische Nutzung hinaus, wurde (und wird) Kardamom auch für Rituale verwendet, in manchen Teilen der Welt auch als Aphrodisiakum.

Damit kann das einfache Plätzchenrezept, dass ich vor ein paar Tagen ausprobiert habe („knusprige Kardamomtaler“) natürlich nicht mithalten. Lecker ist es aber und ich bin froh, das Rezept ausprobiert zu haben. Es war sicherlich nicht mein letztes Rezept mit Kardamom. Ein Buch mit Kardamomrezepten habe ich auch gefunden, an dem Ebook mit 150 einfachen Rezepten bin ich ohnehin nicht vorbei gekommen, ohne es zu „kaufen“ und vermutlich gibt es noch viel mehr.

Was es auch gibt – durchaus einige Bücher, die Kardamom im Titel haben. Noch habe ich diese Bücher nicht gelesen, aber ein paar davon werde ich mir bestimmt anschauen – einige Titel, wie zum Beispiel „Der Duft von Kaffee und Kardamom„, „Kardamom und Honig“ oder „Tea with Cardamom“ klingen schon sehr verheißungsvoll. Besonders charmant finde ich die Geschichte von Cardamom, dem durchschnittlichen Hasen, der nicht backen kann.

Damit höre auch dann auch für heute auf und wünsche Euch – mit etwas Kardamom – einen fröhlichen und stimmungsvollen Abend.

1. Dezember – Lorbeer

Seit Tagen schreibe ich auf einer Liste die „Bäume“ auf, die mir für mein diesjähriges Adventskalenderprojekt einfallen. Und was ich mit ihnen verbinde. Erst einmal ohne irgendeine Ordnung. Aber schnell habe ich gemerkt, dass ich mit dem Lorbeerbaum anfangen will. Der Lorbeer steht einerseits für Ruhm (werde ich mit diesem Projekt bestimmt nicht ernten….) und Wissen (ja, könnte ich erlangen…..), aber auch für den Sieg, also den erfolgreichen Abschluß. Damit ich das Ziel erreiche stelle ich den Lorbeer also an den Anfang und hoffe, dass er mir Glück bringt.

Tatsächlich verbindet mich mit Lorbeer eine ziemlich lange und persönliche Geschichte. 1985 – mit gerade einmal 16 Jahren – war ich mit meinen Eltern im Tessin. Überall gab es Lorbeerbäumchen in den Gärten, in wirklich unglaublichen Mengen. Ein sehr kleines Bäumchen habe ich damals aus einem verwilderten Grundstück gezogen – und erst einmal eine Eidechse erwischt und mich fürchterlich erschrocken….. Das Bäumchen hat meine Mutter in Wuppertal in unseren Garten gepflanzt. Aus dem kleinen Bäumchen ist mittlerweile ein ziemlich großer Baum geworden – ein richtiger Lorbeerbaum, der mir in großen Mengen Lorbeerblätter liefert.

In zu großen Mengen, um ehrlich zu sein. Ich möchte den Baum nicht missen, aber in den meisten Rezepten kommt Lorbeer – wenn überhaupt – in sehr kleinen Mengen vor. Ein oder zwei Lorbeerblätter, als Geschmacksnuance in vielen Kohl- oder Eintopfgerichten. Echte „Lorbeerrezepte“ gibt es kaum. Er ist bescheiden der Lorbeer, er krönt die anderen und ist selbst doch nur Zugabe zum „Erfolg“ der anderen. Das ist irgendwie ein schönes Bild und hat mich bewogen mit dem Lorbeer zu starten.

Natürlich habe ich doch noch etwas gefunden: einen Lorbeertee, den man aus frischen aber auch ausgetrockneten Lorbeerblättern machen kann – den habe ich heute Nachmittag ausprobiert. Und ein Rezept für Lorbeer-Chili-Parmesan-Kekse (die mit Mango-Chutney serviert werden), das ich gerade ausprobiere. Sobald ich mit diesem Beitrag fertig bin, werde ich die Kekse backen und nachher auch noch probieren.

