19. Dezember – Kakao

Die Liste der Bäume wird kürzer, Weihnachten rückt näher und damit auch das Ende dieses „Adventskalenders“.
Heute geht es um Kakao – ein für mich eher schwieriges Thema. Ich bin nicht schokoladenaffin, eher im Gegenteil. Vollmilchschokolade esse ich gar nicht, Bitterschokolade verwende ich zum Backen und in Desserts, einfach „so“ esse ich sie extrem selten.
Trotzdem gehört Schokolade und damit natürlich auch Kakao zur Advents- und Weihnachtszeit. Was wäre diese Zeit ohne Plätzchen und Kuchen mit Schokolade oder Schokoladenüberzug (bei mir natürlich immer nur mit Bitterschokolade!). Ganz traditionell backe ich kurz vor Weihnachten einen Rotweinkuchen, in den natürlich Kakao und Bitterschokolade kommen. Auf den Kuchen freue ich mich schon, die Zutaten habe ich schon im Haus. Und ein paar Plätzchen mit Schokolade (natürlich Bitterschokolade!) werde ich auch noch backen (zumindest hoffe ich das…..).

Kakao beziehungsweise der Kakaobaum war schon 1500 vor Christus bei den Olmeken bekannt. So nutzten die Olmeken (die sich räumlich im heutigen Mexiko befanden) wohl schon das Wort „kakawa“ für Kakao, die Maya benutzten „kakaw“ – aus diesen Worten entwickelte sich vermutlich das uns bekannte Wort „Kakao“.
Mayas und Azteken hielten Kakao für ein Geschenk der Götter. Quetzalcoatl – der gefiederte Gott des Windes aber auch des Lernens – soll den Kakao zu den Atzteken gebracht haben. Bei den Indios wiederum waren Kakaobohnen übrigens ein Zahlungsmittel. Dann kam Christoph Kolumbus, der erste Europäer, der mit den Kakaobohnen in Kontakt kam. Wohl ohne sie zu probieren, das tat erst Hernán Cortéz – dem die „Schokolade“ aber wohl nicht schmeckte. Der Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas, der sich für die Ureinwohner einsetzte und 1542 die Schrift „Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder“ veröffentlichte, brachte 1544 von einer Reise nach Guatemala den Kakao mit nach Europa – er schenkt dem Prinzen Philip von Spanien ein Gefäß mit „Schokolade“. Ob er der erste war, der Kakao beziehungsweise Schokolade nach Europa brachte? Für viele Menschen außerhalb von Europa war dies ein schlimmer Moment. Die in Europa steigende Nachfrage nach Kakao (und anderen Erzeugnissen aus der Region) führte letztendlich sogar dazu, dass Menschen aus Westafrika als Sklaven nach Lateinamerika gebracht wurden und dort unter schlimmsten Bedingungen „leben“ mußten. Das Schicksal der Ureinwohner hatte Bartolomé de Las Casas vorher schon angeprangert. So ist die Geschichte des Kakaos und der Schokolade auch die dunkle Geschichte des Kolonialismus.

Den Weg vom Kakao zur Tafelschokolade und die zahlreichen Erfindungen auf diesem Weg kann man übrigens hier nachlesen.

Was ich überraschend fand: das es „Kakaozeremonien“ gibt – konkrete Beispiele zum Beispiel hier oder hier. Natürlich gibt es dazu wiederum auch Bücher – das hier zum Beispiel oder das hier. Und es gibt viele Romane, in denen Kakao oder Schokolade eine Rolle spielen. ich werde sie hier nicht aufzählen, aber selbst ich habe schon lange vor diesem Projekt Romane gelesen, in denen Schokolade (sogar im Titel) vorkam.

Damit wünsche ich Euch jetzt einen fröhlichen und genußreichen Abend!

Zu Quetzalcoatl gibt es übrigens eine Fernsehdokumentation im ZDF, die bis September 2027 verfügbar ist.
Auf YouTube gibt es ein Fernsehspiel zu Bartolomé de Las Casas und ich finde den Anfang schon sehr spannend – zu mehr hatte ich gerade keine Zeit.
Mehr zur langen Geschichte des Kakaos kann man hier, hier und hier.

18. Dezember – Muskat

Heute Abend sitze ich ein bißchen müde vor dem Computer. Die letzten Tage waren anstrengend, es gab wenig Pausen (und noch weniger Zeit für schöne Dinge). Aber gut, manchmal ist das so. Einfach so habe ich daher in eine Suchmaschine die Begriffe „Muskatnuss gegen Müdigkeit“ eingegeben. Witzigerweise gab es dazu sogar Treffer – tatsächlich scheint Muskatnuss gegen Müdigkeit zu helfen (nein, ich probiere das jetzt nicht aus). Einer der ersten Links führt zu einer Seite über Hildegard von Bingen nach der Muskatnuss dem Menschen ein klareres Denken bringt (und laut Erklärung damit gegen eine allgemeine Müdigkeit hilft). Andererseits soll etwas Muskatnuss gegen Stress und Schlafmangel wirken. Auch spannend. So soll das Öl der Muskatness tatsächlich auch bei Erschöpfung helfen.

