18. Januar

Es ist eine unruhige Zeit. Was wird in einem Jahr sein? Und was wird bis dahin sein?

Aber auch am 18. Januar 1919 ist es so. Damals beginnen – nach vier Jahren Krieg – die Friedensverhandlungen in Paris. 32 Staaten nehmen daran teil, der Völkerbund wird geschaffen. Keine dauerhafte Lösung wie man heute weiß – aber trotzdem doch eine Einigung.

Am 18. Januar 1974 unterzeichnen Israel und Ägypten unter Vermittlung der USA ein Truppenentflechtungsabkommen. Es geht um den Suezkanal mit einer von den Vereinten Nationen kontrollierten Pufferzone zwischen Ägypten und Israel.

Am 18. Januar 2002 endet der Bürgerkrieg in Sierra Leone. Und ja, es gibt seitdem Erfolge, aber es gibt auch noch einige Herausforderungen.

Schön ist, dass am 18. Januar 1820 in Mecklenburg als letztem deutschen Einzelstaat die Leibeigenschaft aufgehoben wird – allerdings erst mit Wirkung zum Osterfest 1821. Aber immerhin. Und natürlich wird auch hier nicht alles sofort besser, nur anders.
100 Jahre später, am 18. Januar 1920 wird das erste Betriebsrätegesetz verabschiedet.

Damit wünsche ich Euch einen friedlichen Abend.

17. Januar

Weltpolitisch ist der heutige Tag in der Gegenwart eher „düster“ oder zumindest „bewölkt“. Umso wichtiger ist es mir, auch heute einen Beitrag zu schreiben – auch wenn das vielleicht niemand liest. Aber vielleicht ja doch…..

Am 17. Januar 1685 erhält der aus Armenien stammende Johann Deodat das Privileg, in Wien Kaffee ausschenken zu dürfen – damit ist das erste Kaffeehaus (in Deodats Wohnhaus) gegründet. Schnell entwickelt sich in Wien eine bedeutende Kaffeekultur – heute könnte ich mir Wien ohne Kaffeehäuser gar nicht vorstellen.

Am 17. Januar 1929 wird in Berlin der Stummfilm „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ uraufgeführt. Es ist die Zeit des Übergangs vom Stummfilm zum Tonfilm und so enthält der Film schon eine Tonspur mit dem Titellied.

Am 17. Januar 1945 wird Warschau befreit. Vielleicht nicht so, wie viele Menschen in Polen es sich gewünscht hätten, denn es folgt eine andere Form der Unterdrückung. Aber immerhin.

Ein Jahr später findet in London die erste Sitzung des UN Sicherheitsrates statt.

Und noch zwei wichtige Geburtstage gibt es: am 17 Januar 1600 kommt Pedro Calderôn de la Barca zur Welt. Er schreibt ungefähr 200 Theaterstücke, 120 davon sind Komödien. Eines der bekanntesten Stücke ist wohl „Das Leben ein Traum“ – hier kann man es lesen.
Am 17. Januar 1706 kommt Benjamin Franklin in Boston zur Welt. Er wird die Unabhängigkeitserklärung mit entwerfen und unterschreiben, er wird den neu gegründeten Staat als Diplomat in Frankreich vertreten und er wird sich an der Ausarbeitung der amerikanischen Verfassung beteiligen. Zudem wird er noch als Erfinder, Wissenschaftler und als Engagierter für die Bürgerschaft in Erscheinung treten. Ein vielseitig begabter und interessierter Mensch!

Damit wünsche ich Euch gerade heute einen Abend voller Neugier und Hoffnung!