Immerhin literarisch krönt der Lorbeer nicht nur andere, er gibt auch dem ein oder anderen Werk seinen Namen – einem Gedicht von Hölderlin zum Beispiel und einem Text von Maria Zedelius, den ich noch nicht gelesen aber immerhin schon auf meinen Ebook-Reader heruntergeladen habe. Der Lorbeerkranz stammt übrigens aus der griechischen Mythologie – es ist die Geschichte von Apollon und Daphne, wobei Daphne nichts mit Apollon zu tun haben wollte und sich lieber (mit Hilfe ihres Vaters) in einen Lorbeerbaum verwandelte (oder eher verwandeln ließ). Zum Gedenken an Daphne trug Apollon dann einen Lorbeerkranz. Kein Happy End, aber trotzdem eine interessante Geschichte.

Jetzt wünsche ich Euch einen schönen Abend, dass Ihr Euch heute auf euren Lorbeeren ausruhen könnt und allzeit genügend Lorbeerblätter für Eure Vorhaben aber auch für Eure Rezepte habt!

Und falls Ihr noch gute „Lorbeerlinks“ zu Rezepten aber auch zu Geschichten und Anekdoten habt, dann lasst es mich wissen!

Adventskalender 2024

Eigentlich wollte ich ja keinen „Adventskalender“ mehr „machen“ – wobei machen in diesem Fall heißt, vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember jeden Tag einen Beitrag zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Meinen letzten Adventskalender habe ich 2018 geschrieben – über Tiere.

Eigentlich habe ich auch überhaupt keine Zeit, jeden Tag (oder ehrlicherweise jeden Abend) einen Beitrag zu schreiben.

Aber irgendwann im November habe ich dann doch angefangen, Stichworte zu sammeln. Noch kein fertiges Konzept, erst recht keine fertigen Beiträge, aber ein Gedanke.
Heute im Laufe des Tages habe ich immer wieder gedacht „Du könntest das auch lassen“. Ja, könnte ich. Und doch sitze ich jetzt am Rechner und schreibe.

Worum es gehen soll? Um Bäume, um Geschichten oder Gedichte und um Zutaten für winterliche und weihnachtliche Tage und dazu passende kulinarische Leckereien. Es war schön, in den letzten Tagen Rezepte herauszusuchen. Längst habe ich nicht alles ausprobiert, was ich ausprobieren wollte. Aber das macht nichts. Der mit Bäumen gesäumte Weg ist das Ziel.

Viel Spaß beim Lesen!

Neue Briefe…..

Heute Morgen bin ich bei LinkedIn über einen Beitrag des Economist gestolpert. Verlinkt wurde im Beitrag auf diesen Artikel. Schon in der Unterzeile des Artikels standen die Worte, die mich (natürlich) magisch anzogen – „A book that caused a scandal….“. Mehr braucht es nicht, um mich neugierig zu machen. Und ja, diese „Geschichte“ passt tatsächlich zu meinem Jahresthema „Wie kommt das Neue in die Welt?“.

Im Jahr 1971 befindet sich Portugal in einer Diktatur unter Marcelo Caetano. Kurz zuvor hat die feministische Schriftstellerin, Journalistin und Aktivistin Maria Teresa Horta ein Buch veröffentlicht, in dem es (zumindest auch) um weibliche Lust geht. Kein Thema, dass das damalige portugiesische Regime begeistert. An einem Sommerabend wird sie von einem Auto verfolgt, zunächst verbal eingeschüchtert und bedroht und schließlich wohl auch so stark verletzt, dass sie in einem Krankenhaus landet. Damit wollte man sie von weiteren unerwünschten Veröffentlichungen abhalten. Doch als sie ein paar Tage später ihren Kolleginnen und Freundinnen Maria Isabel Barreno und Maria Velho da Costa davon erzählt, passiert etwas ganz anderes. Die drei Marias (so werden sie tatsächlich bezeichnet) beschließen (so der Artikel), gemeinsam ein Buch zu schreiben. Und was für ein Buch!

