„Anleitung zur Unzufriedenheit“

Ich habe lange überlegt, mit welchem Buch ich diese Rubrik beginne und nach einiger Zeit ist meine Wahl auf das Buch „Anleitung zur Unzufriedenheit“ von Barry Schwartz gefallen. Warum ausgerechnet dieses Buch? Vor allem, weil es so phantastisch zum „Glücksthema“ paßt – denn der Untertitel des Buches lautet „Warum weniger glücklicher macht“. Aber: es ist nicht so gemeint, wie es auf den ersten Blick klingen mag, denn es geht nicht um Verzicht! Vielmehr geht es um die Frage, wie wir auswählen und wie wir mit der Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten, die uns täglich begegnen, umgehen. Es geht also  – im wahrsten Sinne des Wortes – um die Qual der Wahl. In diesem Hinblick teilt Schwartz die Menschen in zwei Gruppen – in Maximierer und in Satisficer.
Wer immer nur das Beste sucht und akzeptiert ist ein Maximierer. „Das Beste“ klingt auf den ersten Blick sehr positiv – aber bei genauer Betrachtung offenbaren sich die Nachteile: ist das Produkt, das ich gerade im Geschäft in den Händen halte, wirklich das beste Produkt oder gibt es in einem anderen Geschäft noch bessere? Habe ich wirklich alle Geschäfte abgeklappert und alle Testberichte gelesen?
Wer sich hingegen mit etwas „begnügt“, das „gut genug“ ist (ohne darüber nachzudenken, ob es noch etwas Besseres gibt), ist ein Satisficer.
Wer sich nicht sicher ist, ob sie/er eher ein Maximierer oder ein Satisficer ist, kann dies in einem von Schwartz entwickelten Fragebogen ermitteln.

Ja, und was machen wir nun mit diesem Wissen? Oft setzen wir uns selbst unter Druck, die „optimale“ Entscheidung zu treffen. Natürlich ist es in vielen Bereichen wichtig, sich zu informieren. Schwartz spricht in diesem Zusammenhang davon „wählerisch“ zu sein. Wir sollten aber auch überlegen, in welchen Bereichen „gut genug“ völlig ausreichend und in Ordnung ist. Während die Idee des „gut genug“ gedanklich an Mittelmäßigkeit erinnern kann (und vom Maximierer auch so empfunden wird), ist der Maximierer oft unzufrieden, weil es praktisch unmöglich ist, das „Beste“ zu finden. Hier ist es wichtig (und mit etwas Übung und Wissen um die Herausforderung auch grundsätzlich möglich) einen Mittelweg zu finden. Gerade das letzte Kapitel des Buches, in dem es darum geht, was wir tun können um die eigene Zufriedenheit zu finden bzw. zu steigern, fand ich in diesem Hinblick spannend!

Ein aus meiner Sicht wirklich lesenswertes Buch, das auch zur Steigerung des Glücks und der Zufriedenheit beitragen kann!

Viel Glück in 2013?

Der Jahreswechsel liegt gerade ein paar Tage hinter uns. Mit Feuerwerksraketen wurden in der Sylvesternacht alle möglichen bösen Geister vertrieben und so mancher Glücksbringer (z.B. Schwein, Kleeblatt, Marienkäfer) hat uns an dem Abend begleitet. Also alles gut für 2013?
Ja und nein. Den Begriff des „Glücks“ fand ich schon immer irgendwie schwierig – geradezu sperrig. Denn was ist eigentlich Glück? In den Buchhandlungen findet man zu diesem Thema zahlreiche Bücher und Ratgeber und es gibt auch viele Zitate zu diesem Stichwort. Sehr schön finde ich die Zitate von Seneca und Gide (direkt auf der ersten Seite). Aber bei einer Suche nach „Glück“ findet man auch ganz erstaunliche Dinge – nämlich das „Bruttonationalglück„. Schon vor ein oder zwei Jahren habe ich einen kurzen Artikel darüber gelesen und fand den Gedanken faszinierend. Was passiert, wenn wir in Deutschland (oder auch an anderen Orten) unsere Entwicklung nicht mehr (nur) nach wirtschaftlichen Kenngrößen sondern nach dem „Glücksbefinden“ definieren? Damit stellt sich natürlich die Frage, wie man das „Glücksbefinden“ eines Volkes messen kann. Die (eher hedonistisch orientierte) Frage „Sind Sie glücklich?“ hilft da nur sehr eingeschränkt weiter. Mit dieser Frage könnten wir nur herausfinden, wie wir uns an einem bestimmten Tag und in einem bestimmten Moment fühlen. Interessanterweise ist das auch nicht der Glücksbegriff, der den Überlegungen zum Bruttonationalglück in Bhutan zugrundeliegt. Glück wird dort nämlich mehrdimensional verstanden und nicht nur auf das Empfinden der/des Einzelnen bezogen. Schon 1729 (Seite 2 des PDF) wurde in einem Gesetz in Bhutan festgehalten „if the Government cannot create happiness (dekid) for its people, there is no purpose for the Government to exist“. Das Glück (bzw. Glücksbefinden) des Volkes ist also die oberste Aufgabe einer Regierung! Was aber macht aus Sicht von Bhutan das Glück aus? Hier finden wir neun Bereiche (ab Seite 13 des PDF, Überblick auf Seite 22), die für das Glücksempfinden wesentlich sind:

– Lebensstandard
– psychisches Wohlbefinden
– Gesundheit
– Zeitnutzung
– Bildung
– Kulturelle Vielfalt und Belastbarkeit
– gute Staatsführung/Regierung
– Vitalität des Gemeinswesens/der Gemeinschaft
– Ökologische Vielfalt und Belastbarkeit

Ausführlich werden die Bereiche, aus denen das Bruttonationalglück besteht, in diesem Dokument vorgestellt.

Vor dem Lesen dachte ich, daß Bhutan gedanklich weit weg ist. Aber wenn ich mir die Bereiche anschaue, die in Bhutan für das Glücksbefinden als wesentlich erarbeitet wurden, dann denke ich, daß Bhutan auch hier liegen könnte, praktisch der „Nachbarort“ sein könnte. Lediglich der Begriff des „Glücks“ irritiert mich immer noch (das kann aber auch an der großen Zahl der „Glücksratgeber“ liegen). Beim Lesen der Zusammenfassung aus Bhutan kam mir der Begriff der „Zufriedenheit“ in den Sinn, der den Glücksbegriff zumindest ergänzen könnte, um ihn „hier“ (also in Deutschland) besser verständlich zu machen und vom (eher hedonistischen) Glücksgefühl (des Moments) zu unterscheiden. Gerne würde ich wissen, ob die Deutschen – wenn man sie nach diesen Bereichen befragt – eher glücklich oder eher unglücklich sind. Ich glaube, ich würde mich – ohne die konkreten Fragen zu kennen – schon als glücklich einschätzen. Das ist viel wert als Erkenntnis am Jahresanfang.

Und was macht man, wenn man weiß, ob bzw. wie glücklich die Bevölkerung ist? Das ist der Aspekt, den ich wichtig und spannend finde und der mich an die Idee des „pursuit of happiness“ in den USA erinnert: an den Bereichen zu arbeiten, in denen die Menschen noch nicht glücklich sind. Aber – und das ist der wesentliche Unterschied zum US-amerikanischen Streben nach Glück: hier geht es nicht (nur) um die Selbstbestimmung des Einzelnen, sondern um die gemeinsame Anstrengung aller – also der Regierung, der Gesellschaft und der Einzelnen und Familien, das Glück zu erhöhen. Man mag darüber streiten, wer primär für welchen Bereich zuständig ist (Bhutan hat auf Seite 77 des PDF eine Aufteilung der Verantwortung vorgenommen) – aber das gemeinsame Bemühen und die gemeinsame Verantwortung, das Glücksbefinden zu erhöhen, stellen für mich eine faszinierende Perspektive dar.

Und denen, die den Beitrag bis hierhin gelesen haben, möchte ich noch das Märchen „Das Glück lag am Weg“ ans Herz legen! Ich wünsche Ihnen/Euch alles Gute für das Jahr 2013, Glück und Zufriedenheit und daß Sie/Ihr das Glück am Wegesrand rechtzeitig erkennen/erkennt.

Gedacht …..

In den letzten beiden Jahren habe ich dieses Blog nur für meinen Adventskalender genutzt. Einerseits gut (denn das Schreiben der Adventskalendertexte hat mir Freude bereitet), andererseits schade, denn es gibt eigentlich viele Themen, die ich hier gut ansprechen könnte. Daher habe ich mich entschieden eine neue Rubrik mit dem Titel „Gedacht …… “ einzurichten und hier regelmäßig (hoffentlich wöchentlich) meine Gedanken aufzuschreiben.