16. Januar

Heute geht es in mehrere Großstädte. Beginnen wir in New York. Hier kommt am 16. Januar 1933 Susan Sontag zur Welt. Sie liest viel, ist neugierig. Als Jugendliche entdeckt sie den Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann und ist von diesem Buch begeistert. Als sie 1949 Thomas Mann und seine Frau Katia persönlich trifft, ist sie allerdings enttäuscht. Viele Jahre später schreibt sie über diese Begegnung. Ihr ganzes Leben lang bleibt sie neugierig. „Everything matters“ ist der Satz, der sie seit ihrer Jugend begleitet. Und genauso vielfältig sind ihre Interessen und Themen. Dieser ausführliche Bericht gefällt mir sehr gut.

Am 16. Januar 1964 wird das Musical „Hello Dolly“ in New York uraufgeführt. Zunächst will niemand den Titelsong singen – Louis Armstrong macht daraus seinen größten Hit.

Weiter geht es nach Madrid. Am 16. Januar 1605 erscheint „Don Quijote de la Mancha“ (wobei der Titel eigentlich “ El ingenioso hidalgo don Quijote de la Mancha“ lautet). Das Buch soll – neben der Bibel – das meistübersetzte und einflußreichste Buch der Weltliteratur sein. Ob das wohl stimmt? Lesenswert ist es auf jeden Fall und seinen Autor und seine Figuren hat es unsterblich gemacht!

In Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, wird Ellen Johnson Sirleaf am 16. Januar 2005 als erste weibliche Präsidentin vereinigt und zwar nicht nur von Monrovia, sondern von ganz Afrika. Im Jahr 2011 erhält sie für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis.

Vom Süden in den hohen Norden, zu Carl Christian Rafn, der am 16. Januar 1785 in Dänemark geboren wird. Er ist der Wiederentdecker der nordischen Sagas, seine Forschungsergebnisse veröffentlicht er in einem Buch. Einen sehr spannenden Beitrag zu ihm und seiner Arbeit kann man hier hören. Und ganz klar, die Geschichten, die in den Sagas erzählt werden, sind sehr lesenswert.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Neugier und guten Entdeckungen.

15. Januar

Manches an diesem Tag hat etwas mit „Anerkennung“ zu tun. Ein Gedanke, den ich schön finde.

Am 15. Januar 1992 erkennen die damaligen Staaten der EG Kroatien und Slowenien als unabhängige Staaten an, Deutschland nimmt an diesem Tag diplomatische Beziehungen mit beiden Ländern auf. In Kroatien ist der Tag seitdem der „Tag der internationalen Anerkennung“.

Um Anerkennung geht es im Prinzip auch Martin Luther King, der am 15. Januar 1929 in Atlanta (USA) geboren wird. Martin Luther King möchte Bürgerrechte, Gerechtigkeit und Solidarität für alle Menschen erreichen. An diesem Ziel arbeitet er – unbeirrt, ausdauernd und gewaltfrei. Er liest viel, er ist fleißig und er ist sehr gebildet. Und trotzdem ist er für manche Menschen nicht ebenbürtig – was für ein Irrtum dieser Menschen. Seine langjährige Arbeit wird 1964 mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt.

Am 15. Januar 1920 kommt übrigens die erste Jazz-Platte in Deutschland auf den Markt. Die Musik klingt (noch) nicht wirklich nach Jazz, aber es ist eine Abkehr von dem, was vorher in Deutschland gespielt und gehört wird. Der Jazz erobert die Lokale und hinterläßt vielfältige Spuren in der Kultur, nicht nur im musikalischen Bereich.

Anerkennung ist auch für Molière ein Thema. Am 15. Januar 1622 kommt er als Jean-Baptiste Poquelin zur Welt. Er gründet eine Theatergruppe und gibt sich den Künstlernamen „Molière“ – auch um seine Familie vor der Schande des Theaterberufs zu schützen. Seine Liebe gehört den Komödien. Anerkennung bekommt er dafür zunächst nicht. Seine vielen anderen Werke sind heute weitestgehend in Vergessenheit geraten – seine Komödien werden aber immer noch auf den Theaterbühnen der Welt gespielt.

Damit wünsche ich Euch einen Abend voller Humor!