Die drei Schriftstellerinnen erschaffen gemeinsam das Buch mit dem Titel „Neue portugiesische Briefe“ (Novas cartas portuguesas). Aber – wo es „neue Briefe“ gibt, muß es irgendwann auch „alte Briefe“ gegeben haben. Diese „alten Briefe“ sind für diese Geschichte und das Buch und das, was an diesem Buch neu ist, von großer Bedeutung. In der Zeit ab 1663 bis 1668 gab es – so die Einleitung des Buches mit den „alten Briefen“ – in jedem Sommer „Kriegshandlungen“ (wohl zwischen Spanien und Frankreich), die räumlich auch Portugal betrafen. 1668 erlangte Portugal seine Unabhängigkeit. Im Jahr 1669 erschienen die sogenannten „Portugiesischen Briefe“ (Lettres portugaises) in Paris. Es sollte sich dabei um eine französische Übersetzung von fünf Briefen einer portugiesischen Nonne an einen französischen Offizier handeln. Es wurde damals heftig darüber gestritten, ob die Briefe echt waren oder es sich um einen Briefroman handelte. Man ging zunächst eher davon aus, dass die Nonne Mariana Alcoforado diese Briefe geschrieben hat. Es gab aber keine portugiesischsprachige Fassung dieser Briefe. Gabriel der Guilleragues bezeichnete sich zunächst als Übersetzer und gab an, die originalen Briefe verloren zu haben. Mittlerweile ist sich die Forschung einig, dass er den ersten Briefroman der französischen Literatur geschrieben hat.

Etwas Neues – die neue Gattung „Briefroman„. Die „Portugiesischen Briefe“ waren mir bis heute Vormittag unbekannt. Mittlerweile habe ich mir die französischsprachige Fassung als Ebook heruntergeladen, wer eine deutschsprachige Fassung sucht, wird beim Projekt Gutenberg fündig (Übersetzung von Rilke). Bei der Suche nach dem Begriff „Briefroman“ bin ich dann auf den wohl sehr spannenden (und bösen) Briefroman „Loveletters between a Nobleman and his Sister“ von Aphra Behn gestoßen. 1683 wurde dieser Roman veröffentlich – ob Aphra Behn die „Lettres portugaises“ kannte? Und ja, auch den Roman habe ich zwischenzeitlich heruntergeladen (englischsprachige Version unter anderem hier) – wobei Aphra Behn noch weitere spannende Werke geschrieben hat….

Von der frühen Feministin Aphra Behn, die ich über den Briefroman gefunden habe, zurück nach Portugal zu den „Neuen Portugiesischen Briefen“. Die drei portugiesischen Schriftstellerinnen nehmen die berühmten portugiesischen Briefe als gedanklichen Ausgangspunkt. Sie brechen bewußt mit literarischen Traditionen. Ihr Text ist kein „Roman“ im klassischen Sinne, auch kein Briefroman. Das Buch vereint Briefe und andere Texte aus der Gegenwart der Autorinnen mit Briefen und Texten aus der Zeit der Mariana Alcoforado und von fiktiven Menschen (auch Männern) aus der Zeit der „portugiesischen Briefe“. Thematisch geht es um viele Aspekte – um die Situation der Frau, Gewalt in der Gesellschaft, das Rechtssystem und Kolonialkrieg. Mehrere Verlage weigerten sich, das Buch herauszubringen. Als es dann endlich mit einer Auflage von 1380 Stück auf den Markt kam, wurde es nach drei Wochen (und bereits 1200 verkauften Exemplaren) konfisziert. Die Autorinnen wurden (zumindest zeitweilig) verhaftet und ein Prozeß folgte (von 1973 bis 1974). Erst die politischen Veränderungen in Portugal (Nelkenrevolution) haben dazu geführt, dass dieser Prozeß zugunsten der Autorinnen ausging. Die Geschichte der Veröffentlichung, mehr zum Inhalt und zu den Autorinnen kann man gut in diesem ausführlichen deutschsprachigen Dokument nachlesen.

