S wie Stille

Stille Nacht – so heißt es in einem Lied, aber was wenn es in der Nacht gar nicht still ist? Gerade habe ich die ersten Seiten von Otfried Preußlers „Flucht nach Ägypten“ gelesen und ich finde es herrlich, Dinge einfach mal „auf den Kopf zu stellen“. Wenn also der Weg von Bethlehem nach Ägypten über das Königreich Böhmen führt, warum sollte es dann in der „historischen“ Nacht und dementsprechend in den alljährlich nachfolgenden „Nächten“ still sein? Nicht, daß ich die Stille nicht schätze – ganz im Gegenteil! Aber ist die Idee von der „stillen Nacht“ nicht eher ein Mythos, ein frommer Wunsch? Eine kleine Stadt, die wegen einer Volkszählung völlig überlaufen ist. Alle Herbergen sind voll, alle Zimmer belegt. Und da soll es still sein? Was ich mir eher vorstellen kann: der Stall als Rückzugsort der „relativen“ Stille. Ungesehen und ungestört von anderen Menschen ist der Stall ein besonderer Ort – für eine besondere Geschichte. Wir können als Leser die anderen Menschen (mit Ausnahme der Hirten und der drei Könige) ausblenden und indem wir uns auf diesen Raum – nur mit Ochse und Esel – konzentrieren, können wir das Gefühl der Stille empfinden. Eine erzählende Stille, die uns für den Zauber der Geschichte empfänglich macht. Und während ich hier im stillen Zimmer sitze, eilen meine Gedanken in die nächste Woche voraus und ich freue mich auf ein paar ruhige und eher stille Tage, in denen ich den Zauber dieser Zeit genießen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen zauberhafte stille Momente.

R wie Rentier

Ich mag Rentiere, genauer gesagt Rentiere und Elche, denn ich kann sie wirklich nicht auseinanderhalten (wobei ich sie in Natur auch noch nie nebeneinander gesehen habe). Überhaupt: wer zieht denn nun offiziell den Schlitten? Rentiere oder Elche? Diese Frage fand ich schon immer verwirrend, denn einerseits gibt es da das rotnasige Rentier Rudolph, andererseits packt ein Elch in einem Buch aus. Ja, Rentiere und Elche gehören für mich zur Advents- und Weihnachtszeit einfach dazu – auf Karten, in Filmen (wie z.B. Annabelle und die fliegenden Rentiere) und auch in Büchern. Nicht alle dieser „Darstellungen“ sind weihnachtlich romantisch oder nostalgisch – und gerade die kritisch-satirische Auseinandersetzung mit Weihnachten und den weihnachtlichen Symbolen und Bildern macht mir immer wieder Spaß. Beides zusammen – die nostalgische und die kritisch-satirische Darstellung – entspricht meinem Bild von der Advents- und Weihnachtszeit, aber auch vom Leben allgemein und von den Menschen. Es ist schön Traditionen zu pflegen und alte Geschichten weiter zu erzählen – dazu gehören die Rentiere vor dem Schlitten. Es ist aber genauso wichtig, Traditionen zu hinterfragen und zu kritiseren – nur eine Tradition, deren Sinn mir einleuchtet – die also im wahrsten Sinne des Wortes „sinnvoll“ ist, werde ich auch leben. Dazu gehören für mich alte Rezepte, Bräuche wie Barbarazweige und Weihnachtsmarkt und viele alte Geschichten. Es ist aber auch immer Platz für Neues da – neue Entdeckungen, neue Rezepte und neue Geschichten und Gedanken. So entsteht – jedes Jahr aufs Neue – ein dynamischer Austausch zwischen Bewahren und Bewähren, alt und neu, Rentieren und Elchen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen Mut und Freude daran, Altes und Neues auszuprobieren, zu mischen und zu genießen!