14. Januar

Am 14. Januar 1870 wird Ida Dehmel geboren. Ich muß zugeben, dass mir ihr Name bis zu meiner Recherche für diesen Blogbeitrag unbekannt war. Tatsächlich sind es zwei Dinge, die mich begeistern: das Eintreten für das Frauenwahlrecht und die konsequente Förderung von Künstler*innen, die unter anderem zur Gründung der GEDOK führt. Faszinierend ist auch, wieviele Künstler*innen sie und ihr Ehemann zu neuen Werken inspiriert haben.

Albert Schweitzer wird ebenfalls an einem 14. Januar geboren, allerdings im Jahr 1875. Er ist ein vielseitig begabter Mensch – das äußert sich nicht nur in seinen Studienabschlüssen – Theologie, Philosophie und schließlich noch Medizin, um als Missionsarzt nach Afrika gehen zu können. 1913 gründet er in Lambarene (Gabun) ein Spital – zunächst auf dem Grundstück einer Missionsstation, später gründet er ein Krankenhaus auf einem eigenen Grundstück in Lambarene. Heute ist das Spital eine moderne Poliklinik. Wichtig ist, dass in diesem Spital jeder Patient behandelt wird und zwar unabhängig von seiner Herkunft und seinen finanziellen Mitteln. Er und seine Frau Helene haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Während des ersten Weltkriegs werden sie 1917 festgenommen und müssen einige Zeit in Lagern in Frankreich verbringen. Albert Schweitzer nutzt diese Zeit, um seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben auszuarbeiten. Wie er selbst diese Ehrfurcht vor dem Leben verstanden und gelebt hat, kann man hier nachlesen. Schließlich erhält er sogar den Friedensnobelpreis. Wenige Jahre später engagiert er sich noch für den Frieden und gegen die nukleare Aufrüstung.

Am 14.01.1892 wird Martin Niemöller geboren, aus ihm wird ein Theologe und mit der Zeit auch ein Widerstandskämpfer. In den 1950er Jahren engagiert er sich gemeinsam mit Albert Schweitzer gegen Atomwaffen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Zunächst ist Martin Niemöller deutschnational eingestellt, er teilt auch den Antisemitismus vieler seiner Zeitgenossen. Aber nicht alles in dieser Zeit paßt für ihn. 1935 wird er das erste Mal verhaftet, weil er sich mit anderen Pfarrern gegen die verbalen Angriffe Alfred Rosenbergs wehrt. 1937 wird er zum zweiten Mal verhaftet, nach der Haftentlassung kommt er umgehend ins Konzentrationslager – zunächst nach Sachsenhausen, später nach Dachau. Heute kennen ihn viele wegen des berühmten Spruchs „Als sie die Kommunisten holten….“ – tatsächlich ist das kein Gedicht oder Spruch, sondern etwas, das er in einem Gespräch geäußert hat. Aber es paßt. Trotzdem.

Zum Abschluß noch etwas aus dem Bereich Musik, denn am 14. Januar 1900 wird in Rom „Tosca“ von Puccini aufgeführt. Damit wünsche ich einen Abend, an dem die Sterne für Euch am Himmel leuchten!