24.12.2012

Alle Türchen des Adventskalenders sind geöffnet und auch hier ist das heute – für den Adventskalender 2012 – der letzte Beitrag. Die Adventszeit ist in die Weihnachtszeit übergegangen und ich sitze im festlich geschmückten Wohnzimmer und schreibe mein letztes Adventskalenderposting. Ich bin froh und auch ein bißchen stolz, daß ich es (auch dieses Jahr) geschafft habe, jeden Tag meine Gedanken festzuhalten. So ein Adventskalender ist schon eine Herausforderung …..und gerade dieses Jahr bin ich froh, daß ich diese Herausforderung gemeistert habe.
Zum Abschluß dieses Adventskalenders möchte ich Ihnen die wunderbare Weihnachtsgeschichte „Das Geschenk der Weisen“ von O’Henry schenken.
Ich bedanke mich bei allen, die immer mal wieder mitgelesen haben und wünsche Ihnen/Euch eine fröhliche und gleichzeitig auch besinnliche Weihnachtszeit.

23.12.2012

Vierter Advent und gleichzeitig der letzte Tag vor Weihnachten. Während es hier fast pausenlos regnet, leiden manche Gegenden in Osteuropa unter heftiger Kälte und großen Schneemengen. Dort würde wohl das Adventsgedicht von Rilke wettermäßig gut passen – hier müssen die Tannen wohl eher den Regengüssen lauschen….. Fast könnte man auf den Gedanken kommen, daß Weihnachten dieses Jahr ins Wasser fällt! Wettermäßig möglicherweise eine zutreffende Aussage – aber sonst? Zugegeben, das Kindheits- und Postkartenbild „weiße Weihnachten“ gefällt mir sehr gut und jedes Jahr hoffe ich wieder (meist vergeblich). Aber die „äußeren“ Bedingungen haben glücklicherweise wenig mit den „inneren“ Weihnachtsgefühlen zu tun. Auch bei fast frühlingshaften Temperaturen ist die wesentliche Frage, ob ich mich auf Weihnachten freue!
Die letzte Woche war für mich schon noch etwas hektisch. Aber gestern hatte ich die Zeit, durch die weihnachtlich volle Stadt zu schlendern, ein paar kleine Einkäufe zu tätigen und noch einmal über den Weihnachtsmarkt zu gehen. Ich habe mir die Zeit genommen, meine kleinen Einkäufe und den Weihnachtsmarktbummel zu genießen und jetzt fühle ich mich auf die eher stillen Feiertage gedanklich gut vorbereitet.
Und wie geht es Ihnen/Euch? Sind Sie/seid Ihr „gut“ vorbereitet?
Ich wünsche Ihnen/Euch jedenfalls einen entspannten Adventsabend!

22.12.2012

Nur noch drei Tage bis Weihnachten und auch nur noch drei Beiträge für den diesjährigen Adventskalender. Auch wenn das Wetter (Regen bei eher milden Temperaturen) nicht wirklich weihnachtlich ist, so sind die vollen Geschäfte und das Fernsehprogramm doch deutliche Indizien für das Nahen der Feiertage!
Zu den Feiertagen gehören auch die vielen alten Märchen und Geschichten – so auch die wunderschöne Geschichte „Nußknacker und Mausekönig“ von E.T.A. Hoffmann. Wunderschön auch die Musik von Tschaikowsky – die ich besonders gerne an den Feiertagen genieße. Aber der Gedanke, daß die Geschenke plötzlich ein „Eigenleben“ entwickeln ist gleichzeitig irritierend und faszinierend. Irritierend, weil uns die Vernunft sagt, daß „es“ ja gar nicht sein kann, faszinierend weil E.T.A. Hoffmann unsere Fantasie mit auf die Reise nimmt und uns an den Gesprächen von Nußknacker und Mausekönig teilhaben läßt. Was ist nicht alles möglich, wenn das möglich ist? Ja, eben – mit den Schwingen der Phantasie und der Neugier können wir – über das Weihnachtsfest hinaus – ganz spannende und wunderbare neue Dinge entdecken und erleben. Und darauf freue ich mich! Erst an den bevorstehenden Feiertagen, aber dann auch in 2013.