Ich muß zugeben, dass ich über die Muskatnuss oder generall über den Muskatbaum wenig weiß oder zumindest bis vor ein paar Minuten wenig wußte. Ein Döschen mit gemahlener Muskatnuß steht natürlich in meinem Gewürzregal. Ich weiß auch, dass man davon nicht allzuviel nehmen sollte. Aber damit hört es auch schon auf. Dass es um die Muskatnuss zum Beispiel Kriege gab, war mir vor heute Abend nicht bekannt oder bewußt. Und ja, ich finde das spannend. Das hätte ich der Muskatnuss nicht zugetraut. Wirklich nicht!

Tatsächlich wuchsen Muskatnüsse sehr lange nur auf den Banda-Inseln, einer Inselgruppe im Archipel der Molukken. Nach Europa kam die Muskatnuss – die damals teuer und selten war – etwa ab dem Jahr 400 durch arabische und venezianische Händler, in Nordeuropa ist sie vermutlich seit dem 12. Jahrhundert bekannt, wirklich Verbreitung gefunden hat sie aber erst, als der Portugiese Vasco de Gama den Seeweg nach Indien entdeckt hat. Die Portugiesen „kontrollierten“ einige Jahrzehnte diese Gegend, bevor sie von den Niederländern vertrieben wurden. Die Niederländer konnten jedoch das von ihnen beabsichtigte Handelsmonopol für Gewürze nicht durchsetzen. So kam es zu einer gewaltsamen Vorgehensweise, die heute als Genozid angesehen wird. Dabei starben nicht nur viele Menschen, die Niederländer vernichteten wohl auch viele Muskatbäume. Immerhin erreichten sie so tatsächlich ein Monopol.
Das so erreichte Monopol durchbrach ein Franzose, Pierre Poivre (schöner Name, oder?), durch Raub und Schmuggel. So konnte er Muskatnüsse und Gewürznelken auf Mauritius und Réunion anbauen. Damit war das Monopol der Niederländer durchbrochen. Spannender als ein Krimi, oder?

Interessanterweise hat Amitav Ghosh ein Buch geschrieben, das sich mit dieser Geschichte beschäftigt. Ich habe es sogar (als Ebook) aber noch nicht gelesen. Ich glaube, ich sollte das bald nachholen. Und wer sich jetzt noch mehr für dieses Thema interessiert, dem möchte ich noch zwei Links ans Herz legen:
Noch bis zum 08.02.2025 kann man auf ARTE eine Doku sehen, in der die Muskatnuss eine wichtige Rolle spielt!
Und hier etwas zum Anhören, das auch mit der Muskatnuss und Geschichte zu tun hat.
Nachtrag: noch ein Link!
Und noch etwas zum Nachlesen.

Damit wünsche ich Euch einen schönen Abend und nachher eine gute Nacht.

17. Dezember – Esskastanie

Sie ist mir fremd, die Esskastanie und doch gehört sie zu Weihnachten oder zumindest zu den Weihnachtsmärkten. Noch vor ein paar Tagen habe ich sie (die Esskastanie) in Siegen auf dem mitelalterlichen Weihnachtsmarkt gesehen. Eine längere Schlange hatte sich vor dem Stand gebildet. Ein guter Duft lag in der Luft und doch hat mich das nicht gereizt. Tatsächlich verbinde ich kulinarisch recht wenig mit Esskastanien. Das mag aber mehr an mir liegen als an ihr. Eine wirklich gute Erinnerung gibt es – an kandierte Esskastanien (sogenannte Marrons glacés). In meiner Kindheit hatte eine Arbeitskollegin meines Vaters meinen Eltern eine Schachtel Marrons glacés geschenkt, ich durfte probieren und war hingerissen. Als ich viele Jahre später das Wintersemester in Frankreich verbrachte, habe ich diese Leckerei in den französischen Geschäften gesucht und (neben ein paar anderen Spezialitäten) Weihnachten mit nach Wuppertal gebracht. Wiederum viele Jahre später habe ich meiner Mutter und mir eine kleine Schachtel von einer Konditorei am Bodensee schicken lassen. Mittlerweile ist es etwas einfacher geworden, sie zu finden. Vielleicht ist meine Erinnerung auch stark damit verbunden, dass es ein sehr seltener Genuß war. Wer weiß.