13. Januar

Am 13. Januar schreibt Émile Zola einen Brief – und was für einen……
In der Zeitung L’Aurore veröffentlich er seinen Brief an den Präsidenten der Republik – die Überschrift lautet „Ich klage an“ („J’accuse“). Dieser Titel stammt von Georges Clemenceau, der Émile Zola auch die Möglichkeit einräumt, den Brief in seiner Zeitung zu veröffentlichen. Zola weist in seinem Beitrag auf fehlende Beweise und Fehler der Justiz im Verfahren gegen Dreyfus hin. Als Folge dieses Briefes werden Zola und und der Geschäftsführer von L’Aurore wegen Verleumdung verklagt. Zola wird am 23.02.1898 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, es gelingt ihm aber, rechtzeitig nach England zu fliehen. Clemenceau, der Verleger von L’Aurore, schafft es, für L’Aurore im Prozeß neben seinem Bruder (einem Anwalt) aufzutreten und die Unregelmäßigkeiten im Verfahren anzuprangern. In seinen Zeitungen L’Aurore und La Dépêche berichtet er täglich über den Fall, das sind fast 700 Artikel. Erst 8 Jahre später führt das Urteil des Kassationsgerichts zur vollständigen Rehabilitierung von Dreyfus. Was für eine Leistung, diesen Justizskandal aufgedeckt und den unschuldig verurteilten Dreyfus rehabilitiert zu haben!
Einen sehr sehehenswerten Beitrag zu diesem Thema in französischer Sprache gibt es hier, ein deutschsprachiges Zeitzeichen hier.

Um die Thema Freiheit, Gerechtigkeit, Macht und Moral geht es auch im Stück „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Es ist daher sehr passend, dass dieses Stück am 13. Januar 1782 in Mannheim uraufgeführt wird. Der Saal tobt, die Kritik am Feudalsystem ist für das Publikum gut zu erkennen und Schiller wird über Nacht berühmt.

Bei Dreyfus geht es um die Religion, bei anderen Menschen ist es oft die Hautfarbe. Erst am 13. Januar tritt Douglas Wilder als erster gewählter afroamerikanischer Gouverneur von Virginia sein Amt an. Zuvor hatte es zwar schon einen afroamerikanischen Gouverneur gegeben, dieser war aber nicht gewählt worden.

Weg von Intrigen und Unfrieden, denn es geht auch anders. Am 13 Januar 1568 erläßt der siebenbürgische Landtag unter König Johann Sigismund das Edikt von Torda. Dabei handelt es sich zum ersten mal um eine multikonfessionelle Verfassung. Als anerkannte Religion werden ausdrücklich die lutherische, reformierte, katholische und unitarische Konfession erwähnt. Ein spannendes und frühes Beispiel für Religionsfreiheit.

Damit wünsche ich Euch einen Abend mit mutigen und guten Gedanken.

12. Januar

Heute oder nicht heute? Je weiter man versucht, in die Geschichte zurückzublicken, desto unsicherer werden die Datumsangaben. Manchmal gibt es zwei oder drei unterschiedliche Daten, viel öfter fehlt eine konkrete Angabe.
Es könnte also sein, dass am 12. Januar 1260 der Mystiker und Theologe Meister Eckhart geboren wird. Er wird einer der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters, doch seine Denkweise ist so außergewöhlich, dass der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg 1325 ein Verfahren wegen Ketzerei gegen ihn einleitet. Während des Verfahrens stirbt Meister Eckart, der Papst stuft nach seinem Tod 17 seiner Thesen als Irrlehren ein, die Verbreitung seiner Schriften kann das jedoch nicht aufhalten. Interessant ist, dass Meister Eckhart schon damals seine Werke nicht nur in der lateinischen Sprache sondern auch auf deutsch verfaßt (und predigt). Der oben verlinkte Zeitzeichen-Beitrag ist faszinierend und macht mich sehr neugierig, mehr über ihn zu erfahren und zu lesen. Ob er wirklich gesagt oder geschrieben hat „Es weiß immer ein Esel einen anderen zu schätzen.“? Dieser wunderbare Satz ist unter seinem Namen zu finden….. und ich mag ihn jedenfalls (nicht nur sprachlich) sehr.

Auch an einem 12. Januar – allerdings erst im Jahr 1751 – wird der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz geboren. Sein Gedicht An das Herz ist zeitlos schön (und doch auch sehr wahr). Witzigerweise tauchen auch hier die „Esel“ auf – es kommt wegen einer „Eseley“ zu einem Konflikt zwischen Lenz und Goethe. 1778 erkrankt er – den Krankenbericht von Johann Friedrich Oberlin legt Georg Büchner später einer Erzählung zugrunde.

