R: „A contrary wind: a variation on Mansfield Park“ von Lona Manning

Nach dem Lesen von „Mansfield Park“ folgte dieses Buch von Lona Manning, das die Geschichte von Jane Austen ab dem 15. Kapitel (in dem das Theaterstück „Lover’s Vows“ gespielt werden soll) anders erzählt.

So schwer ich im Buch von Jane Austen die so wahnsinnig gute und geduldige, geradezu demütige Fanny Price „ertragen“ konnte, so wenig hat für mich die Fanny in diesem Buch gepaßt. Aber von Anfang an: die Idee, die Geschichte anders zu erzählen, fand und finde ich gut. In der Geschichte von Lona Manning hat Fanny einen Satz aufgeschnappt, der sie dazu bringt, eine Anstellung als Gouvernante zu suchen. Sie tritt in Kontakt mit der ehemaligen Lehrerin, die ihre beiden Cousinen und sie unterrichtet hat. Diese antwortet ihr auch und weist sie auf eine Stelle hin. An dem Morgen nach der Theaterprobe in Kapitel 15 verläßt Fanny Mansfield Park, um diese Stelle anzutreten. Sie weiß nicht, was sich in der Nacht im Haus getan hat. Für Edward und für Sir Betram hinterläßt sie einen Brief. Aber Mary Crawford (die falsche Schlange!) findet den Brief an Edward, nimmt ihn an sich und so findet Edward nur den sehr kurz gehaltenen Brief an seinen Vater.

Als Gouvernante für zwei kleine Kinder macht Fanny sich gut. Die Tante ihrer Arbeitgeberin hält große Stücke auf sie und bringt sie in Kontakt mit Menschen, die für die Abschaffung der Sklaverei kämpfen. Unterdessen suchen alle nach ihr…..

Manches an diesem Buch fand ich als Entwicklung gut. Was mich aber gestört hat: Fanny läßt sich an einer Stelle auf einen Betrug ein, um ihrem Bruder zu helfen. Das paßte für mich so gar nicht zum Charakter von Fanny und diese Entscheidung hat natürlich auch Konsequenzen für die weitere Entwicklung der Geschichte. Am Ende des Buches ist vieles nicht gut, wobei es wohl noch weitere Bücher gibt. Ob ich die lesen werde? Im Moment wohl eher nicht. Vielleicht irgendwann später.

R: „Mansfield Park“ von Jane Austen

Liebe oder Lieblingsverlag – das war die Februaraufgabe der Booklover-Challenge. Einen Lieblingsverlag habe ich nicht. Also blieb „nur noch“ das Thema Liebe und das ist für mich natürlich ein schwieriges Thema. Es war eher ein Zufall, das ich mich für das Buch von Jane Austen entschieden habe. Die Januaraufgabe der Challenge hatte nämlich etwas mit dem Thema „Gegenteil“ zu tun. Aus Neugier habe ich nach Büchern gesucht, die tatsächlich das Thema des Gegenteils aufgriffen. Dabei fand ich das Buch „A Contrary Wind“ von Lona Manning (dazu mehr in einem separaten Beitrag). Das Buch beginnt in Kapitel 15 von Mansfield Park und erzählt dann eine andere Geschichte. Also war klar, ich „muß“ zunächst Mansfield Park lesen, bevor es wirklich Sinn macht, das Buch von Lora Manning zu lesen. Gedacht, gelesen.

Ich hatte schon Bücher von Jane Austen gelesen, nur halt nicht Mansfield Park. Interessanterweise habe ich Mansfield Park anders wahrgenommen als zum Beispiel „Pride and Prejudice“. Gleichzeitig hat es mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen – obwohl ich mit der Hauptperson Fanny Price immer ein bißchen gehadert habe.