Gerade erst habe ich gelernt, dass zwar jede Marone eine Esskastanie ist, aber nicht jede Esskastanie eine Marone. Spannend. Mir fehlt für diesen Baum völlig das Grundwissen. Für die Römer war die Esskastanie eine Delikatesse – was die spannnende Frage aufwirft, wie sie die Esskastanie zubereitet haben. Im Laufe der Zeit wurde die Esskastanie dann jedoch ein Grundnahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung, sozusagen das Brot der armen Leute. Dabei rechnete man einen Baum pro Mensch, denn ein Mensch braucht circa 150 bis 200 kg Esskastanien, ein Baum bringt eine Erntemenge von circa 100 bis 200 kg.

Interessant ist, dass Hildegard von Bingen sich mit Esskastanien auseinandergesetzt hat. So empfiehlt sie bei Herzschmerz und Traurigkeit den Verzehr roher Edelkastanien. Essbar sind sie wohl auch roh, aber nicht unbedingt eine Delikatesse. Ob Hildegard von Bingen das selber probiert hat? Ich wage es, das zu zu bezweifeln!

Tatsächlich haben es die Esskastanien auch in unsere alltägliche Sprache geschafft. Bei „die Kastanien aus dem Feuer holen“ habe ich nie darüber nachgedacht, wo dies herkommt. Tatsächlich geht es um Esskastanien und Grundlage dafür ist die Fabel „Der Affe und die Katze“ von La Fontaine (der übrigens in den Musketierromanen von Alexandre Dumas einen Auftritt hat……). Aus der Schweiz (wohl aus dem Tessin) kommt ein Märchen, in dem Esskastanien eine Rolle spielen und ein Märchen über einen Kastanienkönig gibt es auch.

Ich selbst werde den Esskastanien demnächst mal eine Chance geben – ich habe eine Packung Esskastanien gekauft und werde mal überlegen, was ich damit ausprobieren kann. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen fröhlichen Abend – auch ohne rohe Esskastanien!

16. Dezember – Granatapfel

Was ist am Granatapfel eigentlich weihnachtlich? Diese Frage habe ich mir vorhin im Bus tatsächlich gestellt. Und interessanterweise hat sich jemand anderes im Internet auch schon diese Frage gestellt.

Meine Antwort: Granatäpfel sehen ein bißchen so aus wie überdimensionierte rote Weihnachtskugeln, der Saft hat ein schönes weihnachtliches rot und – viel wichtiger – mein erstes Rezept mit einem Granatapfel war Teil eines weihnachtlichen Abendessens – ein Granatapfelsalat mit Frühlingszwiebeln und Minze, auf Ziegenkäsescheiben angerichtet. Ein sehr leckeres Essen!
Die Antwort im verlinkten Beitrag sah etwas anders aus und hat mich dann auch zur weiteren Recherche angeregt. Angefangen mit der Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald, die mit drei Fingern einen Granatapfel hält (den ich allerdings ziemlich klein finde……) bis hin zu moderner Kunst, die dieses Werk zitiert oder mit Granatapfelmaterial Neues schafft. Nicht zu vergessen eine sehr schöne Zeichnung eines Granatapfels mit Schmetterlingen von Maria Sybilla Merian.

Eigentlich weiß ich ziemlich wenig über den Granatapfel – er ist spät in mein Leben gekommen. Schließlich mußte ich auch erst lernen, wie ich an die Kerne im Inneren komme, ohne die Küche in ein rotes „Schlachtfeld“ zu verwandeln. Die Methode, die Kerne in einer Schüssel mit Wasser herauszulösen, funktioniert für mich gut. Immerhin.

Aber von vorne: wir könnten darüber diskutieren, ob der Baum der Erkenntnis (der ja kein Apfelbaum war), vielleicht ein Granatapfelbaum war. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wir könnten auch darüber nachdenken, wofür der Granatapfel ein Symbol war oder ist. Das ist schon leichter. Beispielsweise: Leidenschaft und Auferstehung, Wohlstand, Überfluss und Fruchtbarkeit. Beim jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashanah spielt der Granatapfel – als Zeichen für Fruchtbarkeit – auch eine große Rolle. Man könnte den Granatapfel daher auch als „jüdischste Frucht“ bezeichnen. Der perfekte Granatapfel soll übrigens 613 Kerne haben – dies würde der Anzahl der Gebote in der thora entsprechen. 600 bis 700 Kerne können es wohl sein – ich habe sie noch nie gezählt (und kann mir das Zählen auch nicht vorstellen…..), andere Menschen haben das aber durchaus getan!