Die Erfindung der Draisine erlebt Lenz nicht mehr, denn als Karl von Drais am 12. Januar 1818 das „Privileg“ für seine „Laufmaschine“ erhält, ist Lenz schon verstorben. Die Laufmaschine ist das erste lenkbare und durch Muskelkraft betriebene Zweirad und jede „Draisine“ muß wegen des Privilegs (das einem heutigen Patent entspricht) eine Lizenzmarke auf der Lenkstange tragen. Im Prinzip beginnt mit dieser Erfindung die (bekannte) Geschichte des Fahrrads.

Am 12. Januar 1959 gründet Berry Gordy Tamla Records – das Unternehmen, das kurz danach als „Motown Records“ Geschichte schreiben wird, vor allem als Unternehmen mit dem schwarze Künstler*innen weiße Zuhörer*innen erreichen können. Das ist etwas Neues zu dieser Zeit und sehr erfolgreich. Gordy geht es – wie er selbst sagt – nicht um politische Botschaften oder Bürgerrechte, sondern darum ein erfolgreiches schwarzes Unternehmen zu sein. Die Rede von Martin Luther King „I have a dream“ nimmt Motown jedoch auf und schreibt damit Geschichte. Die Geschichte der Zusammenarbeit mit Martin Luther King kann man hier und hier nachlesen.

Am 12. Januar 1558 wird Gustav I. Wasa zum König gekrönt. Das klingt aus heutiger Sicht erst einmal unspektakulär. Aber als junger Mann ist er ein Teil der schwedischen Befreiungsbewegung. Mit seiner Krönung wird Schweden von Dänemark unabhängig und zu einem modernen Staat. Gar nicht so schlecht, oder? Nur positiv war seine Zeit aber auch nicht, doch Unabhängigkeit und Modernisierung reichen für mich aus, ihn hier zu erwähnen.

In Paris wird am 12. Januar 1628 Charles Perrault geboren. Der Schriftsteller ist heute vor allem wegen seiner Märchensammlung bekannt (endlich mal ein Buch, das ich schon gelesen habe!). Es lohnt sich, sie zu lesen – gerade auch weil sie in vieler Hinsicht „anders“ sind, als die sonst bekannten Märchen. So tauchen zum Beispiel in manchen Märchen Menschenfresser auf…..

Damit wünsche ich Euch einen märchenhaften Abend und eine Nacht ohne Alpträume.

11. Januar

Am 11. Januar 1911 wird die „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ in Berlin gegründet. Eigentlich eine gute Sache, staatsunabhängige Forschungsinstitute zu errichten. Gleichzeitig werden die Institute während des ersten Weltkriegs und während des Nationalsozialismus für problematische Forschungsthemen „eingesetzt“. 1948 erfolgt eine Neugründung als Max-Planck-Gesellschaft.

Wissenschaft und Forschung sind aber wichtig und da ist der 11. Januar durchaus von Bedeutung: am 11. Januar 1787 entdeckt der Komponist, Dirigent, Organist und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel die beiden größten Monde des Uranus, sein Sohn tauft diese Monde später Oberon und Titania. Herschel hat mit der Entdeckung des Uranus im Jahr 1781 bereits Wissenschaftsgeschichte geschrieben und begründet – mit einem selbstgebauten Teleskop – die moderne Astronomie. Die Entdeckung der Uranus-Monde ist eine weitere Sensation.

Am 11. Januar 1906 nimmt die Köln-Bonner Eisenbahngesellschaft die elektrische Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn in Betrieb. Die Bahn fährt halbstündlich, die Fahrt von Köln nach Bonn dauert 44 Minuten.