Fanny Price ist die arme Nichte von Sir Thomas Bertram und Lady Bertram, eines der vielen Kinder der Schwester von Lady Bertram, die bei der Wahl ihres Ehemannes keine so gute Wahl getroffen hat (vor allem, was die finanziellen Mittel angeht). Die Familie von Sir Thomas wohnt auf Mansfield Park, dort in der Nähe wohnt auch die dritte Schwester von Lady Bertram, Tante Norris. Es ist diese Tante, die auf die Idee kommt, dass man (also die Bertrams!) doch ein Kind der Schwester aufnehmen könnte. Natürlich auch nur auf Kosten der Bertrams. Es reicht ja schließlich, dass sie diese gute Idee hatte. Fanny, die damals 10 oder 11 Jahre alt ist, wird ausgewählt. Sie kommt nach Mansfield Park und muß sich in einer neuen und schwierigen Situation zurechtfinden. Die beiden nur wenig älteren Cousinen mögen sie nicht, sie ist schließlich die arme und ungebildete Verwandte. Ihre Tante Norris mag sie auch nicht – sie quält sie geradezu. Der einzige aus der Familie, der eine Verbindung zu ihr aufbaut, ist ihr Cousin Edward (der noch einen älteren Bruder hat). Ich habe durch die Kapitel hindurch die unglaubliche Geduld, Ruhe und Güte von Fanny bewundert und gleichzeitig mit ihr gelitten.

Kapitel 15 führt dann zu einem Einschnitt. Sir Bertram ist schon seit langer Zeit verreist. Im Pfarrhaus sind zwei junge Leute – Mary und Henry Crawford – bei deren Schwester (der Frau des Pfarrers) zu Besuch. Edward hat zarte Gefühle für Mary. In dieser Situation schlägt jemand vor, ein Theaterstück zu spielen. Man diskutiert lange darüber, welches Theaterstück es werden soll. Letztlich wird es (auf Vorschlag eines weiteren Gastes) Lover’s Vows. Ich habe natürlich – weil ich schon ziemlich neugierig bin – das Stück gesucht und auch gelesen.

August von Kotzebue hat ein Theaterstück über ein uneheliches Kind und gebrochene Versprechen geschrieben. Irgendwie kam dieses Stück in die Hände von Elizabeth Inchbald, die daraus ein für englische Zuschauerinnen und Zuschauer passendes Theaterstück machte. Die eigentliche Geschichte blieb aber weitgehend erhalten (und ich finde, dass es sich lohnt das Stück zu lesen).

Das Proben des Theaterstücks führt dann zu interessanten Entwicklungen und Verwicklungen, die die Oberflächlichkeit und zum Teil auch Boshaftigkeit einiger der Charaktere sehr deutlich zeigen. Die „gezeigten“ Gefühle sind nicht immer wahrhaftig und echt, nicht alle der Beteiligten scheinen überhaupt ein Verständnis von „Liebe“ zu haben. Nicht einmal in der Familie selbst ist wirklich so etwas wie Liebe oder Nähe vorhanden. Vieles scheint eher Gewohnheit zu sein. Die Schilderung von Jane Austen legt das sehr deutlich offen. Aber: in der Fassung von Jane Austen wird dann tatsächlich am Ende (fast) alles gut. Ein schöner Klassiker, den ich gerne gelesen habe und der Fund und die Lektüre von „Lover’s Vows“ war tatsächlich bereichernd.

62

Die 62 ist bescheiden. Zumindest habe ich wenig gefunden, was ich konkret mit der 62 in Verbindung bringen könnte. Erstaunlicherweise habe ich aber einige Bücher gefunden, die die 62 im Titel tragen.

62 Tage Pause. Das ist der Titel eines Buches, das im Juni 2020 erschienen ist. Es geht um die Corona-Zeit. Die 62 paßt, ob das Buch inhaltlich für mich paßt, weiß ich nicht. Wohl eher nicht.

Lieber 62 Tage unter den Yankees? Das paßt natürlich zur 62, es ist auch irgendwie skurril genug, um mich zu interessieren. Aber es ist irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt für ein solches Buch.

Vielleicht dann eher …nur 62 Tage. Ich kann zwar kein einziges der Ereignisse in dem Roman nachvollziehen, aber es klingt nicht unspannend. Oder zumindest nach guter Ablenkung. Was im Moment sicherlich nicht der schlechteste Aspekt des Lesens ist.