Für das Neue braucht man oft Mut. Gleichzeitig sind alle drei Beispiele – die „Portugiesischen Briefe“, der Briefroman von Aphra Behn und die „Neuen portugiesischen Briefe“ wunderbare Beispiele für die Kraft, die „das Neue“ entwickeln kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen gute Ideen, den Mut, diese Ideen umzusetzen und Menschen, die sich für diese Ideen, Werke und Ergebnisse begeistern und sie teilen (so wie ich das auch gerade tue).

Sammeln…..

In Gedanken habe ich x-mal einen neuen Beitrag zu meinem Jahresthema geschrieben. Dummerweise halt nur in Gedanken…..

Zunächst habe ich ein paar Begriffe gesammelt, die irgendwie mit dem Thema „neu“ zu tun haben.
– Neugier
– Erneuerung
Novelle (kurzer Prosatext) vom lateinischen „novus“ bzw. italienischen „novella“
– Neuanfang
– Neubau
– Neuheit
– neuartig
– Neuankömmling
– Neuland
– Neue Medien
– neudeutsch
– Neuzeit
– Neuerscheinung
– Neuauflage
– Neuigkeit im Sinne von neue Nachricht
– News (Nachrichten) vom englisch „new“

Keine vollständige Liste – wozu auch? Mit manchen dieser Begriffe verbinde ich etwas, mit manchen eher nicht. Alle sind sie einen Blick wert. Aber mein Nichtschreiben der letzten Wochen hängt stark mit den letzten beiden Punkten zusammen. Die Nachrichten der letzten Wochen waren in mancher Hinsicht schwierig, es paßte für mich einfach nicht zu diesem Zeitpunkt einen „leichten“ Beitrag über das Neue zu schreiben. Ich habe vor allem die Nachrichten um das Erdbeben in der Türkei und in Syrien verfolgt, aber natürlich auch zum Krieg in der Ukraine. Ich mußte mich nach all diesen Nachrichten erst einmal „sammeln“. Insofern mag ich die Doppeldeutigkeit von sammeln – etwas sammeln, zum Beispiel Begriffe oder Daten oder sich sammeln, also sich erholen oder sich regenerieren.

Zu den Nachrichten rund um das Erdbeben paßt – mit etwas zeitlichem Abstand – auch der Begriff des Sammelns. Im Jahr 1755 gab es in Lissabon ein großes Erdbeben, dem ein Brand und ein Tsunami folgten. Es war ein sehr schweres Unglück für die Stadt. Die Jesuiten erklärten das die „Strafe Gottes“ für die Reformen sei, der später zum Marquês de Pombal ernannte Minister begann Informationen rund um das Ereignis zu sammeln. Er bittet die Pfarrer des Landes um folgende Informationen: Dauer des Erdbebens, Anzahl der Nachbeben, Schäden, Verhalten der Tiere, Besonderheiten in Brunnen. Aus den Meldungen, die er von den Pfarrern erhält, formt sich ein bis heute erhaltenes Lagebild. Gleichzeitig ist dies der erste Schritt zur modernen Seismologie.
Gleichzeitig entwickelt er erste Gedanken zu erdbebensicheren Gebäuden – große freie Plätze und Häuser, die aufgrund ihrer Bauweise ….. den Schwankungen eines Bebens besser standhalten.
Über das Erdbeben von Lissabon habe ich zuerst in dem – sehenswerten – Terra-X-Beitrag Wilder Planet – Gefahr für Lissabon etwas gelernt.

Das Erdbeben in Lissabon ist gleichzeitig das erste große europäische Medienereignis (wahrlich eine Neuheit!) und (zumindest in Europa) der Beginn der Seismologie. Gleichzeitig ist die Zeit ab circa 1750 eine große Zeit des Sammelns. Von 1751 bis 1780 erscheint die berühmte Enzyklopädie unter ihren Herausgebern Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert. Sie soll das gesamte Wissen der Zeit sammeln (!) und der Welt zugänglich machen.
Heute profitieren wir von diesen Sammlungen – nicht nur von dem Gedanken der Enzyklopedie, den wir heute zum Beispiel beim Projekt „Wikipedia“ wiederfinden, aber auch bei der Möglichkeit online nach Informationen zu suchen.