Und weil ich heute (mal wieder) spät dran bin, kann ich nur kurz erwähnen, dass der Granatapfel mit seinem lateinischen Namen auf eine Herkunft aus Phönizien hinweist. Was es aber gibt – viele schöne Märchen und Geschichten, die mit Granatäpfeln zu tun haben. Zum Beispiel, warum Granatäpfel rot werden, über eine Fee aus dem Granatapfel, über das Wunder des Granatapfelkerns, über einen wundersamen Granatapfelbaum und über die Granatäpfel. Eine faszinierende Auswahl aus unterschiedlichen Regionen.

Damit wünsche ich Euch für heute einen guten Abend mit vielen wunderbaren Gedanken und Träumen!

15. Dezember – Pflaume

Eigentlich wollte ich die Pflaume auslassen. Auf meiner Liste steht sie zwar, aber in Verbindung mit Weihnachten fiel mir nicht viel zu ihr ein. Oder besser: das, was mir sofort einfiel, habe ich erst einmal nicht bekommen und das war dann eher ein „Frustereignis“. Das änderte sich gestern Abend. Wieder einmal lief ich durch den Supermarkt meines Vertrauens. Wieder einmal schaute ich in der Süßwarenabteilung ob dieses eine Produkt da war. Und da stand es: untere Reihe, in der Mitte eines langen Regals, nicht ganz vorne: Pflaume in Madeira!

Pflaume in Madeira (mit Marzipan!) gehört für mich seit vielen Jahren zu Weihnachten und zum Weihnachtsteller. Meine Nenntante (eine Nachbarin und Freundin meiner Mutter aus der Zeit meiner Kindheit), die viele Jahre mit meiner Mutter und mir Weihnachten gefeiert hat, hat damals die erste Packung mitgebracht.

Als ich darüber nachdachte fielen mir auch zwei weitere winterliche Köstlichkeiten ein: Zimteis mit Pflaumensauce (gab es früher „fertig“ als Sterne) und ein (ebenfalls fertiges) leicht alkoholisches Getränk, das auf einer Basis von Pflaumenwein beruhte und warm (oder heiß?) getrunken wurde. Beides hatte ich schon lange nicht mehr, aber mit etwas „Recherche“ müsste ich eigentlich ähnliche Rezepte finden können. Ihr wißt also, was ich demnächst machen werde…….

Der Pflaumenbaum soll – wie so viele andere Bäume – ursprünglich wohl aus Asien stammen. In China wurden Pflaumenbäume schon vor 2000 Jahren kultiviert – wobei es sich vermutlich noch nicht um „unsere“ Pflaumen handelte. Diese könnten nämlich eine Kreuzung zwischen Schlehe und Kirschpflaume sein. Wie auch immer – schon Karl der Große nahm die Pflaume in die Liste der Bäume und Pflanzen auf, die in seinem Reich angebaut werden sollten. Unklar ist, ob er damit nur das wärmere „Aquitanien“ meinte, da auf dieser Liste auch Melonen, Mandeln und Feigen enthalten sind, die in unseren Breitengraden nicht oder zumindest nicht so gut wachsen. Unklar ist aber auch, ob Karl der Große dieselben Bäume und Pflanzen im Sinn hatte, die wir heute mit den von ihm gewählten Bezeichnungen verbinden. Eine botanische Systematik gab es damals noch nicht, erst circa 1000 Jahre später erstellte Carl von Linné eine solche.

Die Pflaumenblüte trotzt übrigens der Kälte, man kann sie daher gleichzeitig als Symbol für Anmut und Resilienz sehen. Tatsächlich blüht die Pflaume oft schon im März, noch bevor sie Blätter hat. Ein echter Frühblüher!

Beim Lesen bin ich auch über einen Kinderreim gestolpert, den meine Mutter oft aufgesagt hat. Vielleicht kennt Ihr ihn auch: „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen….“.
Den Pflaumentoffel hingegen kannte ich nicht. Er ist im Prinzip ein weihnachtlicher Glücksbringer aus Backpflaumen, der eng mit dem Dresdner Striezelmarkt verbunden ist. Die Geschichte vom Pflaumentoffel kann man hier nachlesen.