Die für mich interessanteste 62 ist ehrlich gesagt die Hafenfähre in Hamburg, die die Nummer 62 trägt. Ich bin noch nie damit gefahren. Und so unwahrscheinlich wie es im Moment ist, dass ich noch einmal privat nach Hamburg komme, ist die Wahrscheinlich damit zu fahren auch ziemlich gering. Aber wer weiß …..

Wie auch immer – ich wünsche Euch und Ihnen einen Abend mit schönen Gedanken!

61

Die 61 ist ein bißchen die Zahl der Dinge, die erst einmal nicht gut sind, dann aber – ganz am Ende – gut ausgehen.

61 Tage war die Stadt Wien im Jahr 1683 belagert. Sicherlich keine leichte Zeit. Aber am 12. September endete diese Belagerung mit einer Schlacht – für die osmanische Armee war das natürlich kein guter Tag, für die Stadt Wien war das ein guter Tag.

Das Jahr ’61 ist auch das Jahr das Mauerbaus. Bis 1989 stand die Mauer und viele Menschen haben gelitten, einige haben beim Fluchtversuch ihr Leben verloren. Mit dem Wegfall der Mauer war sicherlich (noch) nicht alles gut. Aber es kann gut werden.

Christoph 61 war der erste neue Rettungshubschrauber in den neuen Bundesländern. Lebensrettende Maßnahmen sind bestimmt nicht einfach. Aber die Tatsache, dass eine schnelle Rettung möglich ist (und bestimmt in vielen Fällen auch erfolgreich) ist eben auch ein Zeichen der Hoffnung – ein Zeichen, dass es gut werden kann.

Dazu paßt gut der Psalm 61. Wenn – wie im Psalm – mein Herz in Angst ist, dann brauche ich Zuversicht, einen starken Turm vor meinen Feinden. Der Psalm, das Gebet oder das Zwiegespräch mit sich selbst erscheinen in diesem Moment als Ort der seelischen Zuflucht.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend mit seelischer Ruhe und Zuversicht.

60

Die 60. Eine Frage der Zeit.
60 Sekunden in einer Minute.
60 Minuten in einer Stunde.

Ein Experiment über 60 Tage (nein, nicht meine Beitragsreihe, obwohl auch das irgendwie stimmt). 60 Tage liegen, um den Flug zum Mars – der 60 Tage dauern würde – mit seinen Wirkungen auf den Körper zu erforschen. Jemand aus Hessen hat das tatsächlich gemacht. Für die Forschung sicherlich ein Gewinn. Und für ihn selbst?

Das glatte Gegenteil von 60 Tagen Liegen? 60 Homeruns in einer Saison – das hat Babe Ruth im Jahr 1927 geschafft. Ich kenne den Namen Babe Ruth aus amerikanischen Romanen (ich müßte jetzt aber nachschauen, welcher/welche es waren). Er war jedenfalls für viele Menschen ein großes sportliches Vorbild.

Zurück zum Thema Zeit – mit der 40-60-Regel. Denn wenn man nur 60% der verfügbaren Zeit eines Tages verplant, kann man unvorhergesehene Dinge (gilt Weltgeschehen in diesem Sinne als „unvorhergesehen“?) in den „freien“ 40% der Zeit unterbringen.

Geplante Zeit? Zeitlich geplant sind jedenfalls die Bespielungen (es steht tatsächlich so im Text!) des Erfurter Carillons, das aus 60 Glocken besteht. Ich war bisher nur zweimal kurz in Erfurt – jeweils auf der Hin- oder Rückreise von Jena. Daher habe ich das Erfurter Carillon noch nicht gehört. Vielleicht erlebe ich das ja irgendwann einmal…..

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen gleichzeitig ruhigen und klangvollen Abend mit gut verbrachter Zeit.