Q wie Qualität

Qualität und Adventszeit? Das klingt auf den ersten Blick nach einer absonderlichen Kombination. Aber bei einem zweiten Blick entdeckt man vielleicht, daß in dem Wort „Qualität“ das Wort „Qual“ versteckt ist. Und schon paßt es! Vieles in der Advents- und Weihnachtszeit hat mit dem ehrlichen Bemühen zu tun – mit dem Bemühen, das durchaus auch quälend sein kann: das Üben von Musikstücken, das Proben von Krippenspielen und Lesungen, das Auswendiglernen von Gedichten, das Basteln und Backen. Überall (und nicht zuletzt in irgendwann ordentlich aufgeräumten Zimmern) steckt viel Arbeit drin – viel Bemühen, viel Durchhalten und eben auch Qual. Gleichzeitig gibt es da auch die Qual der Wahl: welches Geschenk paßt zu wem? Welches Essen soll ich vorbereiten? Welche Getränke passen zum Essen? Auswählen ist immer schwierig – gerade auch bei Geschenken. Aber die Mühe um die gute Auswahl (also die „Qual-ität“) wird – wenn sie ehrlich ist und von Herzen kommt – sehr oft mit der ehrlichen Freude des Beschenkten belohnt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen viel Erfolg und Freude beim Bemühen um die richtige Auswahl!

P wie Piano

Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne Musik? Auch wenn der Musikgeschmack bei uns Menschen doch sehr unterschiedlich sein kann, so mögen doch die meisten Menschen eine mehr oder weniger „laute“ musikalische Untermalung. Sachte, sachte – also „piano piano“ möchte ich da manchmal dem einen oder anderen zurufen. Denn auch wenn für mich Musik dazugehört, so bin ich doch eher für die leisen und stillen Genüsse zu haben. Leise und langsam – ein gedankliches Genußtraumpaar gerade in der Advents- und Weihnachtszeit. Die Idee, etwas langsam und leise zu genießen, hat für mich einen großen Reiz. Es ist allerdings auch eine Herausforderung, sich die Zeit für die langsamen und leisen Genüsse zu nehmen. Schon das Schreiben dieser wenigen Zeilen rutscht oft bedenklich spät in den Abend, gleichzeitig ist es mein gedanklicher Ruhepol – ein kleiner Genuß, den ich mit Euch/Ihnen teile.

Nur noch eine Woche und die Adventszeit liegt schon wieder hinter uns. Die Zeit wird wahrscheinlich – wie eigentlich jedes Jahr – furchtbar schnell vergehen. Aber ein paar langsame und leise Momente – egal ob alleine oder im Familien- oder Freundeskreis – sind immer möglich und immer wieder schön!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen langsame und leise Genußmomente!

O wie Orange

Die Advents- und Weihnachtszeit verbinde ich gedanklich mit vielerlei schönen Genüssen und Düften. Vieles kommt dabei aus fernen Ländern – zum Beispiel Orangen, Feigen, Datteln, Zimt und Nelken. Faszinierend, daß vieles davon schon seit vielen vielen Jahren „dazu“ gehört – die Advents- und Weihnachtszeit sozusagen als Gipfel der fernen (ja, sogar exotischen) Genüsse? Irgendwie schon! Auch wenn ich mittlerweile das ganze Jahr über „genieße“, so empfinde ich doch gerade im Dezember ein ganz besonderes Vergnügen am Ausprobieren ferner und edler Zutaten. Es ist, als ob ich so die Dunkelheit und die karge Schönheit der Natur (die ja oftmals schon schneebedeckt ist), ausgleichen kann. Der Duft von Zimt und Orangen, der Geschmack von Datteln und Feigen bringt ein bißchen Süden und Wärme in das Zimmer.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen eine warme und wundervoll duftende Zeit.