Und heute? Ich muß heute kein Wissen mehr sammeln – es ist allzeit online (und oft auch offline) verfügbar. Trotzdem ist das Sammeln gerade im Hinblick auf das „Neue“ nicht sinnlos. Wie oft stolpere ich über ein Thema, einen Buchtitel oder einen Denkansatz, den ich gerne weiter verfolgen möchte und dann doch wieder vergesse…. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, einen Teil dieser „Dinge“ zu sammeln – interessante Querverweise aus Büchern, Links zu interessanten Themen, die mir online begegnen (Abspeichern der entsprechenden Webseiten oder Emails an mich). Aber es geht natürlich noch besser! Nele Heise hat Anfang des Jahres ihr „Ideentagebuch“ auf ihrem Blog vorgestellt. Der Begriff der „Idee“ paßt für mich nicht unbedingt, aber Gedanken oder Anregungen zu sammeln – aus denen ich dann später etwas machen kann – das finde ich sehr interessant. Das werde ich dementsprechend ein bißchen konkreter angehen, um aus dieser Gedankensammlung dann konkret etwas Neues entwickeln zu können.

Mal sehen, was sich im Laufe des Jahres daraus ergibt.
Wie halten Sie/haltet Ihr es? Sammeln ja oder nein – und wenn ja, wie? Man merkt, ich bin neugierig!

P.S.: was ich beim Schreiben dieses Beitrags tatsächlich gesammelt habe ist eine (aus meiner Sicht spannende) Linkliste zum Thema „Erdbeben in Lissabon“……..

Über Hürden…..

Wo um Himmels willen war ich beim letzten Beitrag gedanklich stehengeblieben? Es ist schon einige Tage her und genau das ist der Grund, warum ich mich heute mit „Hürden“ beschäftigen möchte.
Denn es klingt viel einfacher, etwas anders oder etwas Anderes oder Neues zu machen, als es ist.

Hürde Nr. 1: Anfangen
Die allererste Hürde ist natürlich, überhaupt anzufangen. Wie oft im Laufe eines Jahres denkt man „ich könnte mal“ oder „ich sollte mal“, ohne dass daraus etwas folgt. Wenn man etwas anders machen möchte, dann muß halt irgendwann mit irgendetwas anfangen. Mit dem ersten Schritt, dem ersten Versuch, dem ersten konkreten Festhalten eines Vorhabens. Dieses „Anfangen“ muß in keiner Weise toll oder bemerkenswert sein – es ist einfach der allererste Schritt. Und ja, es fühlt sich gut an, wenn man den allersten Schritt gemacht hat (einen Blogbeitrag geschrieben, einen Gedanken oder eine Idee aufgeschrieben, eine Vokabel in einer neuen Fremdsprache gelernt, ein neues Buch zum Thema gelesen – was auch immer).