59

Die 59 erscheint mir ein bißchen düster. Zumindest, wenn ich mir anschaue, was ich zu ihr gefunden habe. Bestimmt gibt es irgendwo auch wunderschöne Fundstücke zur 59. Aber ich habe sie nicht gefunden (oder halt noch nicht).

Was wirft die 59 in den Ring?
Nero und Agrippina. Nur einer von beiden überlebt das Jahr 59.
Eschede. Die Erinnerung an die Zeit 10:59 Uhr.
New York. Der Einsturz des Südturms um 9:59 Uhr.

Vielleicht passen diese düsteren Aspekte „gut“ in die aktuelle Zeit.

Aber wenigsten etwas „neutrales“ gibt es doch. Eine Zeit lang habe ich gelegentlich (einmal pro Jahr) eine Tagung in Jena besucht. Jena ist – zumindest, was die Innenstadt betrifft – nicht sehr groß. Ein Gebäude ist von weitem zu sehen und es hat den Namen Bau 59. Ich bin oft an dem Gebäude vorbei gelaufen – auf dem Weg aus der Innenstadt zur Uni, wo die Tagung immer stattfand.

Braucht jemand Anti-Ärger-Tipps? Ich gebe zu, Ärger ist im Moment bei mir eher selten. Aber man weiß ja nicht, was kommt – und dass es ein Buch mit 59 Tipps, Techniken und Strategien gegen Ärger gibt, ist gut zu wissen.

Wenigstens ein fröhlicher Ausblick? Ja, denn es gibt (oder vielmehr gab) die Kunstgalerie 59 Rivoli – das Gebäude war einfach wunderbar gestaltet!

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend, der der Hoffnung auf eine gute Zukunft Raum läßt.

58

Was heute Tagesthema ist, ist auch eng mit der 58 verbunden. Ein Grenzdisput und eine Schlacht. Im Jahr 58 nach Christus stritten sich laut Tacitus die Hermunduren und die Chatten um einen Fluß. Dieser Fluß war doppelt bedeutsam – einmal aus religiöser Sicht und zum anderen weil aus ihm Salz gewonnen werden konnte. Die Schlacht wird daher auch als „Salzschlacht“ bezeichnet. Leider weiß man nicht, um welchen Fluß es ging.

Ob die gegeneinander Kämpfenden Angst hatten? Ich finde diese Frage interessant, weil ich heute auf Twitter viel zum Thema Angst (aufgrund der aktuellen Situation) gelesen habe. Auch die 58 hat mit dem Thema Angst zu tun. Es gibt nämlich das Buch 58 Minuten Angst von Walter Wager, in englischer Sprache kurz 58 Minutes. Der Film „Die hard 2“ basiert auf diesem Buch. Nicht mein Genre und schon gar nicht jetzt. Aber passend für diese Zahl.

Anders dramatisch ist die Geschichte der Katharina Blum, die Böll im Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ erzählt. In 58 Kapiteln folgen wir der Geschichte. Ich habe das Buch in der Schule gelesen, irgendwann in der Mittelstufe. Und ja, ich sollte es irgendwann mal wieder lesen. Ich glaube es ist zeitlos – vor allem, wenn es um den Umgang von (zumindest einigen) Medien mit Menschen geht.

Was verbindet den blauen Turm in Bad Wimpfen und den schiefen Turm von Pisa? Richtig, die 58! (Es war jetzt auch nicht allzu schwer, oder?)
Der Blaue Turm in Bad Wimpfen ist 58 Meter hoch.
Beim schiefen Turm von Pisa lässt sich die Höhe – vor allem aufgrund der Neigung – nicht ganz so einfach benennen. Schließlich hat er einen Hoch- und Tiefpunkt. Zusätzlich ist das Fundament zwei Meter eingesunken. Daher würde die Höhe wohl „normalerweise“ (aber was ist bei diesem Turm schon normal) 58,36 Meter betragen.