Lesen ist ein gutes Stichwort! Bertolt Brecht hat ein Pflaumenlied (Ballade) und ein Gedicht mit dem Titel „Der Pflaumenbaum“ geschrieben. Überhaupt taucht der Pflaumenbaum in vielen Buchtiteln auf – im Gedichtband „O pruniers en fleur“ des japanischen Meister Ryokan, im Roman „The Plum Trees“ von Victoria Schorr, in dem es eine Familiengeschichte im Holocaust geht, ein ähnliches Thema hat der Roman „The Plum Tree“ von Ellen Marie Wiseman, um eine historische Familiengeschichte geht es im Buch „Pflaumenregen“ von Stephan Thome und der Roman „Mission Pflaumenbaum“ von Jens Wonneberger war 2020 sogar auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Und das ist nur eine kleine Auswahl. Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit drei Märchen in denen Pflaumen irgendwie vorkommen – nämlich im Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, in „Die drei Wünsche“ und in „Pflaumen gegen Staub“.

Damit wünsche ich Euch einen märchenhaften Abend voller Anmut und Resilienz – ich werde mir gleich eine Pflaume in Madeira gönnen!

14. Dezember – Walnuss

Ein paar Bäume aus meiner Liste schiebr ich schon seit ein paar Tagen vor mir her – Zimt zum Beispiel oder auch Kakao. Glücklicherweise habe ich noch genug Auswahl. Und da ich heute auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt ein Walnussbrot gekauft habe, nehme ich heute erst einmal die Walnuss.

Walnüsse gehören für mich ganz eng zu Weihnachten – und anscheinend nicht nur für mich, wie ich hier lesen konnte. Nicht nur als Gabe auf dem Weihnachtsteller, sondern auch als Schmuck für den Tannenbaum. Mein Vater hat in meiner Kindheit Walnüsse geknackt (noch nichts Überraschendes), die Walnussschalen dann zusammengeklebt ((mit einer Art Öse) und diese Walnüsse dann mit silberner oder goldener Farbe versehen. Diese Walnüsse (die ich immer noch besitze, aber seit vielen Jahren nicht mehr verwende) hingen in meiner Kindheit und Jugend immer am Weihnachtsbaum.

Der wohl ursprünglich aus Mittelasien stammende Baum, den man gelegentlich auch als „Welsche Nuß“ bezeichnet, ist in unseren Breiten gut verwurzelt und das im doppelten Sinne. Einmal, weil der Walnussbaum nicht mehr wegzudenken ist und zum anderen weil er sehr kräftige und tiefgründige Pfahlwurzeln hat. Aus der Bezeichnung „Welsche Nuss“ (weil die Nuss aus Italien und Frankreich eingeführt wurde und damit eine „fremdländische Nuss“ war) wurde übrigens die Bezeichnung Walnuss.

Im antiken Griechendland war die Walnuss die Speise der Götter war (sie war sogar Zeus persönlich geweiht), gleichzeitig war sie auch dort auch ein Symbol für Reichtum. Im Römischen Reich waren Walnussbäume wegen ihrer Langlebigkeit – sie können problemlos 200 Jahre alt werden, manche erreichen sogar 500 oder 1000 Jahre – heilige Bäume. In manchen Gegenden wurde sie auch für Hochzeitsbräuche verwendet. Doch auch im deutschen Sprachraum gibt es Bräuche, die sich mit ihr beschäftigen. In Schlesien gibt es zum Beispiel ein Weihnachtsorakel – man bekommt an Heiligabend nach dem Essen vier Nüsse überreicht, wenn jemand eine taube Nuss bekommt, so bedeutet das Mißgeschick und Unglück (Notiz an mich: Heiligabend keine Walnüsse!).

Übrigens hat Goethe zwei Walnussbäume im Werther erwähnt – ein Zufallsfund bei meinen heutigen Recherchen! Und während dort die Walnussbäume verschwinden, erobern sie heute – ohne menschliches Zutun – Westfalen. Wer hätte das gedacht!
Im Ort Winterhausen soll es dagegen über 1000 Walnussbäume geben. Eine stattliche Zahl. Wie sie dahingekommen sind? Das ist Gegenstand einer Legende, die hier erzählt wird. Schöne Rezepte – ich mag ja Salate mit Walnüssen – gibt es auf der Seite auch. Da werde ich in den nächsten Tagen mal ein bißchen stöbern…..

Jetzt wünsche ich Euch einen genußreichen Abend und wie man sieht steckt in „Genuß“ auch irgendwie eine „Nuß“…….

13. Dezember – Piment

Am frühen Abend habe ich einen kurzen Spaziergang über den Bochumer Weihnachtsmarkt gemacht. Rund um die Pauluskirche gibt es einen kleinen Mittelaltermarkt und dort auch einen Tee- und Gewürzstand. Und bei den Gewürzen konnte ich nicht widerstehen. Vor allem ein Tütchen „orientalisches Kaffeegewürz“ hatte es mir angetan. Dieses Kaffeegewürz enthält auch Piment. Damit stand dann auch fest worüber ich heute schreibe: über Piment!