Am 11. Januar 1935 gelingt Amelia Earhart als erstem Menschen ein Alleinflug von Honolulu (Hawai) nach Oakland (Kalifornien). Sie selbst hat darüber einen Bericht in National Geographic geschrieben, den man hier lesen kann. Ein sehr interessanter Bericht. Schon vorher hat Amelia Earhart alleine weite Flüge durchgeführt – zum Beispiel als erste Frau und als zweiter Mensch nach Charles Lindbergh über den Atlantik. Sie ist wirklich eine Pionierin der Luftfahrt.

Man kann aber nicht nur in einem Flugzeug alleine sein. Das beweist Gerhart Hauptmann in seinem Theaterstück Einsame Menschen, das am 11. Januar 1891 in Berlin uraufgeführt wird. Ich habe dieses Theaterstück bisher weder gelesen noch als Aufführung gesehen, immerhin habe ich es beim Projekt Gutenberg herausgesucht, um es demnächst zu lesen.

Mit Einsamkeit hat auch Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zu tun. Und ja, der Werther hat auch mit dem 11. Januar zu tun. Am 11. Januar 1753 wird nämlich Charlotte Buff geboren, die „Lotte“ aus dem Werther. Im Jahr 1772 verliebt Goethe sich in Charlotte Buff, seine Liebe wird jedoch nicht erwidert, Charlotte Buff heiratet einen anderen Mann. Goethe verarbeitet seinen Schmerz in einem Briefroman – der Briefroman wird ein riesiger Erfolg und macht nicht nur Goethe sondern auch Charlotte Buff als „Lotte“ unsterblich. Eine schöne Schilderung dieser Geschichte kann man hier hören.

Am 11. Januar 1903 kommt Ilse Weber zur Welt, eine Musikerin und Schriftstellerin. Im Jahr 1942 werden Ilse Weber, ihr jüngerer Sohn und ihr Mann nach Theresienstadt deportiert, ihr älterer Sohn Hanuš konnte Prag mit 1938 mit dem letzten Kindertransport von Sir Nicholas Winton verlassen. Die Eltern schreiben ihm aus dem Lager Briefe, Ilse Weber verfaßt für die Kinder dort Kinderreime, Schlaflieder und Gedichte. Dabei ist es verboten, heimlich und außerhalb der „erlaubten Aufführungen“ künstlerische Werke zu schaffen. Ilse Weber macht das trotzdem, es ist eine Art von Widerstand, Musik und Kunst bringen ihr und den Kindern Erleichterung und Frieden. Ihrem Ehemann Willi gelingt es 1944 – bevor er mit einem Arbeitsbefehl Theresienstadt verlassen muß – physische Kopien der Werke von Ilse zu verstecken. So überlebt ihr Werk. Dieser kurze Bericht isst sehenswert, einige ihrer Briefe und Gedichte sind in diesem Buch veröffentlicht und ihr Lied „Wiegala“ kann man zum Beispiel hier hören.

Am 11. Januar 1911 erscheint das berühmte Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis in der Zeitschrift „Der Demokrat“. Und zu guter letzt führt das Berliner Ensemble am 11. Januar 1949 zum ersten Mal Mutter Courage von Bertolt Brecht auf, die erste öffentliche Aufführung in Deutschland. Das Stück wird ein großer Erfolg. Auch heute wird es noch oft in Theatern gespielt. Hier kann man übrigens eine Aufführung mit Lotte Lenya von 1965 sehen.

Damit wünsche ich Euch einen Abend, an dem Ihr etwas Gutes und Hoffnungsvolles sehen könnt und eine gute Nacht.

10. Januar

Der 10. Tag, der zehnte Beitrag.
Im Vergleich mit meinem Blogprojekt 2022 („Assoziationen“) brauche ich für dieses Blogprojekt mehr Zeit. Mehr Zeit zur Recherche, mehr Zeit, um eine für mich passende „Reihenfolge“ zu finden und einen Text zu schreiben. Gleichzeitig finde ich es sehr spannend, was ich bei der Recherche (der Begriff klingt vielleicht etwas arg „großspurig“) so finde. An Büchern, an Musikstücken und auch an anderen Informationen, die mir vorher nicht bekannt waren.