In Pisa bin ich tatsächlich schon einmal herumgelaufen (Studienfahrt in der Jahrgangsstufe 12 nach Florenz mit Ausflug nach Pisa). Es war interessant, auf einer der unteren Säulengalerien entlang zu laufen. Mal ging es gefühlt nach unten, dann wieder nach oben. Weiter oben habe ich das aber nicht mehr ausprobiert, auch wenn das Erlebnis und die Aussicht bestimmt spektakulär gewesen wären.
Bad Wimpfen und den Blauen Turm würde ich sicher gerne mal sehen (auch wenn man den Turm im Moment nicht besichtigen kann). Man kann von dort aus bestimmt schöne Ausflüge und Wanderungen unternehmen.

Damit komme ich zum letzten Punkt der 58. Es gibt in Deutschland nämlich 58 regionale Wandervereine. Ich selbst bin in keinem solchen Verein, aber es ist schön, dass es diese Vielfalt gibt. Ich bevorzuge es, längere Spaziergänge oder „Wanderungen“ (nach einer Definition wird Wandern als „Gehen in der Landschaft“ beschrieben) alleine und meist recht spontan zu unternehmen. Heute hat es allerdings nur für einen kurzen Spaziergang gereicht. Aber genug, um auf andere Gedanken zu kommen und abzuschalten.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen ruhigen und friedlichen Abend.

57

Mit der 57 verbinde ich eher wenig.

Ja, Stockholm. Dort gibt es 57 Brücken, von denen ich aber nur einen kleinen Teil selbst „erlebt“ habe. Trotzdem erinnere ich mich gerne an die paar Tage, die ich vor fast 20 Jahren mit meiner Mutter in Stockholm verbracht habe.

Es war die Zeit, zu der wir auch gelegentlich einen Ausflug nach Bonn oder Köln gemacht haben. Dazu paßt die nächste 57, der ET57, ein Schnellzug der ehemaligen Köln-Bonner Eisenbahnen, der für Nostalgiefahrten wieder hergerichtet werden soll. Solche Ideen mag ich.

Gar nicht schön, aber wichtig, ist die Geschichte von Bus 57 – einer wahren Geschichte, die Dashka Slater in einem Jugendbuch festgehalten hat. Interessant finde ich, dass die im Buch erzählte Geschichte mittlerweile auch den Weg ins Theater gefunden hat.

Überleben trotz schwerer Verbrennungen (wie in Bus 57)? Das ist auf keinen Fall einfach. Um einen solchen Weg zu gehen braucht man Menschen – allen voran Ärztinnen und Ärzte – denen man vertrauen kann und bei denen man sich aufgehoben fühlt. Was ist aber die Grundlage für dieses Vertrauen? An dieser Stelle finde ich den Eid des Assaf interessant, der in 57 Punkten einen antiken medizinethischen Verhaltenskodex für jüdische Ärzte aufstellt. Ich hatte vor meiner Suche nach der „57“ noch nie von diesem Eid gehört. Es sind interessante Sätze enthalten, auch wenn sie meinen Vorstellungen von einer an der Würde des Menschen orientierten Medizin nicht entsprechen. Das liegt aber vor allem an ihrem Alter. Bewegt hat mich der erste Teil von Ziffer 51…..

Daher wünsche ich Euch und Ihnen einen Abend, an dem die Seele (trotz aller aktuellen Nachrichten) ihre Ruhe findet.

56

Zur 56 habe ich eine besondere persönliche Beziehung. Im Dezember ’56 ist meine Mutter (mit nur 17 Jahren) aus Ostdeutschland in den Westen geflohen, also erst einmal nach Berlin. Sie hatte nur einen kleinen Pappkoffer dabei, den ich sogar noch irgendwo habe. Nur ihre Mutter wusste, was sie vorhatte.

Nach einer kurzen Zeit in Duisburg hat sie in Wuppertal, das damals die Postleitzahl 56 hatte, ihre Heimat gefunden.