Christoph Kolumbus entdeckte auf seiner zweiten Reise in die „neue Welt“ diesen Baum, der Schiffsarzt Diego Alvarenz Chanca gab dem Baum seinen Namen „Piment“ – anscheinend verwechselten die Spanier die Beeren mit Pfefferfrüchten und nannten sie deshalb „pimienta“ (Pfeffer), was sich später zu „pimento“ veränderte. Das von ihm benannte Gewürz war jedoch kein Pfeffer, sondern eher eine merkwürdige geschmackliche Mischung aus Pfeffer, Zimt, Nelke und Muskatnuß. Weil der Baum auf Jamaica heimisch ist, nennt man das Gewürz auch Jamaicapfeffer, bei uns ist auch der Name „Nelkenpfeffer“ gebräuchlich. In der englischsprachigen Welt wurde das Gewürz ab ungefähr 1612 aufgrund seiner geschmacklichen Nuancen als „Allspice“ bezeichnet. Dieser Begriff hat mir vor einigen Jahren bei englischsprachigen Rezepten etwas Kopfzerbrechen bereitet. Ich dachte immer, dass es sich um irgendeine Gewürzmischung handelt (im Hinblick auf die Aromen lag ich ja nicht ganz falsch), auf die Idee den Begriff im Wörterbuch nachzuschlagen, bin ich nicht gekommen…….

Der Schiffsarzt Diego Alvarez Chinca hat jedenfalls auf dieser Reise die Fauna und Flora der neuen Welt beschrieben, unter anderem hat er auch den Begriff „Capsicum“ für Chili entwickelt (liebe ich sehr). Umso spannender, dass ich heute beim Thema Piment über ihn gestolpert bin. Seine Briefe – in denen er die Natur der neuen Welt beschreibt – kann man übrigens im Internet (in englischer Übersetzung) nachlesen. Das werde ich bei Gelegenheit einmal machen. Viel ist über ihn sonst anscheinend nicht bekannt – aber mit Piment und Chili hat er kulinarisch etws Wichtiges in die europäische Küche gebracht.

Das Gewürz wurde jedoch schon lange vor Ankunft der Spanier verwendet – Maya und Inka verwendeten Piment wohl für ihre Schokoladengetränke, wobei man sich diese Getränke anders vorstellen muß als unsere Schokolade heute. Rein vom Duft her kann ich mir ein Getränk mit Piment schon sehr gut vorstellen – Schokolade paßt für mich halt nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Interessanterweise wird Piment – vor allem auf Jamaica – auch als Heilpflanze eingesetzt: zum Beispiel als Tee gegen Erkältungsbeschwerden und gegen Schmerzen aller Art. Das „Allgewürz“ ist wirklich vielseitig! Immerhin habe ich auch ein paar Rezepte gefunden, in den Piment nicht nur in sehr kleinen Mengen vorkommt, mal schauen, wann ich dazu komme eines dieser Rezepte auszuprobieren.

Damit wünsche ich Euch einen gut gewürzten Abend!

12. Dezember – Feige

Jahrelang gehörten getrocknete Feigen bei mir zum Weihnachtsteller. Es war auch ehrlicherweise die einzige Zeit im Jahr zu der ich damals Feigen gegessen habe. Dann kam das Jahr 2008 und Violetta – eine kleine Bayernfeige – zog bei uns ein. Erst in einem kleinen Topf auf die Terrasse, im Jahr darauf in den Garten. Ich hatte kurz vorher in Düsseldorf bei einer Veranstaltung in einem Garten einen Feigenbaum gesehen und die Blätter bewundert. Und dachte: wenn das in Düsseldorf geht, dann könnte das auch in Wuppertal funktionieren. Im ersten Jahr hat Violetta natürlich keine Feigen getragen. Das hat sich aber schnell geändert. Mittlerweile – Violetta ist ein stolzer und sehr ausladender Baumteenager geworden – ernte ich weit über 100 Feigen in der Zeit ab Mitte August bis Oktober, in manchen Jahren sogar mehr und länger. Es hängt natürlich alles vom Wetter ab – denn nicht alle Früchte werden auch reif. Doch klar ist: bei so vielen Feigen habe ich nicht mehr wirklich das Bedürfnis, getrocknete Feigen zu kaufen und zu essen – was im Hinblick auf weihnachtliche Rituale natürlich schade ist. Mal sehen, ob ich dieses Jahr doch ein Päckchen getrocknete Feigen kaufe!

Mein Feigenbaum ist natürlich zauberhaft.

Zweige eines Feigenbaums mit ein paar Feigen.