Also weiter: Am 10. Januar 1929 erscheint das erste Abenteuer von „Tim und Struppi“ („Tintin“ mit seinem Hund Milou) von Georges Remi („Hergé“) im belgischen „Petit Vingtième“. Es ist der Anfang einer großen Comic-Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig gibt es eine dunklere Seite, denn Hergé ist nicht unbedingt ein netter Mensch. Claude Cueni hat das in seinem Buch Warten auf Hergé, das ich vor ein paar Jahren eher zufällig in Basel in einer Buchhandlung gesehen und sofort gekauft habe, gut dargestellt. Das Buch von Cueni ist jedenfalls sehr lesenswert, gleiches gilt für die Beiträge auf der verlinkten Webseite des Autors.

1961 entsteht auf der Basis der Comics der Spielfilm Tim und Struppi und das Geheimnis um das goldene Vlies. Das passt hervorragend zum 10. Januar, denn am 10. Januar 1430 stiftet Philipp der Gute, Herzog von Burgund, anläßlich seiner Hochzeit mit Isabella von Portugal den Orden vom Goldenen Vlies. Philipp will damit für Burgund treue Verbündete gewinnen, gleichzeitig geht es um ritterliche Tugenden und politisches Gewicht. Tatsächlich ist der burgundische Hof zu dieser Zeit in Europa kulturell führend.

Zu den Burgundern gehört auch Margarete von Österreich, die einzige Tochter von Maximilian I. und Maria von Burgund, die am 10. Januar 1480 in Brüssel zur Welt kommt. Die Ehe zwischen diesen beiden ist zunächst arrangiert, entwickelt sich jedoch zu einer großen Liebesbeziehung. Margaretes Mutter stirbt als sie zwei Jahre alt ist, auch die Ehemänner, die ihr Vater für sie ausgesucht hat (natürlich nacheinander) sterben sehr frühzeitig. Als auch ihr Bruder stirbt, überträgt ihr Vater ihr 1507 die Regentschaft der Niederlande. Tatsächlich wird sie zu einer sehr erfolgreichen Regentin und Diplomatin. Eine wirklich faszinierende Persönlichkeit!

Diplomatie spielt auch am 10. Januar 1946 eine Rolle – an diesem Tag tritt zum ersten Mal die Vollversammlung der Vereinten Nationen zusammen und zwar in London. Abgesandte von 51 Staaten nehmen an dieser Versammlung teil.

Nicht in London vertreten ist der am 10. Januar 1919 entstandene Freistaat Flaschenhals. Dabei handelt es sich um ein unbesetztes Gebiet zwischen Lorch und Kaub, das die Form eines Flaschenhalses hat. Was idyllisch klingt, ist in der Praxis gar nicht so einfach – bis in die 1920er Jahre sind die Menschen im Flaschenhals in vieler Hinsicht auf sich gestellt.

Während die Menschen im Freistaat Flaschenhals nirgends hingehören, nimmt am 10. Januar 1920 der Völkerbund in Genf seine Arbeit auf, der Vorläufer der Vereinten Nationen. Die Gründung des Völkerbunds ist im Versailler Vertrag enthalten. Deutschland wird allerdings erst 1926 Mitglied.

Am 10.01.1927 wird der Film „Metropolis“ von Fritz Lang uraufgeführt. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ ist dieser Film immer noch (oder wieder) hochaktuell.

Was erstaunlich aktuell und vor allem erstaunlich alt ist: die Idee des Fernunterrichts. Am 10. Januar 1840 bietet Isaac Pitman erstmals Fernunterricht an. Damit gibt es den ersten Fernunterricht bevor es die erste U-Bahn der Welt gibt – am 10. Januar 1863 wird die erste Strecke des „Metropolitan Railway“ in London eröffnet. Weltweit eine Erfolgsgeschichte!