21.12.2012

Ab heute werden die Tage wieder länger – ein schöner Gedanke, daß ab jetzt mehr Licht in die Welt kommt. Der Frühling ist zwar noch weit, aber ein neuer Anfang ist gemacht. Wohin wird dieser neue Anfang führen? Ich weiß es nicht und das ist wohl auch gut. Wenn ich auf das Jahr 2012 zurückblicke, dann bin ich froh, daß ich vor einem Jahr vieles nicht wußte. Ja, manches wäre vielleicht leichter gewesen, wenn ich „es“ früher gewußt hätte, aber das Wissen wäre gleichzeitig auch irgendwie belastend gewesen. „Ende gut, alles gut“ so heißt eine Komödie von William Shakespeare – und darin steckt ja auch viel Wahrheit. Was aber ist mit dem guten Anfang? Oder zumindest damit, immer wieder neu anzufangen? Schauen wir zu stark auf das Ende und zu wenig auf die in jedem Moment auch steckende Möglichkeit der Veränderung und des Neuanfangs? Gerade diese Frage erinnert mich an das Märchen „Das häßliche junge Entlein“ von Hans Christian Andersen. Was, wenn wir die Botschaft dieses Märchens nicht nur auf das Aussehen sondern auch auf unsere Gedanken und Ideen beziehen? Ein faszinierender und fröhlicher Gedanke!

In diesem Sinne möchte ich Ihnen/Euch – ja uns allen – einen guten Anfang wünschen!

20.12.2012

Der letzte Tag vor dem möglichen „Weltuntergang“ ….. vielleicht aber auch gerade ein neuer Anfang? Manches in diesem Jahr war für mich ziemlich schwierig – allein der Gedanke, daß ein neuer Anfang auch immer neue Chancen beinhaltet, ist insoweit sowohl schön als auch „tröstend“ (wobei es manchmal durchaus auch schwierig sein kann, neue Chancen wirklich zu sehen und sie wahrzunehmen). Das erinnert mich ein bißchen an das Märchen „Frau Holle„. In dem Märchen – das ja auch gut zur Winterzeit paßt – bitten Brote und Äpfel ganz ausdrücklich um Hilfe und stellen gleichzeitig die Empfehlung bzw. die Chance dar. Da erscheint es – zumindest auf den ersten Blick – einfach, „gut“ zu sein und Brote und Äpfel zu „retten“. Im normalen Leben ist das nicht ganz so einfach. Nicht, daß man nicht immer wieder angesprochen und um Hilfe gebeten wird (manchmal sogar zu oft und oft auch immer wieder von denselben Menschen/Organisationen), aber nicht jede Bitte um Unterstützung fühlt sich richtig und wichtig an.  Wer sind dann die Äpfel und die Brote? Ach, wenn ich es wüßte! Aber während Frau Holle draußen ein bißchen die Betten ausschüttelt (oder ausschütten läßt), werde ich hier drinnen ein bißchen aufräumen, um micht auch „äußerlich“ auf Weihnachten vorzubereiten.

19.12.2012

Gestern habe ich den Gedanken an gute Gespräche hier „aufgenommen“ und gefragt, was zu einem guten Gespräch gehört. Beim Nachdenken über diese Frage habe ich für mich festgestellt, daß vor allem auch ein guter Zuhörer (oder eine gute Zuhörerin) dazu gehören. Ich kann mich an ein paar „Gespräche“ der Vergangenheit erinnern, wo ich diesen Eindruck gerade nicht hatte und wo ich dann traurig und enttäuscht war.
Was aber macht einen guten Zuhörer oder eine gute Zuhörerin aus?
Wir haben zwar alle Ohren – aber die Tatsache, daß wir hören können, heißt noch nicht, daß wir auch gut zuhören können. Natürlich gibt es Menschen, denen wir gerne zuhören – wenn sie spannende „Geschichten“ erzählen. So hat sich auch Scheherazade – die Erzählerin aus 1001 Nacht aus den „Fängen“ des Königs (bzw. Sultans) gerettet – ihre nächtlichen Geschichten waren so spannend, daß er sie Tag für Tag am Leben ließ und sie schließlich zur Frau nahm. Was aber, wenn wir oder unsere Gesprächspartner nicht so begnadet „erzählen“ können? Was, wenn uns der Gesprächspartner wichtig ist und wir ihm/ihr das auch zeigen möchten?
Schöne Hinweise zum Zuhören habe ich hier gefunden – besonders schön ist der Hinweis, daß Zuhören eine Kunst ist, die man lernen kann!
Wem hören Sie/hört Ihr gerne zu und wie zeigen Sie/zeigt Ihr das?