N wie Nußknacker

Zur Adventszeit gehören Nüsse – Walnüsse, Haselnüsse, Paranüsse und natürlich auch ein Nußknacker. Zugegeben, ich bin eher selten in der Lage eine Nuß so zu knacken, daß sie „hinterher“ wirklich schön aussieht. Entweder ich bekomme die Schale erst gar nicht auf oder alles zerspringt in tausend Teile. Irgendwie habe ich bisher noch nicht den „perfekten“ Nußknacker gefunden. Wer weiß, vielleicht liegt es ja auch daran, daß mein Nußknacker genauso wie der Nußknacker von E.T.A. Hoffmann ein geheimes nächtliches Leben führt und tagsüber einfach müde ist. Und die Advents- und Weihnachtszeit ist ja gerade die Zeit, wo die merkwürdigsten Dinge passieren können. Natürlich könnte mich jetzt einfach mal an einem Abend auf die Lauer legen und neugierig beobachten, was sich so tut. Aber entschwindet nicht der Zauber der Vorstellung, wenn man zuviel weiß? Ist die phantastische Möglichkeit nicht manchmal schöner als das Wissen? Lieber werde ich also mein Buch von E.T.A. Hoffmann zur Hand nehmen und die wunderschöne Geschichte von Nußknacker und Mausekönig noch einmal lesen und mich ganz dem Zauber der Geschichte und den unbegrenzten Möglichkeiten der Phantasie hingeben.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen eine phantastische und phantasievolle Zeit!

M wie Mitternacht

Es gibt sie, die magischen Momente! In der Advents- und Weihnachtszeit hat die „Mitternacht“ etwas Faszinierendes für mich. Wenn ich das Licht ausmache und nach draußen schaue, sehe ich in Gärten und Häusern ganz viele Lichter leuchten – je später, desto schöner. Und so genieße ich gerade um Mitternacht gerne diesen Blick nach draußen. Wobei die Lichter heute eher stören, denn heute könnte ich – bei wolkenlosem Himmel – vielleicht sogar ein paar Sternschnuppen sehen. Ob es mir wohl gelingt, den Blick auf eine Sternschnuppe zu erhaschen? Gegen Mitternacht werde ich es sicherlich probieren!

Auch Ebenezer Scrooge – der hartherzige Geizhals aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens zählt zwölf Glockenschläge, als er – vor dem Besuch des ersten Geistes – aufwacht. Noch eine Stunde muß er bis zum Besuch des ersten Geistes warten – ich kann mir gut vorstellen, wie lang ihm diese Zeit vorkam. Aber sein Warten ist erfolgreich und der Besuch der Geister macht einen neuen fröhlichen Menschen aus ihm. Zwei seiner Reisen können wir auch tun: wir können die vergangenen Weihnachten in unserer Erinnerung aufleben lassen und wir können das diesjährige Weihnachtsfest fröhlich und mit guten Wünschen für die Menschen um uns herum feiern. Nur die Reise in die Zukunft hat uns Scrooge voraus. Und wahrscheinlich ist das auch gut so!

Und während ich gleich nach einer Sternschnuppe Ausschau halten werde, wünsche ich Euch/Ihnen magische Momente – nicht nur um Mitternacht!

L wie Lob

Ich habe vor kurzem für jeden Buchstaben eine kleine Sammlung an Stichworten angelegt, damit ich am jeweiligen Tag einen für mich passenden Begriff zur Auswahl habe. Unter „L“ hatte ich so schöne Worte wie Licht, Luciafest, Lebkuchen und Lametta notiert. Und dann stand da noch: Lob. Ja, und genau bei diesem Begriff blieb mein Blick heute hängen. Durchaus eine Herausforderung, denn – wenn ich ganz ehrlich zu mir bin – so fällt es mir doch viel leichter, das berühmte Haar in der Suppe zu finden und zu kritisieren als zu loben. Loben? Spontan dachte ich an „lobpreisen“ – einen Begriff, den ich mit alten Kirchenliedern in Verbindung bringe. Jubelnd preisen, überschwänglich loben – einerseits paßt das zu Weihnachten, andererseits erscheint es kaum „alltagstauglich“. Ist es für den Alltag nicht zu dick aufgetragen, wenn man überschwänglich lobt? Wenn man „jubelnd preist“? Ist ein solches Lob ernstgemeint? Eine schwierige Frage finde ich. Was aber, wenn ich „Lob“ mit dem Zeigen der Dankbarkeit oder der Freude ersetze? Jubeln als gelebte und gezeigte Freude und Lob als gezeigte und gelebte Dankbarkeit – wäre das ein Weg diesen etwas sperrigen Begriffen näher zu kommen und sie alltagstauglich zu machen? Eine spannende Frage, über die ich in den nächsten Tagen sicherlich nachdenken werde.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen eine freudige und dankbare Zeit!