Hürde Nr. 2: Weitermachen
Gelegentlich kann es passieren, dass man mit großer Motivation beginnt, sich ein großes Ziel setzt und dann irgendwann nicht weitermacht. Es kann für das Nichtweitermachen sehr viele unterschiedliche Gründe geben – ein zu ambitioniertes Ziel, zu wenig Zeit, persönliche Herausforderungen, die einfach mit mit dem Ziel nicht unter einen Hut gebracht werden können. Und natürlich sind „alte Gewohnheiten“ ein gefährlicher Gegner. Wenn man 21 Tage lang etwas anders (oder neu) gemacht hat, dann soll daraus eine Gewohnheit entstehen. Ich habe dieses 21-Tage-Prinzip im letzten Jahr „entdeckt“, als ich meinen Blogbeitrag über die 21 geschrieben habe. Ich bin bei dieser Zahl ehrlich gesagt skeptisch. Nach 21 Tagen war ich letztes Jahr noch nicht so weit, das abendliche Blogbeitragsschreiben als „Gewohnheit“ zu empfinden. Aber es stimmt auf jeden Fall – je länger man durchhält, etwas zu machen oder auch nicht zu machen, desto größer die Chance, dass man eine Gewohnheit entwickelt.
Für das Spannungsfeld zwischen Anfangen und Weitermachen fand ich einen LinkedIn Beitrag von Dr. Nora Gold sehr spannend und hilfreich. Wenn mein Ziel für dieses Jahr zum Beispiel ist, mehr zu lesen – dann reicht es, wenn ich mir vornehme jeden Tag eine Seite zu lesen (ok, bei mir würde das nicht reichen, sondern zu sehr viel weniger führen….). Aber das Beispiel, einfach mit „ein bißchen mehr“ oder „ein bißchen weniger“ zu starten und das tatsächlich durchzuhalten, ist gut. Es funktioniert auch bei Vorhaben wie „weniger Twitter“ – wenn ich dem Impuls, neugierig in die Timeline zu schauen, jeden Tag einmal widerstehe, dann wird meine Twitternutzung tatsächlich weniger.

Hürde Nr. 3: Durchhalten
Zum Durchhalten gehört der gedankliche Umgang mit dem „Aufgeben“ oder „Scheitern“.
Ich habe das im letzten Jahr gemerkt. Mein Projekt an 365 Tagen jeweils einen Beitrag zu einer Zahl zu schreiben war – wenn man es von vornherein auf das ganze Jahr bezieht – sehr gewagt. Ich habe mir sehr bewußt erlaubt (und das auch immer wieder in den Blogbeiträgen geschrieben), dass ich das Projekt vielleicht nicht bis zum Jahresende durchhalte. Ich habe mir also das Scheitern erlaubt und ich war oft versucht, einfach nicht weiterzumachen. Und irgendwie habe ich mich doch jeden Abend (eine dumme Gewohnheit – ich schreibe die meisten Blogbeiträge am Abend…….) aufraffen können und etwas geschrieben. Dass ich vieles an anderen Tagen vorbereiten konnte (überlegen was paßt, Gedanken und Links in einem Cryptpad sammeln, einen ersten Entwurf schreiben) hat mir an manchen Abenden sehr geholfen.
Interessanterweise habe ich am 2. Januar gemerkt, dass mir das tägliche abendliche Schreiben – Stichwort Gewohnheit – fehlt. Aber es war gut, das Projekt zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zu beenden. Und es fühlte sich ehrlich gesagt sehr sehr gut an, durchgehalten zu haben!

Welche Hürden kennt Ihr/kennen Sie und wie geht Ihr/gehen Sie damit um?

Damit wünsche ich Euch und Ihnen ein freudiges und mit möglichst wenig schwierigen Hürden versehenes Verfolgen neuer Gedanken, Ideen und Vorhaben.

Doris Langley Moore: A Game of Snakes and Ladders

Dieses Buch habe ich am 26. Januar ernsthaft angefangen zu lesen und am 29. Januar hatte ich es schon durchgelesen – ganz klar, ich mochte (und mag) es sehr. Ich habe es zunächst einfach nur gelesen, weil ich die Vorschläge des Twitter-Accounts Neglected Books immer sehr spannend finde und es dazu am 31. Januar sogar eine Livediskussion geben sollte (die leider abgesagt wurde). Interessanterweise spricht das Buch mehrere Themen an, die mich in den letzten Jahren auch immer wieder beschäftigt haben – deswegen schreibe ich ein paar Zeilen zu diesem Buch.