Sage ich so – ganz unbescheiden. Im Sommer streiche ich oft über seine großen und samtigen Blätter und verfolge das Wachstum der kleinen Feigen bis zur Reife mit großer Begeisterung. Aber was er nicht ist: verzaubert. Denn: es gibt verzauberte Feigenbäume! Wirklich! Hier zum Beispiel – in einem spanischen Märchen und hier geht es auch nicht ganz mit rechten Dingen zu. Doch immerhin passt zu diesen Geschichten, dass die Feige unter anderem für Wohlstand und Lebensfreude steht. Die Feige spielt sogar in der Bibel eine Rolle – eine wichtige sogar – Adam und Eva bedecken in der Schöpfungsgeschichte mit ihren Blättern (die ziemlich groß sind!) ihre Nacktheit (Vers 7). Damit hat sie sogar dem Apfel etwas voraus – die biblische Rolle!

Doch auch in der Literatur konnte ich sie finden und das sogar in Büchern, die mich sehr interessieren. Gleich zwei Bücher haben mit dem Thema Bürgerkrieg zu tun – einmal mit dem Bürgerkrieg in Spanien und einmal mit dem Bürgerkrieg auf Zypern. Sehr unterschiedliche Geschichten, verbunden durch den Feigenbaum.

Ob es in diesen Geschichten ein glückliches Ende gibt? Wie ich jetzt darauf komme? Ganz einfach, die Feige soll der Ursprung für das Herzsymbol sein, das wir alle kennen. Nach einer anderen Theorie könnte das Herzsymbol auch vom Feigenblatt abgeleitet sein. Wie auch immer – Feige und Herz gehören untrennbar zusammen! Ein schöner Abschluß für diesen Beitrag!

Damit wünsche ich Euch von ganzem Herzen einen schönen Abend!

11. Dezember – Kaffee

Für viele Menschen gehört der Kaffee zu den täglichen Ritualen – wobei Ritual oft nicht der richtige Begriff ist, da das Ritual für mich etwas „Besonderes“ hat, das tägliche Kaffeetrinken gehört nicht unbedingt dazu. Ohnehin trinke ich meistens eher Tee. Wenn ich – was selten ist – einmal Kaffee trinke, dann muß es ein besonderer Moment oder ein besonderer Genuß sein. Ein guter Milchkaffee, ein Kaffee auf der Terrasse eines schönen Restaurants – all das genieße ich dann. In einem Buch habe ich vor einigen Jahren eine interessante Unterscheidung zwischen den Kaffeetrinkern und den Teetrinkern gefunden: Für Kaffeetrinker ist Zeit ein Pfeil, der Moment kehrt nie zurück. Für Teetrinker ist Zeit ein Kreis – alles wiederholt sich irgendwann und deshalb gibt es auch keine verpaßten Gelegenheiten. Unter uns: das sich etwas wiederholt, kann auch etwas von einem „Fluch“ haben. Aber trotzdem: ich mag den Gedanken und bin tatsächlich auch in dieser Hinsicht Teetrinkerin!
Übrigens habe ich darüber im Jahr 2013 auch einen kleinen Adventskalenderbeitrag geschrieben.

Tatsächlich sind manche der Geschichten, die sich um den Kaffee ranken, viel spannender und dramatischer als Geschichten, die mit Tee zu tun haben. Ich denke da zum Beispiel an das Buch „Der Kaffeedieb“ von Tom Hillenbrand. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich es gelesen habe – aber ich fand es spannend. Hier kann man die ersten Seiten dieses Buches lesen.

Was ich tatsächlich auch spannend finde – wie unterschiedlich die regionalen Gebräuche rund um das Kaffeetrinken sind. Es gibt auf der Welt unzählige Rituale und Zubereitungsarten. Angefangen mit Äthiopien, über den arabischen Kaffee – den ich beim Beitrag zu Kardamom schon erwähnt habe – bis hin zum französischen Café au lait in der großen Tasse. Immer wieder anders, immer wieder besonders.

Theoretisch könnte man einen eigenen Kaffeebaum auch zuhause heranziehen – sogar bis zur eigenen Ernte. Eine Anleitung dazu gibt es hier – für mich klingt das aber schon nach einigen Anforderungen, die ich vermutlich nicht oder zumindest nicht regelmäßig genug erfüllen würde. Da überlasse ich lieber anderen Menschen die Kaffeezucht und kümmere ich eher um das Genießen des Kaffees als Getränk, Gebäck oder in einer literarischen Form.