Von Berlin hat sie 1956 wenig mitbekommen. Zu groß war ihre Angst, dass man sie zurück nach Ostdeutschland entführen könnte (vor allem, da sie noch minderjährig war). Sie hat daher das Heim in Marienfelde, in dem sie untergebracht war, nicht verlassen. Vor ein paar Jahren habe ich das Heim, das mittlerweile eine Gedenkstätte ist, besichtigt. In der Ausstellung gab es sogar einen Pappkoffer, der dem meiner Mutter ziemlich ähnlich sah. Es war jedenfalls schön, als ich vor knapp 20 Jahren mit ihr in Berlin war und ihr solche Orte wie die Friedrichstraße und den Kudamm zeigen konnte. Interessanterweise weiß ich nicht, ob sie den Film Kudamm 56 geschaut hat. Möglich ist das.

56cm Spurweite hat die Bahn im Salzbergwerk Berchtesgaden. Vor über 40 Jahren durfte ich – während eines Urlaubs in Bad Reichenhall – mit dieser Bahn in den Berg fahren. Irgendwo habe ich davon auch noch ein Foto und eine Schachtel mit unterschiedlichen Salzen, die ich dort als Andenken gekauft habe.

Und auch der letzte Aspekt der 56 ist persönlich. 56 Pfeifen hat ein Orgelregister, bei viereinhalb Oktaven. Tatsächlich habe ich ein oder zwei Jahre nach dem Urlaub in Bad Reichenhall angefangen, Kirchenorgel zu spielen. Einige Orgeln und natürlich noch mehr Register sind mir in den Jahren meiner „aktiven“ Zeit begegnet. Daher zum Abschluss dieses Tages dieses Stück, das ich vor vielen Jahren auch einmal gespielt habe (natürlich nicht so gut).

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen schönen Abend mit schönen Erinnerungen.

55

55qm will Lumpikow haben, denn schließlich ist er ein Mitglied der Wohnungsbaugenossenschaft und kann damit verlangen, dass ihm in der Wohnung Nr. 5 diese 55qm zur Verfügung gestellt werden. Ja, dieses Recht mag er haben, aber dann wird ihn der Besitzer der Wohnung Nr. 5 auch nicht mehr durchfüttern. Ein schlechter Deal, oder? Jedenfalls besteht Lumpikow, der aus dem Hund Lumpi „geschaffene“ Mensch, dessen Geschichte Bulgakow so phantastisch festgehalten hat, nicht mehr auf den 55 qm. Wie sollte er sich auch versorgen?

Sicherlich mehr als 55qm findet man im Gebäude, das unter der Adresse 55, Faubourg de Saint-Honoré zu finden ist. Dort befindet sich nämlich der Elysée-Palast, in dem der französische Staatspräsident seinen Sitz hat. Eine illustre Adresse!

Von diesem sehr sichtbaren Ort begegen wir uns zu unsichtbaren Städten. Ja, wirklich. Denn Italo Calvino hat in seinem (wohl in Paris entstandenen) Buch „Die unsichtbaren Städte“ 55 kurze Texte über Städte und „Orte“ geschrieben. Ein paar davon habe ich gelesen, leider noch nicht alle.

Aber manchmal will die 55 auch hoch hinaus. So etwa in Berlin. Der Grunewaldturm ist 55 Meter hoch. Gar nicht so schlecht, oder?

Ja, wenn da nicht noch Nils Holgersson wäre, der in 55 Kapiteln auf dem Rücken einer Wildgans durch und vor allem über ganz Schweden reist. Vor ein paar Jahren habe ich das Buch gelesen. Einerseits enthält es sehr viele schöne Stellen, andererseits fehlte mir für viele Stellen die „Ortskenntnis“ – das Lesen war dann etwas „mühsam“. Ich war dann froh als Nils wieder zuhause ankam und ich am Ende des Buches….

Wobei ich mir die Orte schon gerne (zumindest zum Teil) anschauen würde. Aber im Moment begnüge ich mich mit einer musikalischen Reise nach Skandinavien, genauer nach Norwegen. Denn der zweite Teil der Orchestersuite Peer Gynt von Edvard Grieg ist das Opus 55. Ein schöner (wenn auch etwas melancholischer) musikalischer Ausklang dieses Tages.

Damit wünsche ich Euch und Ihnen einen schönen und gut ausklingenden Abend.