Bis zum Lesen dieses Buchs war mir das „Leiterspiel“ (in der englischen Sprache „Snakes and Ladders“) völlig unbekannt. In der Zwischenzeit habe ich es einmal online gegen einen Computer gespielt (und erstaunlicherweise gewonnen). Das Spiel hat viel mit Glück oder Unglück zu tun und genau das paßt auch sehr gut zu der Geschichte von Langley Moore. Lucy und Daisy sind im Prinzip die wichtigsten Personen der Geschichte. Lucy und später auch Daisy arbeiten beide für eine Theatergesellschaft, die mit wenigen Stücken von England aus eine Welttournee durchführt – mit Auftritten in Australien, Asien und schließlich Anfang 1919 in Ägypten. Die Stücke sind in Ägypten nicht so sonderlich erfolgreich und die Tour endet dort. Lucy möchte zurück nach England, Daisy möchte bei ihrer neuen Eroberung, dem Geschäftsführer eines Theaters, Siegfried Mosenthal bleiben. Dummerweise wird Lucy schwer krank. Daisy kümmert sich zunächst um sie, doch nach und nach werden ihre eigenen Interessen (nicht allein in Ägypten zu bleiben) größer und sie nimmt großen Einfluß auf das Leben ihrer „Freundin“ Lucy. Lucy bleibt glücklos. Die einzelnen Ereignisse will ich hier gar nicht erzählen. Aber während Lucy immer mehr verarmt, vereinsamt und absteigt, achtet Daisy immer mehr auf sich, ihr Äußeres und ihre Stellung. Kann man in dieser Konstellation überhaupt noch von Freundschaft reden?

Für mich war das Buch vor allem eine Geschichte über eine vermeintliche Freundschaft, die unter der Behauptung des „ich meine es ja nur gut mit Dir“ und „ich weiß besser, was für Dich gut ist“ dem anderen Menschen tatsächlich Schaden zufügt. Es ist für mich erstaunlich, dass Lucy nie aufgibt. Immer irgendwie weitermacht, obwohl sie immer einsamer wird. Und ja, sie wird vom Schicksal belohnt. Für Lucy hat mich das gefreut – realistisch fand ich das Happy End allerdings nicht unbedingt….. (das ist auch der einzige Kritikpunkt). Die Figuren von Lucy und Daisy fand ich sehr faszinierend – gerade in ihrer großen Unterschiedlichkeit, mit Themen und Menschen umzugehen.

Es gab mehrere Stellen im Buch, die mich persönlich sehr angesprochen (vielleicht sollte ich besser sagen „getroffen“) haben – besonders jedoch folgende Stelle: Im 12. Kapitel besucht Lucy ein Café und berichtet von einem dort auftretenden Sänger. In diesem Zusammenhang sagt sie etwas über den Sänger, das mich sehr berührt und für mich sehr passt: „He had become the symbol of yearning loneliness, the visible representative of all the unbeautiful, unwanted members of the human race.“ Selten haben Worte so gut zu meinem Leben gepaßt wie „unbeautiful, unwanted“. Der Text geht weiter mit „Here he was, vainly, absurdly, endeavouring to console himself, to hide the bitter wounds that would never, never be healed.“ Ja, aus vollem Herzen ja!

Was an dem Buch auch schön war: ein kurzer Einblick in eine sehr internationale Zeit – die vielen Menschen, die ab 1919 in Kairo und Alexandria waren, die vielen Sprachen, die gesprochen wurden – das alles ist ein Reichtum, der vermutlich so dort nicht mehr existiert. Während des Lesens wäre ich gerne dort gewesen – die Schilderungen (auch der wenigen Ausflüge) waren faszinierend.

Alexander Dumas: Les trois mousquetaires

Eigentlich wollte ich Anfang Januar endlich das Buch „El Club Dumas“ (Der Club Dumas) von Arturo Pérez-Reverte lesen. Eigentlich…. Aber schon auf den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich die Anspielungen in diesem Buch auf die Musketier-Romane von Dumas nicht verstehen kann, ohne vorher die drei Musketiere zu lesen.

Bei den Muketieren dachte ich vor allem an die vielen Mantel-und-Degen-Filme, die es gibt und die (in meiner Erinnerung) in meiner Kindheit und Jugend oft an Sonn- und Feiertagen im Fernsehen gezeigt wurden. Meine Erwartungen waren ehrlicherweise nicht besonders hoch. Ein großer Fehler….