Gerade habe ich noch entdeckt, dass sich das deutsche Wort „Kaffee“ vom arabischen „Kahwe“ oder „Qahwa“ ableitet, was so viel wie Lebenskraft oder Stärke bedeutet. Eine schöne Bedeutung und gleichzeitig auch eine sehr interessante Seite über die Geschichte des Kaffees. Eine andere Geschichte erzählt Laia RiCa in ihrer Performance „Kaffee mit Zucker“ – auf ihrer Webseite kann man den Trailer zum Stück sehen. Geschichten wie „Der Kaffeetopf des Riesen“ oder „Fliedermüttcherchen“ (in dem auch Kaffeebohnen vorkommen) bringen wieder eine andere Seite dazu. Kaffee ist halt – trotz seiner Alltäglichkeit – sehr vielfältig.

Damit wünsche ich Euch einen guten Abend!

9. Dezember – Aprikose

Die Aprikose ist – wenn man ihren wissenschaftlichen Namen ernst nimmt – eine armenische Pflaume. Daran ist manches bemerkenswert. Die Aprikose ist eines von Armeniens Nationalsymbolen. Wie sie nach Armenien kam? Noah ist schuld. Nach einer Erzählung strandete die Arche auf dem Berg Ararat und Noah verließ die Arche. Dabei hat er beim Abstieg ins Tal – wohl versehentlich – Aprikosensamen fallen lassen. Der Aprikosenbaum wollte Noah auf sich aufmerksam machen, um nicht vergessen zu werden und hat deswegen erst einmal Blüten entwickelt, bevor er Blätter bekam. Noah sah den Aprikosenbaum und beschloss aber, den Baum dort stehen zu lassen. Jedes Jahr blühte nun der Aprikosenbaum auf dem Berg Ararat. Viele Jahre später – als König Torgom herrschte – sollte es auf dem Ararat Schnee geben. Da beschloß der König die Samen des Aprikosenbaums im ganzen Land zu verteilen. Auf diese Weise rettete König Torgom den Aprikosenbaum vor dem Aussterben und verwandelte Armenien in ein Aprikosenland.
Wissenschaftlich betrachtet kommen wohl eher China oder Indien als Ursprungsländer der Aprikose in Betracht. Eine Webseite vermutet sogar, dass die Bezeichnung als „armenische Pflaume“ einfach nur ein Irrtum ist. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sicher ist jedoch, dass Alexander der Große die Aprikose nach Europa mitbrachte.

Sicher ist auch, dass die Aprikose mehrere unterschiedliche „Namen“ hat. In Österreich und da natürlich vor allem in der Wachau wird sie als Marille bezeichnet. In Deutschland eher als Aprikose. Interessant fand ich den Erklärungsversuch einer Schweizer Seite – hinter der Aprikose steckt eine sprachliche Abwandlung des Begriffs für „frühreifer Pfirsich“ beziehungsweise „die Frühreife“, während hinter der Marille eine Abwandlung des Begriffs „die Armenische“ steckt. Die Wortgeschichte ist sehr spannend und abenteuerlich!

Wirklich überrascht hat mich, dass die Aprikose es sogar in Kinderreime und Gedichte geschafft hat. Der Reim „Ringel, Rangel, Rose – schöne Aprikose“ war mir jedenfalls unbekannt, auch das Traumliedchen von Christian Morgenstern mit den Zeilen „Der eine, der trägt Rosen, der andre Aprikosen!“ kannt ich nicht (Seite 10 in diesem PDF) und das Gedicht „The consolation of apricots“ von Diane Ackerman finde ich auch sehr ansprechend.

Gleichzeitig gibt es ziemlich viele Bücher, die irgendwie im Titel mit Aprikosen zu tun haben. Krimis wie „Tödliche Marillenzeit“ oder „Der Marillenknödelmord„, anrührende Geschichten wie „Tomorrow there will be apricots“ (das übrigens eine sehr schöne kulinarische Sprache hat – ich lese das Buch gerade) und literarische Raritäten wie „Der Geschmack von Aprikoseneis“ – einem Buch, das in 1000 Tweets von einer Reise in das Herkunftsland des Autors erzählt. Eine Leseprobe zum Buch gibt es übrigens hier.

Morgen werde ich wahrscheinlich Plätzchen mit getrockneten Aprikosen backen – ein neues Rezept, das gut klang. Getrocknete Aprikosen gehören für mich tatsächlich zur Weihnachtszeit – sie waren immer auf meinem bunten Teller. Dieses Jahr werden sie dann zusätzlich auch noch in den Plätzchen da sein und mich an sonnige Zeiten denken lassen. Nicht umsonst werden Aprikosen in Persien als „Eier der Sonne“ bezeichnet, von persischen Dichtern wurden sie sogar als „Samen der Sonne“ bezeichnet. Eine sehr schöne Bezeichnung!

Mit diesen poetischen Gedanken wünsche ich Euch einen schönen Abend und morgen einen sonnigen und schönen Tag.