Der 10. Januar hat allerdings auch kulturell durchaus Erfolg: am 10. Januar 1797 wird Annette von Droste-Hülshoff geboren. Viele Menschen kennen sie aus dem Deutschunterricht als erfolgreiche Schriftstellerin. Mich hat vor allem „Die Judenbuche“ sehr bewegt.
Am 10. Januar 1858 wird Heinrich Zille geboren, seine Zeichnungen Berlins sind noch heute wichtig und beeindruckend.
Am 10. Januar 1891 wird die Operette „Der Vogelhändler“ im Theater an der Wien uraufgeführt. Hier kann man sich die Operette anschauen und anhören.

Damit wünsche ich Euch einen fröhlich beschwingten und schönen Abend und eine gute Nacht.

9. Januar

Habt Ihr schon einmal eine Meerjungfrau gesehen?
Kein Kunstwerk – sondern wirklich eine echte Meerjungfrau.
Falls die Antwort jetzt nein ist, dann kann ich Euch sagen, dass Christoph Kolumbus Euch etwas voraushat (zu Eurer Beruhigung: mir auch). Christoph Kolumbus notiert nämlich am 9. Januar 1493, dass er auf seiner Reise in die (heutige) Dominikanische Republik gleich drei Meerjungsfrauen gesehen hat. Allerdings ist er von ihrem Aussehen enttäuscht. Er findet sie nicht einmal halb so schön wie die Zeichnungen, die es von ihnen gibt. Verständlich, denn er hat Seekühe gesehen……

Ob diese Geschichte Karel Čapek gefallen hätte? Karel Čapek kommt am 9. Januar 1890 in Österreich-Ungarn zur Welt. Er wird ein bedeutender tschechischer Schriftsteller, Dramatiker, Essayist und Journalist. Ich kenne ihn vor allem von seinem etwas böse ironischen Buch Das Jahr des Gärtners, das ich irgendwann zufällig entdeckt habe. Bei meiner Frage habe ich aber vor allem an das Buch „Der Krieg mit den Molchen“ gedacht. Mehr zu diesem interessant klingenden Buch gibt es hier.

Unter dem Buch von Čapek „Wie ein Theaterstück entsteht“ (das mich thematisch natürlich sehr interessiert) steht, dass sein Humor an Tucholsky erinnert. Und da sind wir schon beim nächsten „Ereignis“: Kurt Tucholsky kommt ebenfalls am 9. Januar 1890 zur Welt, allerdings in Berlin. Im Jahr 1934 schreibt er für seinen Antrag auf Einbürgerung nach Schweden diesen Lebenslauf. Zunächst ist Tucholsky vor allem als Journalist bekannt, 1912 tritt er aber mit der Novelle „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ auch auf die literarische Bühne. Das Buch wird ein großer Erfolg und Rheinsberg hat heute ein Tucholsky-Museum. Wobei das Museum leider immer wieder von Mittelkürzungen bedroht ist und um seine Existenz kämpft…….

Aber auch in anderer Hinsicht ist der 9. Januar bedeutend. Am 9. Januar 1464 tritt in Brügge zum ersten eine Versammlung aller Stände der niederländischen Provinzen zusammen. Diese Versammlung wird bald als „Generalstaaten“ bezeichnet, ein Synonym für die Niederlande. Interessant ist, dass die Generalstände sich gegen die Inquisition wehren. Plötzlich begegnen wir dem Herzog von Alba und den Grafen von Egmont und von Hoorn (die manche vielleicht schon oder noch aus der Schule kennen). Langfristig betrachtet führt diese Entwicklung zur Unabhängigkeit der Niederlande und zum Theaterstück „Egmont“ von Johann Wolfgang von Goethe, das am 9. Januar 1789 in Mainz uraufgeführt wird.

Mit diesen spannenden Verbindungen wünsche ich Euch gute Gedanken und einen schönen Abend!