Im Prinzip hat Dumas drei Romane über die Musketiere geschrieben – Les trois mousquetaires (Die drei Musketiere), Vingt ans après (Zwanzig Jahre später) und Le Vicomte de Bragelonne (Zehn Jahre später/Der Mann in der eisernen Maske). Den ersten Roman habe ich gestern fertig gelesen, den zweiten habe ich begonnen….

Im ersten Roman macht sich der junge Gascogner D’Artagnan auf den Weg nach Paris, um dort im militärischen Bereich „Karriere“ zu machen. Interessant ist dabei, dass D’Artagnan nicht nur eine Hauptfigur des Romans ist, sondern tatsächlich gelebt hat. Dumas selbst erwähnt das im Vorwort und nein, das ist keine Finte. Ich habe (weil ich ziemlich neugierig bin) danach gesucht. Es gibt tatsächlich ein Buch von Gatien Courtilz de Sandras mit den Memoiren von D’Artagnan, es gibt auch weitere Unterlagen und Informationen – die ich eher zufällig in der ARTE-Doku (noch bis zum 07.02.2023) über D’Artagnan mitbekommen habe. Aus der Forschung weiß man heute, dass er zwischen 1611 und 1615 in Lupiac zur Welt kam. 1673 starb er bei der Belagerung von Maastricht. In Lupiac gibt es heute sogar ein D’Artagnan-Museum.

Noch habe ich die Memoiren von D’Artagnan noch nicht gelesen. Ich kann daher nicht einschätzen, wie „nah“ Dumas an dieser Vorlage geblieben ist. Unabhängig davon hat mich der erste Roman aus der Musketier-Reihe ab einem bestimmten Punkt wirklich begeistert.
Am Anfang reist ein wenig begüterter junger Adeliger mit einem wohl ziemlich armselig aussehenden Pferd und einem Empfehlungsschreiben seines Vaters nach Paris. Als unterwegs jemand etwas Abfälliges über sein Pferd sagt, reagiert er sehr empfindlich und fordert denjenigen zum Kampf. Natürlich überschätzt er sich etwas…. und dummerweise ist danach der so wichtige Brief seines Vaters verschwunden. Zusätzlich zu seinem Reiseziel Paris will er nun seinen Gegner und dessen Begleiterin wiederfinden. Und ja, er wird in diesem Punkt Erfolg haben.

In Paris entdeckt er – während ich als Leserin über seine Schulter schaue – die Zeit von Richelieu, Ludwig XIII. und Anna von Österreich. Und natürlich die Musketiere, die nach ihrer (damals sehr modernen Waffe) Muskete benannt wurden. Es ist eine Zeit voller Intrigen und politischer Machtkämpfe. Es ist auch die Zeit,in der Richelieu und Ludwig XiII. die Stadt La Rochelle belagern.

Es sind mehrere Aspekte, die mir gut gefallen haben:
– Ein spannender Einblick in französische Geschichte
– Dialoge und Schilderungen voller Wortwitz
– Die wirklich wunderbare Schilderung der vier Freunde (zu D’Artagnan kommen Athos, Porthos und Aramis) und ihrer Diener in ihren sehr unterschiedlichen und sich so gut ergänzenden Stärken und Fähigkeiten
– Eine unglaublich gute Schilderung der Überlegungen und der Vorgehensweise der bösen Gegenspielerin (und ja, tolle Frauenfigur!)
– Es ist ein wunderbares Buch über Freundschaft und gleichzeitig aufgrund der Intrigen sehr spannend

Neben den oben schon erwähnten Memoiren von D’Artagnan (der von Gatien de Courtilz de Sandras verfaßten Biographie) bin ich noch auf die Memoiren der Mme de Motteville gestoßen (die eine Zeit lang am Hof von Anna von Österreich lebte) und – in Zusammenhang mit dem Duke of Buckingham – auf ein sehr interessantes Theaterstück von Thomas Middleton mit dem Titel A game at chess.