K wie Kirschzweige

Schon seit letzter Woche stehen sie in der Vase – die Kirschzweige. Vor vielen Jahren habe ich in einem Schülerkalender etwas über den Brauch der „Barbarazweige“ gelesen und seitdem habe ich  immer mal wieder Kirschzweige in die Vase gesteckt – mal mit (blühendem) Erfolg, mal nicht. Zu den Zeiten als ein Kirschbaum „griffbereit“ vor der Haustür stand, war es natürlich einfacher, rechtzeitig an diesen Brauch zu denken. Dieses Jahr habe ich am 5. Dezember ein paar Kirschzweige erstanden – aber vielleicht wurden die Kirschzweige ja am 4. Dezember geschnitten. Jedenfalls stehen sie seit letzter Woche in der Vase und ich schleiche immer wieder argwöhnisch um die Vase herum, ob sich schon irgendwelche Veränderungen zeigen …… Aber bisher: Fehlanzeige!* Ob es dieses Jahr wohl mal wieder klappen wird?

Und während es draußen kalt und dunkel ist, hoffe ich drinnen im warmen Zimmer auf blühende Kirschzweige als Vorboten des bald wieder kommenden Frühlings – wunderschön passend zu der Tatsache, daß die Tage nun bald wieder länger werden. Blühende Vorfreude auf das neue Jahr – was könnte besser zur Adventszeit passen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen eine Adventszeit voller Vorfreude – mit oder ohne blühenden Kirschzweigen!

*Nachtrag: gerade noch einmal „überprüft“ – es zeigen sich erste kleine grüne Spitzchen ….!

J wie Jingle Bells

Die Advents- und Weihnachtszeit ist – fast überall – mit sehr viel Musik verbunden. Wobei Musik in diesem Zusammenhang sehr positiv klingt. Ich mag zwar Musik, aber ich bin doch eher „klassisch“ veranlagt und durchaus auch in bezug auf die Lautstärke empfindlich. Nichts gegen fröhliche Musik auf Weihnachtsmärkten – aber ich war oft enttäuscht, wenn dort eher laute „Partymusik“ zu finden war. Gelegentlich bin ich dann (im besten Fall mit einem guten Tässchen Glühwein) in eine stillere Ecke geflüchtet. Zu den „ewigen Klassikern“ gehört natürlich auch Jingle Bells. Ja, in schön gespielten Versionen mag ich die Melodie durchaus – leider sind nicht alle Versionen wirklich „schön“ und so verringert sich meine „musikalische Toleranz- und Schmerzgrenze“ doch im Laufe der Zeit. Für mich ist die Advents- und Weihnachtszeit eine fröhliche Zeit – aber muß eine fröhliche Zeit notwendigerweise auch eine laute Zeit sein? Manchmal fehlen mir die „Zwischentöne“ und die zarteren Klänge – sowohl was die Lautstärke als auch die Auswahl angeht und an den Feiertagen genieße ich es dann doppelt, wenn ich mir Tschaikowskys Nussknacker anhören oder die zeitlos schönen Melodien von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ mitsummen kann …… Weihnachten kann kommen, musikalisch bin ich vorbereitet!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen eine klangvoll schöne Zeit!